Gottes Neues Israel
von T. Austin-Sparks

Teil 3 - Das grundlegende Gesetz von Gottes Neuem Israel

«Als nun Abraham 99 Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor mir und sei untadelig! Und ich will meinen Bund schließen zwischen mir und dir und will dich über alle Maßen mehren! Da fiel Abraham auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: Siehe, ich bin der, welcher im Bund mit dir steht und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht. Und ich will dich sehr, sehr fruchtbar machen und will dich zu Völkern machen; auch Könige sollen von dir herkommen. Und ich will meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir von Geschlecht zu Geschlecht als einen ewigen Bund, dein Gott zu sein und der deines Samens nach dir. Und ich will dir und deinem Samen nach dir das Land zum ewigen Besitz geben, in dem zu ein Fremdling bist, nämlich das ganze land Kanaan, und ich will ihr Gott sein. Und Gott sprach weiter zu Abraham: So bewahre du nun meinen Bund, du und dein Same nach dir, von Geschlecht zu Geschlecht! Das ist aber mein Bund, den ihr bewahren sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden» (1. Mose 17,1-10).

«Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott» (Römer 2,28.29).

«In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus, da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe. In ihm seid ihr auch mit auferweckt worden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat» (Kolosser 2,11.12).

«Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist» (2. Kor. 5,14.15).

«Denn wir sind die Beschneidung, die wir gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen» (Phil. 3,3).

Der Bund der Absonderung und Unterscheidung

Eigentlich sollten wir noch weitere Schriftstellen hinzufügen, denn es gibt noch viele mehr, die von gleicher Natur sind, doch diese genügen, um uns an den Punkt unserer Betrachtung zu bringen, nämlich zum grundlegenden Gesetz von Gottes Israel, zum Gesetz von Gottes Bund, und dieser Bund wird durch die Beschneidung symbolisiert. Das Zeichen des Bundes mit Abraham war die Beschneidung. Im Alten Testament wurde sie wörtlich und materiell vollzogen. Im Neuen Testament jedoch ist sie geistlich, doch die Bedeutung ist dieselbe geblieben. Es handelt sich um ein geistliches Gesetz von Gottes Israel, und dieses Gesetz ist Absonderung und Unterscheidung. Er legt das Gesetz fest, dass Gottes Israel ein abgesondertes Volk ist; abgesondert von allen andern Völkern, und von allen andern Völkern verschieden - klar von allen andern Völkern unterscheidbar. Habt ihr beachtet, als wir all die Schriftstellen gelesen haben, dass Gott zu Abraham sagte, er wolle aus seinem Samen viele Nationen machen? Nun nimmt Gott aus allen Nationen ein Volk für seinen Namen heraus, etwas in den Nationen, aber abgesondert von den Nationen, und dieses Gesetz der Absonderung und des Unterschiedes ist das Fundament von Gottes Israel.

Wir können sehen, wie Gott im Alten Testament an diesem Gesetz festhält. So steht geschrieben, «der Gott der Herrlichkeit sei Abraham erschienen, als er in Mesopotamien war, noch bevor er in Haran wohnte, und habe zu ihm gesagt: «Geh hinaus! » (Apg. 7,2). Später war Moses in Ägypten, und Gott holte ihn auf souveräne Weise heraus, bevor er irgend etwas unternehmen konnte. Zuerst musste Moses aus Ägypten heraus, und das war eine sehr harte Sache, das könnt ihr euch denken, wenn ihr euch vorstellt, ihr wärt 40 Jahre lang draußen in der Wüste! Dann aber schickte der Herr Moses wieder nach Ägypten zurück, um sein Volk heraus zu führen, und das Wort lautet: «Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen» (Mt. 2,15). Gott konnte mit seinem Vorsatz nicht vorankommen, solange er sein Volk nicht draußen hatte, denn es gibt einen bestimmten Ort, wo Gott seinen Vorsatz erfüllt, und er wird ihn nirgendwo sonst erfüllen. Ich möchte, dass ihr diese Feststellung dick unterstreicht, denn ich glaube, sie ist der Schlüssel zu allem. Lasst es mich nochmals sagen: Es gibt einen bestimmten Ort, wo Gott seinen Vorsatz erfüllen wird, und er wird es nirgendwo sonst tun. Gott meint es ernst. Er ist ein Gott des Vorsatzes, und er meint es mit seinem Vorsatz sehr ernst, denn es ist ein Vorsatz des Segens. Zu Abraham sagte er: «Ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen … und in dir sollen alle Familien der Erde gesegnet werden» (1. Mose 12,2.3). Gottes Vorsatz ist ein Vorsatz des Segens; des Segens für das Werkzeug, das er benutzt, und für das Volk, um dessentwillen er dieses Werkzeug benutzt. «Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein». Das ist der Vorsatz Gottes, und ich sage das mit einer starken Stimme, weil ich weiß, dass einige sagen werden: «Wenn wir diesen Weg gehen sollen, dann heißt das, dass wir alles aufgeben müssen!» Nun, wartet ein wenig - wir sind noch nicht fertig!

