Gottes Neues Israel
von T. Austin-Sparks

Teil 4 - Gottes Neues Israel

Am Anfang dieser Botschaften machten wir eine Aussage, die all das abdecken sollte, was folgen würde. Diese Deklaration sagte aus, dass das Neue Testament auf der Grundlage des Alten Testamentes aufgebaut ist; d.h., was Gott damals auf zeitliche begrenzte und irdische Weise getan hat, tut er nun auf eine himmlische und geistliche Weise. Es gibt keine Änderung bezüglich seines Vorsatzes, oder seiner Grundsätze; was sich ändert, ist die Methode. Sein einer Vorsatz ist dies, dass er aus den Nationen ein Volk für seinen Namen herausgreift (Apg. 15,14). In diesem Abschnitt der Weltgeschichte arbeitet Gott daraufhin, sich aus den Nationen ein neues, geistliches Israel zu sichern (Gal. 6,16 und der ganze Kontext von 1. Petr. 2,4-20; achtet besonders auf Vers 10). Er konstituiert dieses geistliche Israel aufgrund der Prinzipien des alten Israel. Das erste Israel versagte, es übertrat all seine geistlichen Prinzipien und brach seinen Bund (Hebr. 8,9). (Beachtet die ganze natur und die Absicht des Briefes an die Hebräer!). Dies ist die Nation, auf die Christus sich bezieht, als er zum «offiziellen» Israel sagte: «Das Königreich der Himmel wird von euch genommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte hervorbringen wird», d.h. die Früchte des Königreichs der Himmel, ein Satz, der stets das Evangelium an alle Nationen meint. Dies ist eine Nation aus allen andern Nationen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass eine große Anzahl von Bibelstudenten mich sozusagen umdrängen, fieberhaft darauf aus, mich hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Nation mit allen Fragen im Zusammenhang mit Palästina und den gegenwärtigen Entwicklungen dort unten herauszufordern. Diese ganze Angelegenheit hat die Bibellehrer und deren entsprechende Nachfolger in zwei Hauptschulen gespalten. Dr. Schofield führt die eine Schule an, d.h. die des «suspendierten Königreichs» mit einer klaren Zukunft für die jüdische Nation. Dr. Campbell Morgan hingegen (hervor-ragender Bibellehrer in seiner Generation) verneinte kategorisch die Lehre einer Zukunft für Israel (als solchem). Wir weigern uns, in die Auseinandersetzung für die eine oder andere dieser Richtungen hineingezogen zu werden. Was wir jedoch mit Nachdruck sagen, ist dies, dass für diese Heilszeit, «auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist...» (Hebr. 9,26), das irdische Israel im Zustand der Verwerfung ist, und dass das neue, himmlische Israel - die Gemeinde - im Vordergrund des Werkes Gottes steht. Rührt auf irgend eine Weise an diese Erde und an diese Welt, und ihr berührt Verwirrung, Frustration und Tod! So sagen wir mit Nehemia: «Ich tue ein großes Werk, so dass ich nicht hinabkommen kann».

Niemand kann auch nur einen Augenblick annehmen, dass, was wir bisher gesagt haben, beweise, dass wir für die Juden nichts übrig hätten. Die Juden tragen genau so viel zu dem neuen Israel bei wie die Heidenvölker, aber nicht als Juden oder Heiden, sondern als eine neue Schöpfung. Wir sind ebenso sehr am Heil der Juden interessiert wie am Heil für sonst irgend jemand!

Lasst uns mit der Sache, die wir vor uns haben, fortfahren. Wir wollen uns nun mit der EMANZIPATION ISRAELS beschäftigen.

