Disziplin zum Gebet
von T. Austin-Sparks

Teil 8 - Ein Haus des Gebets für alle Völker

Schriftlesung: 2. Chronik 6; Jesaja 56,6-7; Markus 11,17; Epheser 6,18

«Mein Haus soll ein Haus des Gebets genannt werden für alle Völker».

Das 6. Kapitel des zweiten Buches der Chronik ist ein ausgezeichnetes Beispiel und eine Illustration für diese Worte des Propheten. Bei der Einweihung des Hauses durch Salomo eröffnete ein Gebete von universaler Art den Dienst des Hauses, indem es seine Funktion vorstellte. Die charakteristischen Worte dieses Kapitels sind: «Dieses Haus» und «Dein Name». «Wenn sie gegen dieses Haus gerichtet beten, wegen deines Namens, der auf ihm ist...».

Vielleicht erinnert ihr euch an die Worte des Apostels in Bezug auf bestimmte Leute, sie würden «den heiligen Namen lästern, der über euch genannt wurde». Das Haus, sowohl historisch als auch geistlich das Bindeglied zwischen diesen beiden Schriftstellen, aber auch der Name, der über dem Haus genannt wurde.

Was auf den Tempel Salomos zutraf, als das Haus, über dem der Name genannt wurde, gilt auch für die Gemeinde, die Gemeinde Christi, mit seinem Namen über ihr. Wir haben keine Schwierigkeiten damit, den Antitypus von Salomos Tempel mit der Gemeinde zu identifizieren. Ihr seid zweifellos genügend vertraut mit dem Wort, als dass es nötig sein sollte, in dieser Beziehung die Schrift zu zitieren. Viele Abschnitte werden euch in den Sinn kommen, die diese Aussage bekräftigen. Die Gemeinde ist das Haus Gottes; «Sein Haus sind wir», sagt der Verfasser des Hebräerbriefes; «ein geistliches Haus, um geistliche Opfer darzubringen», sagt Petrus. Die Identifizierung ist überhaupt nicht schwierig. Und dass der Name über dem Haus ist, ist ebenfalls recht klar. Es war wegen des Namens, den sie am Anfang trugen, dass die Gemeinde in ihren Unternehmungen so mächtig war. Die Kraft des Namens manifestierte sich mächtig in ihrem Dienst. Das ist alles sehr einfach und benötigt kein Aufarbeiten. Dann aber sind da noch diese andern Faktoren.


Die Sohnschaft als Markenzeichen
des Hauses Gottes

Der Tempel Salomos war eigentlich der Tempel Davids. Er wurde aufgrund einer Offenbarung durch David eingeführt; realisiert jedoch wurde er in der Sohnschaft, durch Davids Sohn. Wir wissen, dass im Wort beide, David und Salomo, Typoi sind vom Herrn Jesus, dass er der größere Sohn des großen Davids ist, und dass er alles zusammenfasst, was geistlich an Souveränität, Königtum, Erhöhung, universellem Triumph und universeller Herrlichkeit durch David und Salomo repräsentiert wird. Ihr erinnert euch wohl, wie der Herr Nathan zu David schickte, um ihm auszurichten, dass, obwohl er selbst das Haus nicht bauen dürfe, er dennoch derjenige sein würde, der alles, was dazu notwendig ist, einsammelt und so das Instrument sein wird, das den Bau ermöglicht. Das befriedigte David dermaßen, dass er, dadurch inspiriert und durch diesen ungeheuren Stimulus angeregt, auszog und all jene Nationen unterwarf, die historisch gesehen ein Dorn in der Seite Israels gewesen sind. Und als er alle Nationen ringsum unterworfen hatte und ein universeller Triumph Wirklichkeit geworden war, entstand das Haus durch Salomo.

Wir übertragen dies nun auf den Triumph des Herrn Jesus durch sein Kreuz. Er besitzt den universellen Sieg. Er ist erhöht, inthronisiert, kraft der Tatsache, dass alle seine Feinde durch sein Kreuz vernichtet wurden, und auf der Grundlage der Auferstehung wird diese Erklärung abgegeben: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt». Eine frische Deklaration der Sohnschaft wird aufgrund der Auferstehung vollzogen, und in der Auferstehung und in dieser Sohnschaft baut er das Haus, und der Geist der Sohnschaft zieht in jedes Glied dieses Hauses ein, und es wird zu einem «Haus der Sohnschaft» (Apg. 13,33; Gal. 4,6).


