Disziplin zum Gebet
von T. Austin-Sparks

Teil 9 - Das Gebet der Gemeinde und geistliches Wachstum

«In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem herab nach Antiochia. Und einer von ihnen, mit Namen Agabus, trat auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; diese trat dann auch ein unter dem Kaiser Claudius. Da beschlossen die Jünger, dass jeder von ihnen gemäß seinem VErmögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Hilfeleistung senden solle; das taten sie auch und sandten sie an die Ältesten durch die hand von Barnabas und Saulus» (Apg. 11,27-30).

«Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an etliche von der Gemeinde... So wurde Petrus nun im Gefängnis bewacht; von der Gemeinde aber wurde unablässig für ihn zu Gott gebetet» (Apg. 12,1.5).

«Das Wort Gottes aber breitete sich aus und mehrte sich. Und Barnabas und Saulus kehrten von Jerusalem zurück, nachdem sie die Hilfeleistung ausgerichtet hatten, und nahmen auch Johannes mit dem Beinamen Markus mit sich» (Apg. 12,24.25).

Wir können eine große Hilfe empfangen von dem Ereignis, das in Apg. 12 berichtet wird, wenn wir seine weitreichenden Folgen realisieren. Wenn Vers 24 davon spricht, dass das Wort Gottes wuchs und sich vermehrte, dann bezieht sich dies nicht nur auf das, was in Jerusalem nach der Befreiung von Petrus geschah, sondern auch auf die Verbreitung des Evangeliums auf der ganzen Erde. Hier ereignete sich ein beachtenswerter Wendepunkt in den Angelegenheiten des Volkes Gottes - «aber das Wort Gottes wuchs und vermehrte sich». Die Erklärung dafür jedoch finden wir mit Sicherheit in der früheren Aussage, welche die geheimnisvolle Krise enthüllt, die diesen Wendepunkt herbeigeführt hat - «von der Gemeinde aber wurde ... gebetet» (Apg. 12,5).

Jedermann weiß natürlich, dass Kapitel 13 einen neuen Abschnitt im Buch der Apostelgeschichte einleitet, und dass es eine sehr interessante Entwicklung im Leben der Gemeinde einführt. Von diesem Zeitpunkt an geschah eine erstaunliche und absolut neue Aussendung des Zeugnisses von Jesus Christus in alle Welt; das Wort Gottes wurde in der Tat vermehrt, d.h. vervielfältigt. Doch die Erzählung geht unmittelbar weiter vom Kapitel 12, und sie ist eng damit verbunden. Wir dürfen nicht meinen, diese neue Entwicklung stehe in keiner Beziehung zu dem, was vorausgegangen ist, sondern sollten vielmehr beachten, wie eng verbunden die Ereignisse in Jerusalem mit dem war, was von Antiochien aus initiiert wurde.


Die Bedeutung der Zeit

1. Der geistliche Triumph in Antiochien

«Aber um diese Zeit...» Welche Zeit? Die Zeit eines großen geistlichen Sieges und Segens in Antiochien. Der Geist Gottes war in der Stadt mächtig am Werk, und ein ganzes Jahr lang hatten Saulus und Barnabas ihren Dienst unter den Neubekehrten verrichtet, die wegen der Gnade Gottes beachtenswert waren, die in ihnen wahrgenommen werden konnte. Dann, mitten in dieser glücklichen Zeit der Gemeinschaft und Belehrung erhob sich eine praktische Angelegenheit. Mittels eines Propheten, der von Jerusalem kam, konfrontierte sie der Heilige Geist mit einer praktischen herausforderung. Das tut er immer. Und sehr viel hängt davon ab, wie wir auf eine solche Zeit der Herausforderung reagieren. Die Heiligen in Antiochien wurden von einer bevorstehenden Hungersnot in Judäa unterrichtet, und so wurden sie auf eine sehr praktische Weise geprüft, inwieweit sie wirklich von dem profitiert haben, was sie gelernt hatten. Es war ein kritischer Augenblick. Durch den Propheten Agabus wurden sie einer Prüfung unterzogen, ob die Gnade Gottes tatsächlich in ihnen effektiv am Wirken war. Sie bestanden den Test. Ihre Reaktion geschah unmittelbar und von ganzem Herzen. Sie legten alle Gefühle, die sie allenfalls hinsichtlicher der Entfernung von Jerusalem oder ihrer Unabhängig davon gehabt haben mochten, beiseite. Ihre Brüder befanden sich in einer Notlage. Das genügte. Die Liebe triumphierte, als sie sich entschlossen, Hilfe zu senden, so wie jeder die Möglichkeit hatte.

