Die Schule Christi
von T. Austin-Sparks

Kapitel 4 - Das Haus Gottes

Schriftlesung:   Hesekiel 40.2-4; 43.10-11

Ihr erinnert euch: Es war zu einer Zeit, da alles, was früher Gottes Mittel war, um in einem Sinnbild seine Gedanken in der Mitte seines Volkes darzustellen, zusammengebrochen und verloren gegangen, und das Volk sowohl geistlich wie auch buchstäblich ohne Verbindung mit diesen Dingen war (der Tempel, Jerusalem usw.), dass Gott seinen Diener Hesekiel ergriff und ihn in Visionen Gottes in das Land zurückbrachte, ihn auf einen hohen Berg versetzte und ihm in einem Gesicht die Stadt und jenes große, geistliche, himmlische Haus zeigte. Sehr vollständig, umfassend und sehr detailliert war die Vision und die Enthüllung, die er empfing, und der Prophet wurde an jeden Punkt geführt, jeder Winkel wurde ihm gezeigt, er wurde durch den ganzen geistlichen Tempel geführt, Schritt für Schritt; hinein und hinaus, hinauf und hindurch, außen herum, und der Engel mit der Messlatte gab stets die entsprechenden Masse bekannt, die Masse von allem; kurz: eine äußerst erschöpfende Definition dieses geistlichen Hauses. Und nachdem dem Propheten die ganze Gestalt und alle Anordnungen, das Priestertum, die Opfer und alles Übrige gezeigt worden waren, erhielt er den Befehl, das Haus dem Hause Israel zu zeigen und ihnen jedes Detail des göttlichen Gedankens mitzuteilen.

In unserer vorherigen Betrachtung wiesen wir darauf hin, dass, sobald eine Abweichung von den göttlichen Gedanken stattgefunden hat, sobald die ursprüngliche Offenbarung Gottes verloren gegangen ist, sobald das himmlische Wesen, die Geistlichkeit, die göttliche Kraft dessen, was von Gott ist, aufgehört hat, in der Mitte des Volkes wirksam zu sein, und sobald die Herrlichkeit gewichen ist, der Herr auf diesen Zustand so reagiert, dass er eine frische Offenbarung seines Sohnes einführt. Gottes Antwort ist stets die, dass er seinen Sohn aufs neue ins Gesichtsfeld rückt. Und wir sind dem Gedanken weiter gefolgt und haben gesehen, wie, in einer ähnlichen Zeit in der Geschichte der Gemeinde der ersten Tage, als die Dinge sich von ihrer ursprünglichen Herrlichkeit wegbewegt hatten, Johannes vom Heiligen Geist mittels seines Evangeliums, seiner Briefe und der Offenbarung gebraucht wurde, um den Herrn Jesus auf eine volle, himmlische, geistliche Weise aufs neue ins Gesichtsfeld zu bringen. Wir erinnerten uns dabei daran, dass das Johannesevangelium praktisch das zuletzt geschriebene Buch des Neuen Testamentes ist, was bedeutet, dass es, was seinen geistlichen Wert und seine Bedeutung betrifft, hinter allem steht, was sonst im Neuen Testament geschrieben worden war. Mit andern Worten: Mit seinem Dienst brach Gott wiederum mit einer frischen Präsentation seines Sohnes herein, und es ist alles himmlisch und geistlich. Und Gott tat dies zu einer Zeit, da alles einen falschen Kurs eingeschlagen hatte.

Ich möchte, wozu ich mich gedrängt fühle, für einige Augenblicke dabei stehen bleiben; wir haben ja das Johannesevangelium beim ersten Kapitel aufgeschlagen vor uns liegen. Beachtet, dass Gott hier in Bezug auf die Fülle seines Gedankens für sein Volk zurückkehrt, und die Bedeutung des ganzen ist folgende: Christus ist die Fülle des Gedankens Gottes für uns, und der Heilige Geist (bei Hesekiel durch den Engel dargestellt) ist zu dem ausdrücklichen Zweck und mit der ausdrücklichen Absicht gekommen, uns jedes Detail von Christus zu zeigen und uns darein zu führen, so dass wir zu einem umfassenden und detaillierten Ausdruck des göttlichen Gedankens in Christus gelangen und in ihn hineingebracht werden.

