Gottes geistliches Haus
von T. Austin-Sparks

Kapitel 3 - Dienst zur Befreiung und zum Leben der Erwählten

«... Da ihr zu ihm gekommen seid, zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und kostbar ist, so lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus» (1. Petrus 2,4-5).

«Aber die levitischen Priester, die Söhne Zadoks, die den Dienst meines Heiligtums bewahrt haben, als die Kinder Israels von mir abgeirrt sind, die sollen zu mir nahen, um mir zu dienen, und sie sollen vor mir stehen, um mir Fett und Blut zu opfern, spricht Gott, der Herr. Sie sollen in mein Heiligtum hinein gehen und zu meinem Tisch nahen, um mir zu dienen und meinen Dienst zu besorgen.
Es soll aber geschehen, wenn sie durch die Tore des inneren Vorhofes hinein gehen wollen, sollen sie leinene Kleider anziehen, und sie sollen keine Wolle auf sich haben, während sie innerhalb der Tore des inneren Vorhofs und im Tempelhaus dienen. Leinene Kopfbünde sollen sie auf ihrem Haupt tragen und leinene Unterkleider an ihren Lenden; sie sollen sich nicht in Kleidung gürten, die Schweiß fördert» (He- sekiel 44,15-18).

Wir haben versucht, einige der Hauptmerkmale dieses geistlichen Hauses herauszufinden, und wir sind an die Worte des Apostels erinnert worden: «Christus als Sohn über das Haus Gottes: dessen Haus wir sind» (Hebr. 3,6). Diese Merkmale, die wir bereits betrachtet haben, bestehen darin, dass dieses geistliche Haus in erster Linie zum Ziel hat, die Erhöhung des Herrn Jesus hervorzuheben; an zweiter Stelle dann, dass sie das Vehikel darstellt, durch welches die Herrlichkeit und das Wohlgefallen Gottes seinen Dienst erfährt.

Die Gegenwart eines geistliches Hauses
das Signal für satanische Widerstände

Nun wollen wir eine Zeitlang uns beim dritten dieser Hauptmerkmale aufhalten, welches darin besteht, dass im Vorsatz Gottes dieses geistliche Haus da ist, um der Befreiung und dem Leben der Erwählten zu dienen. Wir wollen nicht allzu starkes Gewicht auf das Wort «Erwählte» legen. Wir müssen uns nicht besonders damit befassen. Das Volk Gottes steht im Blickfeld; die Gemeinde, die vorausersehen ist, auserwählt nach der Vorkenntnis Gottes, des Vaters, erwählt in Christus, bevor die Welt war, und dieses geistliche Haus existiert, um der Befreiung und dem Leben dieses Volkes zu dienen. Das ist die große Berufung des Volkes Gottes, oder zumindest ein Teil dieser großen Berufung. So groß, so lebenswichtig ist sie, dass, unmittelbar nachdem die Gemeinde eingeführt wurde, die ganze Hölle von unten gegen sie aufgebracht wurde. Schon die Einführung der Gemeinde war das Signal und der Anlass zu einer mächtigen Bewegung auf Seiten des Feindes, eine Bewegung entlang vieler Linien und mit vielen Mitteln, von denen zwei klar identifiziert werden können und wir in diesen Tagen gezwungen sind, unsere Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, wenn wir die Tatsache erkennen, dass hinter allem, was zu diesem Zeitpunkt auf der Erde stattfindet, ein geistliches System der Dinge steckt. Diese doppelte Bewegung auf Seiten des Feindes von Anfang an war 1. das heimtückische Wirken im Innern, um die Gemeinde dazu zu bringen, dass sie innerlich kollabiert; und 2. sie mit bloßer Macht zu überwältigen. Ich glaube, wir brauchen nichts mehr zu sagen, um anzudeuten, welcher Natur die Dinge sind. Es ist in der Tat satanisch und eine satanische Methode.