Es gibt im Alten Testament wenige Dinge, denen ein größerer Platz eingeräumt wird als die Emanzipation Israels aus Ägypten, und das Neue Testament macht sehr deutlich, dass Gott sein neues Israel nach denselben Grundsätzen aus den Nationen herausgreift, wie er das alte Israel herausgriff. Wenn dies für euch nicht klar ist, dann müsst ihr euer Neues Testament noch einmal im Lichte dessen lesen, was wir soeben gesagt haben. Alles, was ich tun kann, ist dies, dass ich meinen Finger auf einige dieser geistlichen Prinzipien der Emanzipation lege; doch, auch wenn die Emanzipation des alten Israels etwas Ungeheures war, werden wir gleich sehen, indem wir weiterfahren, dass die Emanzipation des neuen Israels etwas noch viel Größeres ist. Das heißt, dass ein wahres Kind Gottes zu sein etwas viel Größeres ist, als ein Jude aus dem Volk Israel zu sein.

Nun, wie ihr seht, befinden wir uns in den frühen Kapiteln des Buches Exodus, und später vielleicht werden wir zum Buch Numeri weitergehen.

Nun zu einigen dieser geistlichen Prinzipien.

1. Die Emanzipation Israels aus Ägypten hatte einen geistlichen Hintergrund

Wie umschrieb Gott selbst diese Emanzipation? Er fasste die ganze Angelegenheit in Exodus 12,12 mit einem einzigen Satz zusammen: «An allen Göttern Ägyptens werde ich Gericht üben».

Es betraf also nicht in erster Linie Pharao selbst, denn er war nur ein Werkzeug; auch waren es nicht in erster Linie die Ägypter, denn sie waren bloß die Opfer. Es waren die Götter Ägyptens (auf die es Gott abgesehen hatte). Hinter dem Pharao und hinter den Ägyptern stand ein böses, geistliches System - und es gibt einen Vers im Neuen Testament, der uns alles darüber sagt: «... Fürstentümer... Gewalten ... Weltbeherrscher dieser Finsternis... geistliche Mächte der Bosheit» (Eph. 6,12). Solche waren alle Götter Ägyptens und der Ägypter, die dem einen Gott Israels entgegen standen, es ging also um eine Auseinandersetzung zwischen Gott und den Göttern Ägyptens.

Ich nehme mir nicht die Zeit, ins Detail zu gehen, doch die Ägypter beteten den Nil an. Es gab den Gott des Nils - und so verwandelte Gott den Fluss Nil in Blut. Die Ägypter beteten die Frösche an. Die Frösche waren in Ägypten ebenso heilig wie in Indien die Kühe. Dies zeigt ganz einfach, dass Gott hinter die Dinge ging und sich mit einem großen geistlichen System befasste. Die Emanzipation Israel war eine Emanzipation von einem geistlichen System - und dasselbe gilt für die Emanzipation jedes Gläubigen von diesem Weltsystem. Diese Welt wird von einem geistlichen System beherrscht, das sich hinter ihr verbirgt, und jeder Mann und jede Frau befindet sich in Knechtschaft unter diesem System. Das Wort Gottes sagt, «die ganze Welt liege im Argen» (1. Joh. 5,19), und wenn ihr das nicht von selbst glaubt, dann schlage ich vor, ihr versucht, diesem Weltsystem zu entrinnen. Da würdet ihr feststellen, dass eure Emanzipation eine weit größere Sache ist, als ihr glaubt.

So ist die Emanzipation Israels und der Gemeinde die Befreiung aus dem geistlichen Hintergrund eines mächtigen Systems, und die Erlösung ist etwas Ungeheures.

2. Die Emanzipation Israels war die Zurschaustellung einer letzten Stärke

Natürlich hätte Gott Ägypten mit einem einzigen Wort auslöschen können. Er, der das (schöpferische) Wort sprach, und die Welt trat in Erscheinung, hätte sprechen können, und Ägypten wäre aus der Geschichte ausgeschieden. Aber Gott lehrte die Menschen eine große Lektion. Er lehrte nicht sich selbst. Zuerst lehrte er dieses Prinzip in Ägypten, und er lehrte etwas für Israel, für das alte und das neue, für die Nationen und den Teufel.

