Die heilige Stadt - das Neue Jerusalem
von T. Austin-Sparks

Kapitel 7 - «Eine große und hohe Mauer»

«Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam, welche die Herrlichkeit gotts hat. Und ihr Lichtglanz gleicht dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis. Und sie hat eine große und hohe Mauer und zwölf Tore, und an den Toren zwölf Engel, und Namen angeschrieben, nämlich die der zwölf Stämme der Kinder Israels. Von Osten her gesehen drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine, und in ihnen waren die Namen der zwölf Apostel des Lammes... Und er maß ihre Mauer: 144 Ellen nach dem Maß eines Menschen, das der Engel hat. Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis, und die Stadt war aus reinem Gold, wie reines Glas» (Offenb. 21,10-14.17.18).

Wir erinnern uns, dass diese Stadt und alles, was mit ihr in Beziehung steht, eine symbolische Darstellung von Jesus Christus und seiner erlösten Gemeinde ist. Alles hier ist eine Repräsentation der geistlichen Charakteristiken von Jesus Christus, und davon, dass diese Charakteristiken in der Gemeinde zum Ausdruck gebracht werden sollen; und hier befinden wir uns in der Gegenwart der angekündigten Fülle von dessen Verwirklichung.


Warum eine Mauer?

Nun kommen wir zur Mauer der Stadt: «Sie hat eine große und hohe Mauer». Die Maße der Stadt sind angegeben - 144 Ellen, oder zwölf mal zwölf. Behaltet das einfach für einige Augenblicke im Gedächtnis. Ich nehme an, 144 Ellen sagen euch nicht viel, doch wenn ich euch sage, dass die Höhe der Mauer 72 Meter beträgt, werdet ihr einsehen, dass dies eine ziemlich hohe Mauer ist, und die Tatsache, dass diese Stadt eine solch hohe Mauer benötigen sollte, hat eine sehr reale Bedeutung. Ich sagte, die Zahl sei zwölf mal zwölf, und in der biblischen Zahlensymbolik bedeutet die Zahl zwölf immer Herrschaft, Regierung. Wir treffen recht auf die Zahl zwölf in diesem Zusammenhang.

Wenn wir also diese Mauer betrachten, betrachten wir das, was alles beherrscht. Es ist das, was diese Mauer darstellt, das darüber bestimmt, was in diese Stadt kommen und Teil dieser Stadt sein kann. Warum errichtet ihr eine Mauer? Warum habt ihr Mauern um eure Häuser und eure Grundstücke?


Eine Grenze

Die Antwort lautet, dass eine Mauer eine Grenze darstellt. Sie demarkiert ein bestimmtes Gebiet. Leute mögen sich eurem Hause nähern, aber eure Mauer begrenzt ihr Vorwärtskommen. Die Mauer sagt: «Bis hierher und nicht weiter. Was draußen ist, mag euch gehören, doch was innerhalb ist, gehört mir». So ist es mit der Mauer dieser Stadt. Sie bestimmt, was von Gott ist und was nicht. Gleich werdet ihr hören, was außerhalb der Stadt ist, und wenn ihr euch jene Dinge anseht, könnt ihr sehen, dass es alles Dinge sind, die für Gott inakzeptabel sind. In unserem letzten Kapitel redeten wir von der Lüge, und es wird gesagt, was Lügen verbreitet, könne nicht in diese Stadt hinein kommen. So ist die Mauer in erster Linie eine Grenze zwischen dem, was von Gott ist und dem, was nicht von Gott ist; und wenn ihr diese Mauer untersucht, und seht, welches seine Fundamente sind - «alle Arten von kostbaren Steinen» - dann seht ihr den Charakter Gottes in seinen vielfältigen Aspekten.

So ist die Mauer ein Zeugnis für Gott; erstens für das, was Gott ist, und dann dafür, dass nur dasjenige, was wie Gott ist, in diese Gemeinde hinein kommen kann.

Schutz vor dem Bösen

Dann ist die Mauer aber auch «groß und hoch». Wie die Stadt selbst ist auch sie sehr massiv, und ihr kommt nicht leicht durch sie hindurch oder über sie. Solltet ihr versuchen, auf eine Weise in DIESE Gemeinde Gottes hinein zu gelangen, die im Gegensatz zu ihm steht, werdet ihr es mit Gott zu tun bekommen. In diesem Zusammenhang wird uns nämlich gesagt, dass dies der Ort sei, wo Gott wohne. Die Stiftshütte Gottes ist hier, und es heißt: «Er wird bei ihnen wohnen» (21,3). Darum muss alles, was versucht, in sie hinein zu gelangen, Gott begegnen.