Der erste Hinweis in der Geschichte der Kirche, dass Satan am Werke war, war jene verborgene, innere, heimtückische Bewegung des Feindes durch Ananias und Saphira, und es wurde sofort als satanisch bezeichnet. «Warum hat Satan dein Herz erfüllt...». Es war etwas, das von innen kam, ein heimtückischer Schachzug Satans, um einen inneren Kollaps herbeizuführen. Und wenn nicht das schnelle Gericht Gottes über diese Sache gekommen wäre, hätte sie sich wie Krebs ausgebreitet. Es hätte heimlich weiter gewirkt, bis die Gemeinde von dieser Sorte übergekocht wäre. Dann, nicht lange danach, wurde die andere Form satanischer Aktivität manifest, nämlich eine offene, direkte, aggressive Kraft, um zu versuchen, durch direkte Mittel dieses Instrument Gottes zu zermalmen und unter die Füße zu treten, das Gott ins Dasein gebracht hat; und all das, was pausenlos und in einem immer größeren Ausmaß durch die Zeitalter hindurch weiterverfolgt wurde, ist an sich bedeutsam hinsichtlich der Größe der Berufung der Gemeinde. Es zeigt an, dass Satan erkannte, dass entweder er selbst oder die Gemeinde das Rennen machen werde: Diese beide können nicht gemeinsam voranschreiten.

Lasst es mich nochmals sagen, dass wir nicht ohne reichliche Beweise dafür dastehen, dass die gegenwärtigen Weltereignisse nicht bloß politisch und zeitlich sind, sondern dass sie ihrer Natur und ihrem Wesen nach geistlich sind, und dass sie, wie selbst Menschen dieser Welt erkennen und auch aussprechen, ihrem Hintergrund nach satanisch sind. Wenn dies zutrifft, kommen wir zu einer einzigen Schlussfolgerung, nämlich, dass es nicht bloß die Unterdrückung gewisser Völker auf Erden ist, um die es Satan geht. Er will an etwas im Innern dieser Völker heran, das eine Bedrohung darstellt für die Weltherrschaft Satans durch seinen Antichristen. Wenn das wirklich unseren Herzen dämmern würde, wie es eigentlich sollte, und wie es in noch weit verstärkterem Maße durch die schiere Kraft der Umstände in unser Bewusstsein gehämmert werden mag, dann sollten wir erkennen, dass nicht nur unsere Existenz als Gemeinde auf dem Spiel steht, sondern dass wir vor dem großen Test stehen, vielleicht vor dem endgültigen Test, ob wir unsere himmlische Berufung erfüllen oder nicht.

Der Angriff Satans gegen Christus
in seinem Haus

Seht ihr, die ganze Anstrengung Satans richtete sich von allem Anfang an darauf, das Lebend es Volkes Gottes hier auf Erden zu zerstören, das Leben Christi in der Gemeinde ist das Ziel Satans in dieser Heilszeit, und insofern die Gemeinde in Bezug auf die Ausführung von Gottes ewigem Ratschluss berufen ist - denn die Gemeinde ist nicht nur gemäß diesem Ratschluss berufen, sondern ist auch das auserwählte Instrument zur Ausführung dieses Ratschlusses - muss gerade diese Tatsache die Manifestation der schrecklichsten Gewalt nach sich ziehen, die dieses Universum gegen Gottes Vorsatz enthält.

