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Der Beständige Vorsatz Gottes

von T. Austin-Sparks

Kapitel 12 - Ein Strom, der nicht zu durchqueren ist: Die Fülle des Geistes

Wir kommen zum Ende unserer gemeinsamen Zeit, und das bedeutet, dass es noch eine große Menge in Hesekiel gibt, die wir nicht mehr betrachten können. So schlage ich vor, dass wir heute Morgen dem Kapitel 47 unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Wie ihr wisst, ist dies das Kapitel vom Strom. Ich nehme an, dass ihr das Kapitel gut genug kennt, dass es nicht nötig ist, es ganz durchzulesen. Dagegen sollten wir das zweite Kapitel der Apostelgeschichte lesen, weil ich den Eindruck habe, dass Hesekiel 47 und Apostelgeschichte 2 zusammengehen. Das zweite Kapitel der Apostelgeschichte ist die neutestamentliche Erfüllung von dem, was wir hier in diesem Kapitel in Hesekiel vorfinden. Doch da gibt es einen Schriftabschnitt zwischen diesen beiden Kapiteln, der sich im 7. Kapitel des Johannesevangeliums findet, und den wollen wir lesen. Johannes 7:

«Aber am letzten, dem großen Tag des Festes, stand Jesus auf, rief und sprach: Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Heilige Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war» (37-39).

Nun, eine strikte Interpretation verlangt, dass wir einen Punkt beachten, denn das, worauf sich Jesus in Johannes 7 bezog - «der letzte Tag, der große Tag des Festes» - war genau genommen nicht das, was wir in Hesekiel 47 finden, sondern bezog sich auf das Laubhüttenfest, und das führt uns ein schönes Stück zurück vor der Zeit Hesekiels; es führt uns zurück in die Zeit des alten Israel. Ihr werdet euch erinnern: Das Laubhüttenfest war ein Gedächtnisfest an Israels Auszug aus Ägypten, als sie in Zelten in der Wüste lebten. Wir brauchen uns nicht mit den Details dieses Festes aufzuhalten, weil das nicht unser Thema ist, doch bezog sich Jesus darauf.

Hesekiel 47 ist eine Feier des Laubhüttenfestes, aber es gibt einige gemeinsame Züge, die sich sowohl in Hesekiel 47, Johannes 7 und Apostelgeschichte 2 finden. Wir wissen, dass Jesus, als er diese Worte sprach, sich im Tempel von Jerusalem befand. Es war im Tempel, wo das Fest der Laubhütten gefeiert wurde, und zu diesem Zeitpunkt ging der Hohepriester hinunter zum Teich Bethesda und brachte daraus Wasser zurück und schüttete es auf die Schwelle des Tempels. Jesus griff das auf und wandte es auf sich selbst an.


Die Quelle des Stroms ist der Mensch,
der im Heiligtum verborgen ist

Nun, der gemeinsame Zug in diesen drei Stellen ist folgender: Die Wasser strömen aus dem Haus hervor. Dann ist da aber noch ein anderer gemeinsamer Zug in diesen drei Stellen: In dem Haus, das wir gesehen haben, bezog sich alles auf den verherrlichten Mann auf dem Thron. Der verherrlichte Mann auf dem Thron beherrschte alles. Nun, hier in Johannes 7 macht Johannes folgenden Kommentar. Er sagte: «Dies sagte er von dem Geist, den die, die an ihn glaubten, empfangen sollten; denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war». Das wies hin auf die Zukunft, wenn Jesus verherrlicht werden würde. Zweifellos wurde dies am Tag von Pfingsten erfüllt. Jesus war verherrlicht, und die Wasser strömten aus dem Haus hervor. So könnt ihr sehen, dass es ein paar gemeinsame Züge in diesen Büchern gibt.

