Disziplin zum Gebet
von T. Austin-Sparks

Teil 14 - Wiederherstellung der Herrlichkeit

«Und sie nannte den Knaben Ikabod und sprach: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen! weil die Lade Gottes weggenommen worden war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres Mannes. Und sie sprach wiederum: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen, denn die Lade Gottes ist weggenommen» (1. Samuel 4,21-22).

«Und es geschah, als die Priester aus dem Heiligtum hinausgingen, da erfüllte die Wolke das Haus des Herrn, so dass die Priester wegen der Wolke nicht hinzutreten konnten, um ihren Dienst zu verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn» (1. Könige 8,10-11).

Ikabod! Diese sterbende Witwe sprach ein schönes Stück Wahrheit aus, als sie beklagte, dass die Herrlichkeit gewichen sei, aber sie sagte nicht die ganze Wahrheit, denn sie konnte nicht voraussehen, was folgen würde. Die Bundeslade war mehr als ein materielles Symbol: Der Name und die Herrlichkeit des Herrn waren mit ihr verbunden. Israel hatte einen großen Verlust erlitten, doch der Herr war noch immer imstande, sich um seine eigenen Interessen zu kümmern und in Eifersucht für seinen Namen zu handeln. Das nachfolgende Kapitel erzählt seine unmittelbare Reaktion im Blick auf dieses Zeugnis und diesen Namen.


Eifersucht und Erbarmen

Wenn die Lade ins Haus des Dagon gebracht wurde, dann um so schlimmer für Dagon. Als das Volk Gottes versuchte, selbstsüchtig von der Lade Gebrauch zu machen, indem sie sie herausholten, um sie in ihrem Konflikt zu bestärken, obwohl ihre Herzen weit weg waren von dem Gott, dessen Bund sie repräsentierte, stellten sie fest, dass die Lade machtlos war. Es sah so aus, als hätte Gott das Interesse an ihr verloren - als kümmerte er sich nicht darum, was mit ihr passierte. Doch als die Philister es wagten, sich mit derselben Lade Freiheiten zu erlauben, entdeckten sie um einen hohen Preis, dass es den Herrn sehr wohl kümmerte. Dagon, ihr Gott, wurde zuerst gedemütigt, dann in Stücke gehauen, als die Lade in den Tempel gestellt wurde. Und die betroffenen Philister zweifelten keinen Augenblick daran, dass sie es mit einer übernatürlichen Macht zu tun hatten, denn sie legte einen dauernden Eindruck des Schreckens auf sie alle. Jahwe ist ein eifersüchtiger Gott, und er bewies, dass er fähig war, diesen Möchte-gerne-Rivalen, Dagon, zu zerschmettern.

Als die Männer von Aschdod glaubten, sie könnten mit göttlichen Dingen ihren Scherz treiben, mussten sie eine schmerzliche Lektion lernen. «Aber die Hand des Herrn lag schwer auf den Einwohnern von Aschdod...» (1. Sam. 5,6), so dass sie schleunigst Schritte unternahmen, diese lästige Lade loszuwerden. Dem Volk Israel gegenüber erschien sie machtlos, doch den Einwohnern von Aschdod gegenüber, die mit der Herrlichkeit Gottes ihren Scherz trieben, war die Macht der göttlichen Gerichte überwältigend. Es kann also sehr wohl sein, dass einige fromme Israeliten, die von diesen Ereignissen hörten, durch die Erkenntnis ermutigt wurden, dass Gott noch immer Gott war, eifersüchtig in Heiligkeit für seinen großen Namen; so dass, vermischt mit ihrem Bedauern hinsichtlich ihrer eigenen Sünde und ihres Versagens, die Gewissheit wuchs, dass er noch immer seine eigenen Interessen wahren würde. Seine Macht war dieselbe, auch wenn sein Volk ihm gegenüber versagt hatte. «Er versagt nicht, denn er ist Gott!»

