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Die Biographie des Heiligen Geistes von Christus

von T. Austin-Sparks

Kapitel 3 - (A) Das Wahre und das Falsche Leben

Wie ihr inzwischen alle wisst, beschäftigen wir uns in diesen Morgenversammlungen mit dem, was uns durch den Apostel Paulus in 2. Korinther 3,3 gelehrt wird, nämlich, dass der Heilige Geist eine geistliche Biographie von Jesus Christus in jedes Glied des Leibes Christi hinein schreibt. Um es noch anders zu formulieren: Die geistliche Geschichte und die Erfahrung von echten Gläubigen ist eine Repetition von dem, was für den Herrn Jesus galt, ausgenommen seine Gottheit. So müssen wir verstehen, dass der Heilige Geist das Leben des Herrn Jesus in uns wiederholt.

Bisher haben wir uns mit dem ersten Kapitel dieser Biographie beschäftigt: mit dem ewigen Band des Herrn Jesus, das in der Gabe des ewigen Lebens besteht. Das bedeutet, dass das, was den Herrn Jesus in seinem ewigen Leben zutraf, auch in jedem Gläubigen wahr wird.

Nun, letztes Mal habe ich nicht alles gesagt, was ich sagen wollte, so werde ich noch ein paar Dinge hinzufügen und dann hoffen, dass wir imstande sind, in das zweite Kapitel dieser Biographie hinüber zu gehen.


Das ewige Leben beherrscht alles

Lasst mich denn diese Wahrheit wiederholen. Das ewige Leben beherrscht die Geschichte und das Schicksal der Menschheit. Ohne das ewige Leben gibt es keine Hoffnung; die Menschheit wäre in einer hoffnungslosen Position. Das Schicksal derer ohne diese Gabe Gottes ist eine äußerst hoffnungslose Sache, denn es bedeutet ewigen Tod. Damit ist nicht Auslöschung gemeint, noch Vernichtung, sondern es bedeutet ewige Trennung von Gott; und wenn ihr wissen wollt, was das heißt, blickt auf den Herrn Jesus in den letzten Augenblicken am Kreuz und hört, wie er schreit: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»! Doch diese andere Seite, das ewige Leben, ist die Basis einer ewigen Hoffnung, so ist es exakt das Gegenteil. Darum ist das ewige Leben der beherrschende Faktor in der Geschichte und im Schicksal.

Das wir in der Bibel auf zwei Arten angezeigt. Es wird auf der ersten und auf der letzten Seite aufgezeigt, was bedeutet, dass die ganze Bibel zwischen dieser einen Sache liegt. Alles, was in der Bibel an Geschichte und Schicksal zu finden ist, liegt zwischen dem Kapitel 1 und dem letzten Kapitel, und in beiden Kapiteln beherrscht diese eine Angelegenheit des Lebens alles. Es ist deshalb alles beherrschend. Am Anfang wird es durch den Baum des Lebens im Garten angezeigt; am Ende im voll ausgewachsenen Baum in der Stadt angezeigt – den Baum des Lebens im Paradiese Gottes.

Was diesen Baum im Garten am Anfang betrifft (und es ist natürlich nur eine Figur, ein Symbol), ist er das Zentrum des Lebens, so zeigt Gott an, dass diese Sache namens Leben das Zentrum von allem ist. Das Leben konzentriert sich repräsentativ in diesem Baum, und ihr stellt fest, wie äußerst eifersüchtig Gott auf diesen Baum ist. Er ist so eifersüchtig, dass, als der Mensch dagegen sündigte, er eine feurige Mauer um ihn herum aufrichtete, und er traf jede mögliche Maßnahme dagegen, dass der Mensch ihn je wieder berühren konnte. Er sagte: «Damit nicht» - «damit er nicht seine Hand ausstrecke und ebenfalls vom Baum des Lebens nehme», und er stellte einen Cherub auf mit dem lodernden Flammenschwert. Es wäre eine sehr schwierige Sache geworden, ihn je wieder zu berühren, es sei denn, der Mensch befände sich in voller Gemeinschaft mit Gott! Gott ist sehr eifersüchtig hinsichtlich dieser Angelegenheit des ewigen Lebens! Dieser Baum ist symbolisch ein Prüfstein für die Beziehung des Menschen zu Gott. Es ist eine Herausforderung an den Menschen, was seine Beziehung zu Gott betrifft, oder, mit andern Worten, was seine richtiges Stehen vor Gott betrifft. Das Ganze hing an der Treue des Menschen Gott gegenüber, denn das war der Test. Ihr seht, der Mensch wurde einer Prüfung unterzogen. Dieses Leben sollte nur unter einer einzigen Bedingung verliehen werden: wird der Mensch Gott gegenüber treu sein oder nicht?