Wir machen diese Aussage: Gottes Vorsatz ist es, zu segnen, und zu einem Segen zu machen, aber das erfordert eine bestimmte Position. Der Segen und die Berufung hängen davon ab, wo wir stehen. Natürlich war im Alten Testament alles buchstäblich. Abraham lebte in Ur in Chaldäa, und Gott sagte: «Du musst diese Stadt verlassen. Ich werde hier gar nichts tun. Ich muss dich anderswo haben.» Im Neuen Testament ist es geistlich zu verstehen. Wo lebt ihr? In Bern, in Zürich, in New York, in London, in Paris, oder in irgend einer andern Stadt? Gott sagt nicht zu euch: «Verlasse Paris!», oder irgend eine dieser Städte, aber er sagt, und dies ebenso deutlich: «Geh fort»! Du magst mit deinem Körper in einer bestimmten Stadt leben, aber du findest dein Leben nicht dort. Vielleicht bist du physisch dort geboren, doch jetzt, als wahrer Israelit, bist du nie dort geboren. Du bist von oben her geboren.

Gottes Bund ist an diese geistliche Position gebunden, und wir müssen das wirklich ernsthaft beachten. Gott hat mit seinem Israel einen Bund geschlossen, doch dieser Bund verlangt, dass sie aus irgend etwas heraus und in etwas hinein gelangt sind, und für uns bedeutet dies eine andere geistliche Position. Gottes Bund ist ein Bund des Segens, des Lebens, des Dienstes - das heißt, der göttlichen Berufung - doch all dieser Segen, dieses Leben und diese Berufung sind an diese Frage der geistlichen Position gebunden. Geistlich sind wir draußen, und wir sind verschieden. Jenes erste Israel befindet sich heute nicht im Segen, auch nicht im Leben und nicht in der göttlichen Berufung. Es befindet sich dort, wo der Herr sagte, dass es sein werde, wenn es ihn verwerfen würde - in der äußersten Finsternis, wo ein Heulen und Zähneklappern sein wird, und in all diesen vielen Jahrhunderten hat die Klagemauer in Jerusalem genau diese Prophetie erfüllt! Warum ist das so? Es gibt ein kleines Schriftfragment, das gewaltig ist, das aber eine schreckliche Aussage enthält: «der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen» (Jeremia 31,32). Israel brach den Bund der Absonderung und der Unterscheidung.

Ein beschnittenes Herz

Nun kommen wir zu dieser Angelegenheit der Beschneidung. Ich sie nur kurz ansprechen, denn es ist eine sehr delikate Sache.

