Die Gemeinde, die Sein Leib ist
von T. Austin-Sparks

Kapitel 2 - Die Basis der Einheit

Nun, da wir gesehen haben, wie sich herausstellt, dass es so ist, dass wir zusammen sind, möchten wir noch etwas mehr vom Grund dieser Einheit sehen. Ich denke, es könne uns am meisten helfen, wenn wir uns an das 23. Kapitel des 3. Buches Mose erinnern, an jenes Kapitel, das die Einsetzung der Feste des Herrn beinhaltet. Nun, der Hauptgesichtspunkt, der vorherrschende Gesichtspunkt dieser Feste ist der, dass sie das gemeinschaftliche Leben des Volkes Gottes repräsentieren, das gemeinschaftliche Leben der Gemeinde. Seht ihr, sie sind das Versammeltwerden des ganzen Volkes Gottes. Diese Feste werden heilige Zusammenkünfte genannt. Das Volk wird zusammengerufen, bei diesen Gelegenheiten und durch diese Gelegenheiten wird seine Einheit offenbar, so dass das vorrangige Element das gemeinschaftliche Leben des Volkes Gottes ist, wie es zu diesen Zeiten zum Ausdruck gebracht wird.

Das ist es, was im Blickfeld steht. Zu diesen Zeiten hören die Leute auf, ein privates Leben zu führen, sie hören auf, ein losgelöstes, individuelles Leben zu führen, und das betrifft selbst ihr eigenes häusliches Leben oder gesellschaftliches Leben innerhalb ihres eigenen Kreises. Alles Abteilungsmäßige wird zu diesen Zeiten aufgegeben und das Volk findet sich als Einheit wieder. Und wenn dies tatsächlich der Fall ist, geht ihr weiter und nehmt von dem Notiz, was ihre Einheit eigentlich ausmacht, und ihr stellt fest, dass es diese Feste sind. Ja, aber dann sind es die verschiedenen Feste zusammen genommen, die ein einziges Ganzes ausmachen, was das Fundament des gemeinschaftlichen Lebens und der Gemeinschaft des Volkes Gottes ist.

So geht er die Feste durch. (Ich werde mich nicht breit oder im Detail darüber auslassen, ich erwähne sie bloß, vielleicht auch ihre hervorstechendsten Merkmale). So kommt als erstes


Das Passahfest

in Betracht. Eine ganze Menge göttlicher Prinzipien sind im Passahfest zusammen gefasst, doch da ist eine Sache, die all die andern in sich schließt und zu dem wird, wofür das Passahfest überhaupt steht, was es repräsentiert, nämlich EINEN LEBENSBUND DURCH BLUT. Alles wird dadurch zusammengefasst. Gott schließt einen Bund. Er schließt diesen Bund durch Blut; dieses Blut des Bundes bedeutet Befreiung von Gericht und Tod, ein Gehaltenwerden im Leben, wenn der Tod überall lauert, der Zerstörer unwirksam gemacht. Nun, das ist triumphierendes Leben in der Gegenwart des Todes, über den Teufel, in der Kraft von vergossenem und gesprengtem Blut, und so besteht ein Bund zwischen Gott und den Seinen. Das ist der erste Schritt, das erste, was das gemeinschaftliche Leben des Volkes Gottes zum Dasein verhilft.