Lasst uns vom Symbol und vom Typus weg kommen. Dieser Baum ist ein Symbol für den Sohn Gottes, Jesus Christus, denn er ist der Baum des Lebens, und unsere Einstellung dem Herrn Jesus gegenüber wird über unser Schicksal entscheiden – ob wir ewiges Leben oder ewigen Tod haben werden. Wir wissen aus dem 1. Buch Mose, dass an dem Tag, da der Mensch bewies, dass er Gott gegenüber nicht treu war, dass er sowohl im Geist als auch in seiner Gesinnung dem Sohn Gottes nicht entsprach, er starb, und das ganze Geschlecht mit ihm. In Römer 5 sagt Paulus, dass der Tod in die Menschheit eingedrungen sei durch den Ungehorsam des einen Menschen; so entschied sich das Schicksal des ganzen Menschengeschlechtes an diesem Tag. Der Herr hatte gesagt: «Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sollt ihr nicht essen; denn an dem Tag, da ihr davon esst, müsst ihr gewiss sterben» (1. Mose 2,17). So starb der Mensch geistlich, weil der Tod Trennung von Gott bedeutet.

So sind wir dahin gelangt, wie unser Neues Testament es so vollständig lehrt: Der Herr Jesus ist der Test für unsere Beziehung zu Gott, und diese Beziehung entscheidet darüber, ob es Leben oder Tod sein wird. Der Herr Jesus ist mitten im Menschengeschlecht eingesetzt, um für die Menschheit über Leben oder Tod zu entscheiden. So beherrscht das ewige Leben alles.


Ewiges Leben in Jesus Christus reserviert

Nun achtet auf das Nächste. Der Herr trat in Aktion und stellte einen Zaun um diesen Baum des Lebens auf. Dabei sagte er: «Niemand soll unabhängig von diesem Baum Leben haben». Mit andern Worten: Es ist unmöglich, dass irgend jemand losgelöst vom Herrn Jesus Leben haben kann, denn dieses Leben ist im Sohne Gottes. «Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht» (1. Joh. 5,12). Leben ist daher in Jesus Christus reserviert und kann außerhalb von ihm nicht erworben werden. Nun, das ist natürlich sehr einfach und elementar, aber wir sind noch nicht fertig!

Ihr wisst, was im Garten geschehen ist: Satan war da, um Gott zum Lügner zu stempeln. Jesus sagte, Satan sei «ein Lügner, und der Vater der Lüge» (Joh. 8,44), und er befand sich dort im Garten, um Gott zum Lügner zu machen, oder etwa nicht? Merkt euch, es ist sehr wichtig, dass wir uns das heute einprägen, denn das ist stets Satans Art. Er akzeptierte die Situation im Garten nicht, und er akzeptiert nie irgend eine Situation. Es wird eine Zeit kommen, da er eine bestimmte Situation akzeptieren muss und keinesfalls imstande sein wird, etwas dagegen zu unternehmen, doch durch alle Jahrhunderte hindurch hat er sich geweigert, diese Situation zu akzeptieren und hat eine Lüge erzählt. So ist der Mensch einer Lüge Satans zum Opfer gefallen. Worin besteht Satans Lüge in Bezug auf das Leben? Er bietet ein falsches Leben an, eine andere Art von Leben, die aussieht wie die echte. Satan fälscht das echte Leben, und anstatt geistliches Leben zu sein, ist es bloß seelisches Leben. Kennt ihr den Unterschied zwischen geistlichem und seelischem Leben?

