Die heilige Stadt - das Neue Jerusalem
von T. Austin-Sparks

Kapitel 6 - «Klar wie Kristall»

«Und der darauf saß, war in seinem Aussehen einem Jaspis und einem Sardisstein gleich; und ein Regenbogen war rings um den Thron...» (Offenb. 4,3).

«welche die Herrlichkeit Gottes hat. Und ihr Lichtglanz gleicht dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis... Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis, und die Stadt war aus reinem Gold, wie reines Glas. Und die Grundsteine der Stadtmauer waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt; der erste Grundstein ein Jaspis... Und es wird niemals jemand in sie eingehen, der verunreinigt, noch jemand, der Gräuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes» (Offenb. 21,11.18-19.27).

«Ihr habt den Teufel zum Vater, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun! Der war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben» (Joh. 8,44).

«Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand lehrt; sondern so, wie euch die Salbung selbst über alles belehrt, ist es wahr und keine Lüge» (1. Joh. 2,27).

Wir haben nun die Halbzeitlinie dieser Betrachtungen überschritten, und es ist sehr wichtig, dass wir sehr klar verstehen, was der Herr uns zeigen möchte. Da sind viele Worte, und es gibt viel Belehrung, und wir fragen uns letztlich: «Was soll das alles?» Das, worüber wir uns am Ende im Klaren sein sollten, ist folgendes: «Was ist es denn, das der Herr wirklich gesagt hat?» Darum wollen wir nun den ganzen Symbolismus, d.h. das Mittel, das der Herr benutzte, um uns zur Wahrheit zu führen, verlassen und versuchen, genau zu verstehen, was der Herr sagen will.

Das Ziel, auf das Gott hinarbeitet

Man kann alles mit wenigen Worten zusammenfassen: Der Herr versucht uns zu zeigen, welches das große Ziel ist, auf das der Herr sich im Leben seines Volkes hinbewegt, und dieses Ziel ist der Ausdruck seiner eigenen göttlichen Natur in ihnen. Diese göttliche Natur ist in seinem Sohn, Jesus Christus, zu uns gebracht worden, und der Heilige Geist ist gekommen, Jesus Christus in der Gemeinde zu reproduzieren, so dass, wenn Gottes Werk in seinem Volk vollbracht worden ist, es in seinem Universum eine Manifestation der göttlichen Natur in einem Volk geben wird. Gott tut nicht zwei Dinge, sondern nur eines. Evangelisation ist bloß das Einsammeln der Leute, das Hinzufügen von Gläubigen zum Herrn Jesus. Von diesem Zeitpunkt an ist es das Werk des Heiligen Geistes, diese Gläubigen dem Bild des Sohnes Gottes gleichförmig zu machen, und das Ziel des Werkes des Heiligen Geistes ist die Manifestation Christi in der und durch die Gemeinde.

Das Leben des Christen ist ein Fortschreiten im Wachstum Christi. Das erklärt alle Behandlungen, die der Heilige Geist uns zuteil werden lässt, denn sein einziges Bestreben ist es, die Gemeinde in die Fülle Christi zu bringen. Wenn ihr wissen möchtet, was die Fülle Christi ist, dann habt ihr es in dieser symbolischen Präsentation der heiligen Stadt, dem Neuen Jerusalem. Jeder Aspekt dieser Stadt repräsentiert ein geistlicher Gesichtspunkt des Herrn Jesus, d.h., er repräsentiert einen Gesichtspunkt der göttlichen Natur, der in der Gemeinde, dem Volk Gottes, reproduziert werden soll. Ist das einfach genug? Versteht ihr nun, worum es hier geht? Wenn ja, dann können wir weiterfahren.

Gericht, gemäß dem Jaspisstein

Wir wollen zu einem andern Gesichtspunkt der göttlichen Natur kommen, der hervorgebracht werden soll, und zwar nicht in irgend etwas Imaginärem, Gemeinde genannt, sondern in euch und in mir.