Ich glaube, wir sind zu gedankenlos in unserer Redeweise, wenn es darum geht, in den Himmel zu kommen. Wenn ihr jemanden fragt, ob er oder sie in den Himmel komme, werden sie sagen: «Nun, ja, ich hoffe es». Ihr alle hofft, in den Himmel zu kommen, doch gibt es eine große und hohe Mauer rund um den Himmel, und wir müssen durch diese Mauer hindurch, um dorthin zu gelangen, wo Gott ist, damit wir bei ihm wohnen können. Nochmals sage ich: Es ist eine «große und HOHE Mauer». Es ist nicht leicht, mit dieser Mauer fertig zu werden.

Die Mauer ist nichts anderes als die Natur Gottes. Darum habe ich das «zwölf mal zwölf» erwähnt. Es ist die Herrschaft, zwölf mal wiederholt, und es ist die Herrschaft der Natur Gottes selbst.

So kommen wir zum zweiten Punkt bezüglich der Mauer: Eine Mauer ist zum Schutz da, um alle Dinge draußen zu behalten, die schädlich oder gefährlich sind. Genau das tut die Natur Gottes - sie ist eine Verteidigung und ein Schutz gegen alles Böse.

Wie kommen wir hindurch?

Ich komme nun diesbezüglich zu etwas sehr Praktischem. Ihr wisst, die Menschen errichten eine Mauer rund um die Gemeinde. Sie haben tausende von Mauern um sie herum gebaut. Da ist die Mauer des Denominationalismus, die Menschen errichtet haben, und die Mauer von Namen bestimmter Männer, wie zum Beispiel der Lutheranismus oder der Wesleyismus, und ich könnte mit einer Mange anderer Namen weiterfahren, die ihr kennt, und wenn ihr da in die Gemeinde hinein kommen wollt, müsst ihr unter einem dieser Namen kommen. Manchmal ist es die Mauer einer besonderen Art von Lehre, und wenn ihr diese Lehre nicht akzeptiert, könnt ihr nicht in die Gemeinde hinein kommen. Manchmal ist es ein technisches System von «wie Dinge gehandhabt werden», und wenn ihr nicht konform geht mit der Art und Weise, wie da die Dinge gehandhabt werden, könnt ihr nicht in die Gemeinde kommen. Nun, ich könnte so weiterfahren. Der Mauern, die Menschen aufgerichtet haben, sind so viele, doch habe ich diese Verse über die Mauer studiert, und ich glaube nicht, dass ich einen Fehler begangen habe - ich kann nichts vom Menschen finden, das diese Grenze definiert.

Was kann ich an dieser Mauer finden? Alles, was ich finden kann, ist die Natur Gottes, manifestiert in Jesus Christus, und das ist auch die einzige Exklusivität, die Gott anerkennt. Ihr werdet ohne Schwierigkeiten hier hinein kommen, wenn die Natur von Jesus Christus in euch ist. Zwölf Engel stehen bei den zwölf Toren, und wenn ihr an ein Tor kommt, wird euch kein Engel fragen: «Zu welcher Denomination gehörst du? An welcher besonderen Lehre hältst du fest?» Der Engel wird euch und mich und alle, die hineingehen wollen, anschauen, und den Engeln steht es nicht zu, Fragen zu stellen. Sie wissen alles sofort, ohne irgend welche Fragen zu stellen, denn das einzige, was sie wissen wollen, ist: «Ist Jesus Christus in eurem Leben? Wie ähnlich seid ihr ihm? Wie viel von Jesus Christus ist in euch?» Das ist der einzige Standard für das Gericht, um dort sein zu können, wo Gott ist. Habt ihr den Herrn Jesus in euer Leben aufgenommen? Und, wenn ihr das getan habt, habt ihr ihm auch erlaubt, euch mehr und mehr vollständig zu besitzen? Hat in eurem Leben eine ständige Zunahme von Christus stattgefunden? Das ist die Grundlage für das Gericht, und das ist die Sache, die darüber entscheidet, ob wir hineingelangen können, oder ob wir draußen bleiben müssen.