Der Herr ist auch groß an Barmherzigkeit. Vielleicht war Ikabod‘s Mutter so von ihrem eigenen Kummer überwältigt, dass sie den kostbarsten Teil der Bundeslade, den Gnadendeckel, vergaß. Die Langmut und die Gnade Gottes wurden durch einen festen Bestandteil der Bundeslade repräsentiert. Auch wenn sein Volk ihm gegenüber so schlimm versagte, dass es schien, als würden sie jedes Recht auf einen weiteren Platz in seinem Vorsatz verwerfen, so war eine Wiederherstellung noch immer möglich, denn die Heiligkeit Gottes wurde stets vom blutbefleckten Gnadendeckel begleitet. «Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor ersehen hat» (Röm. 11,2). Er ist nicht nur imstande, sich um seine eigenen Interessen zu kümmern, sondern auch, die Herrlichkeit zu einem Volk zurückzubringen, das es gar nicht verdient. Gott sei Dank für den Gnadendeckel. Die Lade kehrte zurück, und dies schneller, als man es für möglich gehalten hätte. Dazu war keine Armee nötig, keine rettende Partei, überhaupt keine Hilfe von den Israeliten. Gott machte seine Gegenwart auf eine so mächtige Weise spürbar, dass diejenigen, die die Lade hatten, froh waren, sie wieder loszuwerden und selbst für deren Rückkehr nach Israel sorgten. «Ikabod» war nicht das letzte Wort».


Priesterliche Fürbitte

Als Pinehas Witwe mit dem Wort «Ikabod» auf ihren Lippen starb, hatte sie die Tatsache übersehen, dass Gott bereits seine Hand auf einen Mann gelegt hatte, der das Werkzeug sein würde, um die Herrlichkeit zurückzubringen. Samuel lebte in ihrem Haus. Er musste stets zugegen gewesen sein, sie musste ihn gekannt und oft gesehen haben. Doch er war so klein und unbedeutend, dass sie ihm nie zugetraut hätte, die Ereignisse zu beeinflussen. Er war noch nicht einmal Priester. Wenn der Hohepriester und seine beiden Söhne abgetreten waren, dann musste es so aussehen, als sei niemand mehr übrig, der für die Interessen des Herrn die Verantwortung hätte übernehmen können. So sehen wir Samuel als Alternative zu Ikabod. Der Herr hatte sich bereits dieses Instrument zur Wiederherstellung verschafft - so demütig und klein, dass die Menschen keine Notiz von ihm nahmen, doch so dem Willen Gottes hingegeben, dass er jene priesterliche Fürbitte liefern konnte, bei der Eli und seine Söhne versagt hatten. Hier ist also ein weiterer Grund zum Staunen. Der Herr konnte nicht nur seine eigenen Interessen wahrnehmen, er würde in seiner Barmherzigkeit nicht nur die Herrlichkeit zu seinem irrenden Volk zurückbringen, sondern bereits vor der Katastrophe hatte er sich das Instrument verschafft, das er zu diesem Zweck brauchte. Eli‘s Schwiegertochter wusste davon nichts. Das natürliche Auge konnte nur die Tragödie sehen - die Tragödie der gewichenen Herrlichkeit. Ikabod.

Was war die Ursache zu Israels tragischem Versagen? Zum Teil zumindest war es das Versagen des Priestertums. Wir lesen in der Geschichte von den traurigen Zuständen in Eli‘s Haushalt, und wir hören wenig davon, dass Eli irgendwelchen geistlichen Einfluss zum Guten auf die ganze Situation ausgeübt hätte. So ist offensichtlich, dass das Priestertum jener Tage schwerwiegend beschädigt war. In Wirklichkeit aber war dieser Zusammenbruch bloß das Ende eines langen Prozesses, eben die letzte Phase dessen, was mit dem Volk Gottes schon für viele Jahre nicht mehr stimmte. Als Josuas Tage zu Ende gingen, trat Israel in eine Zeitspanne ein, da es keine von Gott gegebene Leiterschaft mehr gab. Gelegentlich wurden vom Herrn Richter erweckt, und ab und zu gab es wieder so etwas wie eine Ordnung unter dem Volk, doch selten dauerte das sehr lange.

Sogar noch beachtenswerter war der Mangel am Priestertum. Nur in den letzten Kapiteln werden Leviten erwähnt, und dann erst noch in äußerst verkommener und beklagenswerter Hinsicht. Es wäre ein treffender Kommentar zu jenen Zeiten, zu sagen, dass es keinen Priester in Israel gabe, genauso wenig wie es einen König gab. Selbst in besseren Tagen, als zuweilen Führer aufstanden, die dem besiegten Volk Befreiung und Sieg brachten, selbst da wird nichts von dieser grundlegenden, wesentlichen, wenn auch oft verborgenen Vertretung der Interessen des Herrn durch einen Fürbittedienst erwähnt. Der Leser geht von den unseligen Berichten der Richter weiter zu 1. Samuel (obwohl Ruth dazwischengeschoben wird), nur um diese ominöse Eröffnung vorzufinden: «Dort aber waren Hophni und Pinehas, die beiden Söhne Elis, Priester des Herrn» (1. Samuel 1,3b), wobei bald der weitere Kommentar folgt: «Aber die Söhne Elis waren Söhne Belials; sie kannten den Herrn nicht» (1. Samuel 2,12). «Ikabod» in der Tat! Es trifft stets zu, dass, wo es keinen lebendigen Dienst der Fürbitte gibt, auch keine Herrlichkeit vorhanden ist.