Hier haben wir letztlich eine Zurschaustellung letzgültiger Macht. Langsam aber stetig entzieht er diesem bösen System seine Kraft, er erschöpft alle Kräfte dieser bösen Fürstentümer. Jedes dieser zehn Gebote ist eine Vergrößerung des einen, das allen voraus ging. Gott sagt: «Wenn ihr mir hier widersteht, gut, dann könnt ihr noch etwas mehr haben!» und ihr stellt fest, dass er bei der zehnten Plage weit über alle zehn Mächte der Ägypter hinaus gegangen ist. «Der letzte Feind, der vernichtet werden wird, ist der Tod» (1. Kor. 15,26). Er ist die volle und letzte Gewalt gegen Gott, doch die «Kraft seiner Auferstehung» ist «seine alles überragende Größe seiner Kraft», und sie übersteigt alle Kräfte in diesem Universum.

Liebe Freunde, haben wir wirklich die Größe unserer Errettung verstanden? Haben wir wirklich schätzen gelernt, was es bedeutet, ein Glied dieses neuen Israel zu sein? Was war der große Ton der Apostel, während sie über diese Welt gingen? Menschen und Teufel haben den Fürsten des Lebens getötet! Sie taten das Letzte, was sie tun konnten, doch der Jubelruf der Apostel ist überall der: «Gott hat ihn auferweckt! Ihr habt ihn getötet, aber Gott hat ihn auferweckt!» Das liegt jenseits aller Kraft sowohl böser Geister als auch der Menschen, und es stellt ein Prinzip dar, gemäß dem Gott sein neues Israel konstituiert. Kein Wunder, dass der Apostel Paulus, der dies gesehen hat, ausrief: «Oh, wenn ich ihn doch erkennen könnte, und die Kraft seiner Auferstehung! Wenn dies zur Gemeinschaft seiner Leiden führen sollte, also gut!» Es war die Zurschaustellung einer letzten Stärke, gegen die die Pforten der Hölle keine Chance hatten.

3. Die Emanzipation Israels war ein Ausdruck der Tugenden des Blutes des Lammes

Ihr kennt 2. Mose 12, wo die Passahlämmer geschlachtet werden, aber ich frage mich, ob ihr auch wisst, wo die Passahlämmer geschlachtet wurden! Es gab keinen Tempel, keine Stiftshütte und keinen Altar, wo also wurde diese Lämmer geschlachtet? Sie wurden auf der Türschwelle von jedem Haus geschlachtet, und das Blut des Lammes wurde an die beiden Seitenpfosten und an den Türsturz gesprengt. Was habt ihr also da? Einen Blutkreis - eine nationale Beschneidung. Die Nation wurde in dieser Nacht beschnitten, und die Beschneidung war bekanntlich das Zeichen des Bundes, das Zeichen, dass dieses Volk Gottes Volk war. Sie befanden sich in einem Blutsbund mit Gott, und das ist ein Bund des Lebens. Die Ägyptern standen nicht unter diesem Bund. Ihr Erstgeborener starb in jener Nacht, doch Israel lebte, und sie zogen durch diesen Blutkreis hinaus (in die Freiheit) - die mächtige Tugend des Blutes des Lammes.

Nun, alle Christen wissen das! Unser Christenleben beginnt ja genau dort, mit der mächtigen Tugend des Blutes Jesu, und es wird auch dort enden. Die Fülle von Gottes neuem Israel, herausgenommen aus jeder Nation, jeder Verwandtschaft und Sprache! Was singen sie dort in der Herrlichkeit? «Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde!» (Offenb. 5,12). Oh, die machtvolle Tugend des Blutes des Lammes! Dankt ihr Gott nicht jedesmal, wenn ihr betet, dafür? Ich kann nie beten, ohne an das kostbare Blut zu denken, denn es ist der Weg aus dem Tod zum Leben.

