Gottes geistliches Haus
von T. Austin-Sparks

Kapitel 7 - Promotion von der Schule der Sohnschaft

In unserer vorausgehenden Betrachtung beschäftigten wir uns mit der Schule der Sohnschaft zur Annahme an Sohnesstatt. Wir machen uns nun daran, diesen Punkt bis zur nächsten Stufe weiter zu verfolgen.

Wir haben ein wenig von der Natur, der Bedeutung und der Notwendigkeit für den Übergang von der geistlichen Kindheit in der Sohnschaft gesehen. Dieser Übergang ist eine echte Erfahrung, und für diejenigen, die in sie eintreten, eine sehr tiefe. Ein völlig neuer Satz von Bedingungen ist mit dieser weiteren Bewegung im Leben des Gotteskindes verbunden, welche den Wechsel von der geistlichen Kindheit zur geistlichen Sohnschaft, oder zur Schule der Sohnschaft, kennzeichnet. Ich nehme an, die meisten von uns erinnern sich an die Zeit, da sie an eine neue Schule kamen, oder als sie zum ersten Mal in gingen. Alles war eigenartig, alles war neu. Wir mussten die Dinge ganz von vorne anpacken. Es war eine vollständig neue Welt; und so ist es auch im Leben des Kindes Gottes. Es ist eine vollständig neue Welt, ein neuer Satz von Bedingungen, etwas, das uns völlig unvertraut ist, wenn der Punkt erreicht wird, wo Gott uns an die Hand nimmt, um zu erkennen, dass wir keine Kinder mehr sind, sondern in der Sohnschaft eingetreten sind, deren Ziel die Annahme an Sohnesstatt ist; die Adoption, natürlich gemäß der göttlichen Bedeutung dieses Wortes, nicht entsprechend unserem natürlichen Verständnis.

Der Zweck unserer Promotion als Söhne

Nun wollen wir uns für eine Weile mit der Betrachtung der Promotion aus der Schule der Sohnschaft beschäftigen, indem wir in das übertreten, wozu hinführte, all diese Erziehungsarbeit, die, wie der Herr selbst weiß und es uns auch wissen lässt, dass er es weiß, für den Augenblick nicht angenehm, sondern kummervoll ist. Aber dann kommt der Tag der Promotion. Die ganze Schöpfung wartet mit angehaltenem Atem und einem inneren Stöhnen auf diesen Tag der Promotion, auf den Tag der Offenbarung der Söhne Gottes, der Einsetzung zu Söhnen, von der wir in unserer vorausgehenden Betrachtung gesprochen haben, welches die eigentliche Bedeutung des Wortes «Adoption» ist; sie bedeutet also nicht den Eintritt in die Familie, sondern die Einsetzung zu Söhnen, die sich durch qualifiziert haben. Und was ist diese Promotion der Sohnschaft, wohin führt sie? Sie führt zum Thron.

«Nicht Engeln» (nicht Engeln von irgendwelchem Grad, nicht einmal vom höchsten Grad der Erzengel) «hat er die kommende Welt unterworfen, von der wir sprechen. Doch jemand hat irgendwo bezeugt und gesagt: «Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Oder der Menschensohn, dass du ihn beiseite setztest?»

Das ist die eigentliche Bedeutung dieses letzten Satzes; nicht «dass du ihn heimsuchtest», wie wir das Wort gewöhnlich verwenden, sondern «ihn beiseite setztest»; dieser Mensch ist, mit einem Wort, von Ewigkeit her für diesen Zweck in Gottes Blickfeld, um den Thron zu erben, die Herrschaft, die Dominanz über die zukünftige Welt in Verbindung mit Gottes Sohn, als Söhne, die durch diesen Sohn zur Herrlichkeit gebracht wurden.

Da ist der Erbe in Hebräer 1,2:
«...den du auch zum Erben aller Dinge bestimmt hast...»

Da sind auch die Erben in Kapitel 2:
«...indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte...»

Der Thron ist es, was am Ende dieser Schule, anlässlich der Promotion, vor Augen steht, und es ist das, worauf Offenbarung Bezug nimmt. Das beherrschende Prinzip von Offenbarung 12 ist die Sohnschaft, welche durch ein männliches zur Vollendung gebracht wird.

«Sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der über alle Nationen herrschen soll mit einem eisernen Stab» (Das ist Sohnschaft). «Und ihr Kind wurde zu Gott hinauf entrückt, und zum Thron.» Das ist die Promotion.