Nun möchte ich eine Unterscheidung treffen. Eine große Zahl von Menschen haben heutzutage versucht und versuchen es immer wieder, die Einheit der Gemeinde auf der Basis der Lehre vom Wert und der Wirksamkeit des Blutes Christi, also der Lehre vom Blut, zu realisieren; wenn ihr wollt, der Lehre von der Versöhnung, dem Wert des Blutes, der ganzen Lehre vom Blut des Herrn Jesus, von welchem Blickpunkt aus sie auch verkündigt werden mag, in welcher Richtung sie auch immer angewendet werden mag; sie versuchen, die Einheit der Gemeinde zu verwirklichen, dies als wesentliche Lehre festzusetzen, und wenn ihr dies als eine der Lehren des Glaubens akzeptiert, dann tretet ihr in die Einheit der Gemeinde ein. Doch nie hat irgend eine Lehre Einheit bewirken können. Es genügt nicht, sich zum Fundamentalismus zu bekennen, der vermutlich nichts anderes ist als die Ansammlung bestimmter anerkannter fundamentalen Lehren; es genügt nicht, dies als Basis der Einheit zu haben. Das funktioniert nicht. Ihr könnt sie nicht auf der Basis irgend einer Lehre, auf der Basis eines Glaubensbekenntnisses haben; ihr müsst sie auf der Basis der Erfahrung gewinnen, auf der Basis der Kraft, auf der Basis von etwas, das gewirkt worden ist, das entstanden ist. Wir wissen, dass es viele Leute gibt, die an die ganze Kraft und den Wert des Blutes unseres Herrn Jesus glauben, die aber in ihrer Erfahrung sehr wenig über die Kraft seines Blutes kennen gelernt haben im Sinne einer mächtigen Kraft, die der Macht des Todes im Innern und draußen entgegenwirkt. Das ist etwas Himmlisches, ein Glaubensbekenntnis jedoch kann etwas sehr Irdisches sein, vollkommen gesund und wahr, doch etwas recht Irdisches für eine irdische Gesellschaft, unwirksam im geistlichen Bereich.

Es ist die geistliche Kraft des Blutes, die im geistlichen Universum registriert wird, welche den wahren Wert des Blutes ausmacht, und erst, wenn ihr da hineingelangt, tretet ihr in die Einheit der Gemeinde ein - auf geistliche Weise, nicht in Form eines Bekenntnisses. Es ist etwas Erfahrungsmäßiges, nicht Lehrmäßiges. Es ist Leben als etwas Aktives, Energetisches, Mächtiges. Es ist nicht unsere Loyalität zu gesunder Lehre. Es ist sehr wichtig, diese Unterscheidung zu beachten. Die Aufrechterhaltung der Einheit des Leibes Christi, ihr Lieben, erfordert unendlich viel mehr als ein gesundes Glaubensbekenntnis und wahre Lehre; es erfordert eine Kraft, eine ungeheure Kraft, eine Kraft, die stärker ist als jede andere Kraft in diesem Universum, und das Blut ist eine solche Kraft (also nicht bloß eine Lehre, d. Übers.).

Auf der Grundlage dieses Blutes ist die Gemeinde ins Dasein gelangt. Christus lebt heute kraft seines eigenen Blutes, und Er, kraft dieses Blutes lebend, hat alle seine Glieder durch dieselbe Kraft seines Blutes in eine himmlische Gemeinschaft mit ihm gebracht. Es ist etwas Lebendiges, Wirksames, Unternehmerisches, dieses Blut, und das Passahfest drückt ganz einfach dies aus, dass wir in der Kraft seines Blutes und aufgrund dieses Bundes in eine erfahrungsmäßige, lebendige und aktive Einheit mit einander in Christus gekommen sind. Das ist die Einheit der Gemeinde, des Leibes Christi. Solange etwas Derartiges nicht vorliegt unter uns, sind wir noch nicht in die aktive Wirksamkeit des Lebens der Gemeinde als eines himmlischen Leibes eingetreten.

Wenn man mit der Gemeinde rechnen können soll, wenn sie ihre Berufung erfüllen soll, wenn sie ihren Einfluss auf die Fürstentümer und Gewalten und Weltbeherrscher dieser Finsternis, die Mächte der Bosheit geltend machen soll, wenn sie ihre universale Mission, ihren vorherbestimmten Vorsatz erfüllen soll, kann es nur auf der Basis dieser ungeheuren Kraft geschehen, die im kostbaren Blut des Herrn Jesus liegt. Wenn das zutrifft, dann hat die Gemeinde, abgesehen von diesem Blut, kein Existenzrecht, und es gibt deshalb für sie, abgesehen vom Blut, auch keine Berufung.

