Die Gemeinde, die Sein Leib ist
von T. Austin-Sparks

Kapitel 3 - Die Natur des Leibes Christi

Wir gehen nun weiter, um uns die Natur des gemeinschaftlichen Lebens der Gemeinde näher anzusehen, und wir möchten zu allererst eine oder zwei elementare Tatsachen feststellen, die dennoch stets eine Frische an Bedeutung für diejenigen mit sich bringen, die vor dem Herrn geistlich lebendig sind, und die erste schlichte Wahrheit ist die, dass der Begriff, die Bezeichnung «der Leib Christi» eigentümlich ist für den Apostel Paulus. Andere Bezeichnungen für die Gemeinde finden sich schon vor der Zeit von Paulus und in anderen Teilen der Schrift außerhalb von Paulus Schriften, doch der Titel «der Leib Christi», «der Leib», «die Gemeinde, die Sein Leib ist» ist für Paulus eigentümlich. Die Gemeinde war absolut keine neue Idee. Das Volk Gottes war mit diesem Titel vertraut. Der Herr Jesus hatte zu den Aposteln von seiner Gemeinde gesprochen. Da war gar nichts Neues dabei, doch wenn ihr anfängt, von dieser Gemeinde als dem «Leib Christi» zu sprechen, ist dies eine vollständig neue Vorstellung, ein neuer Gedanke, ein neues Konzept, das eine vollständig neue Präsentation dieser Sache mit sich bringt. Es sagt nämlich sehr nachdrücklich, kraftvoll und deutlich, dass die Gemeinde, von Gott her betrachtet, nicht einfach eine Gemeinschaft (community) ist; sie ist keine Versammlung, nichts Denominationelles oder Interdenominationelles oder sogar Nichtdenominationelles.

Und doch könnt ihr den Begriff «Gemeinde» verwenden und ihn mit einer Mentalität umgeben, welche sich die Gemeinde als eine Gemeinschaft von Christen vorstellt, als eine christliche Gesellschaft, als eine Gruppe von Leuten auf Erden, die ein gegenseitiges Interesse an den Dingen Christi haben. Doch diese Bezeichnung (Leib Christi) trägt die Dinge in einen vollständig anderen Bereich hinüber. Die Gemeinde ist demzufolge ein Leib. Nicht eine Körperschaft von Leuten, sondern das, was durch den physischen Körper eines Menschen dargestellt und illustriert wird. Ich meine nicht, die Gemeinde sei der physische Körper von Christus, versteht mich nicht falsch, sondern dass der physische Körper des Menschen als eine Illustration für das genommen wird, was die Gemeinde ist. (Christus hat noch immer sein persönliches und gesondertes Wesen und seinen geistlichen Körper in der Herrlichkeit).


Nichts dergleichen wie ein «lokaler Leib»

Nun, ein anderer Faktor des Leibes Christi ist dies, dass es nichts dergleichen gibt wie einen lokalen Leib. Es gibt örtliche Gemeinden, oder örtliche Versammlungen, aber es gibt nichts dergleichen wie einen örtlichen Leib. Das wir in einem Abschnitt deutlich gemacht, zumindest, wenn er richtig übersetzt wird - in 1. Korinther 12,27 -wo die unglückliche Übersetzung einiger unserer Bibelausgaben lautet: «Ihr seid der Leib Christi». Im Griechischen gibt es an dieser Stelle keinen Artikel; es heißt also nicht: «Ihr seid DER Leib Christi», sondern «Ihr seid Leib Christi». Das gibt der örtlichen Versammlung ein völlig verschiedenes Aussehen. Dieses Wort, gesprochen zu einer örtlichen Gruppe von Gläubigen in Korinth bedeutet ganz klar, dass der Teil das Ganze beinhaltet, dass der örtliche Leib stellvertretend für das Ganze steht, m.a.W. der ganze Leib wird durch diese örtliche Gruppe von Gläubigen repräsentiert. Nun, dass muss im Falle von örtlichen Versammlungen oder örtlichen Gemeinden nicht unbedingt so sein, aber ihr könnt den Leib Christi nicht auf diese Weise lokalisieren. Das heißt, ihr könnt nicht so und so viele eines physischen Rahmens wegschneiden, sie in eine Ecke stellen und sie Leib Christi nennen. Wo immer sich Glieder Christi befinden, da beinhalten sie und repräsentieren sie den ganzen Leib Christi, und im Sinne des Herrn ist es so, dass jede örtliche Gemeinschaft eine lebendige Repräsentation des ganzen Leibes sein soll, ein Mikrokosmos des ganzen Leibes Christi. Was auf den ganzen Leib zutrifft, muss auch dort zutreffen, weil sie keine abgetrennte Gruppe sind, keine isolierte oder separierte Versammlung, denn ihr Inhalt entspricht dem ganzen Leib. Das umfasst - ob nun imstande seid, dies zu fassen oder nicht - all die großen Elemente und Faktoren des Leibes Christi.

Das sagt doch ganz deutlich, dass im Gedanken Gottes nichts bloß lokal, abteilungsmäßig, getrennt oder unabhängig existieren kann. Im Gedanken ist alles, was mit seiner Gemeinde zu tun hat, universell, relativ, interdependent; die Gemeinde ist ein einziges Ganzes. Das will besagen, dass ihr so wesentlich mit andern Gläubigen verbunden seid, dass ihr inhaltlich, in seiner Wirkung, der Natur nach, der Leib Christi seid. Das erklärt mit großem Nachdruck, dass im Gedanken Gottes der Teil das Ganze ist und deshalb auch als Ganzes betrachtet werden soll. Lasst es mich so sagen.