Die Größe des Christus Gottes

Welches ist Gottes Vorsatz? Nun, er hat zu tun mit der ersten Angelegenheit, mit der wir uns in Bezug auf dieses Haus Gottes beschäftigten, nämlich, mit der Erhöhung des Sohnes Gottes auf den Thron des Universums. Das ist Gottes umfassender, alles in sich schließender Vorsatz, und die Gemeinde ist dazu berufen worden, nicht nur diese Erhöhung (mit ihm) zu teilen, sondern um als Instrument zu dienen bei der Ausführung dieses Vorsatzes. Wenn das zutrifft, wir wiederholen, dann zieht dies die Manifestation dieser furchtbaren Macht Satans nach sich; denn die Erhöhung des Herrn Jesus an diesen überragenden Platz geschieht nicht mechanisch oder automatisch. Es ist eine geistliche Sache, und sie wird durch geistliche Kraft vollbracht. Dies ist auch der Grund, warum wir «lebendige Steine» genannt werden. Wir sind nicht bloß Ziegelsteine, die zusammengefügt werden; wir sind Teil und Bestandteil des Lebens Christi und des Vorsatzes Gottes im Blick auf Christus, und es ist dieses sein Leben in einer endgültigen und vollen Manifestation in der Gemeinde, welche die Herrlichkeit des Herrn Jesus zur Schau stellen wird. Es wird deshalb zu einer lebendigen, zu einer geistlichen Angelegenheit, und ist nicht einfach etwas Kaltes, Lebloses, Mechanisches. Wir befinden uns in einer sehr realen Sache. Wir werden erkennen, dass, um Gottes Ziel zu erreichen, das Instrument, durch das dieser Vorsatz bis zu seiner Vollendung ausgeführt wird, dem letzten Fragment und der letzten Unze von Satans Macht entgegentreten muss. Es zieht die Herausforderung der Macht Satans in ihrer Vollständigkeit nach sich, damit Gott demonstrieren kann, wie groß sein Christus ist.

Das ist das Prinzip, das sich durch das ganze Wort Gottes hindurch zieht. Ihr könnt feststellen, wie es wieder und wieder in herausragenden Momenten auftaucht, wovon einer davon in den Worten enthalten ist, die an Pharao gerichtet wurden: «Zu diesem Zweck habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise». Pharao wurde daher sehr viel Freiheit gewährt. Hätte sich Pharao schon im allerersten Test Gott verweigert, hätte Gott eingreifen, ihn zermalmen und ihn mit einem Handstreich vernichten können, und das wäre das Ende von Pharao gewesen. Aber Gott schleppte ihn weiter, er forderte ihn heraus, einmal, zweimal, dreimal, ja bis hin zu zehnmal, bis zur Erschöpfung von Pharaos Ressourcen; er forderte ihn und alles, was ihn dazu antrieb, heraus, um zu zeigen, wie viel Kraft auch immer gegen Gott vorhanden war, Gott doch am Ende aufteten und zeigen konnte, wie viel größer er war als der Größte, der sich ihm entgegenstellte. Das war bloß ein Schatten von kommenden Dingen, ein Typus. Aber ihr seht, wir haben es nicht bloß mit Pharaos oder Diktatoren zu tun. Wir müssen es mit der ganzen Macht Satans selbst aufnehmen. Ich sage, die Gemeinde muss sich dieser Tatsache stellen, und die Gemeinde, als das Instrument zur Erreichung des Zieles Gottes und der Erfüllung oder Ausführung von Gottes Vorsatz, muss sich deshalb als absolut überlegen über Satan erweisen. Wo der Herr sein Leben in sein Volk hinein bekommt, dann wird diesem Volk mit Sicherheit dieses eine zustoßen, dass es das Mittel ist, das den Tod gegen sich herausfordert. Das trifft zu. Es ist bemerkenswert, nicht wahr? Ihr fragt euch, warum es so ist, dass, je enger ihr mit dem Herrn wandelt, und je mehr ihr euch auf den vollen Gedanken Gottes konzentriert, ihr um so mehr Tod auf euch zieht. Eines, mit dem ihr stets in Konflikt stehen werdet, ist diese todbringende Aktivität Satans. Das ist ein Teil unserer Berufung. Wir haben diese Vorstellung nicht gern, wir schrecken innerlich zusammen, und alles, was an uns natürlich ist, fühlt sich bei diesem Gedanken sehr schlecht; doch müssen wir all das auf eine Seite schieben und dem Herrn angesichts dieser Tatsache vertrauen. Wir müssen uns den geistlichen Tatsachen stellen. Daher nehmen wir von der Tatsache Notiz, dass, wenn es zutrifft, dass dieses geistliche Haus, diese Gemeinde, dieser Leib Christi als das Instrument existiert, durch welches Gott seinen Vorsatz hinsichtlich seines Sohnes erfüllen wird, dies dann eben nur so geschehen kann, dass die ganze Macht Satans herausgefordert und erschöpft wird, zu dem Zweck, dass in dieser Gemeinde das Leben, durch welches Jesus den Tod besiegt hat, als größer manifestiert wird als alle Macht des Todes selbst.