«Um jene Zeit, legte der König Herodes Hand an...» Ist das nicht so wie beim Teufel? Immer, wenn eine neue Bewegung des Herrn unter seinem Volk entsteht und ein größerer Ausdruck des Triumphs seiner Gnade ihre Herzen erfüllt, reagiert Satan mit vermehrtem Hass und vermehrter Opposition. Das ist in unserer eigenen Erfahrung nur allzu wahr.

2. Der Anfang einer apostolischen Partnerschaft

Ein weiterer bedeutender Gesichtspunkt hinsichtlich dieser üblen Attacke ist der, dass er auch durch den Beginn einer sehr wichtigen Verbindung zweier Männer, Barnabas und Saulus, gekennzeichnet ist. Sie hatten sich schon vorher gekannt, tatsächlich war Barnabas derjenige, der als erster Saulus nach Antiochien brachte. Jetzt jedoch entstand eine äußerst lebendige und bedeutsame Bewegung Gottes, das den gemeinsamen Dienst dieser beiden Männer erforderte. In der Vorsehung Gottes befanden sich beide zu diesem Zeitpunkt in Jerusalem; es kann sein, dass sie bei jener besonderen Gebetszeit für Petrus anwesend waren. Wir dürfen nicht zu sehr an jenen Bewegungen der Apostel herumrätseln, über die das Wort nichts berichtet, aber ganz gewiss verfolgt der Heilige Geist einen Zweck, wenn er ihre Gegenwart unmittelbar vor und nach der Geschichte von Petrus‘ Befreiung aus der Hand von Herodes erwähnt. Das Kapitel 11 endet mit der Ankunft von Barnabas und Saulus in Jerusalem. Wie waren mit ihren Gaben für die bedürftigen Heiligen dieser Stadt gekommen. Es trifft zu, dass dann bis Kapitel 12,24 nichts mehr über sie berichtet wird, doch als die Erzählung in Vers 25 abgeschlossen wird, wird uns gesagt, dass sie ihren Dienst erfüllt hatten und wieder aus Jerusalem zurückkehrten. Das scheint deutlich anzuzeigen, dass der Chronist uns zu verstehen geben möchte, dass Barnabas und Saulus in der dazwischenliegenden Zeitspanne noch immer in Jerusalem waren. Eine weitere Bestätigung scheint sich in dem Umstand zu finden, dass das Gebet im Hause der Mutter von Johannes Markus stattfand (Apg. 12,12), welcher derselbe junge Mann war, der dann Saulus und Barnabas nach Antiochia begleitete. Diese Jerusalemer Gebetsversammlung scheint eine völlig neue Bedeutung anzunehmen. Sie scheint sich auf Dinge zu beziehen, die viel größeren waren als der Dienst von Petrus und der örtlichen Gemeinde. Zuerst bringt sie die sich erhebende Flutwelle der geistlichen Opposition zum Stillstand und verkehrt sie dann in ihr Gegenteil, indem sie den Weg für eine mächtige Freisetzung der Energie des Geistes durch die ganze Gemeinde öffnete.

3. Die Zeit des Passahfestes

Es gibt noch einen weiteren Punkt, der im Blick auf das Zeitelement beachtet werden sollte, und das ist der, dass es zur Zeit des Passahfestes geschah. «Es waren die Tage der ungesäuerten Brote». Es scheint, als würden allgemein gesehen die Heiligen immer noch die jüdischen Feste halten; tatsächlich war es in Jerusalem unmöglich, dies nicht zu tun. Wenn sie die jüdischen Feste nicht strikte befolgten, so feierten sie mindestens das Passahfest. Wir können nicht anders als einige Notiz von ihnen zu nehmen. Es besteht kein Zweifel, dass sie, während das Passahfest gefeiert wurde, auf sehr lebendige Weise an jenes andere Passahfest erinnert wurden, als nicht viele Jahre zuvor das Lamm Gottes zu ihrer Erlösung geopfert wurde. Aber es besteht immer die Gefahr, dass unser Gedenken an geistliche Dinge zu etwas Formlosem und Leblosem wird, anstatt aktuelle und lebendige Werte zum Ausdruck zu bringen. Der Herr muss Vorsichtsmaßnahmen treffen, um uns von dieser Gefahr zu befreien. Vielleicht hat er gesehen, dass sie in Jerusalem geneigt waren, den Sieg von Golgatha als eine Angelegenheit vergangener Geschichte zu feiern, als eine Befreiung, die zu einer früheren Zeit gehörte, und darum erlaubte er dem Herodes, seine Hand in einem neuen Angriff an sie zu legen, damit das Volk Gottes, indem es in einen neuen Konflikt gedrängt wird, von Neuem auf eine persönliche Weise die Kraft von Christi glorreichem Sieg unter Beweis stellen konnte. Es bestand keinerlei Zweifel hinsichtlich der Grausamkeit des Angriffs auf sie. «Doch Gebet...» - wir können wahrlich hinzufügen: «Doch Gott...».