Hier sind wir, an diesem Ort, in diesem Teil dieser Stadt, eine Gruppe des Volkes Gottes, und wesenhaft verbunden mit dieser Gruppe hier ist der ganze Leib Christi. Wir sind keine abgetrennte, separate Gruppe, eine unabhängige Versammlung, wir befinden uns in einer lebendigen, funktionierenden geistlichen Einheit mit jedem andern Glied des Leibes Christi auf dieser ganzen Welt, wo immer es auch sein mag. Frankreich, die Schweiz, Deutschland, Polen, Amerika, Afrika, China, Indien, etc., sie sind alle hier in der Relativität des Leibes Christi, und sie sind alle einbezogen in unserem Zusammenkommen. Wir werden das gleich noch vollständiger sehen, doch wenn dieses Prinzip geistlich einmal wahrgenommen worden ist, dann haben wir unsere Füße auf den Weg unseres universellen Dienstes gebracht. Wann immer wir uns versammeln, selbst als die zwei oder drei, ist der ganze Leib in den himmlischen Regionen mit uns versammelt und wird durch unser Zusammensein beeinflusst. Es ist ungeheuerlich, sich vorzustellen, dass zwei oder drei Kinder Gottes, die an einem Ort irgendwo versammelt sind, und zwar in lebendiger Berührung mit dem Herrn, den ganzen Leib Christi berühren und berühren können, und zwar jedes Glied davon, wie viele Millionen es auch geben mag, so dass sie wirklich der Leib Christi sind.

Nun, wie kommt dies bei euch an? Erreicht es euch, oder seid ihr schon so vertraut damit, dass ihr sagt, ihr wüsstet schon alles darüber? Es ist nötig, von Zeit zu Zeit neuen Nachdruck darauf zu legen.


Der Leib - eine Ergänzung Christi

Nun weiter, die Gemeinde als der Leib ist die Ergänzung oder Fülle Christi, mit ihm als dem Haupt über alle Dinge verbunden, die Ergänzung Christi, die Erfüllung Christi, bzw. die Fülle Christi. Wir befinden uns, wie ihr wisst, im Epheserbrief, und hier ist die Gemeinde, der Leib, «die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt». Hier wird also gesagt, die Gemeinde sei seine Fülle. Mit ihm verbunden als dem Haupt über alle Dinge. Um zu illustrieren: Als sie noch nicht geoffenbart worden war, als sie noch ein Geheimnis war, verborgen gehalten vor den Zeitalter und Generationen, war die Wahrheit des Leibes dennoch bereits im Prinzip von Anfang an im Wort enthalten. Sie war noch nicht besonders enthüllt oder erwähnt worden, aber sie war da. Wahrheiten sind ewig, und von allem Anfang habt ihr ein Prinzip des Leibes, dargestellt und illustriert durch Adam und Eva. Die Frau wurde aus dem Manne herausgenommen und dann diesem Manne zugeführt, um ihn zu ergänzen, und das ist die Gemeinde, das ist der Leib Christi; auch sie wurde aus Christus herausgenommen und Christus zugeführt, um ihn zu ergänzen. Sie ist also seine Ergänzung, ein Teilstück zu seiner Fülle, mit ihm als dem Haupt verbunden. «Wie der Mann das Haupt der Frau ist, so ist Christus das Haupt der Gemeinde», mit ihm verbunden als dem Haupt über alle Dinge. Wir werden das gleich nochmals aufgreifen im Blick auf die praktische Anwendung.

Wir wollen ferner noch beachten, dass das Wort des Herrn die Gemeinde als im Sinne Gottes zu jeder beliebigen Zeit vollständig offenbart. Sie wird nie im Worte Gottes in verschiedenen Zeitformen abgehandelt, d.h. im Präteritum, Präsens oder Futur. Im Sinne Gottes ist sie stets in der Gegenwart, im Präsens, vollständig. Der Herr spricht nie darüber, wann die Gemeinde vollständig sein wird; der Herr spricht nie davon, dass die Gemeinde zu einem zukünftigen Zeitpunkt vollständig sein wird. Ihr habt Wendungen wie diese: «der ganze Leib», das ist eine Erklärung für jetzt, also in den Tagen von Paulus; als er diese Wendung niederschrieb, war der Leib bereits vollständig; er sprach JETZT vom ganzen Leib. «Der ganze Leib fest zusammengefügt», das bezog sich auf seine Tage. Entweder müsst ihr euch dafür entscheiden, dass nur die Heiligen in den Tagen von Paulus den Leib Christi bildeten, oder ihr müsst diesen Gedanken verwerfen und zulassen, dass dies auch die Heiligen nach den Tagen von Paulus einschließt; ihr müsst also zu der Schlussfolgerung gelangen, dass der Leib im Gedanken Gottes, wie er durch den Heiligen Geist in diesen Worten zum Ausdruck gebracht wird, zu jedem beliebigen Zeitpunkt vollständig ist. Das führt euch zum Wort im Epheserbrief zurück, zu dem «vor ewigen Zeiten», als Gott den Leib in seinem eigenen Sinn vollständig machte, «welche er im voraus erkannte, die hat er auch vorausbestimmt». Dort, weit zurück in der Ewigkeit, war die Sache bereits vollständig, und diese Vollständigkeit IN GOTTES SINN existiert zu jedem Zeitpunkt und zu jeder Zeit.

