Theodore Austin-Sparks: Reflexionen über sein Leben und Werk
von Angus M. Gunn


Einführung

Theodore Austin-Sparks, besser bekannt als TAS bei denen, die ihn kannten und liebten, war ein Prediger und Lehrer, der die meiste Zeit seines Lebens im Forest Hill Distrikt im Nordosten von London, England, lebte und arbeitete. Mit einer hohen Ansicht von der Bibel als dem Wort Gottes, verbunden mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, ihre Geheimnisse zu enthüllen, beeinflusste er das Leben vieler tiefgehend und hinterließ das Vermächtnis eines bewährten, geistgesalbten Dienstes, der auf neue Weise fortfährt, Christen von heute herauszufordern und zu inspirieren.

TAS wurde in eine Londoner Familiengruppe hinein geboren, in der lediglich seine Mutter gläubig war, doch als er ihrem Einfluss entzogen wurde, indem man ihn zu den Verwandten seines Vaters nach Schottland brachte, wurden seine Schuljahre recht einsam. Das Christenleben begann für Theo dort, auf einer Straße in Glasgow, im Jahre 1906. Zu diesem Zeitpunkt war er 17 Jahre alt, und seine Aufmerksamkeit wurde von einer Gruppe junger Leute in Anspruch genommen, die während einer Freiversammlung von ihrer Erfahrung als Christen berichteten. Noch bevor der Tag zu Ende ging, hatte er sein Leben Christus übergeben. Es dauerte nicht lange, bis er zusammen mit derselben Gruppe junger Leute sein persönliches Zeugnis gab. Kurz nach seiner Bekehrung kehrte er dann nach London zurück und beteiligte sich am Leben der dortigen evangelischen Gemeinschaft. Als das Missionsteam Torrey-Alexander nach London kam, um in der Albert Hall Versammlungen abzuhalten, unterstützte sie Theo enthusiastisch. Leider fanden seine Interessen und Aktivitäten das Missfallen und eine starke Gegnerschaft von Seiten seines Vaters, und zwar so sehr, dass er von Zuhause fort und seinen Weg im Leben ohne elterliche Hilfe finden musste.

Die britische evangelische Gemeinschaft stand zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss einer bemerkenswerten Erweckung, die in den Jahren 1904 und 1905 in Wales ausgebrochen war. Ganze Dörfer, nicht bloß Einzelne, suchten intensiv nach Errettung. An die 100.000 Menschen bezeugten ihre Bekehrung, und viele hatten den Eindruck, dass sie die Dynamik der Gemeinde des ersten Jahrhunderts erlebten. Evan Roberts von der Calvinistischen Methodistenkirche machte eine lebhafte geistliche Erfahrung, die ihn zur zentralen Figur dieser Erweckung werden ließ. Später, im Jahre 1912, beschrieb er seine Erfahrung in einem Buch - War on the Saints - , das er gemeinsam mit Jessie Penn-Lewis verfasste, in welchem die Notwendigkeit einer Taufe in den Heiligen Geist betont wurde. Nur so, lautete die Begründung, könne der Christ in den Genuss eines triumphierenden Lebens gelangen.

Der walisischen Erweckung folgten weitere, weitverbreitete und verschiedenartige Bewegungen, die ebenso eine tiefere Erfahrung des Heiligen Geistes betonten. Viele davon führten zu Spaltungen. David Bebbington datiert diese Bewegungen in seinem klassischen Werk Evangelism in Modern Britain: A History from the 1730s to Ihe 1980s mit ihrem Nachdruck auf ein tieferes Leben in Christus als ausgehend von 1904 bis zu den späten 1920er Jahren.

So sah die Zeit aus, in der TAS heranreifte und sich in den ersten Jahren des Dienstes abmühte. Viele von denen, die er bewunderte oder mit denen er in Verbindung stand, wie Oswald Chambers, F.B. Meyer, Jessie Penn-Lewis, A.J. Gordon und A. B. Simpson in den Vereinigten Staaten, waren sehr stark in einer oder mehreren dieser «deeper life»-Bewegungen involviert. Sie selbst oder doch ihre Schriften halfen, das Denken von TAS zu formen und eine Vision zu entwickeln, die er, in ihrer reifen Gestalt, als einen «Dienst an allen Heiligen» bezeichnen würde, «damit sie ein volleres Maß von Christus, einen reicheren und höheren Standard von geistlichem Leben erreichen und so der Gemeinde helfen sollten, sie näher an den Willen Gottes für sie heranbringen sollten».