Nun kommen wir zu einigen Details in Hesekiel 47, und gleich zu Anfang müssen wir uns merken, dass diese ganze Situation derart ist, dass sie eine Bedingung in diesem Heilszeitalter vorgibt. Wie wir wissen, gibt es viele, die glauben, dies alles gehöre zum Millenium. Aber die Situation in diesem Kapitel ist nicht Bestandteil des Milleniums. Auch entspricht es nicht vollständig dem Ende des Buches der Offenbarung. Es stimmt, in der Offenbarung finden wir den Strom, der vom Thron Gottes und des Lammes hervorströmt, und es gibt dort viele Gesichtspunkt, die genauso sind wie bei Hesekiel. Was wir allerdings hier in Hesekiel vor uns haben, findet weder im Millenium noch im kommenden Zeitalter statt, sondern es bezieht sich auf die Heilszeit, in der wir jetzt leben. Wie ihr sehen könnt, besteht in Hesekiel eine Situation der Notlage, es ist eine Szenerie von Tod und Krankheit. Diese Wasser sollen den Tod überwinden, und die Blätter dieses Baumes dienen als Medizin zur Heilung von Krankheiten; es ist ein Szenario von großer Not. Im Millenium wird der Tod für eine bestimmte Zeit suspendiert sein, und am Ende des Buches der Offenbarung gibt es gar keinen Tod mehr. Hier in Hesekiel muss dem Tod noch entgegengetreten, und er muss überwunden werden. Hier muss mit einem ungesunden Zustand verfahren werden. Es ist wichtig, zu erkennen, dass dieses Kapitel in Hesekiel sich mit unserer gegenwärtigen Heilszeit befasst.

Nun wollen wir uns ein paar andere Details vornehmen. Zuerst: Die Quelle des Stroms. Die Quelle des Stroms ist irgendwie unter der Schwelle des Hauses versteckt. Das Wort sagt, die Wasser flössen unter der Schwelle des Hauses hervor, sie kämen von unterhalb der Schwelle. Vielleicht sollten wir daraus schließen, dass sie aus der Schwelle hervorquollen und gegen die Seite des Hauses strömten, weil es heißt, sie strömten hinunter in Richtung Osten. Das scheint die Bewegung gewesen zu sein. Wir werden in Kürze darauf zurückkommen. Für den Augenblick gehen wir davon aus, dass die Wasser von einem verborgenen Ort unter dem Haus hervorströmten.

Nun wissen wir, dass der Herr gesagt hat, das Heiligtum sei die Stätte seines Thrones und die Stätte seiner Herrlichkeit, der Ort, wo der Herr wohne. Ich denke, wir können daraus schließen, dass die Wasser von daher kamen. Natürlich ist das alles typologisch und symbolisch zu deuten. Es wird uns nicht genau gesagt, wo die Wasser anfingen, doch wird uns mitgeteilt, sie kämen «unter der Schwelle hervor». Ich glaube, wir können daraus schließen, dass sie an der Stätte des Thrones und der Herrlichkeit begannen, und das ist ein verborgener Ort in der Gegenwart Gottes, denn wir wissen, dass Gott im Heiligtum verborgen war.

Der Mann im Himmel ist im Heiligtum verborgen. Er ist das himmlische Geheimnis. Er ist auf dem Thron. Er ist verherrlicht, und dann geht der Geist aus ihm hervor, in dieser Position und in diesem Zustand. Wir erinnern uns, dass Jesus sagte: «danach offenbarte er sich nicht mehr der Welt, er offenbarte sich den Zeugen, die er erwählt hatte». Nach seiner Auferstehung zeigte er sich persönlich nicht mehr der Welt. Was die Welt anging, war Jesus aus ihrem Gesichtsfeld verschwunden. Die Welt weiß nichts von seiner persönlichen Existenz. Er ist für die Welt ein Geheimnis. Er ist für die Welt etwas Irreales, weil er sich vor der Welt verborgen hat. Er ist im Himmel verborgen. Aber es gibt eine Manifestation von ihm, und das ist der Geist des Lebens, der aus dem Heiligtum hervorströmt. Christus ist nicht nur persönlich im Himmel, er ist verborgen anwesend (enshrined) in der himmlischen Gemeinde.