Wir haben gesagt, wir müssten zu einer Wertschätzung davon gelangen, wir müssten uns dem annähern, was ohnehin schon wahr ist; doch im Sinne Gottes ist niemand ein Glied des Leibes Christi, der nicht direkt in der Kraft seines kostbaren Blutes steht. Ich meine damit nicht, dass sie intellektuell die Bedeutung dieses Blutes wahrnehmen, dass sie zur vollen Offenbarung dessen gelangt sein müssen, was dieses Blut wirklich ist, sondern dass ihre Beziehung zum Herrn Jesus in der Kraft dieses Blutes zustande gekommen sein muss, und dass es im Himmel dieses Blut ist, das sie ihm und einander hinzugefügt hat. Nur in der Kraft dieser Realität wird die Gemeinde letztlich triumphieren. «Sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes willen» (Offenb. 12,11).

Das ist erst der Anfang, seht ihr. Wenn wir also die gemeinschaftliche Wahrheit des Leibes Christi kennen, wertschätzen, uns ihrer erfreuen und von ihr profitieren wollen, müssen wir lernen, was die Kraft des Blutes ist, und dieses Blut muss in unserem Leben zu einer anerkannten Kraft gegen all die Dinge werden, die der Teufel zu benutzen sucht, um die Gemeinschaft zu zerstören. Oh, wie viel weniger wäre es dem Satan gelungen, Schismata und Trennungen anzuzetteln, wenn nur das Volk Gottes die Kraft und Wirksamkeit des Blutes gegen jede Art von satanischer Aktivität erkannt hätte! Wenn wir, ihr und ich, in unseren Beziehungen als Ergebnis irgend einer Einwirkung des Feindes in einen Zustand der Spannung geraten würden, dann, ihr Lieben, ist das einzige, was uns in die Gemeinschaft zurück bringen würde, dies, dass wir uns gegen alles, was der Feind angerichtet hat, auf das Blut berufen. Das allein wäre der volle Beweis für die Tatsache, dass der Leib eins ist kraft des Blutes, und zwar anfänglich, ständig und endgültig. Das Passahfest vermittelt uns diese ursprüngliche Wahrheit; also beruhte das Zusammenkommen des Volkes des Herrn im Alten Testament, ihr gemeinschaftliches Leben, ihre Gemeinschaft, in erster Linie auf der Basis eines Bundes im Blut, das über den Tod und den Zerstörer triumphierte - die erste Phase ihrer Gemeinschaft. Das zweite dieser Feste war


Das Fest der ungesäuerten Brote

Das Fest der ungesäuerten Brote sollte sieben Tage lang dauern, was eine vollkommene Zeitperiode darstellte, eine vollkommene, geistliche Zeitspanne - (sieben ist die Zahl der geistlichen Vollkommenheit) - das heißt in einer vollkommenen, geistliche Zeitspanne, in welcher alles, was vom Fleisch stammt, eliminiert und ausgemustert wurde, denn der Sauerteig ist das Ferment des Fleisches, das Werk des Fleisches, das machtvolle Element des Fleisches, das korrupt ist, und wir wissen, dass der Sauerteig die Grundlage für die Korruption darstellt. Das Fleisch ist korrupt, es muss eliminiert werden, es muss ausgemustert werden durch die ganze Zeitspanne unseres geistlichen Lebens hindurch. Wir müssen zu Römer 6 gehen und dort wahrnehmen, wie im Kreuz des Herrn Jesus der Leib des Fleisches unwirksam gemacht wird, wo wir auch erkennen, dass dieses Fleisch von Gott ausgemustert wurde. Der Herr verlangt, dass es beiseite gesetzt wird, wir müssen es zurückweisen, wir müssen Gottes Position diesbezüglich akzeptieren, dass das Fleisch keinen Platz haben darf. Das bedeutet nicht, dass wir nie mehr entlang der Linie des Fleisches versucht würden, noch dass wir uns nie wieder bewusst würden, dass das Fleisch vorhanden ist, aber es bedeutet, dass wir das Fleisch zurückweisen müssen, auch wenn wir mit ihm in Berührung geraten; wir müssen diesen Grund zurücknehmen, ihn verwerfen und sagen: «Ich tue Buße, ich lege dies zurück, ich erkennen, dass es Korruption ist, und dass es alles korrumpieren wird; darum lege ich es ab, ich scheide es aus. Ich betrachte mich ihm gegenüber als tot». Gerade so wie am Vorabend des Passahfestes der Vater des jüdischen Haushaltes seine Lampe anzündete und durch das ganze Haus ging, von Zimmer zu Zimmer, und jede Ecke, jeden Schrank, jedes abgelegene Plätzchen absuchte, um irgend ein Krümchen von Sauerteig zu finden, wenn er konnte, und nachdem er sein Haus, so weit er sich dessen aufgrund dieser äußerst gründlichen Suche bewusst war, von Sauerteig reingefegt hatte, so war er vor Gott auch dann noch nicht zufrieden und erklärte deshalb: «Ich habe mein Haus gründlich durchsucht, ich habe es, so weit ich das wissen kann, von Sauerteig gereinigt, aber sollte dennoch etwas Sauerteig vorhanden sein, der sich meiner äußersten Nachforschung und peinlichen Suche entzogen hat, so weise ich auch diesen zurück».