Ihr seht also die verschiedenen Schritte. Der erste besteht darin, dass die Gegenwart eines geistlichen Hauses hier ein Signal ist für Satan, in Aktion zu treten. Der zweite ist der, dass die ganze Anstrengung Satans gegen das Leben Christi in diesem Haus, dieser Gemeinde, diesem Leib gerichtet ist. Der dritte besteht darin, dass die eigentliche Ausführung des Vorsatzes Gottes durch die Gemeinde, das Haus, die Herausforderung der Macht Satans notwendig macht, ebenso die Erfahrung der Gemeinde von etwas äußerst Schrecklichem hinsichtlich dessen, was Satans Macht überhaupt ist, und das alles zu dem einen Zweck, nämlich, nicht um die Größe von Satans Macht, sondern die Größe des Christus Gottes herauszustellen. Das ist das Ziel.

Der Verlauf des Konflikts

Es ist ganz klar, dass Satan durch die Geschichte hindurch eine satanische Sukzession von Werkzeugen auf dieser Erde gehabt hat. «Kain war vom Bösen», sagt die Schrift, «und erschlug seinen Bruder». Durch die ganze Geschichte hindurch, wie sie uns das Alte Testament erschließt, findet ihr Satans unheilige Sukzession von Werkzeugen. Wieder und wieder stoßt ihr auf sie. Da liegen sie im Hinterhalt, um ihm zum Zweck des Todes zur Hand zu gehen. Da bietet sich Doeg, der Edomiter, an, heimtückisch ist er zur Stelle, seinen Vorteil wahrend, mit seinem Auge auf dem König Gottes. Dann ist da auch Haman, der Agagiter, der den Tod aller Juden ins Auge fasst und plant. So hat Satan seine Sukzession von Werkzeugen zum Tod des Volkes Gottes gehabt bis zum heutigen Tag. Sie sind auch heute am Werk, und wir kennen ihre Namen. Doch hat Gott auch seine Linie der Sukzession gehabt, die ganze Zeit hindurch, von Abel bis heute. Nun, sie alle, jedes einzelne von ihnen, forderten die Macht des Feindes heraus. Abel forderte die Macht des Todes heraus durch Kain. Es scheint fast, als sei er ihr unterlegen, aber das ist nicht der Fall. Auf lange Sicht wissen wir, dass es anders ist, denn er, obwohl schon lange gestorben, redet noch immer. Sein Zeugnis bleibt. So hat jedes dieser Bindeglieder in der Kette von Gottes Nachfolgern den Feind herausgefordert, seine Macht zu demonstrieren, wobei schließlich, obwohl sie in ihrem Leben hier auf Erden sie scheinbar dieser Macht erlagen, der Triumph bei dem Leben war, das in ihnen war, bei dem Herrn, dem sie dienten. Und so ist es auch jetzt.