Der Dienst und die Berufung
des Hauses

Das alles führt uns zu dieser besonderen Angelegenheit, nämlich, zum Dienst und zur Berufung des Hauses, der Gemeinde. Das Haus selbst soll dem Herrn einen Ort, eine Sphäre, einen Bereich, ein Gefäß verschaffen, durch das er alle Völker erreichen kann. Das ist die Wirkung nach außen; das bedeutet, dass Gott sich ein Mittel von universellem Segen sicherstellt. Gott bewegt sich universell durch sein Haus, und darum muss er ein Haus haben, das auf der Grundlage von Gebet konstituiert ist. Habt ihr die beiden Bewegungen in diesem Kapitel von 2. Chronik 6 beachtet? Es gibt eine Bewegung nach außen, und eine Bewegung nach innen. Diejenige nach außen geschieht durch das Haus, gleichsam, indem Salomo den Herrn vermittelt. Er bringt gleichsam vom Himmel her weltweit die gnädige Güte des Herrn, die Eingriffe, die Unternehmungen und Ressourcen Gottes ans Licht. Er macht das Haus zu einem Vehikel dessen, was Gott ist, und was Gott hat, und dies für alle Völker. Wenn ihr in diesem Kapitel einen gewissen Punkt erreicht, dann verändert sich die Bewegung, und ihr seht, wie Leute wegen des Namens zu diesem Haus kommen. Das ist die Bewegung nach innen, einwärts. Sie werden «nach diesem Hause gerichtet beten wegen deines großen Namens», sagte Salomo. Das bedeutet, dass der Umkreis zwar nicht einen direkten Zugang zu Gott, aber zu seinem Segen finden wird durch das Haus Gottes.

Ich möchte euch nahelegen, dass diese beiden Dinge die neutestamentliche Offenbarung von der Gemeinde sehr stark bestimmen, ebenso die Berufung der Gemeinde. Das eine, das alles einschließt, ist dies, dass Gott sich in Christus fest mit seiner Gemeinde, dem Leib Christi, verbunden hat, und dies zum Wohle dieser Welt, und dass man die Fülle des Herrn nie auf individuelle oder individualistische Weise kennen lernen kann; Dinge wie bloßer Individualismus oder Separatismus werden stets Begrenzung bedeuten. Jede Art von Loslösung oder Isolierung führt nur dazu, dass man sich um die größere Fülle des Herrn bringt, oder, um es anders herum zu sagen, um in die Fülle des Herrn zu gelangen, müssen wir in die Gemeinschaft seines Volkes als seinem Hause kommen. Das ist ein Gesetz, und dieses ist fest etabliert.

