Die heilige Stadt - das Neue Jerusalem
von T. Austin-Sparks

Kapitel 8 - Der mannigfaltige Reichtum der Gnade Gottes in Jesus Christus

«Und die Grundsteine der Stadtmauer waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt» (Offenb. 21,19).

Die Folgenden Schriftstellen sind ein Kommentar zu diesem Vers:

«So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle Verleumdungen, und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. Da ihr zum ihm gekommen seid, zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und kostbar ist, so lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus,m als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht auch in der Schrift: «Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden» (1. Petr. 2,1-7).

«In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade...» (Eph. 1,7)

«Damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwänglichen Reichtum seiner gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus» (Eph. 2,7).

«Mir, dem allergeringsten unter allen heiligen, ist diese gnade gegeben worden... den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen» (Eph. 3,8).

«dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden am inwendigen Menschen» (Eph. 3,16).

«Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?» (Röm. 2,4).

«damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeigte, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat?» (Röm. 9,23).

«O, welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!» (Röm. 11,33).

Nun müssen wir zum ersten Abschnitt zurückkehren, in Offenbarung 21,9: «Die Grundsteine der Stadtmauer waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt».

Das, worauf Gott hinarbeitet, im Buch der Offenbarung
vorgestellt

Ich glaube ihr wisst, dass die Reihenfolge, in der wir die Bücher des Neuen Testamentes vorfinden, nicht die Ordnung ist, in der sie geschrieben wurden. Die chronologische Reihenfolge würde sich stark von der, die wir in unserer Anordnung haben, unterscheiden. Das Buch der Offenbarung war nicht das letzte Buch der Bibel, des geschrieben werden sollte, doch es liegt eine göttliche Ordnung in dieser Anordnung, und das ist ein sehr deutliches Zeichen der Herrschaft des Heiligen Geistes. Als die Bücher so zusammengestellt wurden, wie wir sie jetzt haben, wussten die Männer vielleicht nicht, was sie taten, doch der Geist Gottes, der das Niederschreiben inspirierte, bestimmte auch die Anordnung, und jedermann gibt zu, dass dieses Buch der Offenbarung am richtigen Platz ist. Es ist die Zusammenfassung und Vollendung von allem, was in der Bibel steht, und die vorherrschende Note ist die Wiederkunft des Herrn Jesus. Diese Worte stehen über jedem Abschnitt dieses Buches: «Siehe, ich komme bald», und fast die letzten Worte sind: «Der Geist und die Braut sprechen: Komm!» (22,7). Es ist die Person des Herrn Jesus, die erhaben über diesem ganzen Buch steht, in all seinen Teilstücken. Es werden ihm unterschiedliche Namen gegeben: Das Wort Gottes, der treue und echte Zeuge, König der Könige und Herr der Herren, und andere Namen, und sie alle erscheinen nur einmal, doch gibt es einen Namen, der immer wieder wiederholt wird, und dieser Name steht über jedem Teilabschnitt des Buches von Anfang bis Ende, und dieser Name ist: «Das Lamm». Jesus als das Lamm steht über dem ganzen Buch, so dass das Buch ein Bericht ist von der Macht, der Autorität und Herrlichkeit von Jesus Christus in seinem Kreuz. Es ist sein Platz der Überlegenheit in der Gemeinde und unter den Nationen kraft seiner Leiden.

Dieses Buch ist deshalb eine Präsentation dessen, was Christus durch sein Kreuz ist, d.h. durch sein Leiden und seinen Tod, und alles, was er durch sein Leiden und seinen Tod ist, wird hier, in diesem Buch, in der Gemeinde reproduziert. Gemeinde wird, wie wir gesehen haben, hier im Symbolismus der Stadt dargestellt, und diese Stadt ist die Gemeinde, die alle Gesichtspunkte dessen verkörpert, was Christus durch sein Leiden und seinen Tod ist.

Ich muss euch bloß an jene Worte im Hebräerbrief 12,22.23 erinnern:

«sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln, zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind» (Hebr. 12,22.23).