Wir müssen bei unseren Herleitungen sehr vorsichtig sein, besonders in einer bestimmten Beziehung, nämlich, im Blick auf die Tatsache, dass der Herr dem Feind ein gutes Stück Leine überlässt, und der Feind dadurch viele Vorteile gewinnt und ein großes Maß an Erfolg vorweisen kann. Doch denkt daran, Satans Macht und Satans Erfolg ereignen sich nicht trotz, sondern wegen Gott. Wenn ihr diesen Unterschied machen könnt, dann empfangt ihr eine große Hilfe. Satans Macht existiert nicht trotz Gottes, sondern wegen Gott. Gott lässt sie zu. Sie geschieht unter der Souveränität Gottes. Gott fordert sie heraus, dehnt sie aus, und wenn der Kelch der Bosheit voll ist, dann tritt Gott auf und zeigt, wie überwältigend er ist. Das ist das Ende. Hütet euch vor euren Schlussfolgerungen, wenn ihr feststellt, dass das Böse ein großes Maß an Erfolg vorweisen kann. Versteht, was Gott tut. Er zeigt sein Macht gegen dieses Ding nicht in dessen Kindheit. Was für eine Macht Gottes wäre das? Nein, Gott erweist seine Macht, wenn eine Sache voll ausgewachsen ist.

Nun, ich sollte nicht abweichen und zu einem weiteren wichtigen Aspekt dessen weitergehen, was wir betrachten. Vielmehr möchte ich eine recht erstaunliche Tatsache aufzeigen im Blick auf die Angelegenheit der Sohnschaft. Auch wenn die Sohnschaft, was erwachsenes Menschsein bedeutet, ein göttliches Ziel ist, und mit der Sohnschaft die Manifestation der Herrlichkeit eintritt (das heißt, wenn die Dinge vollendet worden sind, wird die Herrlichkeit manifestiert - «erwarten wir die Offenbarung der Söhne Gottes»), ist die Sohnschaft auch ein Prinzip, das auf der Seite Satans wirksam ist. Der Herr Jesus sagte zu jenen jüdischen Führern, «Ihr bereist Meere und Länder, um einen einzigen Proselyten zu machen; und wenn ihr einen gewonnen habt, dann macht ihr aus ihm einen doppelten Sohn der Hölle» (Mt. 23,15). Er wählt seine Worte so: «ein erwachsener Ausdruck der Hölle! Was für eine schreckliche Sache! Aber seht ihr, alles, was auf dieser Seite unter der Souveränität Gottes abläuft, ist dies, dass die Dinge zur Reife gebracht werden, bevor das Gericht eintritt. Die Souveränität erfordert, dass die Bosheit zu ihrer vollen Größe gelangen muss, und dass sie zu ihrer vollen Größe heranreift, geschieht nicht deshalb, weil Gott ohnmächtig wäre oder unfähig, mit dieser Sache fertig zu werden. Es geschieht nicht trotz, sondern wegen Gott; und Gott wird der Summe der Macht Satans durch die Gemeinde antworten. Und so wird am Ende «ihm die Herrlichkeit sein in der Gemeinde und in Christus Jesus für alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit».