Von 1912 bis 1926 war er der Reihe nach Pastor von drei etablierten Gemeinden im weiteren Londoner Umkreis, eine davon Congregationalistisch, zwei der Baptistischen Union zugehörend. Während dieser Zeit wurde er oft in Großbritannien eingeladen, an andern Orten zu predigen. 1926 fühlte er sich geführt, vom pastoralen Dienst Abstand zu nehmen, um zusammen mit gleichgesinnten Kollegen eine christliche Gemeinschaft und ein Konferenzzentrum in Forest Hill, London, einzurichten, das dem Zweck dienen sollte, den Wandel des Gläubigen mit Gott zu vertiefen. Das neue Zentrum hatte ein Gästehaus und zusätzliche Räumlichkeiten, wo Gläubige unter dem Dienst von TAS sich regelmäßig versammeln konnten und wo er selbst fast ständig involviert war. Eine Zeitschrift mit dem Titel A Witness and a Testimony, Herausgeber T. Austin-Sparks, wurde schon während seines früheren Pastorats an der Honor Oak Baptist Church herausgegeben. Es erschien 6 Mal im Jahr und diente nun dazu, Botschaften an ein breiteres Publikum auszuteilen. Wenn er von den Beitragenden sprach, sagte er gewöhnlich, «Witness» betreffe die Person, und «Zeugnis» das, was verkündigt werde.

TAS' Einfluss breitete sich am neuen Zentrum stark aus. Von weither kamen die Leute, angezogen von seinem reichhaltigen Dienst und von demjenigen seiner verschiedenen Verbündeten. Viele blieben für eine längere Zeit der Gemeinschaft und der Belehrung, einige von ihnen im «Centre», andere später in Kilcreggan, Schottland, oder in West Watch, im südlichen England, zwei Erholungsstätten, die mit dem Forest Hill Centre verbunden waren. Solche Dauer-Bibelkurse, wie sie in einer etablierten Kirchgemeinde schwierig durchzuführen wären, gehörten an diesen Orten zum normalen Erscheinungsbild. Als das Centre einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte, fingen die Leute an, es mit dem Namen der Straße, zu der es gehörte, «Honor Oak» zu identifizieren. Von Zeit zu Zeit zogen solche, deren Leben durch ihre Kontakte mit dem Gemeinschaftszentrum bereichert worden war, auf das Missionsfeld in verschiedenen Teilen der Welt hinaus. Aus verschiedenen Ländern trafen Einladung für Mr. Sparks ein, zu sprechen, vor allem aus den Vereinigten Staaten. Es ging nicht lange, bis das Centre die Kennzeichen einer weltumspannenden Gemeinschaft annahm, da das weltweite Werk Gottes und Seiner Diener dort im Gebet vor den Herrn gebracht wurde. Neben der Zeitschrift A Witness and a Testimony erschienen bald noch weitere Publikationen, und oft wurde ein Buch herausgebracht, das die Aufzeichnung einer Reihe von erbaulichen Konferenzbotschaften zum Thema hatte.

Meine erste Bekanntschaft mit TAS fällt in die erste Hälfte des Jahres 1948. Ich hatte einen Monat zuvor im Centre mein Leben Christus übergeben, während er selbst in den USA weilte und an verschiedenen Orten sprach. Der erste Eindruck von ihm war der einer attraktiven Persönlichkeit, eigentlich einer Kommandantengestalt, groß, mit einem freundlichen Lächeln. In seinen Umgangsformen war er eher etwas reserviert. Man konnte sehr schnell feststellen, dass «small talk» nicht seine Sache war. Gelegentlich saß er längere Zeit einfach schweigend da, ohne von denen Notiz zu nehmen, die in seiner Umgebung Gespräche führten. Das Gemeinschaftszentrum war für mich ein glückliches geistliches Zuhause. Ich verbrachte dort drei Jahre und besuchte Gottesdienste und Bibelstudien; so lernte ich die eigentliche Bedeutung der Bibel voller kennen, obwohl ich mit deren Inhalt schon recht vertraut war. TAS und seine Mitarbeiter legten für mein persönliches Christenleben ein Fundament, das
mich bis heute geleitet hat. Wenn ich an ihn denke, kann ich das unterstreichen, was C.S. Lewis hinsichtlich seiner Schuld George MacDonald gegenüber zum Ausdruck brachte: «Er hat mich so sehr beeinflusst, wie überhaupt ein Mensch einen andern zu beeinflussen imstande ist».