Satan attackierte das seelische Leben Adams. Ihr wisst, was die Seele ist, nicht wahr? Es ist eure Vernunft, eure Gefühle und euer Wille. Satan begann bei Adam mit Räsonnieren, und oh, was für eine gefährliche Sache ist es, mit Satan zu argumentieren! Räsonniere nie mit dem Teufel, oder, mit andern Worten, hört nicht auf seine Argumente! Es ist ein Stachel in seinem Schwanz! So kam Satan zuerst zur Vernunft des Menschen und begann mit Argumentieren: «Ja, hat denn Gott gesagt?» (1. Mose 3,1). Sogleich setzte sich eine Frage in Bezug auf Gott fest. Ein furchtbares Schicksal ist mit dieser Frage verbunden!

Dann appellierte Satan an Adams Gefühle, und, indem er auf die Frucht des Baumes von der Erkenntnis des Guten und Bösen zeigte, sagte er: «Sieh mal, wie herrlich und saftig diese Frucht ist! Wie begehrenswert sie doch ist!» So sah Adam die Frucht an und sagte: «Wie herrlich! Ich denke, die würde mir schmecken!» Seine Gefühle neigten sich ihr zu, und wenn Satan deinen Verstand und deine Gefühle gewonnen hat, ist es nicht weit bis zum Willen! Das Nächste war, dass Adam die Frucht nahm. Er benutzte seinen Willen, und der Schaden war angerichtet.

Das alles ist symbolische gemeint, aber, seht ihr, es enthält ewigen Prinzipien. Das ganze Königreich und die ganze Herrschaft Satans ist auf dieser Basis gebaut. Der Verstand, das Herz und der Wille der Menschheit sind vom Teufel gefangen genommen worden, aber es ist ein falsches Leben. Wie steht es mit allen Gefühlen in der Welt, sogar im Christentum? Es besteht ein großer Unterschied zwischen geistlichem, ewigem Leben und dem seelischen Leben. Es gibt so etwas wie ein falsches Leben, und dieses Etwas ist Satans Meisterstreich! Vielleicht erinnert ihr euch, dass es in der Geschichte Israels in der Wüste eine Zeit gab, als zwei von Aarons Söhnen falsches Feuer brachten und es auf dem Altar Gottes opfern wollten. Ihr wisst, was passierte! Ihr wisst alles über Gottes Eifersucht! Es gibt heute eine große Menge von falschem Feuer in dieser Welt. Es sieht zwar aus wie echtes Leben, wahres Leben, wie das, was von Gott stammt, aber es enthält eine Lüge, und die Frucht von diesem Baum schmeckt am Ende bitter.

Ich denke, wir befinden uns in einer Zeit der Geschichte dieser Welt, in der wir dies mehr als je zuvor verstehen sollten. Wie können wir den Unterschied zwischen dem wahren und dem falschen Leben herausfinden? Nun, ich denke, Johannes ist der große Bote diesbezüglich, denn seine Schriften zielen in besonderer Weise in diese Richtung. Er schrieb zu einer Zeit, da alles im Christentum verfälscht wurde. Es gab Christus und Anti-Christus. Tatsächlich gab es bereits viele Anti-Christusse, denn viele falsche Geister schwirrten herum. Es war eine Zeit, da Christen verführt wurden, und Johannes, der für diese Zeit schrieb, sagte: «Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass irgend jemand euch (diesbezüglich) belehre» (1. Joh. 2,27). In Tat und Wahrheit sagte Johannes: «Durch den Heiligen Geist, welcher der Geist des wahren Lebens ist, werdet ihr imstande sein, zwischen dem Wahren und Falschen zu unterscheiden.» Selbst wenn beide sich so sehr gleichen, wird der Geist in euch sagen: «Irgend etwas ist da nicht echt!»

