Disziplin zum Gebet
von T. Austin-Sparks

Teil 6 - Wohin die Stämme hinaufziehen

«Wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn - ein Zeugnis für Israel - um zu preisen den Namen des Herrn!» (Ps. 122,4).

«Versammelt mir meine Getreuen» (Ps. 50,5).

Es war ein wunderschöner Gedanken im Sinn Gottes, als er in seiner göttlichen Ökonomie die periodisch stattfindenden Zusammenkünfte seines Volkes anordnete. Weit zurück zur Zeit Moses gebot er, dass alle männlichen Personen in Israel jedes Jahr dreimal zu dem Ort hinauf ziehen sollten, den er bestimmen würde (5. Mose 16,16), deren Details es wert sind, besonders beachtet zu werden. Es ist klar, dass David durch solche Zusammenkünfte einen großen Vorrat anlegte. Psalm 122 wird durch seine einleitenden Worte David zugeschrieben, es waren weitere «Aufstiegsgesänge» bzw. Pilgerlieder. Aufgrund von Trennungen, die das Ergebnis eines geistlichen Niederganges waren, dass solche Zusammenkünfte später so lange aufhörten, bis schließlich Josia ein großes Wiederherstellungsfest organisierte /2. Chronik 35,17-19). Es war daher ein Zeichen geistlicher Wiederherstellung und Stärke, wenn das Volk des Herrn sie wieder von nah und fern versammelte.

Wir können kurz den Wert solcher Zusammenkünfte in den Gedanken Gottes zusammenfassen:

1. Es waren Zeiten, da die Universalität der Gemeinde Gottes, oder «der Heiligen Nation», auf der Basis des Passahs (des Kreuzes), in den Herzen seines Volkes bewahrt (d.h. lebendig erhalten) wurde. «Sie verließen ihre Städte»; das heißt, sie verließen den ausschließlich parochialen Grund. Durch das Versammeltwerden aus allen Richtungen wurden sie von jedem Exklusivismus, Sektierertum und der Gefahr der Isolation bewahrt. So wurde ihnen bewusst gemacht, dass sie nicht das Ein und Alles sind, sondern Teile eines großen Ganzen. So wurde der stets gegenwärtigen Tendenz entgegengewirkt, Gott in Christus kleiner zu machen, als er in Wirklichkeit ist.

2. So waren es Zeiten wunderbarer Gemeinschaft. Leute, die dem selben Herrn angehörten, die sich aber noch nie zuvor begegnet waren, oder die für so lange von einander getrennt waren, entdeckten und entdeckten einander wieder, und waren imstande, «ihre gegenseitigen Schmerzen zu teilen und die gegenseitigen Lasten zu tragen», oder sie konnten von der Güte und Barmherzigkeit Gottes erzählen. Die Einsamkeit, mit all ihren Versuchungen und falschen Vorstellungen, wurde durch die frische Luft der Gegenseitigkeit weggetragen. Neue Hoffnung, Ansporn, und Leben sandte die Pilger zurück in ihr angestammtes Gebiet mit dem Bewusstsein der Zugehörigkeit.

3. Es waren Zeiten der Konsolidierung. Der Psalm sagt: «ein Zeugnis für Israel». Das Zeugnis für das, was das Passah (das Kreuz) im Herzen seines Volkes bedeutete. Ein Zeugnis für die vereinigende Kraft des Blutes und Leibes Christi. Die Zusammenkünfte hatten etwas geistlich Wesenhaftes an sich in der Lebendigkeit der Gegenwart des Herrn. Wenn sie von Zweifeln, Furcht und Verwirrung angegriffen gewesen waren, so kehrten sie bestätigt, gewiss und in ihrem gemeinsamen Glauben fest aufgebaut wieder zurück.

4. Es waren Zeiten der Unterweisung. Des Wort Gottes wurde ausgerichtet, gelesen und ausgelegt. Sie wurden belehrt, und sie «redeten untereinander». Mit einem Wort: Sie wurden ernährt. Es gab geistliche Nahrung. Die Initiierung dieser Zusammenkünfte war mit drei Festen verbunden (5. Mose 16). Es wurde in der Gegenwart des Herrn gegessen und getrunken. Sie kehrten befestigt, aufgebaut, erleuchtet und mit erneuerter Vision zurück.

5. Es waren Zeiten der Fürbitte. Möglicherweise war es nicht jedem möglich, «hinaufzuziehen». Aus unterschiedlichen Gründen - Krankheit, Alter, Verantwortung, oder irgend eine andere Form der Abhaltung - nahm einige vom Segen aus, sich den Pilgern anschließen zu dürfen. Aber Gottes Vorstellung von diesen Zusammenkünften war - wie es in späteren Worten ausgedrückt wurde - «Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein für alle Völker». Das Neue Testament ist in diesem Punkt klar und stark, dass die Repräsentation des Leibes Christi an jedem Ort einen echten geistlichen Wert für alle seine Glieder haben kann und soll, weil «es ein Leib ist».

So mögen die Einsamen, Abgehaltenen und Isolierten realisieren, dass, wenn das Volk des Herrn beisammen ist, sie unterstützt und getragen werden. Und diejenigen, die nicht so oft das «Zusammenkommen» entbehren müssen, realisieren, wie wichtig es ist, und wie notwendig es ist, diesen göttlichen Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Möchte Gott dafür sorgen, dass alle unsere Zusammenkünfte von dieser Art sind!


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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