Die Gründlichkeit der Zurückweisung des Fleisches als dem korrumpierenden Element - dass ist das Fest der ungesäuerten Brote. Die Einheit der Gemeinde, des Leibes Christi, verlangt nicht nur, dass unsere Sünden getilgt werden, sondern dass wir auch dem Fleische nach beiseite gesetzt worden sind. Der natürliche Mensch korrumpiert Dinge, er verdirbt Dinge, er trennt. Wir wissen, dass es das Ferment des Fleisches ist, das sich gegen die Einheit des Fleisches stellt, das zu Schismata führt, das das positive geistliche Funktionieren des Volkes Gottes in geistlicher Einheit umstürzt. Es ist das Fleisch, das dies alles vollbringt; wenn also all die Leute ihre Einheit des Lebens in Gott zum Ausdruck bringen wollen, ist es nötig, dass sie das Fleisch zurückweisen, dass sie den Sauerteig los werden. Jedes auch nur geringe Aufbäumen von Eifersucht, oder Missgunst oder von persönlichen Gefühlen, oder eines erhitzten Gemüts meinerseits, oder von Herausforderung, die eine persönliche Herausforderung darstellt, nicht aufgrund eines Prinzips, der Gerechtigkeit, sondern eine persönliche Herausforderung, die einen Schatten zwischen mich und die andern wirft, auf diese muss ich sofort zurückkommen, und ich muss von ganzem Herzen sagen: «Das war falsch, und ich tue Buße darüber und bin bestrebt, diesen Sauerteig loszuwerden, ihn fortzuschaffen.»

Wir alle müssen dies tun. Wir alle sind in diesem natürlichen Leben immer noch sehr anfällig dafür, uns aufzuregen und beleidigt zu werden, wir sind immer noch sehr empfindlich. Oh ja, wir wissen das sehr wohl! Ob wir fühlen, ein Recht zu haben, uns aufregen zu dürfen oder nicht, darum geht es nicht; der springende Punkt ist der: ist unser Fleisch in die Situation hineingekommen? Wenn es dies getan hat, dann hat es eine Barriere zwischen mich und andern aufgerichtet, und wir müssen hingehen und den Fehler bekennen, dessen wir schuldig geworden sind. Wir sollten uns nicht die ganze Zeit herausreden, weil uns mehr Unrecht zugefügt worden sei als wir getan hätten, noch sollten wir unsere Fehler verbergen, weil die andern Fehler gemacht haben. Wir müssen zurück gehen und sagen: «Ich hätte nicht so reagieren dürfen, wie ich es getan habe, ich hätte um Gnade ersuchen und Böses mit Gutem vergelten sollen». Wir tun das nicht immer, niemand von uns; aber solange wir das nicht tun, solange wir nicht kurze Buchhaltung führen, wird sich eine Barriere zwischen uns erheben.