Wir wollen uns nicht entmutigen lassen, wenn der Teufel seine Attacken erneuert, auch wollen wir nicht in den Fehler verfallen, zu glauben, der Herr sei gegen uns, nur weil das Leben schwierig und voller Probleme ist. Es gibt eine Zeitlosigkeit im Blick auf das, was geschieht. Große Dinge sind im Gange. Es war genau dann, als als die Gemeinde in Antiochien von ganzem Herzen auf den Herrn einging, dass für das weltweite Zeugnis von Christus ein neuer Tag dämmerte, und dass Gott seinem Volk einen neuen Beweis für die Vollständigkeit von Golgathas Triumph lieferte. «Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an etliche von der Gemeinde, um sie zu misshandeln» (Apg. 12,1).

Das wird uns helfen, eine wichtige Tatsache zu schätzen, dass unsere persönlichen Schwierigkeiten und Prüfungen, unsere lokalen, gemeinschaftlichen Erfahrung des geistlichen Konfliktes, mit viel größeren Aktivitäten Gottes zusammenhängen, als wir uns das vorstellen können. «Von der Gemeinde aber wurde unablässig ... gebetet»(12,5b). «Das Wort Gottes aber breitete sich aus und mehrte sich» (V. 24). Diese beiden Dinge sind eng mit einander verbunden.


Gott macht von der Hungersnot Gebrauch

Es war die Hungersnot, die dazu führte, dass Barnabas und Saulus sich in Jerusalem aufhielten. Wir wissen, dass es eine solche Hungersnot gegeben hat, und dass sie sehr umfassend war. Nur nur gibt es andere authentische Berichte von der großen Teuerung in Jerusalem selbst, es existieren auch Berichte über Zustände von Hungersnot in Griechenland und in Rom. Es war eine jener Zeiten, da die ganze Welt in Not und Leiden lag. Vielleicht mag es übertrieben klingen, zu behaupten, die Weltsituation sei deshalb eingetreten, damit Gottes Vorsatz unter seinem Volk in Jerusalem und Antiochia verwirklicht werden konnte, aber es besteht kein Zweifel darüber, dass weltweite Bedingungen sowohl vom Teufel als auch von Gott selbst benutzt werden für spezifische Aktivitäten und Interessen unter dem Volk Gottes.

Nun, nehmen wir einmal an, dass die Heiligen in Antiochia, die anscheinend nicht selbst von der Hungersnot betroffen waren, hätten sich gegenüber der Not ihrer jüdischen Brüder unbekümmert und unbewegt gezeigt. Dann wären Barnabas und Saulus zu diesem Zeitpunkt nicht nach Jerusalem gegangen; sie hätten einen bestimmten göttlichen Vorsatz verpasst, und es hätte keine missionarischen Entwicklungen in Antiochia gegeben, wie sie in Kapitel 13 beschrieben werden. Eine ganze Menge mag daraus hervorgegangen sein, dass sie Hilfsmittel nach Jerusalem sandten. Niemand von uns weiß, wie untereinander vernetzt geistliche Anliegen sind.

Ein gewöhnlicher Christ, einer von denen, die sich im Hause der Mutter von Johannes Markus zum Gebet trafen, hätte denken können, er habe nichts mit der großen apostolischen Mission und mit den Triumphen des Evangeliums durch Barnabas und Saulus zu tun. Er selbst hätte denken können, er habe nichts damit zu tun. Gott allein weiß, welche Energie bis an die Enden der Erde freigesetzt wird, wenn sich selbst eine einfältige Gruppe von Heiligen zum Gebet trifft, und die nicht nur zum Gebet zusammenkommt, sondern die auch durch das Gebet gewinnt. Der Konflikt mag sich bloß auf eine rein lokale Situation oder persönliche Not beziehen, doch wenn diejenigen, die so umlagert werden, sich im Namen des Herrn erheben und die Fülle seines Sieges beanspruchen, wird der lokale und persönliche Sieg zum Anlass für die Freisetzung geistlicher Kräfte auf eine weitreichende Weise werden.