Das ist die Linie, die noch sehr strenger ist. Vielleicht verursacht dies einiges Stirnrunzeln. Es klingt hart. Aber es ist eine warnende Bemerkung, die sehr notwendig ist, und dies besonders im Licht der Tatsache, dass ein ständiges, unaufhörliches, ununterbrochenes Drängen des Feindes vor sich geht in Richtung Trennung, Isolierung und Loslösung. Es scheint, dass der Teufel zuweilen seine Kräfte entfesselt und sich auf bestimmte Leute konzentriert, um sie dazu zu bringen, dass sie davon laufen, dass sie sich davon befreien, dass sie mit uns brechen, dass sie aufgeben wegen der Anspannung, die so stark zu sein scheint. Ihre ganze Neigung geht dahin, sich allein davon zu machen. Sie glauben, sie würden dadurch einen Vorteil gewinnen. Manchmal lassen sie sich verführen zu glauben, es sei zu ihrem Besten, wenn sie bloß endlich allein sein könnten. Manchmal sagen sie es so: Sie wollen «Distanz gewinnen und alles in Ruhe überdenken». Hütet euch vor der Gefahr, alles überdenken zu wollen! Ihr könnt niemals geistliche Probleme überdenken. Der einzige Weg, sie zu lösen, ist, sie zu durchleben. Wenn ihr schon einmal versucht habt, eure geistlichen Probleme ins Gleichgewicht zu bringen, sie verstandesmäßig zu bewältigen, und sie zu lösen, indem ihr «einmal alles überdenkt», dann wisst ihr, dass ihr so nirgendwo hinkommt, und dass der Herr euch nicht auf diese Weise begegnet. Geistliche müssen bis zur Klärung durchlebt werden. Wir können in geistlichen Dingen nur zur Klarheit gelangen, wenn wir sie bis zu Ende durchleben. Wenn ihr das jetzt nicht verstehen könnt, werdet ihr es vielleicht dann verstehen, wenn ihr euch einer anderen Erfahrung dieser Art gegenüberseht. So ist also ein Aspekt des Drängens des Feindes der, uns zu veranlassen, davon zu rennen. Warum möchte der Feind, dass wir weggehen? Warum hat diese ganze Kraft, dieser ganze Druck, das Ziel, uns zum Aufgeben zu bringen? Dafür hat er einen sehr guten Grund! Er weiß, dass dies Verlust und Eingrenzung bedeutet. Um es noch anders zu sagen: Der Herr hat seine ganze größere Fülle an geistliche Beziehungen gebunden, und es kann nichts anderes als schlimmen Verlust bedeuten, wenn wir darin versagen, das Gesetz des Hauses, das Gesetz der Gemeinschaft, das Familiengesetz anzuerkennen. Es kann nur Verlust bedeuten, wenn wir uns aus den von Gott bestimmten Beziehungen herausnehmen. Hütet euch sehr stark vor jeder Art von Bewegung oder Tendenz, die entweder in Richtung von Loslösung geht, oder aber die euch an einen Ort bringt, wo ihr abseits steht. Der Feind hat viele Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen. Wenn er uns nicht aus der Mitte des Volkes Gottes vertreiben kann, dann versucht er sehr oft, uns einen zu prominenten Platz in ihrer Mitte zuzuscheffeln. Er kann uns ebenso sehr isolieren, indem er uns zu sehr ins Rampenlicht zerrt, und wir plötzlich unbedeckt und exponiert dastehen. Es gibt keinen gefährlicheren Platz, als dass zu viel Aufhebens um uns gemacht wird, als das Gefühl, jemand zu sein. Es gibt so etwas wie dies, dass wir einen verborgenen Ort im Hause Gottes finden.

Doch unsere besondere Überlegung gilt im Augenblick dieser Berufung und ihrer Richtung nach außen, das Haus des Gebets für alle Völker. Die Gemeinde, das Volk des Herrn, stellt für ihn ein dienendes Instrument dar, das er dazu bestimmt hat, dass es die Enden der Erde erreichen soll, also ein universelles Instrument, wo immer es sich versammelt, selbst wenn es nur durch zwei oder drei repräsentiert wird. Der Test für irgend eine Gruppe des Volkes Gottes und für unsere Position ist diese Berufung.


Die Tatsache der Repräsentation

Ihr beginnt mit der repräsentativen Tatsache, der Tatsache der Repräsentation. Repräsentation fängt mit zwei oder drei an, und das reißt uns sofort vollkommen weg von jedem irdischen Grund des Urteilens und Einschätzens. Es weist auf die grundsätzlich himmlische Natur der Gemeinde hin. Im Herrn Jesus ist jedes Glied der Gemeinde eingeschlossen. Wenn Christus kommt, kommt die ganze Gemeinde daher. Der Heilige Geist ist der Geist des ganzen Leibes, der alle Glieder zu einem einzigen Ganzen verbindet. Ihr könnt nur durch das irgendwo im Geist und in Christus sein, was ihr dort im geistlichen Bereich, im himmlischen Bereich seid, mit dem ganzen Leib, und wenn der ganze Leib geistlich dort ist. Zwei oder drei? «Da bin ich!» Der ganze Leib ist demzufolge an die zwei oder drei gebunden. Diese Tatsache stellt die himmlische Natur der Gemeinde, des Leibes Christi, unter Beweis. Das ist keine Möglichkeit auf Erden. Ihr könnt nicht buchstäblich die ganze Gemeinde an irgend einem Ort zusammenbringen. Das ist nicht der Weg des Herrn, es ist auch gar nicht möglich. Die Gemeinde ist weltweit zerstreut, was den irdischen Aspekt betrifft. Und trotzdem ist die Gemeinde eine himmlische Größe, die in Christus, ihrem Haupt, zusammengefasst ist, durch einen Geist zu einem Leib getauft, und wenn wir in den Geist, in den himmlischen Bereich, gelangen, befinden wir uns in Gegenwart des ganzen Leibes; und dies nicht mit irdischer Intelligenz, d.h. vom irdischen Standpunkt aus ist sich der ganze Leib der Tatsache nicht bewusst, doch geistlich trifft es zu. Die ganze Gemeinde wird durch die zwei oder drei repräsentiert, wenn sie sich wirklich «in seinem Namen» versammeln. Was die zwei oder drei dann im Heiligen Geist tun, wird zu einer universellen Angelegenheit.