Wir haben gesehen, dass die Beschneidung im Alten Testament ein Typus, oder ein Symbol ist, denn im Neuen Testament wird festgestellt, dass die Beschneidung am Herzen geschehe - also nicht im Fleisch, sondern im Geist - und sie bedeutet schlicht dies: ein Herz, das völlig dem Herrn geweiht ist. Durch dieses Symbol wurde der Same Abrahams zu Gottes ausschließlichem Volk für die damalige Zeit, und alles, was wir im Alten Testament hinsichtlich des Wunsches Gottes für sein Volk haben, zeigt uns, wie eifersüchtig er bezüglich dieses Volkes war. Gott nannte sich als ihren Gemahl (Jeremia 31,32), und es hat nie einen eifersüchtigeren Gemahl gegeben als ihn! Lasst Israel irgend etwas mit einem andern Gemahl zu tun haben, und ihr werdet den Donner und das Weinen der Propheten zu hören bekommen, so sehr war Gott eifersüchtig wegen seines Volkes.

Nun seht, was Paulus über den Bundessamen Abrahams sagt. Er bringt das Ganze mit Christus in Verbindung: «Nun aber sind die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt nicht: «und den Samen», als von vielen, sondern als von einem: «und deinem Samen», und dieser ist Christus» (Gal. 3,16). «Nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist das keine Beschneidung, die nur äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude (oder Israelit), der es innerlich ist; und die wahre Beschneidung ist die des Herzens, im Geist». So ist Jesus Christus der Same Abrahams, und Paulus spricht hier von der Beschneidung Christi.

Darf ich euch eine Frage stellen: Hat je auf Erden eine Person gelebt, die mehr aufs äußerste Gott hingegeben war als unser Herr Jesus? Er war in der Tat für Gott abgesondert, und anders als alle andern. Keiner hat je klarer die Zeichen einer geistlichen Beschneidung an sich getragen als der Herr Jesus. Er war der Mann eines ungeteilten Herzens.

Lasst uns nun zurückkehren ins Alte Testament, zu jenem großen messianischen Kapitel Jesaja 53: «Er wird seinen Samen sehen … er wird die Frucht der Mühsal seiner Seele sehen». Nun wir wissen mehr darüber als der Prophet Jesaja! Wir waren bei ihm in Gethsemane zur Zeit der Mühsal seiner Seele, und wir sind bei ihm auf der andern Seite seiner Mühsal. Wie viele gehören seither zum Samen Christi! Liebe Freunde, solltet ihr je versucht sein, zu meinen, es gäbe nur wenige Christen, und wir seien nur ein sehr kleines Volk unter den Millionen dieser Welt - dann öffnet die Fenster! Schaut im Buch der Offenbarung nach: «Eine große Menge, die kein Mensch zählen kann … Zehntausend mal Zehntausend, und Tausend mal Tausend». Die Zahl lässt sich nicht in menschlicher Sprache ausdrücken - und sie wurden seit der Mühsal des Herrn Jesus Christus gesammelt. In der Tat sieht er seinen Samen! Gethsemane war der fruchtbarste Garten in der ganzen Geschichte - und auch ihr und ich, wir gehören zu seinem Samen. Wir sind aus seiner Mühsal heraus geboren worden, und befinden uns im Bund, der er mit dem Neuen Israel geschlossen hat.

Doch denkt daran, dass die Bedeutung und er Wert des Bundes von unserer Hingabe an den Herrn abhängen. Das ist eine Sache, die so offensichtlich ist: die größte Fruchtbarkeit ist stets bei den Leben zu finden gewesen, die am meisten dem Herrn hingegeben waren, von Menschen mit einem ungeteilten Herzen! Dieser Bund hat zwei Seiten. Wie wir bereits gesagt haben, nimmt das Neue Testament viele Warnungen aus der Geschichte Israels, und wir können all das, was der Bund bedeutet, versäumen, wenn unsere Herzen geteilt sind und wir versuchen, in zwei Welten zu leben. Lasst uns eine kleine Begebenheit aus dem Leben Abrahams ansehen.