Die Berufung der Gemeinde

Nun denn, welches ist die Berufung der Gemeinde in Bezug auf all dies? Wir sind hier, wie wir von allem Anfang an gesagt haben, zum Zweck des Dienstes zur Befreiung und zum Leben der Erwählten. Der wahre Dienst entsteht in einer Zeit wie dieser. Es ist der Dienst der Fürbitte (intercession), priesterlicher Fürbitte: «ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen». Wir werden wie vielleicht nie zuvor in unsere Berufung hineingedrängt, wenn wir sehen, wie der Feind grimmig und furchtbar gegen das Leben Christi in der Gemeinde vorgeht. Wir sind hier, um in Gott für dieses Leben einzustehen, und wir müssen sehr auf der Hut sein in dieser Sache, dass wir nicht durch ein heimtückisches, verborgenes Wirken des Feindes aus unserem Dienst entfernt werden. Wir können nicht zu viel über diese geheime, innere Aktivität sagen, über diese Propaganda der geistlichen Mächte, um das Volk Gottes durch Zusammenbrüche und Kollapse von innen her aktionsunfähig zu machen, und genau in diesem Zusammenhang haben wir jene Bestätigungen und Ermahnungen hinsichtlich unseres Zugangs zu Gott. Lasst uns nicht vergessen, dass diese trostreichen Worte über den Zugang, die sogar Kühnheit zulassen, sich zu nahen, nicht nur zu unserem Trost und zu unserer Befriedigung dienen. Es ist die Berufung, die im Blickfeld steht, und ich glaube, der Beweis dafür liegt wiederum in der Aktivität des Feindes. Versucht er nicht ständig, die Leute von ihrem Gebetsdienst fernzuhalten, um Zweifel über ihre Annahme, ihren Zugang, auszustreuen, um sie unter Anklage zu bringen und das Gefühl für irgend eine geistliche Barriere zwischen ihnen und dem Herrn zu erwecken, so dass das Herz aus dem Gebet herausgerissen wird. «Was nützt letztlich das Gebet? Da ist doch dies und das und jenes mit mir nicht in Ordnung; mein gegenwärtiger Zustand hält mich vom Beten ab». Oh ja, und wenn wir dann erst aufgrund dieser Anklage handeln, dann bedeutet das auf der einen Seite eine glatte Leugnung des Wertes des Blutes, indem wir es beiseite schieben, und genau das will Satan nämlich, und auf der andern Seite spielen wir ihm in die Hände und räumen ihm Vorteile über das Volk Gottes ein. Vergesst nicht, alle Eingriffe in unser Gebetsleben sind eine strategische Bewegung auf Seiten des Feindes, um unsere Berufung zu zerstören, und um einen Vorteil über das Volk Gottes zu gewinnen. Wir sind hier für die Befreiung und das Leben des Volkes Gottes. Das ist der eigentliche Zweck für die Existenz der Gemeinde.

Nun, wollt ihr dies als etwas nehmen, das mehr ist als etwas bloß Gesagtes? Wollt ihr von innen her darauf hören? Wenn ihr wirklich ein Kind Gottes seid, wollt ihr diesmal dafür beten, dass ihr die Bedeutung der Tatsache seht und akzeptiert, dass ihr ein Teil vom Leib Christi seid, ein lebendiger Stein im geistlichen Haus, und dass schon nur eure Existenz als solche überall in Beziehung zum Leben und zur Befreiung des Volkes Gottes steht? Ihr seid nicht ein einzelnes Gotteskind, ihr seid Teil eines Hauses, und dieses Haus ist Gottes Mittel der Befreiung und des Lebens in diesem sich intensivierenden Konflikt mit der Macht des Todes und der Finsternis. Wir existieren dafür, und wenn wir nicht diesem Zweck dienen, dann leugnen wir den wahren Gegenstand unserer Existenz. Nehmt dies bitte zu Herzen, denn ihr da keine Wahlmöglichkeit. Wir können nicht wählen, ob wir einen Fürbittedienst leisten wollen oder nicht, und ob wir zu jeder Zeit für alle Heiligen beten möchten. Ihr seid nicht eingeladen, zu kommen und dass zu tun, FALLS IHR ES MÖCHTET! Das ist nicht das Haus Gottes! Wir müssen dafür sorgen, dass das Haus Gottes kein starres, lebloses Ding ist. Es ist lebendig, und die Kennzeichen seines Lebens sind die, dass es auf geistliche Weise aktiv, energisch ist. Und es wird durch den Geist der Fürbitte charakterisiert. Es geht nicht darum, dass ihr zu verschiedenen Zeiten Gebetsversammlung abhaltet, und dass die Leute dann beten oder eben nicht beten, je nach dem, wie sie sich fühlen. Das Haus wird durch die Fürbitte charakterisiert, und sie ist es, die darüber entscheidet, ob wir der eigentlichen Natur unseres Lebens als Kinder Gottes entsprechen. Würden wir wirklich auf der Höhe dessen leben, was wir in Christus sind, sooft sich eine Gelegenheit bietet, zu beten, würden wir in der Ziellinie liegen. Wenigstens wären wir uns ihrer stets bewusst, ob wir dann laut beten oder nicht, wir wären jedenfalls dabei. Es wäre spontan. Leben ist spontan: Und so ist die Fürbitte ein Teil des Lebens, welches spontan ist. Wenn der Geist des Herrn wirklich einen Weg in uns hat, werden wir ein Volk der Fürbitte sein. Wir können nicht anders, es wird immer so sein.