Der Leib Christi in seiner gemeinschaftlichen Einheit gründet sich auf die wirksame Tatsache von Römer 6 und Kolosser 2,11-12 - der ganze fleischliche Leib beschnitten, weggetan. Ihr seht aufs Neue, wie nötig es ist, etwas mehr zu haben als nur das Prinzip unserer Identifizierung mit Christus im Tode; es darf nicht bloß beim Prinzip bleiben, sondern es muss eine konkrete Ausführung dieses Prinzips stattfinden. Das Prinzip tut höchst wahrscheinlich nichts anderes, als dass es uns in eine falsche Position versetzt, und das wird es tun, wenn es nicht angewendet wird. Wir können durch die Wahrheit ebenso verführt werden wie durch den Irrtum. Eine ganze Menge von Menschen werden durch die Wahrheit verführt. Sie haben das Prinzip, sie haben die Lehre, und das ist für sie das Ende von allem; sie sehen nicht ein, dass es für sie unbedingt notwendig ist, dass das Prinzip funktioniert und dass im Leben geschehen sollte. Ihr seht, dass sich das gemeinschaftliche Leben von Israel auf dieses Zweite gründete, auf das Ablegen des Fleisches. Das dritte der Feste war


Das Fest der Erstlingsfrüchte

Nun, das umfasst viele Aspekte der Wahrheit und führt zu viel mehr, als was wir gegenwärtig zu erwähnen gedenken. Wir nehmen bloß das Erste, Grundlegende, das Hervorstechende, das alles übrige bei diesen Festen beherrscht. Wenn ihr zum Fest der Erstlingsfrüchte kommt, dann stoßt ihr schlicht auf die große Wahrheit der Auferstehung des Herrn Jesus als (unser) Stellvertreter. Die ersten reifen Früchte repräsentieren alle andern, die noch folgen werden, die Erstlingsfrüchte werden also repräsentativ für das Ganze genommen. Der Priester nimmt also diese ersten reifen Kornähren entgegen und dankt dem Herrn für die ganze Ernte. Diese sind die Erstlinge der Ernte, und wir wissen aus den Korintherbriefen, was der Apostel darüber aussagt, dass nämlich der Herr Jesus eine Erstlingsfrucht sei, so dass er in seiner eigenen Person stellvertretend die Gemeinde in der Auferstehung ist. «Wir sind mit ihm zusammen auferweckt worden», sagt der Epheserbrief. Wir wurden mit ihm begraben, das heißt, der alte Mensch wurde beseitigt, nun sind wir mit ihm auferweckt worden, und die wahre Einheit der Glieder Christi, die Einheit des Leibes Christi finden wir in ihrem lebendigen Zeugnis für das Einswerden in der Auferstehung mit dem Herrn Jesus. Wir wissen, wie er dieses Prinzip in seinem einfachen und wohl bekannten kleinen Gleichnis vom Weizenkorn eingesetzt hat. «Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viele Frucht» (Joh. 12,24). Seht ihr, da findet eine Multiplikation statt, hundertfältig. Ein sterbendes Korn bringt 100 lebendige Körner hervor. Es ist Auferstehungs-Gemeinschaftlichkeit in Christus durch seinen Tod.

Oh, dass wir doch als Leib Christi in die wirksame Kraft dieses Sachverhalts eingehen möchten! Und wisst ihr, wenn wir wirklich anfangen, in der Erfahrung und auf lebendige Weise in die Tatsache einzutreten, dass wir mit ihm in der Gleichheit seiner Auferstehung zusammengepflanzt wurden, und wenn die Kraft seiner Auferstehung in uns wirksam geworden ist, was für einen Sinn für Gemeinschaft bringt das uns, was für einen Unterschied in unseren Beziehungen. Wenn wir die Kraft des Auferstehungslebens in uns am Werke wissen, was für eine Gemeinschaft haben wir dann! Wenn wir in uns gegenseitig etwas von dem über den Tod triumphierenden Lebens erkennen, etwas, was in uns wirksam ist, eine Gegenseitigkeit in der Erfahrung, dann ist mit dieser Gegenseitigkeit zu rechnen, und es ist bereits ein Zeugnis in den himmlischen Regionen, es wirkt gegen die Mächte des Todes und der Finsternis.