Seht ihr, die Stadt des lebendigen Gottes ist die allgemeine Versammlung der Erstgeborenen, die Gemeinde der Erstgeborenen, deren Namen im Himmel verzeichnet sind, mit andern Worten, deren Namen im Lebensbuch des Lammes stehen. Der Hebräerbrief entspricht vollkommen dem Buch der Offenbarung.

So stellt dieses Buch der Offenbarung, und besonders diese letzten Kapitel, das vor, worauf Gott in der Gemeinde jetzt hinarbeitet. Es sagt uns, was das ist, was Gott in den Gläubigen heute zu erreichen versucht, und das Ziel, auf das er hinarbeitet, nämlich eine volle Offenbarung Christi in der Gemeinde am Ende. Diese Aussage ist für uns eine sehr wichtige Aussage, denn sie bedeutet, dass, wenn Gott unser Leben in den Griff bekommen hat, wenn wir wirklich unter der Herrschaft des Heiligen Geistes sind, er durch unser ganzes Leben hindurch ein Werk in uns tut, und dieses Werk besteht am Ende darin, dass all das, was symbolisch auf das Neue Jerusalem zutrifft, in uns gefunden werden wird.

«Allerlei Edelsteine»

Nachdem wir bereits viele Aspekte dieser Stadt betrachtet haben, sind wir schließlich bei der Mauer gelandet. Wir haben gelesen, dass das Fundament der Mauer mit allerlei Edelsteinen geschmückt war, so dass die Mauer die vielfältigen Reichtümer der Gnade Gottes in Jesus Christus repräsentiert. Wir haben all diese verschiedenen Edelsteine nicht gelesen, doch wenn ihr nur euer Auge über sie gleiten lasst, werdet ihr sehen, wie kostbar sie sind, und was für eine Vielfalt an Kostbarkeit hier dargestellt wird: Der Jaspis, der Saphir, der Chalzedon, und so weiter, und ihr stellt fest, dass sie mit dem Amethyst endet.

Es gab eine kleine Methodistenkirche auf dem Lande in England, und dort fand eine Konferenz statt. Als Lektion las ein alter Farmer dieses 21. Kapitel der Offenbarung, und dann kam er zum Abschnitt über die Edelsteine. Alle sahen, wie sein Gesicht immer aufgeregter wurde. Er begann mit: «Das erste Fundament war Jaspis; das zweite Saphir; das dritte Chalzedon...», er wurde mehr und mehr begeistert. «... das vierte ein Smaragd; das fünfte..., das sechste..., das siebte.. das achte..., das neunte..., das zehnte..., das elfte..., und das ZWÖLFTE war ein METHODIST!» Nun, das ist allerdings etwas, das uns begeistern kann. Wenn wir uns mit der Beschreibung eines Amethysts identifizieren könnten, dann wäre das in der Tat etwas Herrliches!

Wir haben gesagt, alle diese Steine würden die vielseitigen Reichtümer der Gnade gottes vorstellen, die in Jesus Christus in uns hineingebracht wurden. Es ist uns völlig unmöglich, all die vielen Aspekte der Gnade Gottes zu verstehen, und das ist eben der Grund, warum wir all jene Abschnitte über den Reichtum seiner Gnade, den Reichtum seiner Herrlichkeit, den unerforschlichen Reichtum Christi gelesen haben, und auch, warum wir Petrus zitierten: «Euch jedoch, die ihr glaubt, gehört die KOSTBARKEIT». Aber vielleicht verstehen wir das etwas besser, wenn wir zwei Dinge besonders beachten.

Die Gnade Gottes für Jakob

Hier steht, es führten zwölf Tore zur Stadt, «und Namen darauf geschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels (V. 12), und dann heißt es: «und die Mauer der Stadt hatte zwölf Fundamente, und darauf geschrieben die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes» (V. 14). Nun, ihr lieben Bibelstudenten, erwartet nicht von mir, dass ich die ganze Bedeutung von all dem ausschöpfe! Doch möchte ich eine Sache bezüglich dieser beiden Verse erwähnen.