Die Gebetsversammlung

Was wir mit Nachruck zu vermitteln versuchen, ist dies, dass das etwas so ganz anderes ist als dass wir bloß eine lokale Gebetsversammlung abhalten, in der gewöhnlich akzeptierten Bedeutung dieses Begriffs. Nehmen wir einmal an, dass, wo ein solches Verständnis existiert, die Ankündigung erfolgt: «Wir werden am Montagabend eine Gebetsversammlung abhalten». Wer wird zu dieser Gebetsversammlung kommen? Die Leute werden zu einander sagen: «Sollen wir dahin gehen?», oder vielleicht: «Oh, es ist ja bloß eine Gebetsversammlung». Das ist eine Art, wie man die Sache sehen kann, eine lokale Angelegenheit, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Doch wenn ich sagen würde: «Wollt ihr kommen und der ganzen Gemeinde Christi universell dienen an dem und dem Ort, zu der und der Zeit, und eure Aufgabe wird darin bestehen, hinzugehen und in diesem Bereich der ganzen Gemeinde zu dienen!» dann stellt das die Sache in ein anderes Licht. Es vermittelt eine vollständig andere Vorstellung von dem, wozu wir berufen sind. Lasst eure Vorstellungskraft einmal hoch hinauf fliegen, wenn ihr wollt, so dass ihr die ganze Gemeinde von den Enden der Erde her buchstäblich versammelt seht, wie sie es nötig hat, dass ihr gedient wird, und hört, wie der Herr zu euch sagt: «Nun kommt und dient der ganzen Gemeinde! Abertausende, Zehntausende, die da versammelt sind, und ich möchte, dass ihr ihnen dient. Ich habe meine Ressourcen euch zur Verfügung gestellt, und ich werde euch befähigen, es zu tun». Vielleicht schreckt ihr davor zurück, oder ihr seid ängstlich, aber ihr würdet die ungeheure Bedeutsamkeit dieser Angelegenheit erkennen. Ihr würdet nicht fern bleiben, weil ihr unbeeindruckt seid von ihrer Wichtigkeit.

Das ist keine Übertreibung. Wir dehnen den Punkt nicht zu weit aus. Wir möchten bloß ins Zentrum dieses Dienstes vorstoßen, der uns aufgetragen wurde. Wenn zwei oder drei irgendwo versammelt sind, und wenn sie im Heiligen Geist beten, dann ist das möglich, und es wird auch geschehen. Sie repräsentieren die ganze Gemeinde und werden zu einem Haus des Gebets, das für alle Völker funktioniert, zu einem universellen Dienst. Wir müssen den Gebetsdienst auf ein höheres Niveau hinaufheben. Wenn wir den Bereich, die Bedeutung, den Wert einer Zeit des gemeinsamen Gebets im Namen des Herrn sehen, werden wir mit unseren Trivialitäten aufhören und die Dinge ernst nehmen. Wir werden zusammenkommen und sagen: «Nun, heute Nacht müssen wir in Nationen eindringen, in Dinge, die für den Herrn Jesus weltweit von ungeheurer Bedeutung sind, und wir sind dazu berufen, damit an diesem Ort zu verfahren.» Es gibt keinen größeren Dienst. Es ist etwas Ungeheures, einen Dienst wie diesen zu haben.