Meint ihr, das sei mystisch oder abstrakt? Nun, dann wollen wir sehr praktisch werden. Wenn ihr wie ich in dieser Welt herumreist, begegnet ihr vielen Leuten. Dann trefft ihr eines Tages eine bestimmte Person. Vielleicht betritt er oder sie den Zug, in dem auch ihr seid, oder die Begegnung geschieht an einem andern Ort. Es sind noch andere Leute da, aber irgend etwas an dieser Person lässt euch zu euch selbst sagen: «Er ist ein Christ, dessen bin ich mir sicher», oder «ich bin ganz sicher, dass sie eine Christin ist». Kein Wort wurde gewechselt, und bis zu diesem Zeitpunkt habt ihr noch nichts gesagt, und bald fangt ihr an, Fragen zu stellen, und es geht nicht lange, bis ihr entdeckt, dass ihr recht hattet. Das ist ein weiteres Kind Gottes! Ihr sagt: «Ich wusste, dass du ein Gotteskind bist». «O, wie konntest du wissen, dass ich ein Christ bin? Ich habe dir nie gesagt, dass ich einer bin». «Das musstest du mir auch gar nicht sagen. Etwas an dir sagt mir, dass du zum Herrn gehörst, etwas, das dich von den anderen Leuten stark unterscheidet».

Nun, das ist etwas sehr Einfaches, aber trifft es auch zu? Nun, in der Tat könnt ihr in einer Versammlung wie dieser sagen, wer zum Volk Gottes gehört und wer den Herrn nicht kennt. Genau darauf werden die Engel an den Toren schauen.

Natürlich ist das nur eine Art, die Sache zu illustrieren. Wir reden vom Wohnen bei Gott in der Zeit und in der Ewigkeit, doch ist es nur möglich, bei ihm zu wohnen, wenn seine Natur in uns ist.

Ich möchte bloß einen Satz wiederholen: Das ist die einzige Exklusivität, die Gott anerkennt. Entweder sind wir drin, oder draußen, entsprechend dem Maß Christi in uns.

Jesus Christus als das Lamm Gottes wertschätzen

Das führt uns noch zu einer andern Sache, bevor wir abschließen. Uns wird gesagt, diese Mauer ruhe auf dem Fundament der zwölf Apostel des Lammes. Es steht nicht da, die Zwölf Apostel seien das Fundament, sondern das Fundament sei das Fundament der zwölf Apostel des Lammes. Die Apostel waren «die vom Herrn Gesandten», und als sie in die Welt hinaus gesandt wurde, was predigten sie da? Was war das Fundament all ihrer Verkündigung? Es ist alles zusammengefasst in diesem einen Wort: dem Lamm. Ihr wisst, als der Apostel Johannes, der ja dieses Buch geschrieben hat, sein Evangelium verfasste, er sehr bald einmal feststellte: «Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt» (Joh. 1,29), und auf verschiedene Arten haben alle Apostel, die Jesus Christus verkündigten, das Evangelium vom Lamm Gottes verkündigt. In diesem Buch der Offenbarung kommt der Ausdruck «das Lamm» 26 mal vor.

Ganz zuerst bedeutet das Lamm das Wegnehmen der Sünde. Das ist der Anfang von allem, das sich aufmacht, in die Gegenwart Gottes zu gelangen - die Beseitigung unserer Sünde. Das ist das Fundament dieser Mauer.

Dann aber wird in diesem Buch nicht nur das Lamm Gottes, das Sünde hinweg nimmt, sondern auch die Wendung: «Die Hochzeit des Lammes» verwendet. Natürlich ist das eine merkwürdige Sprache, aber was bedeutet das? Was ist eine Hochzeit? Es ist ein Bund, der zwischen zwei Parteien geschlossen wird, ein Bund der Liebe, und die Hochzeit des Lammes meint genau das, dass durch das Blut des Lammes ein Bund geschlossen wird, der uns mit dem Herrn Jesus vereinigt. Es ist der Bund seiner ewigen Liebe zu uns, und unser Bund mit ihm, ihn wegen seines Opfers für immer zu lieben. Die Hochzeit des Lammes ist ein ewiger Liebesbund zwischen Christus und seiner Gemeinde, und nur diejenigen, die in diesen Bund eingetreten sind, werden für immer bei Gott wohnen.

Und wenn ihr ans Ende dieses Buches gelangt, heißt es: «Das Lebensbuch des Lammes». Was ist das? Wiederum ist es bloß ein Bild. Ich glaube nicht, dass, wenn wir in den Himmel kommen, sie ein buchstäbliches Buch öffnen werden. Natürlich haben wir Lieder, die das sagen, wie das Lied unserer Kleinen:

«Steht mein Name dort,
in dem großen, schönen Buch?»