Ihr könnt nun feststellen, wie Ihr mit Johannes 1 diese frische, große, ewige Präsentation (des Sohnes Gottes als dem göttlichen Gedanken) bekommt. «Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.» Das ist der ewige Hintergrund des göttlichen Gedankens. Lest ein bisschen weiter.

«Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns.» Hier tritt der göttliche Gedanke aus der Ewigkeit heraus und wird auf volle und umfassende Weise in die Mitte gepflanzt; alle Gedanken Gottes sind in seinem Sohn zusammengefasst, in dem großen ewigen Gedanken, und finden ihren Mittelpunkt mitten unter den Menschen in der Person Christi. Wenn ihr dann mit Lesen weiterfährt (ich will jetzt nicht auf das eingehen, was zwischen diesen beiden Punkten liegt), bis ans Ende dieses ersten Kapitels, findet ihr implizit etwas sehr Wunderbares ausgedrückt, sofern ihr seine Bedeutung erkennt. Es handelt sich um das Wort an Nathanael. Es ist immer interessant zu beachten, dass es an Nathanael gerichtet worden ist. Hätte es Petrus, Jakobus oder Johannes gegolten, wären wir leicht auf den Gedanken verfallen, als sei hier eine Art innerer Zirkel angesprochen worden. Da das Wort aber zu Nathanael gesprochen wird, gilt es dem weitesten Kreis, der noch eine Verbindung zu Christus hat, und darum gilt das, was zu ihm gesagt wurde, allen.

«Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen, und die Engel Gottes werden hinauf- und herabsteigen auf des Menschen Sohn.»

Bethel - das Haus Gottes

Nun zu dem, worauf diese Aussage implizite hindeutet: Wir werden mit diesen Worten unmittelbar ins Alte Testament zurückgeführt, ins 1. Buch Mose, und sofort tritt Jakob vor unsere Augen; wir erinnern uns, wie er sich auf dem Weg zwischen zwei Punkten befand, gleichsam an einem Ort zwischen Himmel und Erde; er war weder völlig von der Erde noch völlig vom Himmel, er war irgendwo dazwischen. In jener Nacht lag er irgendwo draußen und schlief. Im Traum nun sah er eine Leiter auf der Erde stehen, deren Spitze bis zum Himmel reichte; Engel stiegen daran hinauf und herunter, und oben an der Leiter stand der Herr; und der Herr redete zu ihm. Nach dem Traum wachte Jakob aus seinem Schlafe auf uns rief: „Sicher war der Herr an diesem Ort, und ich wusste es nicht; dies ist nichts anderes als das Haus Gottes!“ Und er nannte den Namen dieses Ortes «Bethel» - das Haus Gottes.

Der Herr Jesus machte sich dieses Ereignis zu eigen und wandte es in seinen Worten an Nathanael auf sich selbst an, und im Grunde genommen sagte er damit: „Ich bin Bethel, das Haus Gottes; ich bin das, was nicht völlig von der Erde ist, obwohl ich darauf stehe; auch nicht völlig vom Himmel, was meinen gegenwärtigen Zustand betrifft, obwohl ich damit in Verbindung stehe; hier bin ich, zwischen Himmel und Erde, seine Begegnungsstätte zwischen Gott und Mensch, das Haus Gottes, in dem Gott spricht, in welchem Gott geoffenbart wird - Er redet in Seinem Hause, Er wird geoffenbart in Seinem Hause -; ich bin das Haus Gottes: Die Kommunikation Gottes mit der Welt findet in mir statt, und nur in mir: „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ Und obwohl nichts davon berichtet wird, hätte er sehr wohl auch das andere sagen können: „Der Vater kommt zu niemandem außer durch mich.“