Das, was so in den Leib Christi hinein gewirkt wird, ist das Zeugnis für die Tatsache, dass die Macht des Teufels gebrochen ist, und auch ein Zeugnis für die Tatsache, dass Christus den Tod überwunden, und dass er den Tod im Sieg verschlungen hat (1. Kor. 15,54; Hos. 13,14). Es sei denn, wir kennen das erfahrungsmäßig im geistlichen Bereich, werden wir es im physischen nicht kennen lernen. In der göttlichen Ordnung folgt das Physische stets dem Geistlichen. Wir werden nie die Auferstehung des Leibes zum ewigen Leben kennen lernen, es sei denn, wir kennen bereits die Auferstehung im Geist. Es ist eine wirksame Kraft, die die Grundlage für die Existenz der Aktivität und der Funktion der Gemeinde darstellt. Um in die Tatsache der Einheit des Leibes einzugehen, müssen wir in die Erfahrung der Kraft der Auferstehung eingehen. Das vierte ist


Der Tag der Versöhnung

Wie bei allen andern Festen, so sind auch hier viele Prinzipien eingeschlossen, doch eines herrscht vor. Der Herr sagt: «Es ist für euch ein Sabbat der Ruhe, da sollt ihr nicht arbeiten». Dies ist ein Fest der Versammlung des Volkes Gottes zur Ruhe, der Versöhnungstag. Nun, wenn wir alle andern Elemente weglassen, so wollen wir die Bedeutung der Sabbatruhe betrachten, die an diesem Punkt in Erscheinung tritt. Die Feste wurden mit der Einsetzung des Sabbats bereits eingeführt; hier bekommt die Sabbatruhe einen besonderen, eigenartigen, merkwürdigen Platz in Verbindung mit dem Versöhnungstag, und das sagt uns folgendes: dass auf der Grundlage der Bundesbeziehung mit Gott in einem über den Tod triumphierenden Leben durch das vergossene und gesprengte Blut, auf der Grundlage dessen, dass unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt und der fleischliche Leib beseitigt wurde; auf der Grundlage dass wir in die Erkenntnis der Einheit mit dem auferstandenen Christus, in die Kraft seiner Auferstehung eingetreten sind, wir nun in die Ruhe eingehen. Wir gehen in die Ruhe ein; wir gelangen ans Ende unserer Werke und gehen in Gottes Sabbat, in Gottes Ruhe ein; wir kommen an einen Punkt, wo wir nicht mehr nach einem Ziel streben, sondern wo wir das Ziel erreicht haben, wo das Bemühen, Gott zufrieden stellen zu wollen, aufhört, und Gott wirklich befriedigt ist. Er schaut vollkommen befriedigt auf sein Werk, wir gehen in Gottes Befriedigung ein.

An diesem Versöhnungstag hat Gott, im sühnenden Werk des Herrn Jesus und im sühnenden Werk seines Blutes, das in der unmittelbaren Gegenwart Gottes auf die Sühneplatte gesprengt wurde, eine Antwort auf all sein Verlangen und seine Forderungen gefunden hat und zur Ruhe gekommen ist, zur vollen Befriedigung in seinem Sohn. Dieses Blut wurde als ein Zeugnis für die Tatsache in die Gegenwart Gottes gebracht, dass alles vollbracht und abgeschlossen ist und dass Gott im vollständig vollbrachten Werk des Herrn Jesus durch sein Blut ruht, und dass es daher kein Ringen mehr gibt. Wenn wir dahin kommen, nämlich zu einer Wahrnehmung des vollkommenen Werkes des Herrn Jesus in seiner Versöhnung, sollten auch wir zur Ruhe kommen. Eine ängstliche Sorge, Gott befriedigen zu müssen, sollte wegfallen, und wir sollten erfahren, dass Christus all unsere Bedürfnisse vor dem Vater befriedigt.