TAS hat immer gewollt, dass der Inhalt seiner Belehrung reichlich geteilt und auf die folgenden Generationen frisch angewandt wird. Er glaubte, dass das, was Gott ihm geschenkt hatte, der ganzen Gemeinde gehörte und nicht bloß einer bestimmten Zeit oder einem besonderen Ort. Darum habe ich dieses Buch geschrieben. Es enthält eine Auswahl von aufnotierten Auszügen aus den vielen Büchern, die im Centre publiziert wurden, als eine Art Depot für kommende Generationen. Ihr Format wurde durch das besondere Charakteristikum aller von TAS veröffentlichten Werken diktiert: Fast jedes Buch, jede Zeitschrift, jede kleine Broschüre brachte Botschaften, und zwar genau so, wie sie gesprochen worden waren. Er bestand ausdrücklich darauf. Für diejenigen, die den Sprecher kannten oder solche, die die Botschaften aus erster Hand gehört hatten, war das ganz in Ordnung. Sie konnten durch weiteres Nachdenken davon profitieren. Schwieriger ist es für solche, die diese Publikationen Jahre später zu lesen bekommen. Zum Gehalt der gesprochenen Worte gehören nämlich auch die Modulation der Stimme, die Betonung, Pausen, Wiederholungen und die Gebärdensprache. Ein geschriebener Text benötigt Restrukturierungen, um das zu kompensieren, was gerade durch diese (beim gesprochenen Wort) gewährleistet ist. Solche Überlegungen waren es, die mich dazu brachten, dieses Buch in Form von Extrakten zu schreiben, die durch einen Kommentar herausgehoben werden; dies scheint mir geeigneter als eine bloße Ansammlung ausgewählter Ausschnitte.

TAS brachte in die christliche Gemeinschaft bestimmte Wahrheiten ein, gewisse Aspekte des historischen Christentums, die entweder vernachlässigt, oder in der Verkündigung und Literatur seiner Zeit nicht in angemessener Weise berücksichtigt wurden. Allerdings war es nicht einfach der reiche Gehalt seiner Belehrung, der den Zuhörern so viel bedeutete; es war vielmehr die Art und Weise, wie er das Schriftwort zum Leben brachte und es so relevant und Leben verändernd werden ließ. Das war es, das in der Erinnerung derer, die ihn gehört haben, einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Viele der Schwerpunkte, die er setzte, sind seither auch von andern wieder verkündigt worden; einige davon jedoch bleiben sein einmaliger Beitrag an das evangelische Denken. Ein Beispiel für einen solchen Beitrag wäre die Bedeutung, die er dem zumaß, was ich «Gottes zeitlosen Vorsatz in Christus» nennen möchte, der auf dem Epheserbrief basierte und die Errettung eher als einen Ausdruck der Herrlichkeit Christi definierte, statt einer dringlichen Rettungsmission, die sich völlig auf die (verlorene) Menschheit konzentrierte. Mit der möglichen Ausnahme des Gebets war es dieser Gesichtspunkt, der am lebendigsten in Erinnerung blieb. So hat es jemand viele Jahre später beschrieben: «Was ich persönlich empfing und nirgends sonst zu hören bekam und was tatsächlich kaum irgendwo auch nur andeutungsweise erwähnt wurde, war dieses Thema des «großen Entwurfs», das Empfinden, dass im geistlichen Leben alles irgendwie zusammenhing. Ich lernte, dass allem ein einziger Vorsatz zugrunde lag, und dass alles sich auf ein einziges Ziel hin bewegte, das Gott sich selbst gesetzt hatte».

Die tiefsten Eindrücke von TAS' Leben und Dienst gingen von seinem Gebetsleben aus und dessen Herausforderungen an diejenigen, die sich mit ihm im Gemeinschaftszentrum versammelten. Zwei Abende pro Wochen waren ausschließlich dem Gebet gewidmet, und es gab wenige Weltgegenden, die bei diesen Treffen nicht berührt wurden. Von den vielen Kommentaren, die ich von Leuten erhalten habe, die mit diesen Versammlungen vertraut waren, genügen zwei, um deren Bedeutung zu illustrieren: «Ich werde nie die geistliche Erhebung und die verspürte Nähe Gottes bei diesen Gebetszeiten vergessen. TAS' starke Intimität zu Gott, und seine offensichtliche Abhängigkeit von ihm haben uns immer wieder verblüfft. Es war eine unvergessliche Erfahrung». «Gebet im Centre war eine heilige, gemeinschaftliche, vereinigende Erfahrung. Wer hätte da nicht aus diesen Versammlungen Nutzen gezogen, oder wer könnte je ihre Kraft vergessen?» Zusätzlich war für alle Leiter und Gemeindeältesten im Centre der ganze Dienstag für Gebet und Fasten reserviert.