Nun, genau dieses Haus Gottes, wie es durch Christus repräsentiert wird, ist unser Gedanke, der uns zum praktischen Zeugnis führt, wie es in der Taufe abgelegt wird: Jesus - das Haus Gottes. Natürlich wissen wir, dass jedes andere Haus in der Bibel nur eine Illustration von ihm ist. Ob es nun die Stiftshütte in der Wüste oder der Tempel Salomos oder irgend einer der folgenden Tempel sei, der dieselbe Funktion erfüllen sollte, oder etwas Geistlicheres im Neuen Testament, das den Namen Gemeinde trug, es war nie etwas anderes als Christus, es war immer Christus selbst. In den Gedanken Gottes ist nur Christus vorhanden, und die Gemeinde oder das Haus Gottes ist nichts anderes als Christus und nichts zusätzlich zu Christus.

Der Punkt, auf den der Herr in diesen Versammlungen so großen Nachdruck gelegt hat, ist der, dass Gott alles in endgültiger, umfassender und ausschließlicher Weise mit seinem Sohn verknüpft hat, und dass von Gott nichts erlangt werden kann außer in Christus und dies auch nur durch Offenbarung des Heiligen Geistes, genauso wie Christus durch ihn in unseren Herzen geoffenbart wird. So erfüllt also der Herr Jesus, indem er das Haus Gottes ist, jede Funktion, die sinnbildlich in jenen andern Häusern auf Erden dargestellt wird.

Beginnen wir mit dem Allerheiligsten. In Ihm ist das Allerheiligste, wo Gott wahrhaftig, persönlich und tatsächlich wohnt, Seine Wohnung hat. Gott ist in Christus; in keinem andern wohnt Er im gleichen Sinn. Natürlich wird auch das wahr, dass der Vater seine Wohnung in uns nehmen will. Aber, ihr Lieben, es besteht da ein Unterschied. Wenn der Vater kommt, um in uns zu wohnen, entstehen nicht um so viel mehr Christusse. Gott wohnt nicht im genau gleichen Sinn in uns, wie dies beim Sohn der Fall war. Den Unterschied werden wir in wenigen Augenblicken sehen. Die Innewohnung Gottes in Christus war einzigartig, und das Allerheiligste ist in ihm allein.

In Ihm befindet sich der Sprachort; das heißt die Stimme, die mit Autorität, und zwar mit endgültiger Autorität spricht. Die drei Jünger befanden sich auf dem Berg der Verklärung, sowohl was ihre Seele als auch ihren Leib betraf, in einer stark erhöhten Position. Es war eine äußerst wunderbare Erfahrung, ein gewaltiges, geistliches Ereignis. Aber gerade dann, wenn ihr in einem sehr hohen, erhöhten geistlichen Zustand seid, voll von geistlichen Aspirationen und geistlichen Ausdrucksformen, macht ihr die schwerwiegendsten Fehler. So sagte Petrus mit den reinsten Motiven und den besten Absichten: «Herr, es ist gut, dass wir hier sind; wenn du willst, werde ich drei Hütten bauen: eine für dich, eine für Mose, und eine für Elijah.» Und während er noch sprach - es schien, als schneide ihm Gott das Wort ab, so dass er nicht zu Ende sprechen konnte - überschattete sie eine Wolke, und eine Stimme erklang vom Himmel und sprach: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; ihn sollt ihr hören.» Fangt gar nicht erst an, in dieser (erhöhten) Stellung eure Gedanken und Vorstellungen zum Ausdruck zu bringen; das endgültige Wort der Autorität ist in Mir; verstummt vor Ihm. Eure geistlichen Ekstasen haben hier keinen Platz; ihr dürft euch auch von euren erhabensten Gefühlen nicht beeinflussen lassen. Seine Stimme! Gottes autoritative Stimme in Christus ist das endgültige Wort der Autorität. Dies ist der Sprachort, der in ihm ist, dem alten Heiligtum vergleichbar. So können wir die ganze Stiftshütte oder den Tempel durchgehen und Punkt für Punkt aufgreifen, und wir werden in Ihm die Erfüllung von allem sehen; Er ist das Haus Gottes, wo Gott zu finden ist, und wo Gott sich mitteilt.

