Die Gemeinde, die Sein Leib ist
von T. Austin-Sparks

Kapitel 1 - Ihr Himmlischer Aspekt

Wir werden, wie der Herr uns befähigt, erneut über den Leib Christi nachdenken. Wenn wir größere Enthüllungen über dieses Geheimnis erfahren möchten, wissen wir wohin wir uns wenden müssen; wir schlagen instinktiv den Epheserbrief auf. In diesem Brief merken wir uns zuallererst die einfache, grundlegende Tatsache, dass die Gemeinde als «Leib Christi» bezeichnet wird, sie wird «die Gemeinde, die sein Leib ist» genannt. Das unterscheidet die Gemeinde in diesem Brief von andern Bezeichnungen, die wir sonstwo finden. Da wäre der Tempel, oder das Haus Gottes, und andere ähnliche Bezeichnungen, doch in diesem Brief ist es ganz besonders der Leib Christi, der allem zugrunde liegt, was der Brief entfaltet, und alles, was dieser Brief enthält, liegt in der Linie der Vorstellung von einem Leib. Nun, das Wort, das durch diesen ganzen Brief hindurch in Verbindung mit dieser Bezeichnung gebraucht wird, ist das Wort, das mit «zusammen» übersetzt wird. Es ist beeindruckend, wie häufig dieses Wort vorkommt. Hier wird uns gesagt, wir seien «zusammen» mit ihm auferweckt worden. Das bedeutet nicht nur, dass wir als Einzelne mit dem Herrn Jesus zusammen in seiner Auferweckung dabei waren, sondern es bedeutet ebenso, dass wir gemeinschaftlich auferweckt wurden, wir wurden in ihm gemeinsam auferweckt, also nicht nur mit ihm, sondern gemeinschaftlich in ihm.


Die ewige Einheit des Leibes

In der Auferstehung des Herrn Jesus war die ganze Gemeinde zusammen eingeschlossen. Und dann wird uns im gleichen Vers 2,6 gesagt, wir seien in ihm «zusammen auferweckt worden. Ferner wird uns an der gleichen Stelle mitgeteilt, wir seien «mitversetzt» worden in ihm. Einen Schritt zurück kehrend, zu 1,10 heißt es, wir seien «zusammengefasst» worden in ihm, und weiter unten, in 2,21 wurden wir «zusammen gefügt». In Vers 22 werden wir «zusammen gebaut». So rückt dieses Wort «zusammen» auf sehr einfache Weise die Tatsache der gemeinschaftlichen Natur der Gemeinde, des Leibes Christi, ins Blickfeld. Wir wollen, so weit das nur möglich ist, die volle Aussagekraft davon herausarbeiten, denn ohne Zweifel unterstreicht dieser Brief die Tatsache, dass die Gemeinde ein gemeinschaftlicher Leib ist; nicht, dass sie dies eines Tages sein werde, wenn das Werk der Gnade vollendet ist; nicht, dass sie das bloß im Sinn und in den Gedanken Gottes, im Willen Gottes, in der Absicht Gottes ist; nicht, dass bloß die Absicht bestand, als der Herr sie entstehen ließ, dass sie dies sein sollte; sondern, dass sie es IST; dass trotz allem, was man hier auf der Erde sehen kann; trotz der ständig zunehmenden Zahl von Abspaltungen und Trennungen, all der unglücklichen Schismen, die in die Gemeinschaft des Volkes auf dieser Erde eingedrungen sind; trotz allem was in dieser Beziehung je war und noch sein wird, ist die Gemeinde noch immer ein gemeinschaftliches Ganzes.

Das ist sie, nicht nur in Bezug auf das Volk auf der Erde, sondern es ist wahr bezüglich der wesenhaften Natur der Gemeinde, des Leibes Christi, und je schneller diese Erkenntnis in unserer geistlichen Akzeptanz und in unserem Bewusstsein Wurzeln schlägt und sich festsetzt, desto besser. Kein Schisma, ihr Lieben, das zufällig die über die Beziehungen von Christen auf der Erde hereinbricht, kann an dieser Tatsache etwas ändern. Die Unterschiede, die bestehen, oder die durch die verschiedenen Mentalitäten, Auswahlmöglichkeiten und Vorlieben, Neigungen und Abneigungen, intellektuelle Akzeptanz oder Verwerfung entstehen - all diese Unterschiede berühren diese letzte Tatsache nicht, nämlich, dass ein Bereich existiert, indem es ein Zusammengehen, eine Einheit, eine Gemeinschaftlichkeit gibt, die unbeeinflusst bleibt durch irgend etwas, das sowohl in religiöser oder auch theologischer Hinsicht vom Menschen selbst stammt.

Natürlich gibt es auch einen Bereich, in dem ein Bruch in der Gemeinschaft vorkommen kann, und das geschieht dort, wo sie den Bereich des Geistes betritt und wo der Geist davon betroffen wird. Da könnt ihr ganz entschieden dem Leib Christi einen Schlag versetzen, doch letztlich ist dieser Leib eins; was natürlich deutlich anzeigt, das dieser etwas anderes ist als etwas Irdisches, dass es ein himmlischer Leib ist, unbeeinflusst und unberührt von der Erde.

