Disziplin zum Gebet
von T. Austin-Sparks

Teil 10 - Die Gemeinde, Sein Leib

«Die Gemeinde, die sein Leib ist» ist das Gefäß, die «Verkörperung» des Herrn, der der Geist ist, in der und durch die er sich selbst zum Ausdruck bringen will. Wenn die Gemeinde, so wie wir ihr begegneten und uns unter ihren Gliedern bewegten, mit der göttlichen Grundidee übereinstimmen würde, wüssten wir, wie der Herr wirklich ist. Lasst uns dies zu Herzen nehmen: Der eigentliche Grund für die Existenz der Gemeinde ist der, dass Menschen erkennen können, was Christus ist. Leider versagen wir gerade darin immer wieder. Es ist oft so schwierig, den wahren Charakter des Herrn Jesus in seinem Volk zu entdecken. Doch gerade das ist die allererste Bedeutung des Leibes Christi.

Doch weiter - und hier befinden wir uns auf vertrautem Grund - ein physischer Körper ist ein organisches Ganzes. Er ist nicht etwas, das von außen zusammengesetzt worden ist. Er ist etwas, das durch eine Einheit gekennzeichnet ist, aufgrund eines Lebens im Innern; und dieses ist in jedem seiner Teile verbunden und miteinander vernetzt, abhängig und gegenseitig auf einander angewiesen; auch der entfernteste Teil wird von dem beeinflusst, was einem andern Teil zustößt. Darüber könnte man sehr viel sagen. Doch müssen wir bezüglich der konkreten geistlichen Anwendung dieser Realität der Gemeinde als dem Leib Christi noch viel mehr lernen. Wir müssen in das große «sympathetische (mitempfindende) System» des Leibes eingeführt werden. Und das erfordert ein echtes Werk der Gnade in uns. Es gibt viele Arten, auf die das im Wort zum Ausdruck gebracht wird. So sollten wir zum Beispiel «derer gedenken, die in Gefangenschaft sind, als Mitgefangene; derjenigen, die misshandelt werden, als solche, die selbst noch im Leibe sind» (Hebr. 13,3); das heißt, wir müssen durch den Geist uns in ihre Situation versetzen. Es ist ein organisches Ganzes. «Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit» (1. Kor. 12,26). Es ist möglich, dass wir ein schönes Stück für Dinge leiden, von denen wir überhaupt nichts wissen. Da ist ein Leiden im Gange, und wir sind darin verstrickt: Der Herr möchte uns in die Nöte anderer einbeziehen, uns in ihre Konflikte hineinnehmen.

Doch ganz gleich, ob wir diese Wahrheit wahrnehmen oder nicht, ob wir auf sie aufmerksam geworden sind und sie verstehen oder nicht, es ist Gottes Tatsache, die genau so ist. Die Gläubigen eines Ortes hängen von den Gläubigen an einem andern Ort ab; sie werden beeinflusst. Es ist wirklich ein Ganzes; ein einziges sympathetisches ( mitempfindendes) Nerven-System verläuft durch den ganzen Leib. Wenn nur wir, ihr und ich, geistlicher lebendiger würden, würde der Ausdruck des Leibes viel vollkommener sichtbar. Unser Leblosigkeit, unsere Unempfindsamkeit, unser Mangel an echter geistlicher Aufmerksamkeit führen nur dazu, dass es mehr Leiden, mehr Verlust gibt, als eigentlich nötig wäre.

Wenn wir uns nur - nicht mechanisch, und nicht durch Information, sondern durch das Prinzip des Leibes - zu einer universellen Empfindsamkeit und Kooperation mit dem Volk Gottes bewegen lassen könnten! Wir bewegen uns so oft mechanisch; wir müssen Briefe lesen oder hören, irgendwie Information empfangen, damit wir uns zu einem gewissen Maß an Gebet bewegen lassen. Doch glaube ich, und dies ganz unabhängig von solchen Mitteln, dass der Geist, wenn wir wirklich im Geist wären, Lasten für Menschen auf unsere Herzen legen würde. Glaubt ihr nicht, dass dies eine Angelegenheit ist, die wir ständig vor den Herrn bringen sollten? «Herr, irgend jemand betet heute für irgend etwas; könnte es sein, dass ich die Antwort auf ihr Gebet bin? Wenn ja, zeig es mir, führe mich, leg es auf mich». Das ist geistliche Bezogenheit, geistliche Aufmerksamkeit. Die Einheit des Leibes ist eine große Berufung.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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