Für die Welt ist Jesus noch immer ein Geheimnis, und auch die Gemeinde ist ein Geheimnis. Die Gemeinde wird nicht verstanden, doch dies ist das Geheimnis: «Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit». Und vielleicht wisst ihr Bibel-Studenten, dass die wörtliche Übersetzung lautet: «Christus in eurer Mitte, die Hoffnung der Herrlichkeit». Natürlich ist Christus in uns, persönlich und individuell, doch das Wort im Kolosserbrief lautet: «Christus in eurer Mitte» - die Gemeinde ist der Kontext dieser Worte. Das Geheimnis, das unter den Nationen groß ist, ist Christus inmitten der Gemeinde. Das ist die Hoffnung der Herrlichkeit. So sagte Paulus: «Ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde durch Christus Jesus». Die Welt kann nur durch das Leben, das aus der Gemeinde strömt, von dem Geheimnis wissen.

Das ist es, was am Tag von Pfingsten geschehen ist. Durch den Strom, der aus der Gemeinde hervorfloss, wurde der Welt bewusst, dass Jesus lebendig ist; Christus ist der einzige Weg, auf dem das Geheimnis erkannt werden kann. Die Wasser strömen aus dem Heiligtum hervor. Das wird in Hesekiel 47,12 zum Ausdruck gebracht: «weil seine Wasser aus dem Heiligtum hervorströmten». Im Heiligtum sind sie ein Geheimnis. Das Geheimnis wird bekannt gemacht, wenn sie aus dem Heiligtum hervorströmen. Das stimmt alles so sehr mit den Lehren des Neuen Testamentes überein.


Der Strom (Der Heilige Geist) macht alles neu

So sehen wir also, dass das erste Detail bezüglich des Hauses Gottes die Quelle des Stromes ist, das zweite dann wäre dies, dass die Wasser nach Osten fließen. Es steht hier, der Tempel sei nach Osten gerichtet. So flossen die Wasser also von Süden nach Osten. Nun, das ist ebenfalls ein interessanter Punkt! Warum wurde das Haus so gebaut, dass das Tor nach Osten schaute? Warum richtet sich alles nach Osten, und weshalb fließen auch diese Wasser in Richtung Osten? Nun, natürlich ist der Osten stets das Symbol für einen neuen Tag. Die Sonne geht im Osten auf, der Tag für die ganze Welt beginnt im Osten. Daher ist der Osten das Symbol für einen neuen Tag, und es ist ganz klar, dass dieser Strom einen neuen Tag für alles und jedermann bedeutete: Es ist jener neue Tag des Geistes, von dem der Herr Jesus sprach. «Doch die Stunde kommt, und sie ist jetzt schon da, da die wahren Anbeter den Vater im Geist anbeten werden». Als Jesus vom Kommen des Heiligen Geistes sprach, sagte er: «An jenem Tag». Wie oft benutzte er diese Worte: «An jenem Tag», das heißt, am Tag des Geistes, nämlich die neue Heilszeit - die Heilszeit des Heiligen Geistes.

In dieser Heilszeit bietet Gott jedermann einen neuen Tag an. Natürlich ist er neu in vielerlei Hinsicht. Alle alten Dinge jener vergangenen Generation sind verschwunden - die alten Dinge der Typoi und Symbole, die alten Dinge der Formen und Zeremonien. Diese alten Dinge sind vergangen: «Siehe, alles ist neu geworden»; und das ist der Strom, der alles neu macht. Es ist der Tag des Heiligen Geistes. Darum fließt er nach osten, und der Geist bringt einen Neuen Tag herauf.

Dann das nächste. «Wo immer der Strom hinkam, wurde alles lebendig».

«Während nun der Mann mit der Messrute in seiner Hand nach osten hinausging, maß er tausend Ellen und führte mich durch das Wasser; und das Wasser ging mir bis an die Knöchel. Und er maß noch tausend Ellen, und führte mich durch das Wasser; da ging mir das Wasser bis an die Knie. Und er maß noch tausend Ellen, und führte mich hinüber, da ging mir das Wasser bis an die Lenden. Als er aber noch tausend Ellen maß, da war es ein Strom, den ich nicht durchschreiten konnte. Denn das Wasser war so tief, dass man darin schwimmen musste; ein Strom, der nicht zu durchschreiten war» (Hesekiel 47,3-5).