Auf den Toren standen die Namen der zwölf Stämme Israels. Paulus sagt uns über Israel, es sei «der Überrest, der gerettet werden wird» (Röm. 9,27). Auch wenn jetzt ganz Israel beiseite gesetzt worden ist, so werde doch ein Überrest gerettet. Auch Israel wird schließlich repräsentiert werden, aber warum, und wie? Ich möchte euch folgende Deutung vorschlagen: Die zwölf Stämme von Israel stammten von Jakob ab, und wenn es je einen Menschen gegeben hat, der die Position, die Jakob einnahm, nicht hätte haben sollen, dann war das Jakob. Kein Mensch mit Charakter kann Jakob gegenüber irgendwelchen Respekt empfinden. Er war ein Verführer, ein Mann, der stets auf Kosten irgend eines anderen seinen Vorteil suchte. Es spielte keine Rolle, wie viel andere zu verlieren oder zu leiden hatten, solange Jakob bekam, was er wollte. Die frühen Jahre von Jakobs Leben sind nicht angenehm zu lesen. Ihr sagt: Welch ein gemeiner und verachtenswerter Mann war doch dieser Jakob! Und ihr stimmt dem Propheten zu, wenn er sagt: «Du Wurm Jakob» (Jes. 41,14). Jakob hatte von Natur aus sehr wenig, das ihn empfahl. Warum also sollte ausgerechnet Jakob den großen Platz einnehmen, den er in der Bibel hat? Warum sollte sein Name von Jakob zu «Israel», «ein Fürst bei Gott» geändert werden? Es gibt darauf nur eine einzige Antwort: Souveräne Gnade! Gott griff sich DIESEN Mann auf und machte IHN zu einem «Gefäß der Barmherzigkeit». Wir kennen die Barmherzigkeit und die Gnade Gottes, wenn wir sehen, wie sie sich eines solchen Charakters annimmt! «O, die Tiefe sowohl des Reichtums als auch der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Urteilssprüche, und wie unaufspürbar seine Wege!»

Die Gnade Gottes für die zwölf Stämme

Doch nicht nur der Mann, auch die zwölf Stämme. Welch eine Geschichte der Tragödie, des Versagens und der Schande ist doch die Geschichte des alten Israels! Gottes Geduld wurde durch dieses Volk aufs äußerste strapaziert. Es gab eine Zeit, da er zu Moses sagte: «Geh beiseite; ich will sie vernichten und aus dir ein anderes Volk machen!» Und eines Tages rief Moses selber aus: «Ihr Rebellen! Sollen wir für euch Wasser aus diesem Felsen schlagen?» Ja, es ist eine lange und tragische Geschichte, die Geschichte der zwölf Stämme Israels, doch ihre Namen stehen auf den Toren des Neuen Jerusalems! Was immer dies auch noch bedeuten mag, so bin ich ganz sicher, dass es folgendes bedeutet: Hier habt ihr ein wunderbares, wunderbares Zeugnis für die unaussprechliche Gnade Gottes in Jesus Christus. «Für euch, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit». Ein Überrest Israels wird glauben und wird in der heiligen Stadt wiedergefunden. Ob es sich nun um Jakob selbst oder um die zwölf Stämme handelt, wir finden hier letztlich dieses Zeugnis für die souveräne Gnade Gottes.

Die Gnade Gottes für uns

Warum steht das am Ende der Bibel geschrieben? Ganz einfach, um zum Ausdruck zu bringen, dass es Gnade gibt für euch, und dass es Gnade auch für mich gibt. Die Gnade Gottes für Jakob und die zwölf Stämme ist groß genug auch für uns. Diese Gemeinde-Stadt ist ein großes Monument für die unerforschlichen Reichtümer der Gnade Gottes.

Aber es liegt stets auch ein leiser Ton der Warnung in diesen Dingen, und so warnt Paulus die Christen, sie sollten sich davor hüten, die Gnade Gottes zu verscherzen. Wir lesen jenen Vers in Römer 2,4: «Verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut?» Es muss etwas sehr Schreckliches sein, diese Gnade zu verscherzen, da sie doch so groß ist! Doch lasst uns weiter gehen.