Dann gehen wir weiter und merken uns, dass der Leib dazu da ist, Christus zur Darstellung zu bringen. Genauso wie ein Mensch sich selbst durch seinen Leib zum Ausdruck bringt, so bringt sich Christus durch seinen Leib zum Ausdruck, und die überragende und umfassende Funktion des Leibes besteht darin, Christus zur Darstellung zu bringen.


Der Heilige Geist: Der einigende Faktor im Leib

Nun zum großen einigenden Faktor im Leib Christi. Was ist der vereinigende Faktor im Leib Christi? Es ist nicht die gegenseitige Akzeptanz gewisser vorgelegter Wahrheiten. Das macht den Leib Christi nicht aus. Es ist nicht dies, dass wir alle darin übereinstimmen, an bestimmte Lehren zu glauben. Der einigende Faktor des Leibes Christi ist der Heilige Geist. «Wir alle wurden in einem Geist zu einem Leibe getauft» (1. Kor. 12,13). «Da ist ein Leib und ein Geist» (Eph. 4,4). Einzeln genommen hat jeder von uns einen Geist, einen gesonderten Geist. Der Leib Christi jedoch hat nur einen Geist, und dieser ist der Faktor, der den Leib Christi eins macht.

Ihr werdet nun klar und unmittelbar sehen, wie daraus manche praktische Dinge hervorgehen. Zum Beispiel die Notwendigkeit, den Heiligen Geist zu empfangen. Das ist sehr elementar, ich weiß, aber es ist eine grundlegende Tatsache. Unsere «Kirchlichkeit» wird dadurch auf die Probe gestellt. Haben wir den Heiligen Geist empfangen? Doch die Tatsache allein genügt nicht, die Funktion ist ebenso nötig. Und damit der Leib funktionieren kann, ist es nicht nur nötig, dass die Glieder den Heiligen Geist empfangen sollten, sonden dass der Heilige Geist seinen vollen Platz in jedem einzelnen Glied einnehmen kann. Seinen vollen Platz! Der Leib kann nur funktionieren, wenn der Geist seinen vollen Platz hat, wenn ihm in jedem Glied sein vollständiger Platz eingeräumt wird.

Nun, die Reihenfolge der Dinge - nicht chronologisch, sondern geistlich - ist in der Anordnung des Neuen Testamentes sehr klar. Der Römerbrief geht den Korintherbriefen voraus, die Korintherbriefe dem Epheserbrief, und das ist nötig so. Der Römerbrief führt das Kreuz besonders im Blick auf die Beseitigung des natürlichen Menschen ein. Die Korintherbriefe haben den Platz Christi in absoluter Herrschaft zum Gegenstand, darauf liegt ihr Nachdruck, ihr Augenmerk. Alle Schwierigkeiten in Korinth rührten daher, dass der Herr nicht seinen Platz als souveränes Haupt, als Herr, innehatte; und das Wort des Apostels (an diese Gemeinde) lautete: «Wir verkündigen Jesus Christus als Herrn». Sie machten Menschen zu ihren Herren - Paulus, Apollos, Petrus; sie setzten Menschen an die Stelle des Herrn Jesus. Sie setzten Dinge an die Stelle des Herrn Jesus, ja, selbst geistliche Dinge, sie überließen ihm nicht seinen rechtmäßigen Platz als absolutes, souveränes Haupt, und der Brief wurde zu diesem Zweck eingeführt. Der Römerbrief, um den natürlichen Menschen beiseite zu setzen, die Korintherbriefe, um Christus an seinen Platz als Herr zu bringen; dann kann der Epheserbrief kommen, und ihr habt - aufgebaut auf diesen beiden Grundsätzen: der natürliche Mensch beseitigt, der Herr Jesus als Herr eingesetzt - den Leib dargestellt, wie er auf dieser doppelten Basis funktioniert.

Ihr könnt keinen Ausdruck des Leibes Christi haben, ohne dass der natürliche Mensch beseitigt worden ist. Sobald sich der natürliche Mensch auf irgend eine Weise oder in irgend einem Maße erhebt, so beeinträchtigt das den ganzen Leib Christi, und es herrscht ein konkreter Antagonismus zur Herrschaft des Heiligen Geistes. Das Fleisch kann im Leib Christi keinen Raum haben, wenn der Leib Christi das sein soll, was er nach der Vorstellung des Herrn sein sollte. Wenn er funktionieren soll, muss der Herr Jesus der absolute Herr im Falle jedes einzelnen Gläubigen sein.

So, das ist die Reihenfolge, und dann, ihr Lieben, wird die Methode des Heiligen Geistes wiederum geoffenbart in seiner Weisheit, indem darauf der Kolosserbrief folgt. Chronologisch kommt der Kolosserbrief vor dem Epheserbrief, geistlich jedoch danach. Der Kolosserbrief repräsentiert das volle Erbe in Christus, die Fülle Gottes, verkörpert in Christus, er ist die Totalsumme der ganzen göttlichen Fülle. Der Kolosserbrief ist das neutestamentliche Gegenstück zum Buch Josua. Christus ist das Erbe. Er ist das Land der Verheißung, das von Milch und Honig fließt, das Land des Reichtums und des Wohlstands. Das alles ist er, und ihr gelangt in die Fülle Christi als der Leib aufgrund dessen, dass er der Herr geworden ist, und dass das Fleisch, der natürliche Mensch, beseitigt wurden. Das ist der Leib Christi seiner Natur nach. Wendet diese Gesetze heute an, und ihr werdet einen lebendigen Ausdruck von dem erhalten, was im Epheserbrief steht. Der Grund, weshalb wir heute keinen oder nur so wenig von einem Ausdruck von dem, was im Epheserbrief steht, haben - der Leib, mächtig funktionierend in den himmlischen Regionen - ist der, dass der natürliche Mensch noch nicht ausgeschaltet wurde, dass Christus noch nicht seinen Platz als absoluter Herr innehat.