Es gab aber noch andere Gebiete des Dienstes, die oft als typisch für TAS' Unterweisung zitiert worden sind. Eines davon war der ständige Nachdruck, den er darauf legte, dass wir stets göttliche Offenbarung benötigen, damit sich die Schrift für uns öffnet. Damit ist natürlich nicht Gottes ursprüngliche Enthüllung der Wahrheit an die Autoren der Schrift gemeint. Für uns heute geht es darum, dass der Heilige Geist hier und jetzt unsere Herzen durch das Wort Gottes, das uns durch sie geschenkt wurde, erleuchtet. Ein anderer Schwerpunkt war die subjektive Erfahrung des Kreuzes Christi, die über die Vergebung hinausgeht zur Befreiung von der Macht der Sünde und des Ich, wie es in Römer 6 beschrieben wird, und zu einem gemeinsamen Wandel mit andern in einem neuen Leben und zu einem gemeinschaftlichen Leben in der Gemeinde führt. TAS hatte eine einfache, aber umfassende Definition eines solchen Gemeindelebens: «Eine örtliche Gemeinde ist eine Gemeinschaft von wiedergeborenen Christen, die durch den Herrn selbst an einem bestimmten Ort zusammengeführt worden sind, über die Christus als das Haupt eine etablierte und wirksame Realität ist». Es war seine Betonung des subjektiven Werkes des Kreuzes in menschlichen Leben, die TAS' frühere Botschaften von anderen «Deeper life»-Diensten jener Zeit unterschied. Sie verlieh den Menschen eine positive Bedeutung und einen inneren Frieden hinsichtlich ihrer Leiden und der manchmal schmerzhaften Züchtigungen, die ihnen im Leben widerfuhren. Seltsamerweise entfremdete ihn jedoch gerade dieses Thema seinen früheren Pastorenkollegen und Menschen im Dienst, für die dies eine nicht vertraute und deshalb fragwürdige Lehre bezüglich des Werkes Christi war.

So hat ein Pastor, einer seiner früheren Mitarbeiter im Centre, TAS' Lehre über das Kreuz beschrieben: «Er verkündigte das Evangelium einer vollständigen Errettung durch schlichten Glauben an das Opfer Christi, aber er betonte ebenso, dass der, der die Reinigung durch das Blut Jesu erfahren hat, es demselben Kreuz auch erlauben sollte, in der Tiefe der Seele wirksam zu werden, um vom Ich befreit zu werden und so einen weniger fleischlichen bzw. geistlicheren Wandel mit Gott zu erreichen. TAS ist selber durch eine kritische Erfahrung des Ich-Zerbruchs hindurch gegangen, indem er das Verdikt des Kreuzes über seine alte Natur akzeptierte, und dies führte ihn zu einer ganz neuen positiven Erfahrung des Lebens Christi, eines «offenen Himmels», wie er häufig sagte.

«Das Kreuz ist nicht nur schmerzhaft; es vereint auch. TAS machte deutlich, dass es den einzelnen Gläubigen nicht nur zu einer erweiterten persönlichen Erfahrung des Auferstehungslebens führt, sondern es integriert auch jeden einzelnen in die Gemeinschaft der Gemeinde, die ja der Leib Christi ist. Es war ihm unmöglich, den Christen einfach als Individuum oder auch Gemeinden als isolierte Gruppen zu denken. Er hatte stets das große Ziel der Errettung vor sich: Die Eingliederung der Gläubigen in eine lebendige und reale Gliedschaft eines einzigen Leibes».

Ich kann die meisten dieser Beobachtungen aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen und noch einige Bemerkungen aus dem Gedächtnis beifügen, die auch nach vielen Jahrzehnten noch lebendig geblieben sind. Ich werde zum Beispiel nie TAS' Einfühlsamkeit in die Schrift vergessen. Immer und immer wieder ging er eine bestimmte Auslegung durch, um sich zu vergewissern, dass seine Interpretationen weder unausgeglichen noch oberflächlich sind. Dieses hohe Niveau von Verantwortlichkeit zeigten sich auch in anderen Lebensbereichen. Selten konnte man ihn antreffen, wenn er sich ganz unbeobachtet fühlte. Für ihn bestand ein stets gleich bleibender hoher Standard von Verpflichtung und Empfindsamkeit den Dingen des Geistes gegenüber. Ich erinnere mich zum Beispiel an Gebetsversammlungen, wo vielleicht nur zwei oder drei Leute anwesend waren. TAS brachte eine Botschaft aus der Schrift mit derselben Fülle und Sorgfalt, als wenn er sie vor einer Zuhörerschaft von tausend Menschen gehalten hätte, und seine Gebete waren genauso stark wie in einer größeren Versammlung.