Ich denke, dass eines der Dinge, die anzeigen, ob etwas wahr oder falsch ist, dies ist, ob es vom Menschen stamme oder nicht. Seht ihr, jene Söhne Aarons stellten ihren Weihrauch selber her, und sie benutzten dazu nicht dieselben Zutaten wie diejenigen, mit denen der echte Weihrauch hergestellt wurde. Es war etwas, das so aussah wie das echte, aber es war falsch, und der Geist Gottes kannte den Unterschied. Wir müssen sehr darauf achten, dass wir nicht falsches Feuer produzieren, denn das ist die Gefahr von starken Persönlichkeiten. Habt ihr beachtet, wie viele der Dinge, die wie Leben aussehen, von starken Persönlichkeiten herrühren? Es sind ungekreuzigte christliche Männer! Widersprechen sich diese Begriffe? Nein, das Kreuz muss zwischen Seele und Geist trennen, und wenn ihr seht, dass das Feuer von starken, beeindruckenden seelischen Menschen kommt, habt ihr allen Grund, seine Echtheit anzuzweifeln. Wenn das echte Feuer kommt, kommt es immer durch gekreuzigte Menschen.

Ich denke, der Apostel Petrus hätte eine Menge falsches Feuer produzieren können! Er war ein Mensch, der stets darauf aus war, die Dinge am Laufen zu halten. Immer eilte er frontal auf jemanden los, und er wollte sogar Jesus sagen, was er tun oder lieber lassen sollte. Das Christentum hätte trübe Aussichten gehabt, wäre es durch Petrus entstanden! Doch Petrus musste ans Kreuz gehen, und das echte Feuer des Heiligen Geistes kam erst, als er ein gänzlich zerbrochener Mann war.

Nun, vielleicht habe ich genug von dieser Angelegenheit gesagt, doch es ist etwas, das für uns in diesen Tagen zur Belehrung dienen sollte. Wir müssen unbedingt den Unterschied zwischen dem wahren und dem falschen Leben kennen, denn Satans Meisterwerk besteht darin, Gott zu imitieren.

Nun, können wir in dieser geistlichen Biographie mit dem nächsten Kapitel weiterfahren?


(B) Die Krise von Bethlehem

Ich möchte, dass ihr die folgenden Abschnitte sehr sorgfältig lest. Vielleicht glaubt ihr, sie zu kennen, doch bevor wir mit ihnen zu Ende sind, habt ihr eure Meinung vielleicht geändert und stellt fest, dass ihr sie nicht kennt!

Lk. 1,26-34; Mk. 10,42-45; Phil. 2,5-8.

Es muss in der geistlichen Geschichte jedes Gläubigen ein Bethlehem geben. Was ist das Bethlehem des Kindes Gottes? Ihr findet es nicht im Lukasevangelium, denn das ist das Bethlehem von Jesus Christus. Das Johannesevangelium enthält die geistliche Geschichte, und das Bethlehem des Gotteskindes kommt in Kapitel 3 vor: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr müsst von neuem geboren werden». Das ist Bethlehem!

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Der Verzicht des Herrn Jesus

Es begann mit dem Herrn Jesus nicht in der kleinen Stadt Bethlehem in Palästina. Ich habe es eine «Krise» genannt, denn es war ein Wendepunkt im Christentum, doch alles begann im Himmel. Ihr müsst hinter Bethlehem zurück und in den Himmel gehen und sehen, was dort geschah. Der ewige Sohn Gottes war dort, und er war Gott gleich. Er war eins mit Gott in der Position, und er besaß die ganze Fülle des Himmels und die göttliche Herrlichkeit. In Joh. 17,5 betete der Herr mit diesen Worten: «Vater, verherrliche mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war», und das war gewiss vor Bethlehem! Im Himmel also, bevor diese Welt existierte, existierte der Sohn Gottes und besaß die Herrlichkeit Gottes und hielt den Thron Gottes, den Thron des Universums, besetzt. Dann, wir reden eine menschliche Sprache, kam der Punkt, da etwas in dieser kleinen Welt geschehen musste. Gott hatte seinen Platz verloren, er wurde verworfen, und der Mensch hatte das verloren, was Gott sich für ihn gedacht hatte. Er hatte des ewige Leben, von dem Gott beabsichtigte, dass er es haben solle, verfehlt. Satan und der Menschen hatten sozusagen gemeinsam Gott aus dieser Welt hinaus geworfen, und es geschah im Stolz. Satan hatte gesagt: «Ich will in den Himmel hinauf steigen... ich will meinen Thron über die Sterne Gottes erheben... ich will dem Allerhöchsten gleich sein» (Jes. 14,13-14). Wir kennen das Ergebnis davon! Und der Mensch beteiligte sich an der Komplizenschaft mit Satan, und Gottes Platz und Gottes Leben gingen für den Menschen verloren. Es liegt so viel mehr in diesem Wort «verloren», als wir gewöhnlich glauben! Wir singen: «Ich war verloren, aber Jesus fand mich», aber wann wart ihr verloren, und was habt ihr verloren?