Alles lässt sich auf die Frage zurückführen, ob dies auf die Gemeinde zutrifft. Was bedeutet das? Ist es bloß eine Schriftstelle? Ist es eine nette Idee, die aber jeder realen Bedeutung entbehrt? Was bedeutet denn: «Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker»? Es bedeutet sicher nicht, dass die ganze Gemeinde buchstäblich mit einander am selben Ort beten kann, obwohl sie zerstreut ist. Die Situation ist in jedem Land anders. Tag und Nach beherrschen verschiedene Teile der Welt, und andere Faktoren kommen dazu. Ist ist nötig, von der Erde wegzukommen, um dies zu erklären. Und wenn ihr von der Erde wegkommt und seht, dass, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, der ganze Rest repräsentiert wird, und weil der eine Geist dort ist, das ganze durch diesen einen Geist berührt und auch involviert wird, dann sind die Möglichkeit ungeheuerlich. «Ein Haus des Gebets für alle Völker» ist Gottes verordneter Weg des Dienstes.


Die Notwendigkeit für einen Gebetsdienst

Wenn wir nun diese große Wahrheit verlassen und zu dem kommen, was unmittelbar, insoweit es unser Herz angeht, in diesem Wort vorliegt, so habe ich das Gefühl, dass in unseren Herzen eine neue Registrierung eines Rufes zu diesem Dienst und einer Notwendigkeit dafür stattfinden muss. Wie mögen eine Menge beten, aber ich habe das Gefühl, dass wir diese Angelegenheit des Gebetsdienstes noch viel ernster nehmen müssen, wir müssen ihn als unseren überragenden Dienst betrachten. Der Befehl lautet: ALLES DURCH GEBET; nicht «alles, und dann Gebet», sondern «alles durch Gebet». Das Gebet kommt zuerst. Alles kommt durch das Gebet. Das Gebet ist die Basis von allem, und nichts anderes darf versucht oder berührt werden, es sei denn auf der Grundlage des Gebets. Wir müssen in unseren Gebeten die universellen Interessen des Namens des Herrn einfangen. «Um deines Namens willen!» Der Name stet im Blickfeld, und er ist involviert. Es sind die Interessen des Namens, die das Funktionieren des Hauses bestimmen, und alle Interessen des Namens des Herrn müssen zur entscheidenden und soliden Gebetsarbeit des Volkes Gottes werden. Oh, möchte der Herr doch mitten durch das hindurch schneiden, was uns so oberflächlich sein lässt, und das gemeinschaftliche Gebetszeiten so wahlfrei macht; möchte er doch mit einer starken, tiefen, festen Überzeugung die Gewissheit in unsere Herzen bringen, dass das Gebet eine universelle Aufgabe ist, und dass wir dazu berufen sind!

Vielleicht wird es in Kürze wenig anderes geben, das wir noch tun können. Es kann sein, dass in kurzer Zeit das Volk des Herrn weltweit feststellen muss, dass ihre anderen Aktivitäten zu einem Stillstand kommen, und dass sie eingeschlossen sind. Was wird dann mit den Interessen des Herrn geschehen? Ist das dann das Ende des Dienstes? Ist es das Ende des Funktionierens, von Wert und Wirksamkeit? Es kann wohl sein, dass das Volk des Herrn in kurzer Zeit auf der ganzen Erde die Zusammenarbeit im Gebet mit andern Gliedern nötig haben wird, wie sie es nie zuvor nötig hatten. Es kann sein, dass der Name des Herrn gelitten hat, weil wir den Dienst nicht so geachtet haben, wie wir es hätten tun sollen. Wir beschuldigen niemanden, sondern stellen einfach fest, dass da Platz ist, um noch viel ernsthafter in diese gewaltige Sache einzusteigen, die der Herr uns aufgetragen hat. Nur ruhig und gedankenvoll bei den Worten zu verweilen, soll das wirklich heißen, dass dann ihre Bedeutung über unsere Herzen kommen wird? Der Herr hat nicht gesagt, er würde direkt vom Universum aus operieren. Er hat gesagt: «Mein Haus wir ein Haus des Gebets für alle Völker sein». Um es mit andern Worten zu sagen, können wir es so formulieren: «Ich mir vorgenommen, universelle Bedürfnisse durch ein Werkzeug, durch ein Gefäß, zu decken, und mein Volk, meine Gemeinde, ist dieses Gefäß. Das ist mein angeordneter Weg. Wenn meine Gemeinde mich hängen lässt, wenn mein Werkzeug diese Sache nicht ernst nimmt, wenn es mehr mit sich selbst als mit der weltweiten Not meines Namens beschäftigt ist, dann hat man mich wirklich hängen lassen».