Was deshalb für die Gemeinde, den Leib Christi, und für das Offenbarwerden des Leibes Christi, in erster Linie grundlegend ist, ist die praktische Erfahrung des Kreuzes. Wir werden nie vom Herrn dahin geführt werden, den Leib Christi zu sehen, es sei denn, wir sind zum Römerbrief, besonders zu Römer 6, geführt worden, es sei denn, wir haben eine Offenbarung des Kreuzes empfangen. Ich meine damit nicht eine Darlegung des Prinzips des Kreuzes, sondern eine Offenbarung des Kreuzes. Nun, möglicherweise ist in manchen Fällen gerade das eingetreten.

Wenn wir von uns selber sprechen, dann haben wir bestimmt seit Jahren über Römer 6 gepredigt, wir haben die Botschaft vom Kreuz jahrelang in Fülle verkündigt, als Wahrheit, als Bibelwort, und ihr konntet keinen Fehler in der Lehre vom Kreuz finden, so wie sie verkündigt wurde. Aber damals hatten wir die praktische Anwendung noch nicht erfahren, und die Zeit kam, da der Herr uns mit den Auswirkungen von Römer 6 konfrontierte, und es war, als wüssten wir nichts von Römer 6, als wir mit seiner Bedeutung konfrontiert wurden, denn die Sache war so drastisch, so schrecklich, dass es uns fast ins Wanken brachte und erschlug. Solch ein Unterschied tat sich auf zwischen der Lehre des Kreuzes und deren Anwendung. Als das durchgestanden und es in uns hineingewirkt worden war, erkannten wir, dass der Herr uns im Tode Christi eingeschlossen hatte, nicht nur als Sünder, sondern als Menschen mit jedem bisschen unserer natürlichen Ausstattung, unserer natürlichen Fähigkeit, selbst die, das Evangelium zu predigen (welches eine natürliche Fähigkeit war, zu predigen), und all jenen Dingen, die im christlichen Dienst als unsere Hilfsquellen zur Anwendung kamen, die ganze Bandbreite, den intellektuellen wie jeden anderen Bereich. Der Herr brachte uns dazu, zu erkennen, dass alles im Tode Christi eingeschlossen war, und dass in der neuen Schöpfung alles von ihm selbst stammen musste (das ist das Gesetz des Dieners des Herrn, wie der Herr Jesus selbst sagte: «Ich tue nichts von mir selbst aus» (Joh. 5,19), alles kam nun von Gott, das Leben einer totalen Abhängigkeit in allem von ihm); wenn dies auf praktische Art angewandt wurde, bedeutete dies ein gewaltiger Aufruhr, und eine Zeit lang war dies der Tod für alles, es war das Ende.

Nun, soweit unsere Erfahrung, aber wenn wir da hindurch waren, wenn das im Prinzip fest eingerichtet war - nicht, dass von da an das Kreuz nicht mehr angewendet werden müsste, denn es muss immer angewandt werden - wenn der Herr die Sache soweit registriert hatte, dass wir für immer die Notwendigkeit erkannt hatten, dass der natürliche Mensch draußen bleiben muss, fing er nach einer Weile an, uns die große Wahrheit des Leibes zu offenbaren. Wir hatten seit Jahren über die Gemeinde, die Sein Leib ist, gepredigt, hatten einen interdenominationellen Geist und eine entsprechende Gesinnung, wobei wir all Gläubigen als Glieder der einen Gemeinde, der einen großen geistlichen Gemeinschaft betrachteten, und hatten den Epheserbrief äußerst gründlich studiert. Aber als die Sache anfing, als Offenbarung vom Himmel her über uns hereinzubrechen, war es, als wüssten wir überhaupt nichts von alledem, und die praktische Verwirklichung dieser Dinge war ungeheuer und verursachte eine weitere Revolution, denn die Lehre, die vorher auf bestimmten Gebieten nie praktische Schritte hervorrief, fing nun an, solche hervorzurufen.

Zum Beispiel warf die Lehre abgesehen von der Offenbarung überhaupt nie die denominationelle Frage auf; als jedoch die Offenbarung kam, war es unmöglich, ein Denominationalist zu bleiben. Es war nicht eine mentale Einstellung, die wir einnahmen, sondern wir waren zu einer geistlichen Position gelangt, wo man aus dem allem heraus war, und es war ein Widerspruch, mit dieser Sache weiterzufahren, wenn man doch draußen war. Ich illustriere nur, ich wende das nicht lehrmäßig auf euch an und sage, die Lehre vom Leib Christi verlange, dass ihr eine Denomination verlassen solltet. Die Offenbarung mag euch in eine andere Position versetzen, doch geht niemals hinaus aufgrund der bloßen Lehre oder wegen dem, was ich gesagt habe. Bleibt, wo ihr seid, bis ihr eine Offenbarung empfangt, die es euch unmöglich macht, zu bleiben. Die Offenbarung wirft praktische Fragen auf, während die Lehre dies nicht auf dieselbe Weise tut. Wir benötigen mehr als dies, dass wir Bibelwahrheiten mit unserem natürlichen Verstand begreifen, denn viele Köpfe begreifen vieles auf verschiedene Weise.