Dieser Mann aus Erz maß viermal «tausend» Ellen. Bei den ersten tausend reichte ihm das Wasser bis an die Knöchel. Dann maß er zweites Mal tausend Ellen, dann ging es ihm bis zu den Knien. Noch einmal tausend Ellen, und es reichte ihm bis an die Hüfte, und er maß noch einmal tausend Ellen, und da war das Wasser zum Schwimmen, der Strom war nicht mehr zu durchschreiten. Nun, ich denke, die Symbolik ist hier sehr einfach. Dies stellt die fortschreitende Fülle des Geistes dar, oder die fortschreitende Fülle Christi. Im Anfang liegt eine immense tief innerliche Potentialität. Es mag in Jerusalem alles recht klein sein, die Dinge mögen am Anfang klein sein, aber das ist nur eine relative Angelegenheit. Natürlich war es etwas sehr Großes, was da am Pfingsttag geschah, aber im Vergleich zu dem, was danach kam, war es sehr klein. Der Anfang ist klein im Vergleich zu Judäa, Samaria und die Enden der Erde. Doch in diesem kleinen Anfang lagen alle Potentialitäten, um der ganzen Welt zu begegnen. Die Reichweite des Stromes nimmt immer zu. Er wird voller und voller und breiter und breiter, doch was hier in diesem Wasser vorhanden ist, genügt, um jeder Not zu begegnen, wie groß sie auch immer sein mag. Der Geist Jesu ist für alles ausreichend.

Das ist es, was hier zum Ausdruck gebracht wird, oder sagen wir, was es bedeutet. Es gibt eine ausreichende Fülle in Christus, die durch den Geist mitgeteilt wird, um auch der größten Not zu begegnen. Es gibt keine Not, wie groß auch immer, der durch diesen Strom nicht begegnet werden könnte. Es spielt keine Rolle, wohin der Strom kommt: «Wo immer der Strom hinkommt, wird alles lebendig». Wenn ihr Hesekiel 47 studiert, werdet ihr sehen, dass es keine Situation gibt, der diese Wasser nicht gewachsen wären, und doch muss man bei dieser Aussage einen Vorbehalt anbringen. Später in diesem Kapitel wird etwas erwähnt, das nicht geheilt wird, das dem Salz übergeben wird. Es gibt so etwas wie Widerstand gegen den Heiligen Geist. Judas kam nicht in den Genuss vom Tag des Geistes, und das ist doch das Neue Testament, diese Möglichkeit, gegen den Heiligen Geist zu sündigen. Wo dies absichtlich und beharrlich getan wird, gibt es kein Leben, sondern nur noch Tod. Doch, vorausgesetzt, es gibt keine absichtliche und bewusste Zurückweisung des Geistes, nimmt es der Geist mit jeder Situation auf. Wie groß ist doch der Geist, er ist absolut unbegreiflich.

Der Prophet sagte, es sei ein Strom, den man nicht durchschreiten könne. Das ist etwas, mit dem man unmöglich fertig werden kann. Wie sehr trifft das doch auf Apostelgeschichte 2 zu. Das Kommen des Geistes wird dort mit einem mächtigen, brausenden Wind verglichen. Der Geist kam genau so am Tag von Pfingsten. Diese Sache kann der Mensch nicht bewältigen. Ihr könnt den Heiligen Geist nicht in den Bannkreis eurer Fähigkeiten ziehen. Hesekiel sagte: «Ein Strom, der nicht durchschritten werden konnte». Das ist zu viel für den Menschen. O, dass wir doch den Heiligen Geist so kennen würden! Und doch ist es im Prinzip das, was der Geist tut. Er weigert sich, sich an unsere menschlichen Systeme und an unsere menschlichen Maße binden zu lassen. Er weigert sich, sich an den natürlichen Menschen binden zu lassen. Er weigert sich, sich von unseren Traditionen oder Vorurteilen einschränken zu lassen. Er ist zuviel für Petrus und für alle seine Vorurteile. Er ist zuviel für den König Herodes. Er ist zuviel für alles, was sich ihm in den Weg stellt - ein Strom, den ihr nicht kontrollieren könnt.