Im ersten Weltkrieg war ich mit den Truppen auf dem Mittelmeer, und an den Sonntagabenden hatten wir ein großes Soldatentreffen für einen Gottesdienst. Zwölfhundert Männer waren zurück gekehrt, verwundet oder krank. Wir sagten gewöhnlich: «Nun, Jungs, was wollen wir singen?» Wisst ihr, was sie jedesmal als erstes Lied wählten? «Wenn da drüben nach der Liste gerufen wird, werde ich dort stehen»! Nun, die Vorstellung ist ganz in Ordnung, doch das Lebensbuch des Lammes bedeutet bloß die Aufzeichnung derer, die durch den Glauben an Jesus Christus ewiges Leben empfangen haben.

Nun, auch das ist wiederum sehr praktisch. Es gab einen Tag, als der Herr Jesus hier auf Erden war, dass eine große Menge von Leuten sich um ihn versammelte, und unter ihr befand sich eine arme Frau, die schon seit zwölf Jahren an einer Schwäche litt. Sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verschwendet, und doch hatte ihr niemand helfen können. Sie stand am Rande dieser großen Menge und fing an, sich durch die Menschenmenge hindurch zu zwängen. Sie stieß in diese Richtung und in jene Richtung vor, und der Mann, der das Evangelium schrieb, sagt uns, sie habe zu sich gesagt: «Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich gesund» (Mt. 9,21). Schließlich, nach viel Mühe stand sie hinter ihm, streckte ihre Hand aus und berührte den Saum seines Kleides. Sofort wurde sie geheilt. Doch Jesus drehte sich um und sagte: «Wer hat mich angerührt?» Die Jünger antworteten: «Du siehst doch, wie die Menge die bedrängt, und da sagst du noch: Wer hat mich angerührt?» Doch Jesus blieb dabei: «Jemand hat mich angerührt. Ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist» (Lk. 8,46). «Kraft» ist ein anderes Wort für «Leben», und Leben ist von ihm auf diese Frau übergegangen. Die Frau merkte, dass sie sich nicht verstecken konnte, und tatsächlich bedeutete dieses neue Leben so viel für sie, dass sie vortrat, vor dem Herrn auf ihr Angesicht fiel und bekannte. Jesus sagte zu ihr: «Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; gehe hin in Frieden».

Im Lebensbuch des Lammes vorzukommen bedeutet ganz einfach, dass durch den Glauben an ihn Leben von ihm auf uns übergegangen ist. Wisst ihr, der Herr Jesus merkt, wenn Leben von ihm auf jemand anderen übergegangen ist. Er weiß, wenn jemand ihn im Glauben berührt und sein göttliches Leben empfangen hat. Er sagte: «Ich bin gekommen, damit sie Leben haben» (Joh. 10,10). Und wenn wir, durch Glauben an ihn, unsere Hand zu ihm hin ausstrecken und sein Leben empfangen, wird das im Himmel verzeichnet.

Als die Jünger von einer Mission zum Herrn Jesus zurückkehrten, sagten sie: «Meister, selbst die Dämonen sind uns unterworfen». Doch er sagte: «Freut euch nicht darüber. Freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind». Das Größte ist, dass unsere Namen im Himmel aufgeschrieben sind, und das hängt davon ab, ob wir das Leben des Herrn Jesus als des Lammes Gottes empfangen haben, der sein Leben für uns hingegeben hat. Ich hoffe, dass der Name von jedermann hier im Lebensbuch des Lammes steht! Es gibt keine Ärzte, die euch von der Krankheit der Sünde heilen können, doch die Geste des Glaubens an den Herrn Jesus Christus kann das, und es sind diejenigen, die das getan haben, die im Lebensbuch des Lammes stehen.

Das ist es, was darüber entscheidet, ob wir zur Gemeinde und zu Jesus Christus gehören, und in dieser bildhaften Sprache ist es auch das, das darüber entscheidet, ob wir durch diese Tore in die Stadt hineintreten können - es geht nur darum, inwieweit wir Jesus Christus als das Lamm Gottes wertschätzen. Darum haben wir gesungen:

«Es ist die triumphierende Gemeinde, die singt:
Würdig ist das Lamm!»


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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