Wir haben bereits gesehen, dass der alles umfassende Charakter der Stadt Gold ist. Reines Gold ist die beherrschende Präsentation dieser Stadt, und wir haben festgestellt, dass Gold in der Bibel stets das Symbol für göttlichen Charakter, besonders für die Liebe, ist. Wir haben dies das letzte Mal betrachtet. Nun wollen wir den ersten Gesichtspunkt dieser göttlichen Natur anschauen. Wenn jene zitierten Abschnitte sorgfältig gelesen habt, ist euch aufgefallen, dass in ihnen allen eine Vorstellung herrschte - nämlich das «klar wie Kristall» bzw. «kristallhell». Es heißt, die Stadt sei wie ein «kristallheller Jaspisstein». Jaspis wird, als Zeichen für Klarheit, in allen wichtigen Bezugstellen dieses Buches der Offenbarung erwähnt. Sofort nachdem der Herr mit den sieben Gemeinden in Asien fertig ist, beginnt der zweite Teil des Buches, und der Apostel Johannes sagt, er sehe «eine geöffnete Tür im Himmel ... einen Thron im Himmel stehen ... und der, der darauf saß, hatte das Aussehen eines Jaspissteins» (Offenb. 4,1-3). Die Gemeinde sind gerichtet worden, und nun wird die Welt und alles übrige auch gerichtet, denn der Thron bedeutet Gericht. Alles wird vom Himmel aus beherrscht, und alles wird im Licht des Jaspissteins gerichtet werden, d.h. gemäß dieser göttlichen Natur, die absolut klar ist. Die Gemeinden sind schon in diesem Licht gerichtet worden, und auch die Welt wird in diesem Licht gerichtet. Es ist ein Gericht gemäß dem, was absolut WAHR ist. Habt ihr dieses Wort gehört? Transparent - ihr könnt durch es hindurchsehen. Hier gibt es nichts, das nicht vollkommen klar und wahr ist. Es gibt absolut keine Finsternis in der göttlichen natur - sie ist vollkommen transparent. Es gibt nichts Falsches an Gott, nichts, das nicht real ist. Es gibt keine Vermischung zweier gegensätzlicher Dinge in der Natur Gottes, nichts, das bloß nachgeahmt oder künstlich gemacht wäre. Es gibt keine Heuchelei in der Natur Gottes, und nichts Verführerisches, das etwas vorgibt, was es nicht ist. Es braucht all diese Wort, und noch viele mehr, um an dieses Charakteristikum Gottes heran zu kommen, nämlich vollständige Reinheit, klar wie Kristall.

Die Lüge - ein Greuel für Gott

In dieser Beschreibung des Stadt sagt Johannes, nichts könne in sie hinein kommen, das Lügen verbreite, und er nennt die Lüge «einen Gräuel». Was nicht absolut wahrhaftig ist, ist für Gott ein Gräuel. Auf diese Weise zeigte der Herr Jesus, was Gottes Natur in Wirklichkeit ist. Die stärksten und schrecklichsten Dinge, die je über seine Lippen kamen, richteten sich gegen die Heuchelei. Ich hätte an jenem Tag nicht dort sein wollen, als er die Pharisäer anblickte und sagte: «Ihr Heuchler!» «Hypokritès» bedeutet einfach «Schauspieler» - einer, der auf der Bühne dieser Welt steht und eine Rolle spielt, die nicht real und echt ist. Im Angesicht Jesu zeigte sich Zorn gegen das, was nicht echt war. Wir lesen jene schrecklichen Worte aus Johannes 8, als er zu jenen Pharisäern sagte: «Ihr stammt von eurem Vater, dem Teufel, und ihr wollt die Werke eures Vaters vollbringen. Er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Wenn er eine Lüge ausspricht, spricht er das aus, was er selber ist.»

Wie die Lüge in diese Welt kam

Das bringt uns zu einer Sache, die eine sehr lange und schreckliche Geschichte hat. Jesus dachte an das, was vor langer Zeit am Anfang im Garten geschah, als Satan eine Lüge über Gott aussprach und Adam sie akzeptierte. Die ganze Geschichte der furchtbaren Tragödie dieser Welt entstammte dieser Lüge. Es liegt eine Lüge direkt im Herzen dieses Universums, und es gibt in diesem Universum keine Wahrheit außerhalb von Gott. Die Geschichte dieser gefallenen Schöpfung ist die Geschichte einer Lüge.