Wir finden es in Kapitel 15, als Gott kam, um mit Abraham und seinem Samen einen Bund zu schließen, und da geschah etwas, das die Leute ziemlich sicher nicht zu verstehen imstande waren. Der Herr gebot Abraham, bestimmte Dinge für ein Opfer herbeizubringen, entweder auf einen großen Altar oder auf zwei Altäre, denn der Herr hieß ihn, die Opfergaben zu halbieren und die eine Hälfte auf eine Seite, und die andere Hälfte auf die andere Seite zu legen. Nun beachtet, dass dies die beiden Seiten des Bundes sind. Auf der einen Seite steht Abraham und sein Same, auf der andern Seite steht Gott. Gott steht im Begriff, mit Abraham und seinem Samen in einen Bund zu treten, doch der Bund hat zwei Seiten. Nun achtet auf das, was jetzt geschieht! Die Geier stürzten herab und versuchten, die Opfergaben zu stehlen. Wie äußerst bedeutsam ist das doch! Alle Mächte der Finsternis sind gegen diesen Bund, und alle bösen Raubvögel der Luft haben es darauf abgesehen, Gott und sein Volk diesen Bund zu rauben. Es heißt, Abraham habe sie verscheucht. Sein Stab war an jenem Tag sehr beschäftigt, und die Raubvögel sagten sich wohl: «Das führt zu nichts. Es ist besser, wir geben auf und machen uns aus dem Staub». Darauf legte sich Abraham schlafen, und «ein Schrecken großer Finsternis fiel auf ihn». Mein Punkt, und ich glaube, auch der Punkt der Schrift, ist der: Es bedeutet stets einen schrecklichen Kampf mit der Hölle, ein Leben äußerster Hingabe an Gott sicher zu stellen. Keiner, der völlig für ihn sein will, wird diesen Kampf leicht gewinnen.

Es kann sein, dass dieser Kampf gerade hier in diesem Raum tobt. Wenn der Teufel verhindern kann, dass ihr bis zum Äußersten für Gott seid, dann zettelt er einen großen Kampf an deswegen. Ist dieser Kampf im Gange? Der Kampf um den eigentlichen Bund, der Bund einer Herzensbeschneidung, eines Herzens, das völlig für Gott ist, ein Herz, das für Gott bis zum Äußersten geht. Wenn Satan das verhindern kann, dann leistet er sich einen guten Kampf. Was ist eure Einstellung dazu? Macht es euch nichts aus? Gott allein weiß, wie viel davon abhängt. Oh, ergreift den Stab Gottes und verscheucht diese bösen Mächte! Tretet ein für den Bund! Und wenn ihr für ihn Stellung bezogen habt, werden sich die bösen Mächte zurückziehen, die Finsternis wird weichen.

Man kann in dieser Geschichte eine Änderung der Atmosphäre feststellen. Zuerst ist die Atmosphäre voller Konflikte und Angst, denn es ist «ein Schrecken großer Finsternis». Es ist ein Kampf schon in der Atmosphäre im Gange wegen dieser Sache, aber als Abraham den Kampf für den Bund bestritten hatte, ändert sich die ganze Atmosphäre und wird zu einer Atmosphäre des Sieges. Wenn wir die Geschichte vieler Gott geweihter Gläubiger in diese Geschichte hineinversetzen, könnte man viele Zeugnisse wie dieses hören: «Oh, es gab einen ungeheuren Kampf wegen dieser Sache! Ich war voll Furcht, aber ich nahm Stellung, und mit Gottes Hilfe gelangte ich zu einer Entscheidung. Ich trat auf Gottes Seite des Bundes über und sagte: «Herr, ich gehöre zu dir! Ich stehe auf deiner Seite!», und dann kam der Friede, der Friede seines Sieges. In jener Nacht ging ich zu Bett mit dem Gefühl, von einer großen Schlacht herzukommen, aber ich geriet in einen großen Frieden».