4. Die Anwesenheit Israels in Ägypten war ein Ausdruck der Bedrohung, die die Auserwählten für die Welt bedeuten

Dieser Kampf in Ägypten offenbarte eine wunderbare Sache - welche Bedrohung der Erwählte für die Welt darstellt. Die Anwesenheit Israels in Ägypten war wie ein Dorn in der Seite der Ägypter, und jeden Tag verspürte der Pharao diesen Dorn in seinem Fleisch. Er sagte sich: «Da gibt es ein Volk in meinem Reich, das für mein Königreich eine Bedrohung darstellt. Ich ließ ihre männlichen Babies töten, und doch sind sie jetzt zu 600 000 Männer angewachsen, ohne Frauen und Kinder. Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Wenn die so weitermachen, dann bleibt für mich kein Platz mehr übrig, oder sie werden das Königreich dieser Welt übernehmen». Ist euer Sinn ins neue Testament hinüber gesprungen? «Was soll ich bloß mit diesem Volk machen? Ich werde ihnen die Dinge so schwer machen wie ich nur kann, ich werde alles unternehmen, was ich kann, damit sie meinen Interessen dienen». Könnt ihr das Werk des Teufels in dieser gegenwärtigen Zeit erkennen? Macht es der Fürst dieser Welt dem Volk Gottes so schwer wie er nur kann? Hat er es darauf abgesehen, dass sie seinen Interessen dienen? Das ist die Natur des Kampfes, und ihr braucht nur in die Wüsten hinüber zu springen zum Herrn Jesus während der vierzig Tage und Nächte. Der Fürst dieser Welt kam persönlich zu ihm und versuchte, ihn zu einem Kompromiss zu verleiten, die Königreiche dieser Welt unter seinen Bedingungen zu akzeptieren. «All das werde ich dir geben, wenn du mich anbetest! » Wenn du meinen Interessen dienst, gebe ich dir dafür einen Preis». Und hinter seinen Worten steckte dies: «Wenn du es nicht tust, dann wehe dir! Dann wird es für dich ein Kreuz abgeben! Und ich werde alle meine Fürstentümer und Mächte versammeln und sie auf dich an diesem Kreuz konzentrieren». Der Herr Jesus gewann den Sieg in diesem Kampf! Der Teufel tat sein Äußerstes, aber wie lautet das Urteil des Wortes Gottes? Lest es nochmals im Brief an die Kolosser: «Er hat die Fürstentümer und die Gewalten entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt, und er hat an seinem Kreuz über sie triumphiert».

Liebe Freunde, das bezieht sich auf das neue Israel. Es gilt für uns hier. Wir als Volk des Herrn in dieser Welt stellen für Satan eine Bedrohung dar, eine Bedrohung und Gefahr für sein Königreich, und er weiß, dass, wenn er uns nicht vernichtet, wir das Reich einnehmen werden - und, preis dem Herrn, nehmen wir es ein. «Fürchte dich nicht, kleine Herde, denn es ist das Wohlgefallen eures Vaters, euch das Königreich zu geben» (Lk. 12,32). Doch was für ein großes Wort: «Fürchtet euch nicht!»

Nun, das sind vier mächtige Prinzipien. Natürlich könnten wir Stunden mit jedem einzelnen zubringen, doch «was siehst du?» Bekommst du ein wenig Licht? Könnt ihr sehen, dass Satan alles in seiner Macht Stehende versucht, um euch davon abzuhalten, aus seinem Reich auszubrechen? Wenn ihr euch immer noch in geistlicher Knechtschaft befindet, dann führt es nicht auf sekundäre Gründe zurück. Sagt nicht: «Nun, es ist wegen dem und dem ... es ist wegen meinem Mann ... es ist wegen meiner Frau», und es könnten auch Tausend und ein Grund sein. Macht euch direkt an die Wurzelursache heran! Wenn ihr in geistlicher Gefangenschaft und Finsternis seid, dann ist es der Fürst dieser Welt, der euch ins Gefängnis gebracht hat, und ihr müsst an den Sieg appellieren, den der Herr Jesus am Kreuz errungen hat, und eure Position durch Glauben an die Kraft des Blutes Jesu einnehmen.

Wenn ihr ein echtes Kind Gottes seid, wenn ihr aus der Knechtschaft heraus gekommen seid, könnt ihr nun erkennen, warum der Teufel euch so sehr zusetzt? Seht ihr, warum er es für euch so schwer macht, wie er nur kann? Die Erklärung dafür ist, dass er sich vor euch fürchtet! Ja, Satan fürchtet sich vor der wahren Gemeinde. Er fürchtet sich überhaupt nicht vor einer nachgeahmten Kirche, vor dem falschen Israel, sondern er fürchtet sich vor den Erwählten, und er macht es ihnen nicht leicht.