Wie steht es mit unserer fortschreitenden Heiligung? Muss da in uns in dieser Richtung nichts mehr getan werden? Doch, aber ihr werdet nie zur Vollkommenheit, zur Heiligkeit, fortschreiten, solange diese Grundlage nicht fest eingesetzt ist, dass der Herr Jesus alles zur Zufriedenheit des Vaters vorgestellt hat. Wir wachsen in der Gnade auf der Basis, dass Christus bereits das ganze Werk für uns vollbracht hat, und dass es nichts mehr gibt, das wir seinem Werk zu unserer Zufriedenheit hinzufügen könnten.

Luther wurde mit einem bestimmten Auftrag nach Rom gesandt, und er war sehr begierig, die Stadt und den besondern Ort der Buße zu besuchen, um besondere Privilegien und Ablässe und so weiter zu bekommen, indem er jene Treppen auf Händen und Füßen hinaufkletterte. Er glaubte, wenn er sich diese schrecklichen Leiden auferlegte, würde er die Ruhe der Rechtfertigung erlangen. Er begann, die Sache wurde mühsam, und etwas (in ihm) sagte: «Der Gerechte wird durch Glauben leben», und doch fuhr er fort; die Stimme meldete sich wieder: «Der Gerechte wird durch Glauben leben», und er versuchte ein paar weitere Stufen; die Stimme kam ein weiteres Mal, diesmal mit dem Nachdruck auf dem einen Wort: «Der Gerechte wird durch Glauben LEBEN» (Hab. 2,4; Röm. 1,17; Gal. 3,11; Hebr. 10,38), und das war es dann, das zu seiner Bekehrung und zur Preisgabe des ganzen römischen Systems der Rechtfertigung durch Werke führte.

«Der Gerechte wird durch Glauben LEBEN». Es ist nicht unser Glaube als etwas an sich, es ist das Objekt unseres Glaubens, das Werk des Herrn Jesus. Wir machen viel zu viel Wesens um das Maß unseres Glaubens, es geht um den Gegenstand unseres Glaubens. Erst wenn wir unseren Glauben an den Gegenstand heften, an Christus und sein vollkommenes Werk für uns, gehen wir in die Ruhe ein. Wir klettern nicht mehr auf Händen und Füßen steinerne Treppen hoch. Das ist etwas Grundlegendes für das gemeinschaftliche Leben des Volkes Gottes. Das Element der Unruhe, des Ferments, der Unzufriedenheit verschwindet, und wir haben Frieden mit Gott, wir haben zur Harmonie gefunden, denn das ist bloß ein anderes Wort für Frieden. Das bedeutet Ruhe. Friede ist in der Bibel nicht irgend eine Art Atmosphäre, sondern ein richtiges Anpassen aller Elemente an einander in vollkommener Harmonie.

Das letzte dieser Feste ist


Das Fest der Laubhütten

Und wie passend ist ihre Reihenfolge. Ihr seht, dass ihre Reihenfolge genau richtig ist, wenn ihr zum Fest der Laubhütten kommt. Ihr stellt fest, dass die Leute während der Zeit, da sie sich versammeln, angehalten wurden, ihre Häuser zu verlassen, hinaus zu gehen, Zweige von den Bäumen zu schneiden, sich daraus Hütten zu bauen und während der ganzen Zeit dieses Festes in diesen Hütten außerhalb ihrer Häuser zu wohnen. Es ist eine gemeinschaftliche Aktion, und wenn ihr das Laubhüttenfest im Alten Testament weiter verfolgt bis ins Buch Nehemia, bemerkt ihr, dass es rückwärts weist, und im Falle des Überrestes (bei Nehemia), wo das Laubhüttenfest wieder eingeführt wurde, gibt es eine deutliche Verbindung zwischen dieser Wiedereinsetzung und dem Auszug Israels aus Ägypten (3. Mose 23,42-43).