Wir haben die Neigung, zu akzeptieren, was wir sehen, von den Trennungen beeinflusst zu werden, die es hier gibt, und geraten dann fast in Verzweiflung wegen dessen, was wir sehen. Je schneller wir jedoch diese ganze Angelegenheit beiseite fegen, desto besser; und wenn es fünfzigtausend irdische Unterteilungen des Volkes Gottes geben sollte, so bleibt der Leib Christi einer. Er ist ein saumloses Gewand, er ist ein Leib, der nicht getrennt werden kann, er bleibt einer. Das ist die grundlegende Tatsache, zu der wir zurückkehren müssen, und das ist der Punkt, an dem wir beginnen.

Dieser Brief, in dem wir die Enthüllung des Geheimnisses Christi und seiner Glieder, der Gemeinde, des einen Leibes, finden, stellt mit größtem Nachdruck die Tatsache der gemeinschaftlichen Natur des Leibes fest. Er geht nicht auf Argumente ein diesbezüglich, oder diskutiert darüber, er setzt es als gegeben voraus, es ist eine feste Tatsache. Natürlich wird in unterschiedlichem Maße davon Gebrauch gemacht, und es gibt auch unterschiedliche Grade der Fruchtbarkeit hiervon, aber es gibt kein unterschiedliches Maß bezüglich der Tatsache selbst. Die Tatsache bleibt solide und fest begründet. Unsere Aufgabe ist es, in diese feststehende Tatsache einzutreten und in deren Bedeutung einzudringen; aber dass wir ihre Bedeutung noch nicht voll erfasst haben, heißt nicht, dass sie nicht existiert. Das Problem ist, dass wir nicht in das hinein kommen, was Gott von Anfang an eingesetzt hat; das heißt, wir müssen erkennen, was es ist, das den Leib zu einem macht, und das ist unsere Aufgabe. Die Einheit existiert; unsere Aufgabe ist es, sie sich uns anzueignen, nicht sie herzustellen. Wir kommen gleich dazu, doch beachtet, dass der Brief an die Epheser noch immer lebendig ist, er ist noch immer anwendbar, er gilt immer noch auch für heute. Nach all diesen Jahrhunderten, nachdem wir all das haben, was es auf dieser Erde gibt, die Unterteilungen und Trennungen unter dem Christenvolk, von denen alle Glieder des Leibes Christi sein mögen, nach all diesen Jahrhunderten bleibt der Epheserbrief da, wo er am Anfang war, und er stellt den Leib als ein solides Ganzes dar, als eine gemeinschaftliche Einheit.


Eine himmlische Position ist nötig, um die Einheit wahrzunehmen

Erst wenn wir in die himmlischen Regionen hinaufsteigen und uns so von den irdischen wegbegeben, beginnen wir, in die Tatsache einzutreten und zu realisieren, was diese Tatsache für Gott, für die himmlischen Regionen, für die Hölle, und für diese Welt bedeutet. Also, um in die Tatsache mit all dem einzudringen, mit all dem, was sie an effektiver Berufung und effektivem Leben enthält, müssen wir die ganze Angelegenheit durch unsere Position in Christus in den himmlischen Regionen einführen und genau erkennen, wo wir geistlich platziert worden sind: Denn erst, wenn wir dazu kommen, das zu erkennen, und in unsere himmlische Position einzutreten, können wir die Bedeutung dieser himmlischen Realität der Gemeinde, die sein Leib ist, sehen, schätzen oder zu ihr gelangen. Wir können die Gemeinde nicht von den irdischen Regionen aus sehen, wir können sie nur von den himmlischen aus erkennen.


Unsere Haltung den Unterschieden gegenüber

Ich möchte von da nicht einfach weitergehen und den Eindruck hinterlassen, als hätte ich bloß irgend eine Feststellung gemacht. Ich möchte, dass wir den Nutzen davon gewinnen. Ihr und ich, wir mögen eine Auseinandersetzung haben, doch diese schafft keinen Unterschied in unserer Beziehung zum Herrn Jesus. Die Tatsache, dass wir, ihr und ich, aus der Reihe tanzen oder verschiedener Meinung sind, reißt uns nicht als Glieder aus dem Leib Christi heraus. Nein, es ist zwar unser Verlust, es ist unsere Schande, es ist zufällig in unserem Christenleben, es ist irgendwie ein Zusammenbruch der Gnade in uns, doch werden wir uns davon erholen, wenn wir den Bewegungen des Geistes in uns folgen, und zurückkehren, um festzustellen, dass wir nicht aufs neue in Christus, in seinen Leib, eingefügt werden müssen - die Tatsache bleibt trotz allem bestehen.

Seht ihr, das funktionierende Prinzip ist dies: es mag viel an Trennungen unter Gläubigen auf dieser Erde geben, aber wir dürfen das nicht als ein Letztes akzeptieren, wir dürfen nicht glauben, dies bedeute, dass einige in Christus sind und einige außerhalb von Christus, dass etwa wir in Christus sind, die andern jedoch nicht, und dass der Leib deshalb vollständig kollabiert und auseinander gefallen sei. Die einzige Hoffnung, uns der Tatsache erfreuen zu können, ist die, dass wir zurückweisen, was wie eine andere Tatsache aussieht, und dass wir danach trachten, über das hinaus zu gelangen, was - weil es irdisch ist - diese Dinge überhaupt entstehen lässt, und entdecken, dass wir uns eben in den himmlischen Regionen befinden und dass deshalb die Gemeinschaft bestehen bleibt. Das ist ein funktionierendes Prinzip und wir sollten erkennen, dass dies die Bedeutung der Tatsache ist. Wir müssen die Tatsache akzeptieren, und wir müssen bestrebt sein, die andern Dinge, die sich dieser letzten Tatsache entgegen stellen, zu überwinden und zurückzuweisen.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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