Hier befinden wir uns in einem ewigen Zusammenhang. Jesus sagte: «Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist» (Lk. 9,10), und während wir weitergehen, werden wir sehen, was das war.

In dieser Situation in der Ewigkeit sagte der Sohn: «Ich will mich aufmachen und alles zurückbringen. Vater, ich möchte diesen Dienst für dich tun. Ich weiß, was das bedeutet. Weil es stolz war, der all dies Unheil anrichtete, muss der Stolz in mir vernichtet werden. Weil es Ungehorsam war, der zu all diesen Problemen führte, muss Gehorsam das Gesetz meines Lebens sein». Nun, um es kurz zu machen, dort, weit zurück in der Ewigkeit, leistete der Herr den großen Verzicht. Er gab seine Position auf, entleerte sich seiner Fülle, erniedrigte sich, und dann trat er auf, um diesen Dienst für Gott zu tun, der darin bestand, Gottes Platz in dieser Welt und in diesem Universum zurück zu gewinnen. Das war die Krise von Bethlehem!

Kann das auch wahr sein! Ist dieses kleine Baby in der Futterkrippe von Bethlehem in der innersten Realität seines Wesens dieser ewige Sohn Gottes, der in den vergangenen Zeitaltern den Platz der erhabensten Majestät innehatte? Ist dieses kleine Baby derselbe, der mit der Herrlichkeit Gottes und mit dem ganzen Himmel erfüllt war? O, Wunder über Wunder, er hat tatsächlich den untersten Platz eingenommen! Was wäre ihm zugestanden? Doch, was er in Wirklichkeit hatte, war eine Futterkrippe in einem Stall! Es gab keinen Platz für ihn in der Welt, die er erschaffen hatte! «Er kam in das Seine, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf» (Joh. 1,11). Was für eine Krise in den Zeitaltern!

Das ist es, was im Himmel stattgefunden hatte. So seid ihr nicht mehr erstaunt, dass der Himmel alles Interesse an dieser Krise hatte! Zuallererst interessierte sich ein Erzengel, Gabriel, und dann lesen wir von himmlischen Heerscharen von Engeln, die sich interessierten, denn sie wussten etwas davon, was das bedeutete.


Marias Verzicht

Nun müssen wir zur wirklich wichtigen Sache kommen. Worauf konzentrierte sich das alles? Auf eine schlichte, galiläische Frau, die Maria hieß.

Wisst ihr, aus zwei Gründen haben wir etwas wirklich Wunderbares in diesem Zusammenhang verloren. Das ist wiederum ein Trick des Teufels! Satan möchte sich immer etwas Göttlichem bemächtigen und es dann diskreditieren, und die Kirche Roms hat in der Tat dieses Lebendige diskreditiert durch die Anbetung der Jungfrau Maria. Wenn ihr römisch-katholische Länder besucht und seht, welchen Platz dort die Jungfrau Maria einnimmt, dann revoltiert euer ganzes Wesen dagegen, und ihr möchtet nicht darüber reden. Das ist ein großer Triumph für den Teufel, wie ihr gleich in ein oder zwei Augenblicken sehen werdet.