Nun, damit der Geist so sein kann, damit er sich so zum Ausdruck bringen kann, sind zwei Dinge nötig; und das ist ein sehr wahres Prinzip. Es wird nur diese Fülle und Kraft des Geistes geben, wenn diese beiden Dinge vorhanden sind. Das erste ist die absolute Autorität des Thrones, d.h. die absolute Autorität des Mannes auf dem Thron. Wir haben wieder und wieder gesagt, dass der Mann auf dem Thron alles beherrsche. Alles im ganzen Buch kommt unter den Mann auf dem Thron. Im Buch der Apostelgeschichte sehen wir, wie der Mann auf dem Thron alles beherrscht. Es ist die absolute Stellung Jesu Christi als Herr und Haupt.

Nun, Gott wird seinen Geist nicht in Fülle und in Kraft an etwas geben, das nicht seinem Sinn entspricht. So ist diese Sache wesentlich: Der Mann, der im Hause herrscht. Was daher dieses zunehmende Maß zu uns sagt, ist folgendes: Der Herr hat niemals den Wunsch, sein Volk knöcheltief im Geist zu belassen. Es ist nicht der Wille des Herrn, dass wir den Geist des Lebens nur bis zu unseren Knöcheln haben, noch ist es sein Wunsch, dass wir den Geist bis zu unseren Knien haben, nicht einmal nur bis zu unseren Hüften. Der Wunsch des Herrn ist Fülle, Wasser, in denen man schwimmen muss, aber Wasser, die zu viel sind für uns.

Natürlich ist dies eher eine schreckliche Situation. Ich denke, ihr könnt feststellen, dass Hesekiel leicht erschrocken wirkt. Für ihn war das eine schreckliche Situation, und wenn es soweit kommt, so ist es natürlich schrecklich. - Wir möchten unsere Füße lieber auf sicherem festem Boden behalten. - Wir haben es nicht gern, wenn wir den Halt unter unseren Füßen verlieren; die Gemeinde möchte ihre Füße auf dieser Erde behalten, sie möchte sicheren Boden unter sich haben. Nun, ihr wisst, was dies geistlich bedeutet, doch des Herrn Gedanke ist dieser, dass wir den Halt unter unseren Füßen verlieren, dass wir auf die Tiefe fortgetragen werden, für die wir kein Maß mehr haben. Lasst uns darüber nachdenken. Es gibt hier zwei kleine Wörter: «Ein Strom, der NICHT durchschritten werden KANN». Da gibt es dieses große «Kann nicht» des Geistes. Dieses «kann nicht» steht über aller menschlichen Fähigkeit.

Er führte mich zurück

Das zweite, das zur Fülle nötig ist, wird durch die Ufer und die Bäume repräsentiert. Die Ufer des Stromes werden erwähnt. Dies ist ein Strom, der zwischen Ufern hindurch fließt. Es ist nicht einfach eine Wasserflut, die sich überall ausbreitet. Dieser Strom fließt zwischen (festen) Ufern hindurch. Ihr wisst, dass der Heilige Geist (stets) einen Weg hat, er hat immer einen Weg, der er einschlägt, er hat eine klare Vorstellung davon, welchen Weg er einschlagen will. Wenn der Geist sagt: «Ich nehme diesen Weg», dann ist es nicht gut, wenn wir sagen: «nun, wir nehmen einen anderen Weg». Ihr findet eine Menge darüber im Buch der Apostelgeschichte. Paulus sprach davon, den Versuch zu wagen, das Wort in Bithynien zu verkündigen, oder nach Asia vorzustoßen, doch sagte er dann: «Der Geist Jesu ließ es uns nicht zu», und schließlich zeigte sich, dass der Geist sich zu diesem Zeitpunkt Mazedonien zuwandte. Nun, wäre Paulus trotzdem nach Bithynien oder Asia gegangen, hätte er sich vom Geist entfernt. Der Geist sagte: «Ich gehe diesmal diesen Weg». Und dasselbe widerfuhr auch Petrus. Der Geist wandte sich den Heidenvölkern zu, doch Petrus wollte seinen Weg gehen. Der Geist sagte im Grunde: «Wenn du mit mir ziehen willst, dann musst du meinen Weg wählen. Ich schließe mich nicht deinem Weg an. Ich folge nicht dem Weg deiner Tradition und deiner Vorurteile. Heute ist dies der Weg, den ich einschlage». Und als Petrus dann wirklich diesen Weg ging, stellte er fest, dass der Geist in größerer Fülle wirkte, als er es je zuvor gekannt hatte.