Ein Freund schrieb mir kurz nach TAS' Tod, und in seinem Brief sagte er folgendes: «Ich fühle in meinem Innern eine tiefe und bleibende Schuld unserem gemeinsam Freund gegenüber, nicht einmal so sehr wegen spezieller Dinge, die er mich gelehrt hat, als viel mehr wegen der Art, wie er uns zum Herrn Jesus geführt, wie er uns gelehrt hat, ihn zu lieben und ihm nachzufolgen, und ein Maß von Vertrautheit und Gemeinschaft zu erwarten, von dem bis zu diesem Zeitpunkt niemand nicht einmal geahnt hat, dass sie möglich sei. Er machte unseren christlichen Glauben zu einem Lebensweg, wie es niemand bisher je getan hat, und brachte uns auf einen Weg des Nachforschens, der uns heute noch vorantreibt». Dieser Geist des Nachforschens war stets ein besonderer Gesichtspunkt von TAS' Denken. Einmal verglich er das Christenleben mit einem Pionier, der seinen Weg durch unvermessenes Wüstengebiet sucht. Eines seiner Lieblingslieder war jenes von George Rawson: «Wir engen die Wahrheit Gottes nicht durch die armselige Reichweite unseres Verstandes ein, durch Ansichten dieser Tage oder derer von Sekten, kantig, spalterisch und eng. Nein, eine neue und bessere Hoffnung soll in unseren Herzen erwachen» - und dann noch der Refrain, der aus der Predigt von John Robinson aus dem Jahre 1620 an die Pilgerväter stammt: «der Herr hat noch mehr Licht und Wahrheit, die aus seinem Wort hervorbricht».

In jenen frühen Anfängen meines eigenen Christenlebens, in den 40er Jahren, war die Atmosphäre innerhalb der britischen evangelischen Gemeinschaft recht defensiv, ja, sie glich beinahe einer Belagerungsmentalität. Wenn ich mit andern Christen über meine Erfahrungen sprach, stellte ich fest, dass sie mit diesem neuen Denken Probleme hatten. Sie blieben an ihrer vertrauten Ausdrucksweise und an den wohlbekannten Lehren kleben. In unserer postmodernen Gesellschaft von heute, da wir bereits ins 21. Jahrhundert eintreten, besteht eine Aufgeschlossenheit und Zuversicht unter evangelischen Christen, die leichter mit neuen Dingen fertig wird. In seinem Denken war TAS seiner Zeit voraus, so musste er mit den Schwierigkeiten leben, die stets mit dem Los eines Visionärs verbunden sind.

Von den ungefähr hundert Büchern und Broschüren von TAS habe ich meine paraphrasierten Auszüge unter acht Gesichtspunkten zusammengestellt; sie repräsentieren die wichtigsten Themen, wie sie wieder und wieder in seinen Schriften vorkommen. Um sie deutlich als TAS' Quellentexte zu kennzeichnen, habe ich sie in kursivem Schriftsatz hinzugefügt. Die Bibelzitate stammen aus der New International Bible.

Es wäre ein Mangel, würde ich diese Einleitung schließen, ohne zu erwähnen, dass TAS all die Schwächen teilte und das Scheitern erlebte, das der ganzen gefallenen Menschheit gemeinsam ist. So fand er es schwierig, Verantwortung mit andern zu teilen, und das brachte ihn oft um die Wohltaten und die korrigierende Hilfe sowohl von andern evangelischen Leitern als auch sogar von ihm recht nahe stehenden Kollegen. Er war sich seiner eigenen Fehler sehr stark bewusst, und viele von uns kannten dieses persönliche Wissen um seine Unwürdigkeit. Dies kam häufig zum Ausdruck, besonders gegen das Ende einer Reihe von erbaulichen Konferenzbotschaften.

Angus M. Gunn
West Vancouver
British Columbia, Canada
1999







Übersetzt von
Manfred Haller
 

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