Die neue Welt

Nun, das Volk hat seine Knechtschaft in Ägypten hinter sich und steht dem Herrn zur Verfügung. Wie geht es weiter? Sie befinden sich an einem neuen Ort, einem Ort, wo sie nie zuvor waren. Nichts an diesem Ort ist ihnen vertraut. Sie sind nun in einer anderen Welt, vollkommen verschieden von der, in der sie bisher gelebt haben. Ja, sie haben eine echte Freude darüber, jetzt draußen zu sein, und sie singen ihr Lied der Erlösung: «Ich bin erlöst, o preist den Herrn!» Doch was ist das für eine Welt, in die sie - und auch wir - gekommen sind? Wir sind Fremdlinge in dieser Welt! Was sagt denn Petrus? «Ich ermahne euch als Fremdlinge und Wanderer...» (1. Petr. 2,11). Irgendwie hat es den Anschein, als gehörten wir nicht hierher, und wir müssen alles von Neuem lernen. Nun, in Ägypten konnten wir wenigstens sehen, wo unser Brot herkam. Es war vielleicht nicht ganz so, wie wir es uns gewünscht hätten, doch jedesmal, wenn wir Nahrung brauchten, gab es zumindest etwas zu sehen. Wir wussten, dass zu einer bestimmten Zeit jemand ins Horn stoßen und ausrufen würde: «Essenszeit, zur Essensausgabe antreten!» Wir konnten viele Dinge sehen in Ägypten! Die Dinge waren derart, dass wir mit ihnen umgehen konnten, und wir wussten, dass die Mahlzeiten zur rechten Zeit ausgeteilt werden würden, doch was für eine Art von Leben ist dies hier? Hier können wir gar nichts sehen! Wir wissen ganz einfach nicht, was hier draußen passieren wird! Wir sind vollständig von einer übernatürlichen Kraft abhängig. Das ist ein äußerst unnatürliches Leben! Gut, von Zeit zu Zeit wirkt der Herr ein Wunder. Wir haben eine absolut wunderbare Erfahrung mit ihm gemacht, aber dann sah es aus, als würde er verschwinden und uns allein lassen, und dann fängt dieses unnatürliche Leben an. Wisst ihr, wovon ich rede? Trifft das auf das Christenleben zu?

Wir sind an einen neuen Ort gekommen, und an diesem Ort muss der Herr für alles sorgen. Wir müssen ihn jeden Tag auf die Probe stellen, und wir werden durch eben diesen Ort getestet, an den wir gekommen sind. Wir sagen: «Wir ziehen mit dem Herrn hinaus». Schön und gut, aber wisst ihr auch, was das heißt? Es heißt, dass wir zum Herrn hinausziehen, zum Herrn allein. Da draußen an diesem neuen Ort scheinen wir zwischen Himmel und Erde zu hängen. Was bedeutet dieser neue Ort? Nun, alle unsere natürlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten sind nutzlos. Ich bin mehr als einmal über jene Wüste geflogen in den Tagen der Luftschiffe, die nichts sehr hoch flogen, und aus sechstausend Fuß Höhe konnte ich alles in der Wüste erkennen; und da kam ich zum Schluss: Es wäre hoffnungslos, da irgendwo den Pflug anzusetzen, oder Getreide zu säen! Das würde bald das Herz jedes Farmers brechen! Ein komisches Leben während dieser vierzig Jahre. Nur der allmächtige Gott könnte euch da am Leben erhalten. So war es für jenes Volk - doch was bedeutete dieser neue Ort?


Die Motive getestet

Zuerst einmal war es der Ort, wo ihre Motive getestet wurden. Welches Motiv hat euch an diesen Ort gebracht? Bist du aus eigenem Interesse zum Herrn oder für den Herrn hinausgezogen? Wenn dein Motiv ein «Eigen-»motiv war, dann wirst du dort draußen umkommen, doch wenn es wirklich für den Herrn geschah, wird nur er euch durch das hindurch bringen können.