Wir haben gesagt, was für den Leib Christi grundlegend sei, sei eine Offenbarung und (konkrete) Anwendung des Kreuzes, denn erst wenn der natürliche Mensch des Fleisches ausgeschaltet worden, beseitigt, geschlagen ist, seht ihr, dass der Weg für eine echte geistliche Wahrnehmung des Leibes Christi geebnet ist, denn der Leib Christi kann nicht existieren und funktionieren, solange noch irgend etwas vom natürlichen Menschen vorhanden ist. Das ist die Natur des Leibes Christi. Der natürliche Mensch muss vollständig hinausgeworfen sein, so lasst es uns noch einmal sagen, dass die Offenbarung des Leibes auf einer OFFENBARUNG und einer ANWENDUNG des Kreuzes basiert. Dann wird der Leib zur Sphäre der Aktivität des Heiligen Geistes. Die kleine Wendung findet sich in 1. Korinther 12: «Wie er will»; er ernennt, er gibt Gaben, er rüstet aus, wie er will, was die vollständige Freiheit, die uneingeschränkte Freiheit des Heiligen Geistes impliziert. In dem Maße, wie der Heilige Geist eingeschränkt wird, ist auch der Leib begrenzt in seiner Realisierung der göttlichen Berufung und in der Erfüllung des göttlichen Vorsatzes bezüglich seiner Existenz. Nur die uneingeschränkte Freiheit des Heiligen Geistes kann eine richtige Repräsentation und ein richtiges Funktionieren und eine Aktivität des Leibes hervorbringen, weil der Leib die Sphäre der Aktivität des Heiligen Geistes ist.

Wir haben gesehen, dass Christus das Haupt des Leibes ist, und dass der Heilige Geist die Sphäre seiner Aktivität im Leibe hat. Nun, wenn wir die vertraute Illustration vom menschlichen Körper heranziehen, dann wissen wir, dass jedes Glied und jede Fähigkeit dieses physischen Körpers wesensmäßig mit dem Haupt verbunden ist und in Bezug auf das Haupt funktioniert, natürlich nur, wenn der Körper in der richtigen Verfassung ist. Durch das Ganze dieses komplexen physischen Systems hindurch verläuft das Netzwerk der Nerven; das ist ein unegeheuer umfassendes System, das jeden Nadelpunkt unseres menschlichen Körpers bis zu den entferntesten Extremitäten mit dem Haupt verbindet, so dass ihr den Schmerz von eurem Finger oder eurer Zehe im Kopf registriert. Schneidet euren Kopf weg, und ihr könnt so viele Finger und Zehen verletzen, wie ihr wollt, und ihr werdet nichts spüren! Alles hat seinen Sitz im Kopf, alle Empfindungen der Glieder werden im Kopf registriert. Es ist möglich, eine Nadel zu nehmen, und - wenn man das System des Gehirns versteht - die Nadelspitze zu irgend einem Teil des Gehirns zu führen und dadurch jedes beliebige Glied des Körpers lahm zu legen, ohne dass die anderen davon berührt werden. Wenn man dieses System versteht, kann man eine Nadel an einen bestimmten Punkt des Gehirns tippen und die Hand oder den Fuß stilllegen, wobei alle anderen Glieder weiter funktionieren, das Ganze ist auf so wunderbare Weise im Gehirn zusammengefasst. Christus ist das Haupt des Leibes, alle Glieder sind mit dem Haupt verbunden, alle Glieder sind bewusst im Haupt registriert, haben ihr Bewusstsein aufgrund ihrer Beziehung zum Haupt, natürlich ihr geistliches Bewusstsein, was Paulus meint, wenn er sagt: «Wir haben den Sinn Christi» (1. Kor. 2,16b).

Was aber ist dieses Nervensystem? Es ist der Heilige Geist. Er ist das geistliche Nervensystem des ganzen Leibes, das alle mit dem Haupt verbindet, er ist das Bewusstsein des Leibes, er ist derjenige, der vom Haupt her diese Reaktionen der Urteile und Entscheidungen des Hauptes bringt (und sie dem Leib übermittelt). Und er ist auch derjenige, der alles, was jedes Glied betrifft, zum Haupt bringt und so den Leib und das Haupt zu einem vollständigen Ganzen macht. Der Heilige Geist ist dieses Nervensystem durch den ganzen Leib hindurch. Nun, wenn der Heilige Geist in irgend einem Glied angehalten, gehemmt, verletzt wird, wird sofort das vollständige Funktionieren des Leibes gehindert, es wird dazwischengefunkt. Das ist der Grund, warum ich am Anfang sagte, dass jede örtliche Gemeinschaft in ihrer Wirkung das Ganze ist, dass, wenn wir, ihr Lieben, hier zum Beispiel den Heiligen Geist hemmen, oder wenn er aufgehalten wird, oder wenn hier dieses Glied in Bezug auf den Heiligen Geist verletzt wird, der ganze Leib dadurch beeinträchtigt wird. Wenn der Heilige Geist zum Beispiel hier in der Angelegenheit des Gebets gehemmt wird, leidet der ganze Leib darunter, nicht nur die örtliche Gemeinschaft; nein, der ganze Leib. Wenn jedoch andererseits der Heilige Geist hier seinen freien Weg hat, wird der Ganze Leib davon den Nutzen ernten. Dieser Leib ist etwas Universelles, und seine Universalität hat ihr Zentrum in jeder örtlichen Gemeinde, das Ganze ist dort anwesend. Wie beeinflusst doch jedes Glied in diesem unserem Leib, wenn sie in der richtigen Ordnung funktionieren, den ganzen Rest! Du hast Zahnweh, und jedes Bisschen deines Körpers leidet mit; es geht nicht lange, bis der Abszess in deinem Zahn dich ganzheitlich in Beschlag genommen hat! So ist es. Oder plötzlich verbrennst du dich an einem Teil deines Körpers, und wenn auch nur ein kleines Teilchen, und der ganze Körper zuckt unter einem Schauder zusammen.