Da ist noch etwas anderes, das uns zögern ließ, uns näher mit dieser Geburt Christi einzulassen, und ich denke, es ist entweder eine richtige oder aber falsche Empfindsamkeit. Wir sind so nett und so gut, nicht wahr, und wir lesen und reden nicht gern über diese Jungfrau Maria! Ich frage mich, wie ihr euch fühltet, als wir eben diesen Abschnitt im Lukasevangelium lasen! «Es ist wunderbar und sehr schön, aber bitter, wir wollen uns nicht lange dabei aufhalten! Lasst uns recht sentimental, recht korrekt, sehr gut und seht nett sein!» Wisst ihr, was ich meine?

Aus diesen zwei Gründen denn haben wir etwas verloren, das sehr göttlich ist, und ich glaube, die arme Maria muss erlöst werden. Sie muss an ihren rechten Platz zurück gebracht werden, und wir müssen eine neue Einschätzung dieser jungen Frau gewinnen. Ich habe eine Freundin, die eine Mutter Oberin in einer sehr hohen katholischen Körperschaft ist. Als ich sie kürzlich besuchte, nahm sie mich mit in die Kappelle, und als sie eintrat, verneigte sie sich vor der Jungfrau Maria. Ich euch nicht sagen, wie schlecht ich darauf reagierte! Doch sie tat es wieder, als wir hinaus gingen, und – nein, ich verneigte mich nicht! Meine Reaktion darauf war sehr schlecht, und ich habe etwas hinsichtlich Marias wieder gut zu machen.

Es besteht ein Bindeglied zwischen dem, was mit dem Sohn Gottes im Himmel geschah, als er sich «zu nichts» machte, und Maria. Macht bitte keinen Fehler! Maria musste einen großen Verzicht leisten, denn sie wusste, was das bedeutete, ohne Ehemann ein Kind zu bekommen. Ist das nicht die tiefste Schande, die einer Frau widerfahren kann? Bedeutet das nicht, dass sie all das, was an einer Frau so vornehm und ehrbar ist, geopfert hat? Angenommen, es wäre bekannt geworden, dass dieses Kind geboren wurde und Josef nicht sein Vater war! Wer war dann der Vater? Das ist Gesprächsstoff für die Leute! Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute im bösartigen Nazareth nicht bereits Gerüchte verbreitet haben, denn zu einem bestimmten Zeitpunkt bewarfen ihn einige der Feinde Jesu Christi damit, wenn sie sagten: «Wir sind sind nicht unehelich geboren!» (Joh. 8,41). Ist das nicht schrecklich, furchtbar? Ah, Maria wusste, was das hieß! Sie wusste, dass sie, wenn dies in die Welt hinaus posaunt wurde, sie als eine der ehrlosesten Personen der Welt gelten würde. Alle würde auf sie hinabsehen. Sie fürchtete sich davor, und mehr als dies: «Sie erschrak sehr». Der Engel Gabriel jedoch las, was in ihrer Seele vorging, denn er sagte: «Fürchte dich nicht, Maria!» Nie in der Geschichte brauchte eine Frau dieses Wort mehr als Maria an diesem Tag! Sie hat die Situation angenommen und realisierte plötzlich, in was sie da verwickelt wurde! Der Engel Gabriel sagte: «Maria, du bis eine besonders begnadigte Frau. Gott hat dir mehr Gnade erwiesen als allen andern Frauen». Und das Wort, das der Engel benutzte, war «Gnade». «Gott hat mehr als auf irgend eine andere Frau seine Gnade auf dich gelegt»». Nun, sie erwog die ganze Angelegenheit, sie realisierte, was das bedeutete, sie wusste, dass wenn sie sich unter die Leute mischte und die Leute darüber Bescheid wussten, sie reden –würden (und die Welt gibt einer solchen Sache niemals eine göttliche Bedeutung!. Ihr wisst, in was für einer Welt wir leben), und da sagte sie – passt auf! - «Siehe, die Magd (gr. Sklavin) des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!» Ich lege großen Nachdruck auf das Wort «Sklavin»! Hat Maria hier sich der Ehre einer Frau entäußert? Das hätte es natürlicherweise bedeutet. Hat Maria sich gedemütigt, indem sie gehorsam sein wollte bis zum Tod? Denn, ihr wisst, eine solche Frau wäre in Israel gesteinigt worden, und auch sie wusste das. Sie begab sich an den untersten Platz. Aber welches Wort benutzte sie? «Sklavin», «Magd» des Herrn! – die Dienerin Gottes.