Doch deshalb müssen wir diese Punkte beachten, wo immer unsere Fürbitte angegriffen wird, und die Punkte, an denen Fürbitte und Gebet ganz allgemein angegriffen werden, sind zahlreich. Denkt daran, ein grundlegender Punkt ist diese Sache des Zugangs. Wir müssen uns sicher sein, dass wir Zugang zu Gott haben, und um uns dessen sicher zu sein, müssen wir den unendlichen Wert dieses kostbaren Blutes kennen, und wir dürfen uns von nichts ablenken lassen, denn das Blut erlaubt uns nicht, uns ablenken zu lassen. Dieses Blut existiert dazu, um mit allem zu verfahren, was uns ablenken könnte. Ja, wir mögen versagen, wir mögen alles verpatzen, wir mögen zusammenbrechen; es mag Dinge geben, die uns und dem Herrn Kummer bereiten, doch oh, lasst uns erkennen, dass das kostbare Blut es uns möglich macht, die kürzest mögliche Buchhaltung in diesen Dingen zu halten, so dass sofort, genau jetzt, dieses kostbare Blut angewandt werden kann, um damit zu verfahren, und wir nicht zuwarten, bis die heftige Reaktion und den Stachel unseres Fehlers überstanden haben und wir uns ein wenig besser fühlen. Lasst uns stets daran denken, dass die Ausdauer des Feindes darin, uns lahm zu legen, etwas mehr im Blick hat als bloß uns lahmzulegen. Er will unsere geistliche Berufung im Gebet zerstören, um sich damit eine Gelegenheit zu verschaffen, die Heiligen anzugreifen und zu unterdrücken. Wir sind verantwortlich für das Leben und die Befreiung des Volkes Gottes. Dazu sind wir hier.


Die Gemeinde und die Macht des Thrones

Wenn wir erkannt haben, dass es sich so verhält, ist es notwendig, dass wir stets im Gedächtnis behalten, dass Gottes Thron, wenn es um uns als Sünder geht, ein Thron der Gnade ist, aber auch ein Thron des Gerichts für den Feind. Wir müssen nicht nur mit Kühnheit zum Thron der Gnade für uns selbst und für das Volk Gottes, das der Gnade bedarf, kommen, sondern mit derselben Kühnheit sollten wir zum gleichen Thron kommen, der die Vernichtung Satans in die Wege leitet. Denkt stets daran, es gibt zwei Seiten dieses Thrones. Da ist die Seite der Gnade, und auch die Seite des Gerichts; die Seite der Gnade für uns wegen des kostbaren Blutes, und die Seite des Gerichts für den Widersacher.

Dieser letztere Aspekt des Thrones ist dasjenige, was bei Esther so herausragend ins Blickfeld tritt. Er hatte zu tun mit der Zunichtemachung von Hamans Schlichen. Wir müssen erkennen, dass der Thron nicht nur als der Thron der Gnade inmitten der Gemeinde sein soll, sondern in seiner vollen Bedeutung auch der Thron der göttlichen Macht zur Zerstörung des Werkes Satans. Es handelt sich dabei um einen anderen Aspekt des Gebets, um einen sehr wichtigen Aspekt. Ihr und ich, wir sollten die Berührung mit dem Thron kennen gegen den Feind zugunsten des Volkes Gottes. Dieser Thron muss sich in der Gemeinde befinden.