Jesus sagte von Satan, dass er «nicht in der Wahrheit bleibe». Das heißt doch, dass er irgend einmal in der Wahrheit gewesen sein musste, und dass er von einem bestimmten Punkt an nicht in der Wahrheit geblieben ist. Er wich davon ab, und das furchtbare Gericht Gottes fiel auf ihn und auf diejenigen, die mit ihm die Lüge teilten. So kam er dazu, seine eigene Lüge und Natur dem Menschen, Gottes Schöpfung, einzupflanzen, und der Apostel sagt: «Die ganze Welt liegt im Argen (in dem Bösen - personifiziert!) (1. Joh. 5,19). Das ist eine sehr lange und schreckliche Geschichte, doch jetzt hat sie ihren Höhepunkt erreicht. Einen der größten Einflüsse auf die Welt von heute über das aus, was nicht glaubt, dass es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt. Es redet mit Pilatus: «Was ist Wahrheit? Es gibt überhaupt keine Wahrheit. Man kann genau so gut mit Lügen leben wie mit irgend etwas anderem». Diese Ideologie breitet sich über die ganze Welt aus - es ist blanker Zynismus, sofern es die Wahrheit betrifft. Diese Welt ist eine verführte Welt, und die Christen wissen, wie künstlich, irreal und leer diese Welt ist. Hier stehen wir Auge in Auge einem der ernstesten Dinge in der ganzen Geschichte dieser Welt gegenüber.


Gottes Antwort auf die Lüge

Es war als eine Antwort auf diese historische Lüge, dass der Sohn Gottes in diese Welt inkarnierte. Jesus sagte: «Ich bin die Wahrheit» (Joh. 14,6), und «dazu bin ich diese Welt hinein geboren worden, und dazu bin ich in diese Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen» (Joh. 18,37). Jesus ist die Verkörperung der großen Antwort auf die Geschichte der Lüge. Darum hasste ihn der Teufel so sehr, und darum hassten ihn auch jene, die nach seinen Worten Kinder des Teufels waren, so sehr. Er riss ihnen die Maske ihrer Heuchelei und der religiösen Schauspielerei vom Gesicht. Er legte ihre wahre Natur bloß, und, vom Teufel angetrieben, berieten sie sich, wie sie ihn umbringen könnten. Die Wahrheit war für den Herrn Jesus nicht irgend eine abstrakte Sache. Es war nicht einfach dies, dass er die Wahrheit redete - er WAR die Wahrheit! Er wurde zu einer persönlichen Kraft in diesem Universum, ein mächtiger, wirksamer Zeuge gegen alles, was nicht wahr war. Als Jesus in diese Welt kam, war die Schlacht um Wahrheit und Lüge in vollem Gange, und er war kaum in diese Welt geboren, als jener große Heuchler, jener falsche Mensch, Herodes, ihn zu vernichteten suchte.

Jesus ist die Wahrheit. In ihm gibt es überhaupt keine Finsternis, und darum konnte er sagen: «Ich bin das Licht der Welt» (Joh. 8,12).


Der Geist der Wahrheit

Der Heilige Geist wird der «Geist der Wahrheit» genannt (Joh. 16,13). Jesus sagte: «Wenn er, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in alle Wahrheit leiten», und: «Der Geist der Wahrheit... denn er bleibt in euch, UND ER WIRD IN EUCH SEIN» (Joh. 14,17). Jesus wollte damit sagen: «Was ich außerhalb von euch gewesen bin, wird der Heilige Geist IN euch sein». «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen» (Joh. 8,32) - nämlich, frei von der Lüge. So sagt Johannes: «Wie seine Salbung euch über alles belehrt, und sie ist die Wahrheit und keine Lüge».

Nun könnt ihr erkennen, wie wir zur Stadt gelangen. Liebe Freunde, bitte versucht es und seid mit mir geduldig, denn ich rede von etwas, das sehr ernste Konsequenzen hat, und das ist Gottes erhabene Wahrheit. Wenn diese Stadt irgend ein geistliches Prinzip der göttlichen Natur repräsentiert, und wenn der, der auf dem Throne der Herrschaft sitzt, einem Jaspisstein gleicht, werden wir alle gemäß dem gerichtet werden, was hier gesagt worden ist.