Der Test der Verfolgung

Wir stellen fest, dass auf die Hungersnot die Verfolgung folgte, durch die Gefangennahme von Petrus, und durch ernsthafte Prüfungen für alle Gläubigen. Was bezweckte der Teufel mit dieser Verfolgung? Wollte er nicht die Heiligen zerstreuen, sie spalten, sie mutlos machen, sie zu Kompromissen zu drängen oder bewirken, dass sie ganz aufgeben? Auch wir werden durch Weltzustände beeinflusst, wie sie damals durch diese Hungersnot. Es mag sein, dass einige von uns nicht in eine tatsächliche Verfolgung verstrickt sind, doch leiden auch wir unter Satans Versuchen, uns zu entmutigen und zu trennen. Petrus - das trifft zu - war eigentlich derjenige, der im Gefängnis war, doch befand sich die ganze Gemeinde in einer schweren Prüfung; sie wurden alle getestet, ob sie am bösen Tag standhalten und sich zum Sieg durchringen würden. Es ist so leicht, Versammlungen zu genießen, Bibellehre zu schätzen und sich laut in unserem Lobpreis für den Herrn hervorzutun, und dann, wenn der Konflikt kommt, in Stücke zu zerspringen. Es war für sie nicht schwierig, den Mut zu verlieren. Jakobus war mit Gewalt von ihnen genommen worden; Petrus war im Gefängnis und scheinbar erledigt; alles schien die Realität ihres Glaubens zu verleugnen. Was nützte es da noch, in eine Gebetsversammlung zu gehen?

Und natürlich mischt auch das menschliche Element mit. Wir können recht sicher sein, dass Petrus kein vollkommener Mensch war, und es wäre unter einer solchen Anspannung sehr leicht gewesen, sich seiner Fehler zu erinnern. Vielleicht wurde auch argumentiert, wenn er sich anders verhalten hätte, wäre ihm vielleicht die Verhaftung erspart geblieben. Satans Bemühen galt dem Ziel, ins Zentrum der Herde einzudringen, ihre enge Gemeinschaft zu zerstören, sie in Zweifel, Fragen und Argumente zu stürzen - alles andere als dies, dass sie im Glauben zusammenhalten. Sie hätten auch das Gefühl haben können, diese Gefangennahme sei Petrus‘ Sache und nicht ihre. Sie hätten ihn auch selber einen Ausweg finden lassen können, wobei sie vielleicht ein paar oberflächliche Gebete für ihn vorgebracht hätten, aber immer mit der allgemeinen Einstellung, dass sei seine persönliche Sache. Und auch wir sind denselben Gefahren und Versuchungen ausgesetzt. Wir brauchen nicht auf konkrete Verfolgung zu warten, denn Satan ist immer darauf aus, uns im Geist getrennt, misstrauisch und kritisch werden zu lassen einander gegenüber, oder einfach, dass wir uns die kalte und unabhängige Schulter zeigen. Der Teufel konzentriert sich darauf, dass die Gemeinde den Glauben und die Hoffnung verliert, und dass sie in der Liebe geschwächt wird. Es geht uns jetzt nicht darum, ob wir die Gebetsversammlung versuchen sollen oder nicht - einige der wichtigsten Ältesten konnten an dieser nicht teilnehmen - sondern darum, dass wir das geistliche Prinzip erkennen, jeder Versuchung des Auseinanderdriftens zu widerstehen.

Die Gemeinde in Jerusalem ging dieser Versuchung nicht auf den Leim; vielmehr versammelten sie sich alle zu ernstem Gebet und in Liebe, und dies nicht nur für Petrus allein, sondern auch für den Willen und die Ehre Gottes.