Ein abschließendes Wort über
das der Gemeinde anvertraute Gut

Nun denn, wir müssen schließen, und wir tun dies, indem wir es auf diese Weise zusammenfassen. Dieses ganze anvertraute Gut des Volkes Gottes ist der Gemeinde übergeben worden. Das zu sagen ist etwas Ungeheuerliches, und etwas ebenso Ungeheuerliches, darüber nachzusinnen. Ich weiß, dass in einem sehr wahren Sinne alles in Christus in Herrlichkeit sichergestellt ist, aber es ist der göttlichen Offenbarung gemäß ebenso wahr, dass eine Ausführung geschehen muss, und diese ist der Gemeinde anvertraut worden. Wir sind Mitarbeiter Gottes. Wir sind in Christus Jesus geschaffen worden zu guten Werken, die Gott vorausbestimmt hat, dass wir in ihnen wandeln sollen. Der Herr hat dieses ungeheure Gut seinem Volke auferlegt, die Ausführung seines Vorsatzes, welcher die Befreiung und das Leben seines Volkes ist bis zu jener glorreichen Vollendung - der Darstellung der Größe Christi in seinem Volk, durch sein Volk.

Ihr seht, wenn Christus kommt, kommt er nicht nur, um in Herrlichkeit gesehen zu werden, als der verherrlichte, glorreiche Christus manifestiert zu werden; nicht nur das. Er kommt, um IN seinen Heiligen verherrlicht und in all denen, die glauben, bewundert zu werden. Die Verherrlichung ist schließlich etwas, das in der Gemeinde geschehen muss. Zu diesem Zweck wurde euch und mir die Aufgabe anvertraut, es auszuführen. Der Herr gibt uns Licht. Dann, auch wenn er nicht ohne Berührung mit uns ist, er in einem gewissen Sinne zurücksteht und sagt: Nun denn, das ist eure Angelegenheit; ich habe euch das Licht gegeben, so geht nun damit ans Werk. Wir appellieren ständig an Gott, es zu tun. Herr, komm herein und tu dies! Herr, komm herein und tu das! Doch die Haltung des Herrn ist die: Geht damit ans Werk! Ich bin hier, ich versorge euch mit dem Geist, doch habe ich euch bekannt gegeben, was eure Aufgabe ist: So widmet euch nun eurer Aufgabe! Oh, möchte doch das Volk Gottes aufstehen und erkennen, dass er ihnen die große Aufgabe der Ausführung seines Vorsatzes anvertraut hat, dem Leben seines Volkes zu dienen auf jene große Vollendung hin, wenn die wahre Größe Christi in diesem Volk dargestellt werden wird. Das ist unsere Aufgabe: und so steht es uns nicht zu, ständig an den Herrn zu appellieren, es unabhängig von uns zu tun, sondern dass es an uns ist, die Aufgabe des Gebets und der Fürbitte zu erledigen, um auf diese Weise sein Leben seinem Volk zu vermitteln, die Befreiung seines Volkes durch Gebet herbeizuführen, in Verbindung mit seinem Thron zu stehen, um vom Bösen und von der Macht des Todes befreit zu werden.

Nun, wenn die Befreiung und das Leben des Volkes durch Gottes Anordnung vor unserer Tür liegt, so ist dies keine kleine Sache. Ich glaube, dass das Wort deutlich offenbart, dass die Gemeinde zu dem Zweck existiert, diese Frage der Herrlichkeit des Herrn, des Triumphs des Herrn, der Größe des Herrn als das aufzugreifen, was letztlich im Triumph seines Volkes dargestellt werden soll. Es ist unsere Verantwortung. Der Herr möge uns Gnade geben, sie zu akzeptieren und uns selbst an sie hinzugeben, und möchten wir doch sehr stark vor ihm sein, dass wir nicht als solche erfunden werden, die zum Beten gezwungen worden sind, sondern als solche, die vom Geist der Fürbitte gekennzeichnet wurden als der eigentliche Beweis unseres Lebens.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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