Das ist die negative Seite. Aber dies war nicht das Ende. Die Herrlichkeit kehrte zurück, und sie kehrte in sehr großer Fülle zurück - «die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn». Wie wir bereits gesagt haben, geschah dies aufgrund der Souveränität Gottes, und auch zur Großmachung seiner Gnade. Aber es geschah auch aufgrund der Tatsache, dass zuerst für einen Gebetsdienst gesorgt worden war. Hinter allem finden wir die Gestalt Samuels, Gottes priesterliches Werkzeug.

Man könnte dem entgegen halten, dass es lange brauchte, bis die Herrlichkeit zurückkehrte. Das stimmt. Samuel hatte ein langes Leben, und er erlebte diesen Tag nicht mehr. Aber die Geduld ist ein wichtiger Gesichtspunkt eines priesterlichen Dienstes - Beharrlichkeit im Glauben und Ausdauer im Warten auf Gott. Dies war das Geheimnis eines Lebens, das einen solch gewaltigen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte des Volkes Gottes hatte; denn ganz bestimmt ist es keine Übertreibung, zu sagen, dass der Mann, der am meisten zur Wiederherstellung der Herrlichkeit beitrug, Samuel war. Samuel, der Fürbeter.


Samuels Schlichtheit

Wenn dies zutrifft, dann muss es ein gewinnbringendes Studium sein, die wesentlichen Züge zu betrachten, die Samuel charakterisierten. Denn viele von uns leben unter dem Schatten von Ikabod. Auch wir fühlen, dass die Herrlichkeit gewichen ist. Aber obwohl wir leicht verzweifeln könnten, findet sich in uns drin dennoch eine innere Überzeugung, dass es der Wunsch des Herrn ist, die Herrlichkeit zurück zu bringen, sein geistliches Haus aufs Neue mit seiner Herrlichkeit zu füllen. Es gibt viele Projekte und Empfehlungen, die Menschen anbieten, um die gewichene Herrlichkeit zurückzugewinnen. Sie mögen Recht haben oder auch nicht, aber sie befassen sich nicht mit der Wurzelursache oder bewirken keine radikale Heilung. Was wir am meisten benötigen, ist, wie einst Israel, einen mächtigen Fürbittedienst - wenn nötig halt einen, der lange dauert, wie der von Samuel, ja, wenn nötig, einen Gebetsdienst, der weit über unsere Lebenszeit hinausgeht, wie dies auch bei Samuel der Fall war - doch einen Gebetsdienst, der alle «Ikabods» in «Hallelujahs» verwandelt.

Das erste, was im Blick auf Samuel beachtet werden sollte, ist seine Schlichtheit. Samuel war kein Priester. Er hatte keine offizielle Stellung in der priesterlichen Ordnung. So weit wir wissen, war er nie von Menschen gesalbt oder ordiniert worden. Es stimmt, sein Vater war ein Levit, aber selbst da scheint er in keiner Weise an irgend einer levitischen Arbeit beteiligt gewesen zu sein. Leute mögen ihn für einen sehr gewöhnlichen Jungen in einer sehr gewöhnlichen Familie gehalten haben.

Natürlich war er das nicht. Man kann kein Kind als gewöhnlich einstufen, der einen solch wunderhaften Eingang in die Welt hatte wie Samuel. Er selbst war eine Antwort auf Gebet. Vielleicht wäre es korrekt, zu sagen, dieser mächtige Fürbittedienst habe seinen Anfang bei seiner Mutter Hanna genommen. Das also war sein Anfang - Gott führte ihn ein. Und das ist der Weg, wie jeder echte Fürbittedienst beginnt: Er wird von Gott selbst initiiert. Das war es auch gewiss, was Samuel befähigte, durch all die langen und prüfungsreichen Jahre weiterzumachen: dieses Wissen, dass es keine natürliche Erfindung und auch kein eigenes Bemühen war, sondern ein Akt von Gott, der ihn ins Dasein gebracht hatte.