Das gemeinschaftliche Haus Gottes

Nun, was ist denn das Haus Gottes im vollsten, oder sagen wir im gemeinschaftlichen oder kollektiven Sinne? Es ist das, was, um jene wunderbare Wendung aufzugreifen, die fast zweihundert Mal im Neuen Testament vorkommt, mit „in Christus“ gemeint ist. Wenn wir im Hause Gottes sind, so sind wir es nur, weil wir in Christus sind. In Christus zu sein bedeutet, im Hause Gottes zu sein, und nicht in Christus zu sein bedeutet, ausserhalb des Hauses Gottes zu sein. Er ist das Haus Gottes. Wir sind in ihn hineingebracht worden.

In Christus zu sein bedeutet aber auch einen totalen Ausschluss von allem, was nicht Christus ist, und in einer früheren Botschaft haben wir uns bemüht, eines ganz klar zu machen, nämlich die völlige und absolute «Andersheit» Christi im Vergleich zu uns; auch unser Bestes hält keinem Vergleich stand. Wie völlig verschieden ist er doch vom Menschen, selbst vom religiös Besten des Menschen; wie anders ist er, was den Sinn, das Herz, den Willen betrifft; seine Konstitution ist völlig anders, und die ganze Lebenszeit ist nötig, um unter der Belehrung des Heiligen Geistes zu entdecken, wie verschieden wir von Christus sind, und wie anders er ist als wir. Gott hat jedoch diesen Unterschied von allem Anfang an so bestimmt. Er braucht keine Lebensspanne, um ihn erst zu entdecken. Er kennt ihn, und deshalb hat er diese Position von seinem Standpunkt aus am Anfang festgelegt. Er hat im Grunde gesagt: Der Unterschied zwischen euch und Christus ist so groß und endgültig, dass er wie die Weite und Tiefe eines Grabes ist. Es ist nichts Geringeres als die Fülle des Todes. Es gibt keinen Übergang. Tod und Grab sind das Ende. Einerseits ist es also das äußerste Ende von dem, was ihr seid, und sollte nachher noch irgend etwas (von euch) vorhanden sein, so steht dieser Tod dazwischen, und alles Folgende kann nur durch Auferstehung existieren. Es ist jedoch nicht eure Auferstehung. Nein, vielmehr geht ihr (in diesem Tod) vollständig aus euch hinaus und in ihn hinein, wie durch Tod und Auferstehung. In diesem Tod werdet ihr also als solche betrachtet, die den Bereich dessen, was ihr seid, verlassen haben und dafür in den Bereich von dem eingetreten sind, was er ist. Die Tiefe eines Grabes liegt zwischen ihm und euch, und es gibt keinen Übergang. Es ist ein Ende. In das Haus Gottes zu gelangen bedeutet genau das.

Der Altar

Kehren wir zu Johannes 1 zurück. Ihr stellt also fest, dass die Wahrheit hier auf repräsentative Art dargestellt wird. Sie wird später im Neuen Testament voller und klarer entwickelt, wozu ja der Heilige Geist gekommen ist - er ist gekommen, um das, was Christus gesagt hat, zu seiner vollen Bedeutung zu führen -, aber hier in Johannes 1, lange bevor ihr das Haus Gottes erreicht, lest ihr wiederholt das Wort: «Siehe das Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinweg nimmt.» Bevor ihr zum Haus kommt, müsst ihr stets am Altar vorbei. So ist es nun einmal bei der Stiftshütte und beim Tempel. Ihr könnt nicht in das Heiligtum, ins Haus Gottes, gelangen, ohne vorher zum Altar gekommen zu sein; das Lamm, Gottes Lamm und der Altar stehen da und versperren euch den Weg zum Heiligtum; und dieses Lamm redet von einem Sterben an unserer Stelle, von diesem «Uns-selbst-verlassen». Erstens werden wir durch die Handauflegung mit Christus in seinem Tod identifiziert: Sein Tod ist unser Tod. Dann, aufgrund seines kostbaren Blutes, das überall, auf dem ganzen Weg vom Altar bis ins Allerheiligste, hingesprengt war, gibt es (für uns) einen Weg des Lebens. Es ist sein Blut, nicht das unsere. Es ist also nicht unser „geflicktes“ Leben, unser verbessertes Leben, überhaupt nicht unser Leben, sondern seines. Es ist Christus und nur Christus, in welchem und aufgrund dessen Leben wir in die Gegenwart Gottes treten. Kein Hohepriester wagte es, in die Gegenwart Gottes zu kommen, es sei denn aufgrund des kostbaren Blutes, des Blutes des Lammes, des Blutes vom Altar. Siehe, das Lamm Gottes! Das steht mitten im Weg zum Haus Gottes, der Tod ist Gericht über alles, was wir sind. Nun, das sind ein paar Andeu­tungen, aus denen ihr sehr viel mehr noch erkennen könnt, so hoffe ich wenigstens; jedenfalls mehr, als ich mit Worten zu sagen vermag.