Der Sieg in Jerusalem

«Doch Gebet...» Hier ist die geistliche Antwort auf eine geistliche Herausforderung, und sehr viel hing vom Ergebnis ab. Wenn der Sieg nicht in Jerusalem gewonnen worden wäre, wären die Heiligen zerstreut, entmutigt und geschlagen worden, was wäre dann mit dem Wort Gottes geschehen? Der eigentliche Kampf dreht sich um die Freisetzung des Wortes. Die vorrangige Sorge galt nicht der Gemeinde in Jerusalem, nicht einmal dem Schicksal von Petrus; worauf es wirklich ankam, war die Frage, was mit dem Wort Gottes geschehen würde. Als die Heiligen in Marias Haus zum Gebet zusammenkamen, so kämpften sie, obwohl es ihnen möglicherweise gar nicht bewusst war, in der Schlacht um die Welt-Evangelisation, um die Größe und Vermehrung des Wortes Christi. Es gibt zwei «Doch» in diesem Kapitel. Das erste betrifft die Verantwortung der Gemeinde: Sie weigerten sich, sich fortdrängen zu lassen. Satan versuchte, zu Fall zu bringen, zu zerstreuen, die Liebe zu zerstören und den Glauben in Verzweiflung zu verwandeln, als er sich plötzlich einem mächtigen geistlichen Widerstand gegenübersah - «Doch Gebet...» Es war ein Wendepunkt. Der ganze Lauf der Ereignisse wurde aufgehalten, und es folgte eine selige Reihenfolge von göttlichen Taten der Befreiung. Es war danach äußerst folgerichtig - denn Gott hatte die Dinge in die Hand genommen und hatte die Opposition hinweggefegt - dass sein Volk hinaus und zu neuen Triumphen geführt wurde. In Vers 24 haben wir das große göttliche «Doch»: «Doch das Wort Gottes wuchs und vermehrte sich». Das war die Antwort auf ihr Gebet; die erste Verantwortung lag bei ihnen, dann ergriff Gott die Dinge auf mächtige Weise und sagte «Doch», indem er sein Wort weit und breit freisetzte.

Wie die Gemeinde in Jerusalem werden auch wir mit Angriffen auf unseren Glauben, unsere Geduld und unsere Liebe konfrontiert. Wenn wir uns diesen persönlichen und lokalen Konflikten nicht resolut entgegenstellen und im Namen des Herrn zum Sieg durchdringen, welche Hoffnung besteht dann noch auf Wachstum und Vermehrung? Andererseits, wenn wir die Herausforderung annehmen, wie sie es getan haben, indem wir uns dem Ansturm der geistlichen Katastrophe mit unserem «Doch»-Gebet entgegenstemmen, wird Gott bestimmt mit seinem «Doch» antworten und den Weg zu neuem Wachstum und zu neuer Fülle klären.


Die weitreichenden Wirkungen

So scheint es, als habe ein sehr breiter Hintergrund oder sehr großes Umfeld zu diesem Gebetskampf im Hause von Maria bestanden. Die Christen in Jerusalem meinten, sie würden wegen rein lokaler oder persönlicher Dinge angegriffen. Sie fühlten, und das mit Recht, dass sie durch Gebet einen sofortigen und lokalen Sieg erringen könnten. Gott sei Dank taten sie es! Doch was sie nicht wussten, was sie sich auch schwerlich hätten vorstellen können, war, dass dies ein Wendepunkt in der göttlichen Strategie darstellte, einen Sieg, der eine große Freisetzung von Dienern des Herrn und seinem Wort hervorbringen würde. Ein gewöhnlicher Gläubiger aus der Menge in Jerusalem hätte sich wohl fragen können, ob es überhaupt etwas ausmachte, ob er siegen oder unterliegen würde, ob letztlich sehr viel von seiner Loyalität und seinem Glauben abhänge. Oh, es machte sehr viel mehr aus als er sich das vorstellen konnte. Und das ist immer so. Es macht ungeheuer viel aus. Sehr weitreichende Folgen hängen von den geistlichen Siegen oder Niederlagen des Volkes Gottes ab.

Und so wurde, als Petrus befreit wurde, noch etwas anderes befreit, ja, die ganze Situation wurde befreit. Eine Zeit lang schien es, als wäre alles verriegelt. Der eine Mann, Petrus, schien die Verkörperung des ganzen Zustandes des Dinge zu sein. Er war eingesperrt, er lag in Ketten, und es hatte den Anschein, als käme das Ende aller Aktivitäten des Geistes durch die Gemeinde. Alles hing davon ab, ob das Volk des Herrn das, was unvermeidbar war, akzeptieren würde, ob sie den Weg für die Opposition freigeben und so unterliegen würden. Hätten sie das getan, dann gibt es keine Garantie für das, was geschehen wäre. Aber anstatt zu weichen erhoben sie sich im Glauben, um zu bestätigen, dass das Passah kein bloßes Gedächtnismahl eines vergangenen großen Sieges war, sondern die Feier der stets gegenwärtigen Kraft des universalen Triumphes von Golgatha. Darauf reagierte Gott mit der Befreiung von Petrus, doch mehr als das, er schenkte neues und mächtiges Wachstum für das ganze Zeugnis der Gemeinde.