Wie wahr ist doch diese Präsentation des Leibes im Worte Gottes. «Wenn ein Glied leidet, leiden all Glieder mit» (1. Kor. 12,26). Doch das ereignet sich nicht auf der Erde. Ich kann durch ein sehr großes Maß an Leiden gehen, ohne dass ihr davon etwas wisst, insoweit es das natürliche Leben angeht, ihr werdet davon nicht berührt; aber, ihr Lieben, es gibt einen Bereich, wo, wenn ein Glied geistlich leidet, der ganze Leib in dieses Leiden involviert wird, was zeigt, dass der Leib etwas Himmlisches ist und dass seine Beziehungen nicht von natürlicher Art sind, sonder geistlicher Art, und dass der einigende Faktor des Heiligen Geistes unabhängig vom natürlichen Bewusstsein operiert. Habt ihr das begriffen? Wenn wir unser privates Gebet vernachlässigen, verliert der Herr etwas in seinem leib weit weg - seine Kinder auf der andern Seite der Welt werden durch unser Verhalten beeinträchtigt. Für das natürliche Bewusstsein ist dies nicht der Fall, doch der Heilige Geist weiß es.

Doch warum halten wir uns stets bei der negativen Seite auf, warum nicht bei der positiven - dass nämlich die Aufrechterhaltung eines echten Lebens im Heiligen Geist stets, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, dem ganzen Leib Christi zugute kommt. Wir leben nicht für uns selbst, auch sterben wir nicht für uns selbst (Röm. 14,7), doch die Aufrechterhaltung eines echten Zeugnisses auch da, wo andere Gläubige nichts vom Konflikt ahnen, das kann in einem Haus oder an einem Arbeitsplatz im Geschäft sein, wo wir physisch ohne jeden Kontakt mit andern Gläubigen bzw. Gliedern Christi sind, also, wo die Aufrechterhaltung dort in Treue in jenem Bereich des Leibes, in den himmlischen Regionen, dem ganzen Leib Christi einen großen Dienst erweist. Das ist der Grund, weshalb der Feind es liebt, wenn er kann, das Zeugnis in einem Zuhause oder in einem Geschäft zu zerschlagen, weil davon nicht nur die örtliche Situation betroffen wird, sondern wegen des universellen Schlages, den er dem Haupt selbst, Christus, versetzen kann, und wir sollten darauf achten, dass das Zeugnis nicht etwas ist, das wir in öffentlichen Versammlungen zu bewahren suchen, es wird in unserem häuslichen Leben und auch im Geschäftsleben beeinflusst.


Himmlischen Beziehungen im «Leib» reflektiert

Das bringt uns wieder zum Epheserbrief zurück. Alle Beziehungen der Gläubigen untereinander sollten auf dem Prinzip des Leibes beruhen. Es bedeutet nicht, von den himmlischen Regionen in die irdischen Gefilde herunter zu sausen, um das «Ihr Männer, liebet eure Frauen» vorzubringen, etc. Das heißt überhaupt nicht, dass wir in den irdischen Bereich herunter kommen sollen, sondern es bedeutet vielmehr, dass die Beziehungen von Gläubigen auf dem Prinzip des einen Leibes beruhen müssen. Wenn ich ein verheirateter Mann bin, dann muss sich meine Haltung, meine Beziehung, mein Benehmen meiner Frau gegenüber nicht auf einer menschlichen Basis abspielen, sondern als ein Mit-Glied des Leibes Christi, indem ich erkennen, dass nicht nur natürliche, sondern universelle Interessen involviert sind. In unseren Beziehungen ist der ganze Leib mit eingebunden. Ihr wisst sehr wohl, dass dies zutrifft. Wenn Ehemänner und Ehefrauen als Kinder Gottes geistlich aus den Fugen geraten, dann ist darin etwas enthalten, das dem Zeugnis des Herrn großen Schaden zufügt, aber auch großen Schaden dem Herrn selbst, und es wird auch vom Feind benutzt, um zu einem großen gegnerischen geistlichen Faktor über die häusliche Situation und weit darüber hinaus zu werden, es wird etwas im geistlichen Bereich registriert, das schädlich ist. Und das gilt für alle anderen Beziehungen ebenso; Diener und Herren, Mägde und Herrin. Es geht nicht nur darum, dass wir auf Erden gute Christen sind, die ihren Dienst auf einen gut christliche Weise verrichten - indem sie ihr Geld verdienen. Es geht nicht einfach um etwas Irdisches, sondern darum, dass wir diesen Herrn, diese Herrin, als Mit-Glieder Christi betrachten. Es sind nicht einfach Männer und Frauen, sondern wir sollten erkennen, dass in unseren Dienst für sie die ganze Universalität des Leibes Christi eingebunden ist.