Was aber im Augenblick besonders im Vordergrund steht, ist diese Sache des In-Christus-sein, und deshalb des Im-Haus-Gottes-sein. Das Haus Gottes ist Christus, und wir vom Haus Gottes sagen, es sei etwas Gemeinschaftliches, Kollektives, in dem wir sind. Das ist nur so, weil wir in Christus sind. Jene, die in Christus sind, sind im Hause Gottes, und sie sind das Haus Gottes durch ihre Vereinigung mit ihm. Sie sind an den Ort gekommen, wo Gott ist (eben «in Christus») und wo Gott redet; wo Gott erkannt wird und wo die Autorität in Christus absolut ist. Dabei sind wir durch diesen Gedanken sofort im Kolosserbrief, bei Paulus’ Worten: «Er ist das Haupt der Gemeinde.» Wir sehen da den Leib und dessen Haupt. Christus als das Haupt bedeutet, dass die Autorität Gottes in ihm verkörpert ist, um zu regieren.

Die Taufe

Nun könnt ihr zwei Dinge erkennen. Der erste Schritt auf das Haus zu ist der Altar, der Tod, und das ist es, was die Taufe darstellen sollte. Wir nehmen unsern Platz in Christus ein, der uns vertritt, in welchem all das, was wir in uns selbst sind, ein Ende gefunden hat. Es werden nicht nur unsere Sünden weggenommen; wir selbst werden beseitigt, da wir von Christus so völlig verschieden sind. Von Gottes Seite gesehen bedeutet sie (die Taufe) das Ende unserer selbst. Wir wollen das verstehen lernen. Es ist Gottes Standpunkt. Im Tode Christi hat Gott uns, was unser natürliches Leben angeht, zu einem Ende gebracht. In der Auferstehung Christi und unserer Vereinigung mit ihr ist es so, dass, von Gottes Standpunkt aus, nicht mehr wir leben. Es existiert nur noch Christus, und das Werk des Heiligen Geistes im Kind Gottes besteht darin, das in uns zu verwirklichen, was (in Christus) bereits endgültig vollbracht worden ist. Wir brauchen nicht mehr zu sterben, wir sind schon tot. Was wir noch tun müssen ist, unseren Tod zu akzeptieren. Wenn wir das nicht erkennen, werden wir ständig krampfhaft versuchen, uns selbst in den Tod zu bringen. Stattdessen sollen wir eine Stellung beziehen, die, was uns betrifft, Gottes erledigte, festgelegte und endgültige Stellung ist. Das ist die Bedeutung des Wortes, dass wir uns für tot halten sollen. Wir nehmen einfach den Platz ein, den Gott uns (in Christus) zugewiesen hat; wir stellen uns getrost hinein und sagen: Ich nehme die Stellung an, die Gott in Bezug auf mich festgelegt hat; es ist die Aufgabe des Heiligen Geistes, mit dem Rest zu verfahren. Ich akzeptiere das Ende. Sollten wir, ihr und ich, je an einen Punkt gelangen, wo wir uns von der Behandlung des Heiligen Gei­stes weg wenden, so ist das, was wir tun, mehr als dass wir uns bloß weigern, weiterzukommen. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns weigern, die ursprüngliche (das heißt die für uns bestimm­te) Stellung anzunehmen, und das ist viel schwerwiegender. Wir kehren eine Stellung, die wir einst in ihm einnahmen, in ihr Gegenteil um.