Nun gehen wir zu Apostelgeschichte 13 weiter; dort finden wir, dass Barnabas und Saulus sich am Vorabend des großen Momentes befinden, da sie durch den Heiligen Geist bis an die äußersten Teile der Welt geschleudert wurden. Wir müssen uns daran erinnern, dass sie soeben mit der geistlichen Erfahrung eines großen Sieges von Jerusalem herabgekommen waren; sie waren auf einer Flutwelle von herrlichem Leben und herrlicher Kraft herabgekommen, die als Antwort auf gläubiges Gebet freigesetzt worden war. Von vielen Gesichtspunkten aus gesehen waren Jerusalem und Antiochia sehr verschieden, aber es kann keinen Zweifel über ihre geistliche Beziehung zu einander geben. Die organische Natur der Gemeinde bedeutet, dass wir sehr stark von einander abhängen. Es ist nie die Art des Herrn, seine Wirksamkeit auf begrenzte und lokale Angelegenheiten zu beschränken. Er macht sich unsere Prüfungen und Konflikte zunutze, und nimmt sie zum Anlass für die Registrierung wichtiger geistlicher Siege, die großes und breites Wachstum bringen werden. In der tatsächlichen Erfahrung wird das Volk Gottes zusammengehalten in gemeinschaftlicher Verbundenheit für die Interessen und die Ehre des Herrn.


Ein Wort der Warnung

Es bleibt noch ein Wort der Warnung übrig im Blick auf den jungen Mann, der mit Barnabas und Saulus herabkam. Markus hatte natürlich jede Ermutigung bekommen, ein Missionar zu werden. Er hatte all die erregenden Momente mitgemacht. Mit andern wurde er ins Schlachtgewühl geworfen, er hatte des Gefühl einer scheinbaren Niederlage erlebt. Er hatte des Gebet gehört und er war Zeug der wunderbaren Erhörung gewesen. Als Barnabas und Saulus nach Antiochia zurückkehrten, voll von der Geschichte der großartigen Befreiung, ging Markus mit ihnen hinunter, begeistert von einem Gefühl der überwältigenden Kraft Gottes. Er war so enthusiastisch und inspiriert, dass er keine Schwierigkeit damit hatte, sich selbst anzubieten, für Christus bis ans äußerste Ende der Welt zu gehen. Wir werden darum informiert, dass, als Barnabas und Saulus auszogen, sie «Johannes als ihren Diener bei sich» hatten (Apg. 13,5). Doch dauerte es nicht lange. «Johannes verließ sie und kehrte nach Jerusalem zurück» (Apg. 13,13). Es scheint, als sei er nicht bereit gewesen, ruhig in dunkle und verbotene Länder einzureisen, fortgesetzt glaubend, dass der, der in Jerusalem Gebete erhörte, noch immer bei ihnen war. Nur die äußere Erfahrung von Dingen bringt uns nicht sehr weit. Saulus und Barnabas hatten etwas mehr als nur das; sie hatten eine tiefe, innere Kenntnis des Triumphs von Golgatha, und von der stets gegenwärtigen Realität des siegreichen Herrn.

Dies ist eine Bemerkung zur Warnung, damit wir nicht unter denen sind, die die Angelegenheit des Gebetskampfes auf die leichte Schulter nehmen. Wir können nicht von Begeisterung und Wundern leben. Wir werden nicht immer schnelle Resultate sehen. Der zunehmende geistliche Konflikt ruft nach einer immer tieferen und inwendigeren Kenntnis des Herrn. Markus‘ Enthusiasmus brachte ihn nicht sehr weit. Vielleicht war es das beste für ihn, nach Jerusalem zurückzukehren. Es könnte auch sein, dass es im Augenblick für ihn das beste gewesen wäre, es überhaupt nie zu verlassen. Schließlich war es der Ort, wo er etwas von der Kraft Gottes gelernt hatte. Wir wissen es nicht. Doch eines wissen wir: In einem schlichten Haus in dieser Stadt kämpfte eine Versammlung gewöhnlicher und namenloser Christen einen mächtigen geistlichen Kampf und rang sich zu einem Sieg durch, der seine Wirkungen zeigte bis in weit entfernte Länder und Nationen. Und das könnte so sein für uns alle.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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