Die Gnade Gottes für die Jünger

Auf den Fundamenten der Mauer standen die Namen der zwölf Apostel des Lammes. Nun, das bedeutet viel mehr als was ich gleich sagen werde, aber ich bin ganz sicher, dass es dieses eine bedeutet.

Ich las die Geschichte jener zwölf Männer vor Pfingsten, und es ist keine sehr glückliche Geschichte. Sie waren Männer, die ständig mit einander stritten, und sie alle hatten etwas von Jakob in sich - auch sie versuchten, auf Kosten der andern irgend einen Vorteil zu ergattern. Zwei von ihnen kamen hinter dem Rücken der andern mit ihrer Mutter daher. Offensichtlich war da eine kleine familiäre Verschwörung im Gange, und diese Mutter wahr sehr ehrgeizig in Bezug auf ihre zwei Söhne, und die Söhne beteiligten sich voll an diesem Ehrgeiz, so dass, als die anderen Jünger gerade nicht hinsahen (seht ihr, das ist Jakob!), traten sie direkt vor den Herrn Jesus, und die Mutter sagte: «Meister, ich möchte dich um etwas bitten. Wirst du mir etwas versprechen?» Doch Jesus war auf so etwas stets vorbereitet. «Sag mir einfach, was du möchtest, und ich werde dir dann sagen, ob ich es dir geben will». Und so sagte die Mutter: «Meister, wenn du in deinem Königreich kommst, würdest du dafür sorgen, dass einer meiner Söhne zu deiner Rechten, und der andere zu deiner Linken sitzen darf? Kannst du es richten, dass meine beiden Söhne die ersten zwei Plätze (neben dir natürlich!) einnehmen werden?» Nun, Jesus sagte darauf einfach: «Das steht mir nicht zu. Darüber entscheidet der Vater». Aber die Angelegenheit war damit noch nicht erledigt - die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Als die anderen davon erfuhren, wurden sie sehr zornig: «Haben die doch glatt versucht, UNSERE Plätze zu stehlen!»

Nun, ich könnte bezüglich dieser Jünger hier noch weiterfahren - und ihr wisst ja, wie diese Geschichte endete! Der erste unter ihnen verleugnete den Herrn Jesus dreimal äußerst heftig. Als jemand zu ihm sagte: «Du bist auch einer von denen», antwortete er: «Ich weiß nicht, wovon du sprichst». Und als dann später noch jemand zu ihm sagte: «Du WARST mit ihm zusammen!», entgegnete er: «Hör zu, ich kenne diesen Mann nicht, okay?» Wir können es kaum glauben, dass der Anführer der Apostel so tief fallen konnte! Gewiss würden wir da sagen, dass es für einen solchen Menschen keine Hoffnung gibt, und die andern sind nicht viel besser, denn es heißt, dass sie ihn alle verließen und flohen. Nun gut - ihre Namen stehen auf den Grundsteinen der Mauer! Der Reichtum seiner Gnade wurde schlussendlich an ihnen manifest. Petrus benötigt Gnade auf eine bestimmte Weise - ich weiß nicht, ob er dem Jaspisstein entspricht - und Johannes benötigt Gnade auf eine andere Weise - vielleicht entspricht er dem Saphir. Doch sie alle benötigten eine bestimmte Form der Gnade auf eine ganz besondere Weise.

Und das trifft auf uns alle zu. Meine Natur benötigt auf eine besondere Weise göttliche Gnade, und jedermann hier benötigt die Gnade Gottes auf eine ganz bestimmte Weise. Doch die Gnade Gottes in Jesus Christus kann jedem von uns auf unsere besondere Weise begegnen, und schließlich werden wir, sei es als Amethyst oder als «Methodist», in dieser Stadt sein.

Wir haben eben erst den Saum des unerforschlichen Reichtums der Gnade berührt, aber möchten wir doch von diesem Treffen eine größere Wertschätzung dieser wunderbaren Gnade Gottes in Jesus Christus mitnehmen.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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