Nun, das bedeutet, dass wir erkennen müssen, dass, wo schon nur zwei oder drei sich in meinem Namen versammeln, wo es auch mehr sein können, es nicht mehr bloß eine lokale Angelegenheit ist, zum Gebet zusammen zu kommen, sondern dass durch die Zwei oder Drei die entferntesten Bereiche der Interessen des Herrn gefördert werden, dass ihnen geholfen und gedient wird. Wenn es möglich ist, dass auch mehr zusammen kommen, dann möchte das der Herr auch, aber es ist Dienst für den Herrn durch Gebet, was der Herr von uns erwartet. Wir müssen dafür sorgen, dass es unsere erste, unsere vorwiegende Sache ist, zu beten. Es ist seltsam, dass so viel mehr Leute an Konferenzversammlungen teilnehmen wollen als an Gebetsversammlungen. Steckt etwa die Mentalität dahinter, es sei viel wichtiger, Belehrung anzuhören, statt zu beten? Wäre es nicht ein großer Tag, und würde es nicht geistlich einen gewaltigen Fortschritt darstellen, etwas Einzigartiges, wenn die Gebetsversammlungen größer wären als die größten Konferenzversammlungen, oder mindestens ebenso so groß wie die größten von ihnen?

Wir wollen dies zu Herzen nehmen! Denkt daran, dass der Feind stets danach trachtet, den entscheidenden Zweck des Hauses Gottes zu zerstören. «Ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht». Das war einer seiner Versuche, den wahren Zweck auszuschalten, indem er den ganzen Charakter der Dinge veränderte. Gott bewahre, dass irgend etwas in dieser Art bei uns der Fall sein sollte, aber es ist eben leicht möglich, zuzulassen, dass die wichtigste Sache an die zweite Stelle rückt. Die erste Sache ist das Gebet für alle Völker. Das ist es, sagt der Herr, wozu mein Haus da ist, und das ist unser wahrer Dienst. Wir können nicht alle im Dienst des Wortes stehen, aber wir können alle an diesem Dienst teilnehmen. Wir können alle im Geist vor dem Herrn stehen für die interessen Seines Namens.

Es scheint eine Schwäche und ein Versagen entlang dieser Linie zu existieren: dass wir im Gebet nicht bis zu dem Punkt funktionieren, dass wir die Dinge bis zu ihrem Ende bringen. Wir beten um viele Dinge, und wir predigen auch viele Dinge, doch bringen wir sie nicht zum Durchbruch im Gebet, und der Name des Herrn wird da hinein gezogen. Ihr könnt wissen, ob der Herr zu eurem eigenen Herzen spricht. Ich glaube, dies ist ein frischer Aufruf zum vorrangigen Dienst, der so sehr, sehr nötig ist. All diejenigen, die in die Nationen hinausziehen, benötigen eine sehr starke Gebetsunterstützung. Wenn wir sie im Stich lassen, wissen wir nicht, was geschehen kann. Sie mögen in alle möglichen Schwierigkeiten hineingeraten, in die sie nicht notwendigerweise geraten müssen, wenn wir in diesem Gebetsdienst ganz treu wären. Möge der Herr es als Last auf unsere Herzen legen!


[ Folgendes Kapitel ] [ Inhaltsübersicht ] [ Kapitel Inhaltsverzeichnisses ]






Übersetzt von
Manfred Haller
 

  • Alphabetisch
  • Chronologisch
  • Örtlich
  • Alphabetisch
  • Chronologisch
  • Örtlich
  • Alphabetisch