Nun denn, die Taufe ist also der Altar, wo Gott uns als solche betrachtet, die in Christus gestorben sind, und wir schreiten dahinein (ins Wasser der Taufe), indem wir sagen: Diese Position, die Gott in Bezug auf mich festgesetzt hat, ist es, die ich jetzt akzeptiere, und ich bezeuge hier auf diese Weise (durch die Taufe), dass ich Gottes Position für mich angenommen habe, nämlich, dass ich am Kreuz mein Ende erreicht habe. Der Herr Jesus ging diesen Weg, und er setzte die Taufe geradewegs an den Beginn seines öffentlichen Lebens, und von jenem Augenblick an weigerte er sich unter der Salbung des Geistes absolut, unab­hängig von Gott auf seinen eigenen Sinn zu hören, sich von irgend etwas beeinflussen zu lassen, das aus den Bedürfnissen seines eigenen Menschseins stammte, obwohl dieses sündlos war; er tat nichts unabhängig, losgelöst von Gott. Auf seinem ganzen Weg wurde er von der Salbung regiert; bei dem, was er sagte, was er tat, wozu er sich weigerte, wohin er ging und wann er ging. Er hielt jeden Einfluss von sich fern, ganz gleich, ob dieser von seinen Jüngern oder vom Teufel oder von irgend einer andern Richtung kam. Seine Haltung war die: Vater, was meinst du dazu; was möchtest du, ist es deine Zeit? Eigentlich sagte er die gan­ze Zeit: Nicht mein Wille, sondern der deine; nicht meine Urteile, sondern deine; nicht meine Gefühle, sondern das, was du dabei fühlst. Seht ihr, er war im Grunde (bei der Taufe) gestorben; er wurde dort im Grund begraben. Seine Taufe hatte für ihn diese Bedeutung, und dies ist der Grund, auf dem auch wir stehen.

Die Handauflegung

Dann aber ist da auch das andere. Nachdem jene Stellung im Tode akzeptiert worden ist, folgt das Heraufkommen. Aber, wie ich schon gesagt habe, es ist ein Heraufkommen (aus dem Wasser der Taufe) in Christus, und von Gott aus gesehen ist es nicht bloß ein Heraufkommen in Christus, sondern auch ein Hervorkommen unter Christus als dem Haupt (under the headship of Christ), oder, mit andern Worten, unter jene volle und endgültige Autorität Gottes, wie Christus sie verkörpert, so dass fortan Christus unser Sinn, Christus unsere Regierung ist. Seine Stellung als Haupt! Und wenn Gläubige im Neuen Testament den ersten Schritt in der Taufe ge­tan, ihren Tod in Christus erklärt hatten und aus den Wassern hervorgekommen waren, legten ihnen repräsentative Glieder des Leibes Christi -  das waren durchaus nicht immer Apostel - die Hände auf und beteten über ihnen, und der Heilige Geist bezeugte, dass sie im Hause waren. Die Salbung, die auf Christus als dem Haupte ist, war nun in Christus auch auf sie gekommen; sie empfingen keine separate Salbung; sie wurden in Christus gesalbt.

