Die heilige Stadt - das Neue Jerusalem
von T. Austin-Sparks

Kapitel 10 - Die Größe der Gnade Gottes in Jesus Christus

Schriftlesung: Psalm 51

«Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und der Spross Davids, der leuchtende Morgenstern» (Offenb. 22,16).

Ich meine, es ist eine wunderbare Sache, dass die Bibel beinahe mit einem Wort über David schließt, und ich glaube, ihr werdet mir beistimmen. Hier, ganz am Ende, sagt unser Herr: «Ich, Jesus... bin die Wurzel und der Spross Davids». Was die Wurzel betrifft, stammt David von mir ab. Was den Spross betrifft, stamme ich von David ab». Darum nennt der Herr sich selbst hier schlicht mit dem Namen Jesus. Er sagt: «Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt». Nun, die Apostel und die Lehrer des Neuen Testamentes benutzten diesen Namen sehr selten, denn sie sprachen von ihm stets als dem Herrn Jesus, oder von Jesus Christus, unserem Herrn. Es war sehr selten, dass einer von ihnen einfach den Namen «Jesus» verwendet, denn das war sein Name vor seiner Auferstehung und Erhöhung. «Jesus» war der Name seiner Erniedrigung, der Name dessen, der für uns gestorben ist, dessen, der an unserer Stelle zur Sünde gemacht wurde. «Jesus» war der Name des Erlösers: «Sein Name soll «Jesus» heißen; denn er wird es sein, der sein Volk von seinen Sünden erlösen wird» (Mt. 1,21). «Jesus» war der Name dessen, «der sich zu nichts machte, indem er gehorsam wurde bis zum Tode, ja zum Tod am Kreuz» (Phil. 2,8). Und hier, genau am Ende von allem, sagt er: «Ich Jesus» - «Ich Jesus... bin die Wurzel und der Spross Davids».

David! Dieser Name erinnert uns an so vieles. David war der größte König, den Israel je hatte, doch worauf gründete sich seine Größe? Wir haben diesen Psalm gelesen, aber habt ihr auch auf die Überschrift am Anfang geachtet? Hier ist sie:

«Ein Psalm Davids:
Als Nathan, der Prophet, zu ihm kam,
nachdem er zu Bathseba eingegangen war».

Dieser Psalm ist eines der schrecklichsten Dinge in der Bibel. Es ist der Psalm eines Mannes, dessen Herz wegen seiner Sünde und wegen ihrer schrecklichen Natur
gebrochen ist. Erinnert ihr euch an die Geschichte?

Es gab einen Mann namens Uria, und dieser hatte eine sehr schöne Frau. Zu einem Zeitpunkt, als Israel zum Kampf auszog, stieg David, anstatt mit seinen Streitkräften ins Feld zu ziehen, auf das Dach seines Hauses, und von da aus sah er diese wunderschöne Frau. Seine Leidenschaft stieg in ihm auf, und er sagte: «Ich muss diese Frau haben! Zwar ist sie schon mit Uria verheiratet, doch irgendwie muss ich sie kriegen!» So befahl er seinen Heerführern: «Ich möchte, dass ihr Uria in die vorderste Reihe der Kampfverbände beordert und dann den Feind angreift. Wenn dann der Angriff im Gange ist, lasst ihr die Armee sich zurückziehen, so dass Uria allein zurückbleibt». Genau das taten sie, und natürlich hatte dieser Plan Erfolg. Uria wurde getötet, und daraufhin kehrten Davids Heerführer zurück und meldeten: «Uria ist tot». Nun schickte David zu Urias Frau Bathseba und ließ ihr ausrichten: «Uria ist gefallen. Komm, und werde meine Frau». So also bekam David Bathseba, wie er es geplant hatte, doch dann sprach der Herr zu Nathan, dem Propheten: «Geh zu David und erzähle ihm ein Gleichnis von einem armen Mann, der nur ein Schaf hatte, und von einem andern, der viele Schafe hatte; doch dieser Mann, der schon viele Schafe hatte, stahl das eine, kleine Schaf, das dem armen Mann gehörte». Und als David sich die Geschichte angehört hatte, stieg sein Zorn in ihm hoch, und er sprach: «Ein Mann, der so etwas tut, ist des Todes würdig. Er muss sterben!» Darauf sagte Nathan: «Dieser Mann bist du!» David hatte einen Mord begangen, indem er diese Tat plante, und wisst ihr, und indem er dies tat, versetzte er sich außerhalb aller Opfer des Herrn für die Sünde. Die Gesetze Gottes durch Moses hatten ein Opfer für jede andere Art von Sünde vorgesehen. Es gab sogar ein Opfer für einen Menschen, der jemanden durch Zufall tötete, also für einen Menschen, der jemanden umbrachte, obwohl er nie die Absicht hatte, das zu tun; doch für einen Mann, der sich so etwas ausdachte, es plante und dann auch ausführte, für den gab es kein Opfer. Man nannte dies «Blutschuld», und dafür wurde von Gott kein Opfer vorgesehen. Ein solcher konnte wohl seine Opfer bringen, sein Opfer und seine Brandopfer, doch Gott würde sie nicht annehmen, und das war der Zustand, in welchem David sich in Ps. 51 befand:

«Erbarme dich meiner, o Gott, gemäß deiner Güte... wasche mich gründlich von meiner Ungerechtigkeit, und reinige mich von meiner Sünde... Meine Sünde ist mir stets vor Augen. Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und habe getan, was böse ist in deinen Augen... reinige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich, und ich werde weißer sein als Schnee... Wirf mich nicht fort von deiner Gegenwart; und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir... Befreie mich von Blutschuld, o Gott, du Gott meiner Errettung... Du hast keine Freude an Opfern, sonst würde ich sie dir geben: du hast keinen Gefallen an Brandopfern».

Damit sagt David: « Ich habe nichts, das ich opfern könnte. Ich habe mich außerhalb alles dessen gestellt, was Gott vorgesehen hat. Meine Situation ist absolut hoffnungslos, ausgenommen eines, und dieses Eine ist Deine Gnade».

Meint ihr jetzt nicht auch, es sei eine wunderbare Sache, dass die Bibel aufhört mit: «Ich bin die Wurzel und der Spross Davids?» Mit andern Worten heißt das, dass die Bibel damit endet, dass sie sagt, Gottes Gnade sei größer als die größte Sünde, und sie sei genug für einen Menschen, der keine Hoffnung hat. Ich denke, es ist etwas Wunderbares, dass Gott danach David so groß gemacht hat, so dass sein Name einer der größten Namen in der Geschichte geworden ist.

Salomo war der zweite Sohn dieser Frau, Bathseba, und schon der Name «Salomo» bedeutet für uns die größte Herrlichkeit in der Bibel. Jesus selbst wird das bestätigen. Er redete von «Selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit» (Mt. 6,29), doch «ein größerer als Salomo ist hier» (Mt. 12,42). Zuerst einmal habt ihr die wunderbare Größe von Salomo von einem Mann, der wie David gesündigt hat. Wie könnt ihr das erklären? Es wird damit erklärt, dass «ein größerer als David hier ist». In welcher Hinsicht ist Jesus größer als Salomo? Weil er jemanden, der in die tiefsten Tiefen der Sünde gefallen ist, nehmen und ihn auf den höchsten Platz in der Herrlichkeit erheben wird. Das ist in der Tat Größe! Es ist die Größe der Gnade Gottes, die in Jesus zu uns gebracht wurde.

«Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um der Gemeinde Zeugnis von diesen Dingen abzulegen». Was ist das größte Zeugnis Jesu in der Gemeinde? Es ist das, was Paulus, den «überschwänglichen Reichtum seiner Gnade» nennt (Eph. 2,7).

So beenden wir denn unser Studium der Offenbarung mit diesem herrlichen und glorreichen Ton. Jesus sagt: «Ich bin... die Wurzel und der Spross DAVIDS». Stellt euch vor, Jesus verbündet sich mit David! Wenn das nicht Gnade ist!

Doch denkt daran, dass es etwas in David gab. «Wenn durch Mose kein Opfer für meine Sünde vorgesehen ist, dann ist ein Opfer durch Jesus vorgesehen». David sagte: «Opfer gefallen dir nicht... an Brandopfern hast du kein Wohlgefallen. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerbrochener Geist: ein zerbrochenes und betrübtes Herz, wirst du, o Gott, nicht verachten».

Die Botschaft spricht für sich selbst. Sie ist für Worte zu groß, zu wunderbar! Wie groß ist doch die Gnade Gottes in Jesus Christus! Und den Zugang zu dieser Gnade erlangen wir nicht durch irgend welche Werke, die wir tun könnten, auch durch kein Opfer, das wir darbringen könnten. Es ist nur möglich durch ein zerbrochenes und betrübtes Herz, das zum Kreuz Jesu kommt und dort Gottes Opfer für die Sünde sieht, das kein anderes Opfer beseitigen kann.

Darum singen wir:

«Reiche Gnade findet sich in dir;
Gnade, um all meine Sünden zuzudecken».


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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