Nun öffnet sich uns die ganze Bibel! Bevor die Bibel begann, sagte der göttliche Sohn: «Ich will dein Diener sein, Vater. Ich will hinab steigen und dein Sklave sein». Und von allem Anfang an war Gott bestrebt, Diener zu haben. Ihr habt eine lange Linie von Dienern Gottes in der Geschichte dieser Welt: Abel, Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Moses, und weiter geht es zu Jesaja, dem Propheten, der sagte: «Israel, mein Dienere (Knecht)» (Jes. 41,8). Sie waren das des Dienstes.

Das ist es, wonach Gott sucht, doch ist es stets eine sehr kostspielige Angelegenheit. Es kostete Abel das Leben, denn er war gehorsam bis zum Tod; Henoch fand, es sei nicht mehr länger möglich, in einer Welt wie dieser zu leben; und so könntet ihr weiterfahren.


Was ist Dienst?

Aber wo führt das uns hin? Der Punkt, um den es geht, lautet: Was ist Dienst? Was bedeutet es, der Diener Gottes zu sein? Könnt ihr euren Finger darauf legen? Geht noch einmal zu Maria zurück. Was ist das Gesetz? Gott in diese Welt zurück zu holen, und das ist der einzige Dienst Gottes. Der Dienst wird in dieser einen Sache zusammen gefasst – Platz zu machen für Gott, Gott an seinen richtigen Platz zurück zu bringen, dafür zu sorgen, dass er nicht aus seiner Welt ausgeschlossen wird. Die Gegenwart Gottes ist das große Gesetz von allem im Dienst. Maria brachte Gott in diese Welt zurück, deshalb war sie hoch begnadigt, überragend geehrt. Es war nicht einfach ein gewöhnlicher Engel, oder ein kleiner Cherub, der zu ihr geschickt wurde, sondern der Erzengel Gottes höchst persönlich wurde von Gott zu dieser Frau Maria geschickt, weil sie das Gefäß oder der Kanal werden sollte, durch den Gott in diese Welt zurück gebracht wurde. Ist das nicht ungeheuerlich? Ist Maria nun erlöst? Hat sie einen neuen Platz gefunden? Doch es ist nicht Maria an sich. Es ist Maria als Magd, als Sklavin Gottes. Und es ist nicht das, was wir in uns selbst sind, sondern darum geht es, wie viel von Gott einfach dadurch, dass wir hier sind, in diese Welt zurück gebracht wird.

Liebe Freunde, ist es das, was der Dienst Gottes für euch bedeutet? Es geht nicht um den Ort, noch um die Person. Der Ort mag ein Stall, und die Person eine einfache Frau sein. Es ist nichts von der Herrlichkeit dieser Welt. Oh, wie sehr haben sich die Menschen doch diesbezüglich getäuscht! Sie meinen, um Gott gegenwärtig zu haben, müssten sie ein sehr ausgeklügeltes Gebäude haben, mit ein paar sehr wichtigen Personen, der Lord so und so und der Baron so und so, mit einer Kathedrale hier und einer Kathedrale dort – Dabei sagt das Wort: «Der Höchste wohnt nicht im Tempeln, die von Händen gemacht sind» (Apg. 7,48). Wo ist Gott? «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte» (Mt. 18,20). Das kann überall sein, in allem, doch der Punkt ist der: Wir sind als Volk Gottes hier, liebe Freunde, um seine Diener zu sein, und wahrer Dienst besteht darin, Gott dorthin zurück zu bringen, wo ihr seid. Versteht ihr das? Warum bin ich hier? Warum seid ihr hier? Warum seid ihr, wo immer ihr seid? Unsere Gegenwart sollte stets auch die Gegenwart des Herrn bedeuten.