Das alles findet sich in dieser kleinen Geschichte in 1. Mose 15. Vielleicht ist es auch eure Geschichte! Das ist etwas von dem, was es heißt, ein Herz zu haben, das beschnitten ist, denn ein beschnittenes Herz ist ein Herz frei von allem Eigeninteresse. Traf das auf Abraham zu? Nach vielen Jahren trat das ein, was unmöglich zu sein schien, und Gott gab ihm einen Sohn; und dieser Sohn war Gottes Wunder. Ihr würdet erwarten, dass Abraham sagte: «Gott gab mir diesen Sohn, und ich werde an ihm festhalten. Ich lasse ihn nie mehr los, weil Gott ihn mir gegeben hat». Da war einmal ein kleiner Junge, und ein Baby wurde in diesem Haus geboren. Eines Tages sagte die Mutter zu dem Jungen: «Wir werden das Baby in die Versammlung mitnehmen und es dem Herrn übergeben». Da machte der kleine Junge ein trauriges Gesicht und sagte: «Herr, du kannst ihm dem Herrn schon kurz ausleihen, aber dann müssen wir es wieder zurück haben». Ihr wisst, das ist die Art von Hingabe, die eine große Zahl von Christen praktizieren; sie haben ein gewisses persönliches Interesse bei ihrer Hingabe. Doch hinsichtlich jener von Gott geschenkten Gabe an Abraham sagte Gott: «Nimm den Jungen, und opfere ihn mir!» Freunde, lernt diese Lektion! Meint nicht, weil Gott euch etwas durch ein Wunder geschenkt hat, ihr es für euch behalten könnt. Ich versuche gar nicht erst, zu sagen, was es sein könnte. Es könnte gerade euer Dienst sein, denn es besteht immer die Gefahr, dass wir unseren Dienst für uns selbst benutzen. Doch Abraham war wirklich am Herzen beschnitten, und dasselbe galt für Hanna. Wie lange hatte sie doch auf dieses Kind, Samuel, gewartet, und wie sehr litt sie darunter! Wie ernsthaft betete sie! Und dann gab Gott ihr schließlich das Kind. Und was sagte sie? «Danke, Herr, ich werde dieses Kind nie mehr loslassen!?» Nein, sie sagte: «Um dieses Kind habe ich gebetet, und der Herr erhörte meine Bitte. Darum habe ich ihn dem Herrn geweiht, solange er lebt». Auch sie war am Herzen beschnitten.

Aus einigen seiner Psalmen wissen wir, dass der eine Ehrgeiz im Leben Davids darin bestand, den Tempel zu bauen, und er arbeitete und opferte für diesen Tempel. Er sagte: «Ich will das Heiligtum meines Hauses nicht betreten, noch mein Bett besteigen; ich werde meinen Augen keinen Schlaf gönnen, noch Schlummer meinen Augenlidern, bis ich eine Stätte gefunden habe für den Herrn, ein Heiligtum für den Mächtigen Jakobs» (Ps. 132,3-5). Er sammelte privates Geld, aber auch Material für den Tempel, denn er sagte: «Überdies … gebe ich, was ich als eigenes Gut an Gold uns Silber besitze» (1. Chronik 29,3). Dann empfing er das Muster vom Tempel des Herrn und sagte: «Die Zeit ist gekommen, und die Ambition meines Lebens kann nun verwirklicht werden. Das eine, für das ich bisher gelebt habe, wird nun bald mein sein - doch, was ist das? Da steht doch jemand an der Tür. Komm herein! Oh, es ist ein Prophet. Ja, mein Freund, was bist du gekommen mir zu sagen? «Ich bin gekommen, David, um dir vom Herrn zu sagen, dass du das Haus nicht bauen wirst. Dein Sohn wird es bauen!» Was tat nun David? Was hättet ihr getan? Nun, was tat David? Er sagte: «Ich mache mir nichts aus meiner Enttäuschung. Es geht doch darum, dass der Herr bekommt, was er möchte. Meine Interessen sind nichts im Vergleich zu seinen Interessen». So übergab er alles an Salomo. Vielleicht hat er noch etwas mehr gesehen: «Und ich werde wohnen im Hause des Herrn immerdar!» (Ps. 23,6), und das ist ganz sicher besser als irgend ein irdisches Haus!

Wir verlieren nie irgend etwas, wenn der Herr alles hat, und genau das ist es, was es bedeutet, ein beschnittenes Herz zu haben. Möge das auf uns alle zutreffen.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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