Dennoch gab es etwas sehr Schlichtes an diesem Gefäß von Gottes Dienst. «Der Knabe war jung» (1,24). «Doch Samuel diente vor dem Herrn, obwohl er noch ein Kind war» (2,18). «Ferner machte ihm die Mutter einen kleinen Priesterrock» (2,19). Das alles scheint auf eine häusliche Bedeutungslosigkeit hinzuweisen, was heißt, dass er von Ikabods Mutter völlig übersehen wurde. Was konnte dieser schwache Junge schon zur Wiederherstellung der Herrlichkeit beitragen? Und doch ist gerade er es, der Gott am Ort des Gebets dienen kann, schwach und verachtet im Blick auf sich selbst, doch mächtig in der Fürbitte. Er wechselte für Gott die Gezeiten. «Die Sünde der jungen Männer war sehr groß... sie verachteten die Opfer des Herrn. Doch Samuel diente vor dem Herrn, obwohl er noch ein Kind war, mit einem leinen Ephod umgürtet» (2,17-18). Wiederum gibt es ein göttliches «Aber...». Es war ein Kind mit all seiner natürlichen Unzulänglichkeit, das sich der Flut des Bösen und der Hoffnungslosigkeit stellte und entgegenstemmte. Er nahm seine Stellung beim Herrn ein, und am Ende kam die Herrlichkeit zurück. Niemand braucht sich wegen seiner Einfalt oder seiner Unzulänglichkeit zu schämen! Es schien, dass es genau das war, was der Herr benötigte, jemand, der klein genug und demütig genug war, um gebraucht zu werden. In Samuel fand er gerade das, was er wollte.


Samuels Belehrbarkeit

Ferner war Samuel bereit, sich belehren zu lassen. Sein erstes geäußertes Gebet, die Einleitung zu einem langen und fruchtbaren Leben der Fürbitte am verborgenen Ort, war die einfache kindliche Bitte: «Rede Herr, denn dein Knecht hört» (1. Samuel 3,10). Das Geheimnis eines echten Dienstes der Fürbitte besteht darin, ein offenes Ohr zu haben für den Herrn. Die erste Äußerung muss von ihm kommen, nicht von uns; unser Reden zu ihm kann nur wertvoll sein, wenn er zuerst zu uns gesprochen hat. Großer Nachdruck wird auf sein Heranwachsen gelegt, was an sich eine wichtige geistliche Angelegenheit ist; und während er aufwuchs, wird erwähnt, dass «der Herr ihm wiederum in Shiloh erschien: denn der Herr offenbarte sich dem Samuel in Shiloh durch das Wort des Herrn» (1. Samuel 3,21). Es wird nicht gesagt, das Gebet sei in Shiloh eine mächtige Sache geworden, oder dass Samuel im Gebet zu Gott hindurch gebrochen sei. Nein, die Betonung liegt auf Gottes Seite; er offenbarte sich wiederum, weil er einen jungen Mann gefunden hatte, der trotz seiner Jugend bereit war, sich den Willen des Herrn zeigen zu lassen, und die erste Haltung der gebeugten Knie und des hörenden Ohres zu bewahren.

Und während er alt wurde, bewahrte er noch immer diese Empfindsamkeit gegenüber dem Herrn. Er hielt fälschlicherweise den ältesten Sohn Isais für den Mann, der König werden sollte; er ging sogar so weit, zu schlussfolgern: «Gewiss ist hier vor dem Herrn sein Gesalbter!» (1. Samuel 16,6); aber er handelte nicht unbesonnen. Gott war imstande, ihn aufzuhalten, ihn zu korrigieren und ihm zu zeigen, dass man nicht dem natürlichen Urteil trauen sollte - «das, worauf ein Mensch sieht» - sondern dass man göttliche Weisung suchen sollte. Welcher Gegensatz zu dem blinden und schweren alten Mann Eli! Es ist eine große Barmherzigkeit und eine unerlässliche Bedingung für ein fruchtbares Gebetsleben, dass das Herz eines Menschen stets mit der Stimme des Geistes übereinstimmen sollte.