Paulus schließt im Prinzip den ganzen Leib in die Beziehungen von Herr und Diener, Herrin und Magd ein. Das heißt, zumindest ganz offensichtlich in ihrer praktischen Verwirklichung. Ihr habt Gläubige, die sich in ihren Beziehungen von Herr und Diener, Magd und Herrin, wiederfinden, und da entsteht irgend eine Spannung zwischen ihnen; ihr Liebe, das geht weit über die bloße lokale Situation hinaus; es beeinträchtigt die Interessen des Herrn in einem weit größeren Gebiet als nur in diesem.

Wenn wir dies bloß als ein erklärtes Gesetz des Leibes Christi erkennen würden! Es geht nicht darum, ob wir sehen, dass es Probleme anrichtet oder nicht, es geht darum, dass der sagt, es sei so. Der Herr sagt hier so klar wie nur möglich, dass diese Beziehungen nicht auf die Reichweite ihres Operationsradius beschränkt sind, sonden sie reichen hinaus in die große, universelle Ausdehnung des himmlischen Leibes, und der ganze Leib Christi wird durch diese Spannungen beeinträchtigt, die in diesen Beziehungen auftreten können.

Ihr seht, was alles daran hängt, ihr seht, welches Motiv wir haben, dass wir unsere Beziehungen auf einem hohen Niveau halten. Wenn zwischen die Beteiligten von derartigen Beziehungen diese Spannungen, diese Interessenkonflikte, dieses Gegenströmungen, dieses Beleidigt- und Empörtwerden, dieser Bruch echter Liebe auftreten, dann muss unsere Haltung die sein - nicht dass das einfach eine traurige, unglückliche Sache ist, und je schneller wir sie hinter uns haben, desto besser - nein, unsere Haltung muss die sein, dass diese Sache im Bereich geistlicher Intelligenzen der Herrlichkeit Christi entgegenwirkt, es arbeitet gegen ihn als Haupt, weil alle diese Beziehungen wesensmäßig mit dem Haupt verbunden sind; es arbeitet gegen den Heiligen Geist als dem einigenden Faktor des ganzen Leibes, es richtet Schaden an, und darum, insoweit wir so eng durch den Heiligen Geist mit allen Gliedern verbunden sind, muss das, was wir tun, ohne dass wir es realisieren oder uns dessen bewusst sind, Christus berühren, den Heiligen Geist berühren, und darum auch alle anderen Glieder. Und das tut es auch. Das ist hier die Offenbarung, und das ist die Natur des Leibes. Ihr seht, warum wir uns um diese Beziehung kümmern sollten und sie über die irdischen Bereiche erheben sollten. Ich denke, das ist etwas, worüber wir uns weitere Gedanken machen sollten.

Relativität ist das Gesetz des Leibes Christi. Relativität bedeutet, das Haupt festzuhalten; und hüten wir uns davor, zu versuchen, den Leib in seiner Einheit entlang der horizontalen Linie zu erhalten. Das könnt ihr nicht tun. Das wäre hoffnungslos, wir würden bloß herumrennen und Entschuldigungen vorbringen. Auf der horizontalen Linie können wir das nicht tun, doch wenn wir am Haupt festhalten, finden wir unser Gravitationszentrum in Miteinander. Wir können nicht Christus seinen vollen und absoluten Platz geben und als Gläubige untereinander gegensätzliche Absichten verfolgen. Christus muss einen Platz haben, so dass wir alles ihm , für ihn und um seinetwillen tun. Wir können nicht eine solche Haltung einnehmen und gleichzeitig einem andern Gläubigen etwas nachtragen. Am Haupt festzuhalten und alles für ihn sein zu lassen würde erfordern, dass wir unsere Beziehungen bereinigen und dies dann wirklich auch tun. WIR KÖNNEN NICHT DEN HERRN VON GANZEM HERZEN LIEBEN UND EINES DER SEINEN NICHT LIEBEN; das wäre ein Widerspruch. So erfordert die Einheit des Leibes zuallererst, dass wir am Haupt festhalten.


Die Freiheit des Geistes

Die Freiheit des Geistes muss in uns sein, damit wir den Leib und seinen Dienst wahrnehmen können. Ich komme nun zu praktischen Fragen. Es muss absolute Freiheit von menschlicher Organisation, kirchlicher Verwaltung, menschlicher Kontrolle ALS SOLCHEr herrschen, wenn ein volles Funktionieren des Heiligen Geistes stattfinden soll. In ein verstecktes religiöses System, unter kirchliche Kontrolle, in eine menschliche Organisation von Gemeinde zu geraten, wo ihr so und so oft zu predigen habt, ganz gleich, ob ihr etwas zu sagen habt oder nicht, weil ihr dafür bezahlt werdet, ist absolut gegen den Heiligen Geist. Das ist keinesfalls das Prinzip des Heiligen Geistes, und wir müssen absolut frei von solchen Verhältnissen sein, wenn der Geist frei funktionieren soll und wir einen Dienst im Heiligen Geist haben wollen.