Es wird gesagt, dieses Laubhüttenfest diene dazu, das Gedächtnis von Israels Auszug aus Ägypten aufrecht zu erhalten, und doch, als sie aus Ägypten zogen, wurde kein Laubhüttenfest eingeführt. Das Laubhüttenfest ist das Mittel, durch das der Erinnerung an den Exodus Dauer verliehen wird. Sie kamen aus steinernen Häusern, direkt mit der Erde verbunden, und gelangten in eine Wüstem, wo alles nicht irdisch war, vielmehr war alles himmlisch. Himmlische Symbole - das blaue Gewand des Hohenpriesters und das Stück von demselben Blau am Saum des Gewandes von jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind durch alle Generationen hindurch. So war himmlisches Wesen der Charakter dieses Volkes, und das Laubhüttenfest spricht vom himmlischen Charakter des Volkes Gottes.

Ihr Lieben, das ein wichtiger, grundlegender Faktor der Gemeinde, die sein Leib ist. Wir haben gesagt, in diesem Heilszeitalter tue Gott nichts, um auf dieser Erde irgend etwas Offizielles zu konstituieren, und doch sind die Mensch bemüht, so sehr sie nur können, auf dieser Erde etwas für Gott auf die Beine zu stellen.

Damals, am Ende des zweiten Jahrhunderts der christlichen Ära, vielleicht schon etwas vorher, kam dieser Gedanke auf, und es wurden Mittel und Methoden adoptiert, um die Gemeinde zu einem Ding dieser Erde zu machen, sie als eine Weltmacht zu organisieren, sie in eine solche Form zu gießen, dass sie den Menschen dieser Welt attraktiv erschien und sie beeindruckte, damit die Welt Notiz von ihr nehmen musste und sagen würde, es sei eine große Macht, etwas, das man nicht ignorieren könne. Das hat sich weiter entwickelt und war stets eine absolute Übertretung des Prinzips Gottes für dieses ganze Heilszeitalter. Was Gott tut, ist, eine himmlische Gemeinde zu bauen, einen Leib im Himmel, und die Gemeinde Gottes ist nicht etwas, das man sehen kann, sie ist etwas Unsichtbares, ein verborgenes Volk, ein geistliches Volk, der Welt unbekannt - sie kannten ihn nicht (Joh. 1,10).

Das ist grundlegend für unsere Einheit. Sobald die Tendenz aufkommt, etwas hier auf Erden aufzustellen, werden sich Trennungen einstellen; es spielt keine Rolle, wie geistlich es sein mag; sobald es die Erde berührt, werdet ihr Trennungen erleben. Einige der wunderschönsten Bewegungen Gottes, wirklich Bewegungen Gottes vom Himmel, sobald sie in die Hände von Menschen gelangen und zu etwas auf dieser Erde werden, kommen Trennungen auf und ihr bekommt noch mehr Sekten.

Die einzige Sicherheit besteht darin, sich von der Erde fernzuhalten, die einzige Sicherheit ist die, anzuerkennen, was Gott tut. Es wird ein Zeugnis hier in dieser Welt geben, aber es besteht ein Unterschied zwischen dem, dass es ein Zeugnis in dieser Welt gibt, und dem, dass es eine Organisation in dieser Welt gibt.

Der Herr hegt keinerlei Sympathie für irgend eine Bewegung, die versucht, etwas auf dieser Erde zu errichten. Er wird dies in einem kommenden Zeitalter tun, doch nicht in diesem. Wenn wir Dinge tun, indem wir etwas auf dieser Erde errichten möchten, auch wenn es für Gott sein sollte, geht es nicht lange, bis der Herr uns die Verantwortung dafür überlässt; der Herr jedenfalls wird dafür keine Verantwortung übernehmen. Er wird für alles die Verantwortung übernehmen, das in diesem Zeitalter in seinem Sinne ist, für alles, was absolut himmlisch ist.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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