Ich denke, ihr seht das Prinzip. Die Ufer repräsentieren einen deutlich und klar definierten Weg, den der Heilige Geist einschlägt. Er mag von Zeit zu Zeit seine Richtung ändern. Der Strom mag nicht einfach in einer geraden Linie fließen, aber er wird stets zwischen Ufern fließen. Der Geist weiß immer genau, was er gerade tut und was er anstrebt. Wie wichtig ist es doch für uns, zwischen den Ufern des Geistes zu sein!

Und dann haben wir auch die Bäume auf jeder Seite des Stromes. Natürlich sind diese Bäume im Neuen Testament die lebendigen Zeugen. Ich glaube, der Abschnitt, der dies am besten darlegt, ist jener in Epheser 4:

«Und er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus» (Epheser 4,11.13).

Hier sind lebendige Zeugen an den Ufern des Stromes. Hier sind solche entlang der Ufer des Neuen Testaments, und Gott hat durch alle Jahrhunderte hindurch seine Bäume gehabt. Sie sind die lebendigen Zeugen, die Zeugnis ablegen für die Fülle des Lebens in Christus, die zur geistlichen Fülle hinführen, zur Fülle des Christus.

In Hesekiel 47,9 gibt es etwas recht Interessantes zu beachten: «Und alle lebendigen Wesen, alles was sich dort tummelt, wohin diese fließenden Wasser kommen, das wird leben». Ich weiß nicht, ob ihr in eurer deutschen Bibel bei diesem Wort eine Bemerkung vorfindet; in der hebräischen Bibel heißt es da nämlich: «wohin die zwei Ströme (oder: der Doppelstrom) kommen (bzw. kommt)». Im hebräischen steht hier der Plural, und in meiner Bibel findet sich eine Randlesart, die besagt: «wohin die zwei Ströme kommen». So lautet es auf hebräisch.

Nun, das scheint alles umzustoßen, nicht wahr? Aber wiederum denke ich, dass es sich um ein Symbol handelt. Vielleicht teilte sich dieser Strom in zwei Arme auf, doch «zwei» ist in der Bibel die Zahl des angemessenen Zeugnisses. Wo immer ihr die Zahl zwei findet, findet ihr ausreichendes Zeugnis - «Durch den Mund zweier Zeugen wird jede Sache bestätigt... Worin auch immer zwei von euch übereinstimmen ... er sandte sie zu zweit aus». Ihr seht, zwei ist die Zahl eines ausreichenden Zeugnisses. Was wir also hier durch den Geist vor uns haben, ist ein ausreichendes Zeugnis in den betreffenden Zeugen. Ihr seht also, die Wirkung von all dem ist Leben. Natürlich würde ich gerne eine Mange darüber sagen, doch müssen wir es damit bewenden lassen. DER TEST für alles ist Leben. DER TEST dafür, ob Jesus wirklich der Herr ist, ist das Leben. DER TEST dafür, ob sich das Haus in Ordnung befindet, wird sich im Leben erweisen. DER TEST dafür, ob der Geist seinen Weg hat, wird im Leben bestehen. Das Leben ist das Zeugnis. So besteht das Zeugnis also darin, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat.

Und schließen wir denn ab für den Augenblick. Hesekiel wurde aufgetragen, das alles dem Haus Israel mitzuteilen. Um alles den andern zeigen zu können, musste der Prophet dazu gebracht werden, den Weg selber zu gehen. Ihr habt festgestellt, was der Prophet sagte: «Er führte mich zurück». Ihr und ich, wir müssen dazu gebracht werden, diesen Weg selber zu gehen, bevor wir ihn irgend jemand anderem zeigen können. Es handelt sich hier nicht bloß um objektive Wahrheit, die man lehren kann; es handelt sich um die Erfahrung des Dieners des Herrn.

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