Probezeit für ein Leben in der Kraft des Heiligen Geistes

Das Zweite hinsichtlich dieses neuen Ortes war, dass es die Probezeit für ein Leben in der Kraft des Heiligen Geistes war. Das Buch Josua ist das Buch der Kraft des Heiligen Geistes, und es zeigt, dass ihr nie zu dieser Kraft kommt, wenn ihr selbstsüchtige, persönliche Motive habt. Eure geistliche Beschneidung wird dort auf die Probe gestellt: Ist wirklich alles vom Herrn, oder gibt es da noch irgend etwas von mir selbst?

Im Neuen Testament sind es zwei Bücher, die gerade an diesen neuen Ort hingesetzt worden sind, und ihr findet darin Christen zwischen Ägypten und dem (verheißenen) Land; und alles ist da eine Frage des Motivs.

Im ersten Brief an die Korinther sind die Christen mit Israel in der Wüste. Ihre Motive werden getestet, und in Kapitel 10 wird Israels Versagen in der Wüste als Warnung an die Christen verwendet.

Dann gibt es auch den Brief an die Hebräer. Es gab eine Zeit, das Israel in der Wüste sagte: «Lasst uns nach Ägypten zurückkehren! Die Dinge sind für uns auf diese Weise zu schwierig». Stephanus sagte in Apostelgeschichte 7:«(Sie) kehrten in ihrem Herzen nach Ägypten zurück». Ihr seht, ihre Herzen waren nicht wirklich beschnitten. Im Brief an die Hebräer waren jene hebräischen Christen, die eine schwere Zeit durchmachten, geneigt, zurückzufallen, und Israels Beispiel wird als eine sehr ernste Warnung verwendet, und der Verfasser sagt: «Sie (Israel) waren nicht imstande, ins Land hineinzukommen wegen ihres Unglaubens» (Hebr. 3,19). Doch das Wort im Hebräerbrief lautet wieder und wieder: «Lasst uns voran gehen!» «Lasst uns... lasst uns... lasst uns...» «Lasst uns deshalb allen Fleiß anwenden, in diese Ruhe einzugehen, damit niemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams zu Fall komme» (4,11). Diese Welt besitzt eine gewaltige Macht, und diese Macht wird dazu eingesetzt, um uns daran zu hindern, zu Gottes vollem Vorsatz voran zu schreiten. Zuerst wird sie alles tun, was sie nur kann, um uns davon abzuhalten, zu Gott hinauszuziehen; und dann wird sie ihre Macht zu benutzen, um uns zur Rückkehr zu bewegen. Aber es gibt eine weitere Kraft, die Gott so nennt: «die Kraft, die in uns wirkt» (Eph. 3,20), und das ist eine verborgene und geheime Kraft. Ihr möchtet sie spüren, aber ihr könnt sie nicht spüren. Welches ist der Beweis für diese Kraft? Wie könnt ihr wissen, dass es eine Kraft gibt, die in euch wirkt, die größer ist als jede andere Kraft in dieser Welt? Wie kann ich das wissen? Manchmal hatte ich den Eindruck, der Teufel habe schon fast alle seine Tricks ausgespielt, um mich an den alten Ort zurückzubringen! Ich sage das sehr vorsichtig - aber wie kann ich wissen, dass es da eine größere Kraft gibt? Weil ich nach all dem, was der Teufel versucht hat, und nach mehr als sechzig Jahren da draußen beim Herrn, noch immer vorangehe! Nicht durch Macht, und nicht durch menschliche Kraft, und nicht wegen irgend einem von uns; wir werden «bewahrt durch die Kraft Gottes», und wir kennen diese Kraft, weil wir heute noch immer mit dem Herrn hinausziehen. Das ist etwas Gewaltiges, wenn man bedenkt, was alles sich dagegen aufmachte.

«Was siehst du?» Bekommst du ein bisschen mehr Licht? Ich hoffe, das werde eine ganze Menge erklären!


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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