Eine herrliche Gemeinde

Nun, hier also wird im Symbolismus der Stadt die Gemeinde in ihrer Beziehung zu Jesus Christus präsentiert. Der Apostel sagte, er werde «ihm die Gemeinde als eine herrliche Gemeinde darstellen» (Eph. 5,27), und hier lesen wir schließlich, «welche die Herrlichkeit Gottes hat». Doch dann definiert Paulus, was er mit «einer herrlichen Gemeinde» meint - «die weder Flecken, noch Runzeln noch irgend etwas dergleichen hat». Das heißt, sie hat nichts Dunkles, Finsternis, in sich, oder irgend eines der Kennzeichen dieser verführten Schöpfung - mit einem Wort, nichts, das nicht absolut wahr ist.

All dies mag für euch sehr schrecklich klingen, und ich nehme an, dass einige von euch sagen werden: «Warum redet er so mit uns?» Nun, ich rede ebenso sehr mit mir selbst als mit euch. Was sucht der Heilige Geist in euch und in mir zu tun? Auf der einen Seite versucht er, uns von dieser unserer Natur zu trennen, die so unrein ist, und, auf der anderen Seite, uns in die Natur des Herrn hinein zu bringen. Der Herr, der Geist, trachtet danach, das Gold zu läutern, bis es schließlich so durchsichtig ist wie Glas, das ist natürlich ein Gold, das sich vom natürlichen Gold vollständig unterscheidet. Gibt es jemanden unter uns, der ein Gold gesehen hat, das durchsichtig ist wie Glas? Ein Stück Gold, durch das ihr hindurchschauen könnt wie durch ein Fenstern? Nun, ich habe eine Menge Gold in vielen Teilen der Welt gesehen, doch habe ich nie etwas dergleichen gesehen! Das ist etwas, das nicht natürlich ist: es ist göttlich. Das sind wir nicht von Natur aus, aber es ist das, was wir durch die Gnade sein werden. Um das Bild zu wechseln: «Weißer als Schnee». Darum habe ich heute Morgen jenes Lied gewählt. Ich habe aus dem Fenster auf die Blüemlisalp hinüber geblickt, und ich sah, wie dieser vollkommen weiße Schnee in der Sonne zu glitzern anfing. Ich sagte: «Gibt es irgend etwas, das weißer ist als Schnee?» Und dann kam das Wort Gottes: «Auch wenn eure Sünden wie Scharlach wären, werden sie dennoch schneeweiß werden» (Jes. 1,18). Später werden wir den Platz erkennen müssen, den das Lamm in der Stadt einnimmt, und dann werden wir sehen, warum die Stadt durchsichtig ist wie reines Gold.

Ihr seht, dieses Buch der Offenbarung liefert uns ein Bild von der Gemeinde, wie sie schließlich in weiße Gewänder gehüllt ist, mit jener reinen und gerechten Natur Gottes bekleidet, «und wie sie mit mir in weißen Gewändern wandeln werden» (Offenb. 3,4).

Die Botschaft dieses Buches der Offenbarung stammt von einem, der sagt: «Er, der Wahrhaftige» (Offenbarung 3,7).

Liebe Freunde, der Herr möchte, dass wir Leute sind, die echt sind, real und durchsichtig. Wisst ihr, Gemeinschaft ist unmöglich, es sei denn, es herrsche absolute Transparenz. Es heißt, dass die Straße (und es gibt nur diese eine Straße) der Stadt aus REINEM Gold bestehe. Es wird die Gemeinschaft des Volkes Gottes in absoluter Transparenz sein. Ihr könnt diese Gemeinschaft nicht haben, so lange ihr einander misstraut, solange ihr über die Motive der anderen Person keine Gewissheit habt, und solange ihr sagen müsst: «Nun, ich frage mich, was er - oder sie - eigentlich will! Ich frage mich, ob er etwas Bestimmtes herausfinden möchte. Ich frage mich, ob er etwas zu finden gedenkt, das er gegen mich verwenden kann! Ich trau ihm nicht. Etwas an ihm ist nicht transparent». Seht ihr, das ist die Welt. Ihr könnt keine Gemeinschaft haben, wenn die Dinge so sind, und wenn ihr euch unter die goldene Piazza mischen wollt, dann ist das nur möglich, wenn alles, was nicht wahr, real und echt ist, beseitigt worden ist.

Möge der Herr unsere Herzen und unseren Sinn von allem reinigen, das nicht wahr ist!


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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