Seht ihr, Gott trachtete stets nach einem Platz für seine Füße durch alle Zeitalter hindurch. Er hat die Männer erweckt, die ich erwähnt habe, damit er in diese Welt zurück gebracht werden sollte. Er erweckte Israel, um ihn zurück zu bringen, und sagte: «Sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne» (2. Mose 25,8). Das Alte Testament dreht sich um dieses Eine – um ein paar Männer, die Gott zurück bringen. Das ist die Bedeutung des Priestertums, denn es war nur dazu da, Gott zurück zu bringen. Das ist auch die Bedeutung des Königtums. Der überragende König sagte: «Ich will nicht in das Zelt meines Hauses gehen, noch mein Ruhelager besteigen, ich will meinen Augen keinen Schlaf gönnen und meinen Augenlidern keinen Schlummer, bis ich eine Stätte gefunden habe für meinen Herrn» (Ps. 132,3-4). David war ein sehr unvollkommener Mann, und auch Maria, so nehme ich an, war eine sehr unvollkommene Frau, doch es war das, wo ihr Herz war, und was der Zweck ihres Lebens war, was zählte, und das war, den Herrn zurück zu bringen. Israel wurde erweckt, um Gott mitten unter die Nationen zurück zu bringen. Letzten Endes versagten sie, und das Alte Testament geht so zu Ende. Dann aber öffnet ihr das Neue Testament mit Maria von Nazareth, und Gott kehrt durch diese schlichte Frau zurück.

Ich wiederhole, es ist eine kostspielige Sache, für Gott da zu sein, dennoch ist es etwas Herrliches, denn der Himmel ist daran interessiert. Die Engel Gottes frohlocken, wenn irgend etwas von Gott in dieser Welt sichtbar wird. Die Weisen und die Hirten wunderten sich alle, was das alles bedeuten sollte. Sie verstanden es nicht – doch da war jemand anders, der wusste, was es bedeutete, und dieser, der die Gegenwart Gottes repräsentierte, war ein Kennzeichen für Satan. Satan hatte einen bösen Mann in Jerusalem, und dieser Mann massakrierte alle kleinen Jungen, um diesen Einen zu kriegen. Die Furcht und der Hass der Hölle waren voll auf das gerichtet, was von Gott war, und hätte die Hölle das austreiben können, hätte sie es getan. Erklärt das nicht eine Menge von unserer geistlichen Erfahrung? Gewiss könnt ihr jetzt die Biographie erkennen, die in unserer geistlichen Erfahrung geschrieben wird! Wenn ihr für Gott hier steht, ist der Himmel auf eurer Seite, doch die Menschen werden euch nicht verstehen. Die Hölle wird euch hassen und alles tun, um euch los zu werden.

Oh, wirft das nicht eine Menge Licht auf das, was heute geschieht? Der Kommunismus ist antigöttlich, und er ist das Allersatanischste, das die Geschichte je gekannt hat. Er sagt: «Befreit euch von Gott!», und so ist er das große Instrument Satans unter den Nationen. Der Kampf darum, den Grund für Gott zu halten, wird sehr intensiv.

Das soll alles testen. Es soll der Test sein für euer eigenes Leben. Wie viel vom Herrn ist in diese Welt gekommen, weil wir da sind? Das wird darüber entscheiden, ob wir des Herrn Diener sind oder nicht. In den kleinen Versammlungen des Volkes Gottes, wo sie zusammen leben und zusammen arbeiten, sind es nicht die äußeren Dinge, auf die es ankommt, sondern darauf, wie viel vom Herrn da ist. An den Orten, wo Gott euch in dieser Welt hingestellt hat, bedeutet da die Tatsache, dass ihr dort seid, dass auch der Herr dort ist? Das ist die Krise von Bethlehem.

Ich denke, ich habe genug gesagt. Es ist etwas, das unsere Herzen erforschen soll, und wir müssen einfach sagen: «Herr, mach mich zu einem Ort, wo du in dieser Welt bist!».

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