Das ist das Prinzip des Geistes. Es war das, wogegen sich die Juden, die jüdischen Führer, im Falle des Apostels Paulus so sehr auflehnten. Er sagte: «Einige sind neben eingedrungen, um unsere Freiheit auszukundschaften» (Gal. 2,4). Worum ging es? Er hatte das Joch des jüdischen Gesetzes und das ganze jüdische System abgeworfen, und nun bewegte er sich im universellen Bereich des Leibes Christi, ebenso unter den Juden wie unter den Heiden, in der Freiheit in Christus. Er war frei von allen Jochen der Tradition, des Systems, und der religiösen Organisationen dieser Erde, um seinen Dienst der Offenbarung zu erfüllen, wie der Heilige Geist ihn führte. Das ist für den Leib Christi wesentlich. Dadurch meine ich, den Leib Christi, die Gemeinde, organisieren zu wollen, und zu versuchen, ein Programm dafür auf die Beine zu stellen, es dem Heiligen Geist zu übergeben und zu sagen: «Möchtest du freundlicherweise den Vorsitz übernehmen und unser Programm durchführen?» (das mag ehrfurchtslos klingen, ich weiß, aber so ist es nicht gemeint), steht so sehr im äußersten Gegensatz zu dem Prinzip, das hier geoffenbart wird.

Der Leib Christi ist etwas, das von den irdischen System emanzipiert ist; das muss er sein, um funktionieren zu können. Es geht dabei nicht darum, dass wir nun die irdischen Systeme verlassen, weil wir bestimmte Wahrheiten begriffen haben, sondern darum, dass wir emanzipiert werden. Es gibt einen angemessenen Platz für geistliche Verwaltung und Unterordnung in der Gemeinde, und das «Unabhängig- keits»-Prinzip ist ebenso falsch wie das Beamtentum.

Doch sollte ich zu einem Abschluss kommen. Wir wollen mit diesem Punkt schließen. Wir können nicht von uns aus Mitglied der Gemeinde werden und wir können auch nicht von uns aus irgend eine Gemeindearbeit im Leib Christi übernehmen. Wir haben gehört, wie Leute sagten, sie würden eine bestimmte Gemeindearbeit beginnen. Solche Ideen sind der Wahrheit des Leibes Christi äußerst fremd. Wir können dem Leib Christi nicht beitreten. Nehmt wiederum die physische Illustration, und stellt euch vor, wie lächerlich es ist, wenn die Hand oder der Arm von jemandem sagen würde, sie möchten meinem Körper beitreten! Das ist absurd! Das ist eine Gemeinde, der wir nicht auf horizontalem Weg beitreten können, wir müssen vom Himmel her in sie hinein gelangen, wir müssen durch Geburt in sie hinein gelangen, nicht indem wir uns ihr anschließen oder uns bei ihr eintragen lassen. Das ist das Gesetz des Wachstums des Leibes. Es geschieht durch Geburt, von den himmlischen Regionen aus, und was auf die Beziehung, auf die Mitgliedschaft des Leibes Christi zutrifft, trifft auch auf den Dienst, das Werk, zu. Wir können nicht einfach im Leib Christi ein Werk oder einen Dienst aufnehmen. Wenn wir etwas wirklich Geistliches bekommen, das wirklich angemessen den Sinn des Herrn repräsentiert, können nicht Leute von außen in es eintreten und anfangen, einen Dienst zu übernehmen. Sie müssen zuerst in die Offenbarung gelangen, die dort durch den Heiligen Geist vorherrscht, und sie müssen auf einer erfahrungsgemäßen Grundlage da hinein gelangen. Ihr könnt nicht Prediger einladen, damit sie predigen. Die Gemeinschaft in einem solchen Dienst ist die Gemeinschaft der Offenbarung: ihr müsst auf derselben Grundlage, auf demselben Weg in sie hinein gelangt sein, ihr müsst von oben her in sie hineingeboren worden sein - das ist die einzige Basis für einen Dienst im Leibe.

Die organisierte Gemeinde (bzw.. Kirche) kann tun, was sie will, doch im Leib Christi geht das nicht! In ihrem Dienst kommt alles wesensmäßig von oben her in sie hinein, es wird ihr nicht von außen hinzugefügt. So können wir der Gemeinde im neutestamentlichen Sinne nicht beitreten, wir können im neutestamentlichen Sinne keine Gemeindearbeit übernehmen, wir müssen ein organischer Teil davon sein, und die Offenbarung von der Wahrheit des Leibes hat für ein System keinen Platz, das auf mechanische, offizielle Weise Beamtete und Mitarbeiter anstellt. Ihr könnt nicht einen Bruder nehmen und ihn zu einem Beamten machen im Leib Christi, in einem irdischen System könnt ihr das, aber nicht hier. So etwas muss durch einen geistlichen Prozess heranwachsen, und der Dienst wird aus dem inneren Leben heraus zum Ausdruck und zum Wachsen gebracht; es ist nicht offiziell, es ist organisch.

Das eröffnet einen ganzen Bereich von Wahrheit, die sehr nützlich wäre, doch wollen wir hier aufhören und den Herrn bitten, uns Offenbarung zu geben, falls wir sie noch nicht bekommen haben, denn wie viel wir auch noch darüber sagen mögen, es wird letztlich für uns zu einer Lehre, zu einer «Wahrheit», zu einer Doktrin, es sei denn, der Herr mache es lebendig, gebe uns die (dazu notwendige) Offenbarung. Oh, es besteht ein so großer Unterschied zwischen dem, was hier Gemeinde (Kirche) genannt wird, ihren Systemen, ihren Methoden, ihren Beziehungen, und dieser Wahrheit, dass der Leib Christi eine geistliche, eine himmlische Sache ist: ein so großer Unterschied! Dieses himmlische Ding ist universell in seiner Reichweite und in ihrem Dienst, selbst wenn es nur durch eine Handvoll Leute an einem bestimmten Ort repräsentiert werden sollte; ein universeller Dienst, etwas das nicht zu Zeit und Raum gehört; es ist wesenhaft geistlich, und das heißt, himmlisch, unbegrenzbar.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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