Was aber ist die Salbung? Was war die Salbung im Falle Christi, als er ein stellvertretendes Leben annahm und für eine begrenzte Zeit darauf verzichtete, auf der Grundlage der Göttlichkeit und der Gottheit zu handeln und zu leben, um als Mensch die Errettung des Menschen zu vollbringen? Was bedeutete die Salbung (für ihn)? Nun, in seinem Falle ist es doch recht klar. Die Salbung bedeutete, dass er in allem der direkten Herrschaft Gottes unterstand, und dass er deshalb sich weigern musste, in irgend einer Angelegenheit auf seine eigenen Urteile oder Gefühle abzustellen. Durch die Salbung lenkte ihn der Vater in allem, und er selbst war, losgelöst (von der Herrschaft seines Vaters) völlig beiseite gesetzt. Und als er sagte: «Will mir jemand nachfolgen, so verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach»; oder ein anderes Mal: «Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein» (Lukas 9.23; 14.27), sagte er mit andern Worten lediglich: Ihr könnt mich nie lernen, wenn nicht das Kreuz ständig dahin wirkt, dass es euch aus dem Weg räumt, um für mich Platz zu machen, so dass ihr meinen Sinn akzeptiert, und das Kreuz bedeutet, dass ihr eurem eigenen Sinn bezüglich verschiedener Dinge gekreuzigt worden seid; euer Sinn muss unter das Kreuz kommen; euer Wille muss unter das Kreuz kommen; eure Gefühle und eure Wege müssen täglich unter das Kreuz kommen; auf diese Weise macht ihr einen Weg frei, um mich, meinen Sinn, meine Herrschaft, mein Urteil, mein Alles zu lernen. Dies ist die Schule der Jüngerschaft, Christi.

Ich habe gesagt, dass die Stellung Christi als Haupt unter der Salbung zu einem dominierenden Faktor wird oder werden sollte im Leben eines Gläubigen; so ist die Handauflegung auf den Kopf des Gläubigen wiederum einfach eine Erklärung (declaration) dafür, dass dieser Gläubige unter ein Haupt gekommen ist, dass sein Haupt unter ein anderes Haupt gekommen ist; dass dieses Haupt einem größeren Haupt unterworfen worden ist. Bisher hat sein eigener Kopf dieses Leben beherrscht, aber nun soll sich dies ändern; es wird einer andern Herrschaft unterworfen. Er ist nun durch die Salbung unter Christus als das Haupt gebracht worden. Und der Geist legte in den ersten Tagen für diese Tatsache Zeugnis ab: Er kam auf die Jünger herab, er erklärte, dass der Getaufte nun im Hause ist, wo sich die Salbung befindet, dass er sich aber auch unter der Regierung des Hauptes dieses Hauses befindet.

Der Geist von all dem findet seinen Ausdruck in den Worten des Hebräerbriefes: «Christus aber als Sohn über Gottes Haus; dessen Haus wir sind...» (Hebräer 3.6). Ich glaube, es ist unnötig, noch mehr zu sagen. Wir hier gehen ganz einfach auf dem Weg der himmlischen Offenbarung von Christus weiter; unsere Freunde, die getauft werden sollen, nehmen ihre Stellung (im Tode Christi und unter der Herrschaft des auferstandenen und erhöhten Hauptes) ein. «Ich nehme Gottes Stellung an, was mich betrifft, nämlich das Ende meiner selbst.» Ich hoffe, dass, wenn ihr in der Zukunft gegen euch selbst Stellung beziehen müsst, ihr dann darauf zurückkommt und sagt: Ich habe es ein für allemal gesagt - das Ende deiner selbst! Bewahrt diese Haltung im Blick auf Gottes Stellung.

Anschließend dann versammeln wir uns um unsere Freunde und legen unsere Hände auf ihr Haupt als schlichtes Zeugnis für die Tatsache, dass sie in Christus im Hause Gottes sind, unter der Herrschaft Christi durch die Salbung, und dass seine Stellung als das Haupt uns mit ihm eins macht.

Möge der Herr all das für uns alle wahr machen, zu einer lebendigen Realität werden lassen, so dass wir wirklich nach Bethel gekommen sind und sagen können in unserem Frohlocken in Christus: «Gewiss ist der Herr an diesem Ort!» Es ist etwas Grosses, wenn wir eine geistliche Stellung erlangen, wo wir sagen können: Der Herr ist an diesem Ort! Ich bin da, wo der Herr ist: Dies ist das Haus Gottes! Und das bedeutet nichts anderes als eine lebendige Erkenntnis dessen, was es heißt, in Christus zu sein, unter ihm als dem Haupt und unter seiner Salbung.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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