Samuels Herzensreinheit

Das dritte große Geheimnis von Samuels Macht im verborgenen Ort ist die unbefleckte Reinheit seines Lebens. Wusste die Mutter von den korrupten Einflüssen, denen er unter den Söhnen Elis ausgesetzt sein würde? Wenn sie es wusste, dann musste sie eine Frau von bemerkenswertem Glauben gewesen sein, dass sie ihren Sohn freigab, um in Shiloh zu leben, in jenen schlimmen Tagen. Ihr Glaube wurde gerechtfertigt. Es ist ganz offensichtlich, dass Samuel nie auch nur einen Spritzer abbekam von dem Bösen rund um ihn herum. Es war ein Wunder, sich in dieser Atmosphäre rein zu bewahren, und Gott vollbrachte dieses Wunder. Es gibt keine Macht ohne Reinheit.

Später in seinem Leben, als Samuel mit der Frage der Einsetzung Sauls zum König zu tun hatte, war er imstande, einen öffentlichen Aufruf hinsichtlich seines Wandels von seiner Jugend auf bis hin zu der Zeit, da er ein alter und grauhaariger Mann war, ergehen zu lassen, und mit einem Mund legte das Volk für seine Integrität Zeugnis ab (1. Samuel 12,1-5). Wenn es ein Wunder war, dass der Knabe Samuel rein bewahrt wurde, welch weit größeres Wunder war es doch, dass er die Reinheit des Geistes in den Jahren bewahrte, das es ihm ein Leichtes gewesen wäre, persönlichen Nutzen aus seiner Position zu ziehen. Es war das, was ihm seine einzigartige Stellung vor den Menschen, aber auch vor Gott, gab - er konnte beanspruchen, frei von Unreinheit zu sein in seinem täglichen Wandel.

Saul‘s Herrschaft brachte ihm nichts als Kummer. Und doch, genauso wie er demütig akzeptierte, auf Saul‘s Anordnung hin abgesetzt zu werden, behielt er durch alles Herzeleid dieser unglücklichen Herrschaft hindurch einen unbeleidigten Geist. Er wies Saul zurecht, aber dennoch trauerte er um ihn und betete für ihn. Er ließ keine Bitterkeit des Geistes zu, noch suchte er eine Alternative nach seiner Wahl. Er kehrte zu seinem Ort der Stille in Rama zurück, um seinen Dienst der Fürbitte fortzusetzen, bis er unter dem Drängen des Herrn nach Bethlehem ging, um David zu salben.

Dies also waren die Merkmale von Gottes Mann des Gebets - Schlichtheit, Belehrbarkeit und Reinheit. Und dies war der Mann, der die Herrlichkeit zurückbrachte und und das Urteil von «Ikabod» revidierte.


Samuel überbrückte die Kluft

Es mag einige geben, die bezweifeln, ob Samuel tatsächlich eine solch entscheidende Rolle spielte bei der Überbrückung der Kluft zwischen dem Weichen der Herrlichkeit und der vollen Wiederherstellung in Salomos Tempel. Abgesehen von der tatsächlichen Erzählung gibt es einen Hinweis darauf, was Gott und die Menschen von der Rolle hielten, die er spielte, und zwar in dem Titel, welche die beiden Geschichtsbücher erhielten, die seine Geschichte erzählen. Bis zu 1. Samuel 25,1 kann man argumentieren, Samuel sei bloß einer der maßgebenden Persönlichkeiten gewesen. Dann stirbt er und kommt auf der Bühne nicht mehr vor. Und doch wurden beide Bücher trotzdem nach seinem Namen genannt - 1. und 2. Samuel - obwohl sie, wie uns berichtet wird, als ein einziges Buch behandelt wurden. Wer gabe ihnen den Titel «Samuel»? Wir wissen es nicht. Aber es ist ganz besonders zutreffend, wie viele betont haben. Es war Samuels Einfluss und Samuels Dienst, weitgehend im unsichtbaren Bereich, welche die tragische Erfahrung von «Ikabod» umkehrte und die Fülle der Herrlichkeit zurückbrachte. Wo sind die Samuels heute? Sicher werden sie heute ebenso sehr benötigt wie es in seinen Tagen der Fall war.

Als sich Saul gegen Samuel wandte, wird uns gesagt, der Prophet sei in sein Haus in Rama zurückgekehrt (1. Samuel 15,34). Und Rama, so wird gesagt, bedeute «Höhen». Früher hatte er in Rama einen Altar errichtet (1. Samuel 7,17). Wie viel schuldete doch Israel, wie viel schuldeten David und Salomo diesem Mann, dessen Haus auf den «Höhen» beim Altar stand!


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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