Das männliche Kind von Offenbarung 12

Nun werde ich mich einen Augenblick bei dem erbärmlichen Geschäft aufhalten, ein paar falsche Vorstellungen hinsichtlich dieses Kapitels loszuwerden. Die allgemein anerkannte und festgehaltene Ansicht im Blick auf dieses Kapitels ist die, dass diese Frau Israel darstellt, und dass dieses männliche Kind Christus ist. Ich will denen, die dieser Ansicht sind, keine Motive und Gründe unterstellen, aber es scheint mir doch, dass nur ein mit Vorurteilen beladener Sinn dieser Ansicht sein kann, einer, der nicht bereit ist, das, was offensichtlich der Wahrheit entspricht, zu akzeptieren.

Dieses Buch der Offenbarung beginnt mit einer Ankündigung vom Himmel, dass, was hier gezeigt werden soll, Dinge sind, «die bald geschehen werden», und diese Ankündigung wurde viele Jahre nachdem Christus zum Himmel gefahren war, gemacht. Sie betraf die Zukunft. Zudem, als Christus in den Himmel ging, wurde Satan nicht aus dem Himmel geworfen, wie dies in Offenbarung 12 der Fall ist; denn fast vierzig Jahre, nachdem Christus in den Himmel gefahren war, schrieb Paulus seinen Brief an die Epheser, und in Kapitel 6 haben wir diese Offenbarung der Natur und des Bereichs, in dem der Kampf der Gemeinde stattfindet: «Unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer und Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen». Satan war nicht entmachtet, als Christus auf den Thron gesetzt wurde. Drittens wurde der Drache nicht um seine Beute betrogen im Falle des Herrn Jesus. Der Herr Jesus wurde durch den Drachen erschlagen, und es ist Bestandteil der großen und glorreichen Wahrheit, dass es durch den Tod war, dass er den vernichtete, der die Macht des Todes hatte, nämlich, den Teufel. Satan, der Drache, mochte vielleicht glauben, er habe Christus verschlungen, aber er entdeckte schließlich, dass er selbst verschlungen worden war. Doch der Herr Jesus entschlüpfte dem großen roten Drachen nicht durch eine Entrückung: auf gar keinen Fall. Der Drache erwischte ihn so weit und erschlug ihn. Aber hierin liegt die glorreiche Souveränität Gottes, und das ist eine vollständig andere Linie der Wahrheit: Gottes Souveränität, erwirkt gerade in der Gegenwart von Satans Triumph. Aber darum geht es jetzt nicht.

Dann ist diese Frau ein Paradox, ein Widerspruch. Sie ist zur gleichen Zeit im Himmel, bekleidet mit Herrlichkeit, und auf Erden, bekleidet mit Mühsal und Geburtswehen. Sie ist bekleidet mit der Sonne im Himmel, und im nächsten Atemzug liegt sie in Geburtswehen auf Erden. Ist es nicht genau das, was wir im Epheserbrief im Blick auf die Gemeinde finden? In himmlischen Regionen, in Christus Jesus gesegnet mit jedem geistlichen Segen, und gleichzeitig zeigt uns der Brief sehr klar gerade in seinem Zentrum, dass die Gemeinde sich hier unten, und zudem noch im Konflikt befindet. Sie hat einen irdischen Wandel und steht hier unten konkreten Dingen gegenüber, während sie gleichzeitig in himmlischen Regionen ist. Ein scheinbarer Widerspruch; gleichzeitig herrlich im Himmel und doch in Trübsal auf Erden. Das ist die Gemeinde. Nun, ist das nicht genug, obwohl es hier noch viel mehr zu sagen gibt?

Ich weiß, es gibt noch eine andere Interpretation; dass dies nicht nur Israel war, sondern Christus selbst, und dass wir der Same von Christus sind. Aber das erlaubt uns bloß, wo weit zu gehen. Es führt uns nicht zur endgültigen Befriedigung. Doch das ist die Hauptposition, die bezüglich Israel und Christus eingenommen wird, und ich sage, dass ich nicht sehen kann, wie sie das Wasser halten kann im Licht der zwei oder drei Dinge, die wir eben erwähnt haben.

Seht ihr, ihr habt hier eine Entsprechung. In Offenbarung 2 habt ihr dieselben Worte, gerichtet an die Überwinder in der Gemeinde von Thyatira - «Wer überwindet... dem will ich Autorität über die Nationen geben, und er wird sie weiden mit einem eisernen Stab». Dann, im Brief an die Gemeinde in Laodizea haben wir noch diese Worte: «Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe». Wir haben hier den Thron für Überwinder und die Herrschaft über die Nationen. Dann werden diese selben Worte in Kapitel 12 hinsichtlich des männlichen Kindes wiederholt, das zum Thron entrückt wurde, um die Nationen mit einem eisernen Stab zu beherrschen. Und ich kann nicht erkennen, dass wir diese Worte von Hebräer 2 trennen können - «Du hast ihn gemacht, um (das ist der Sinn dieser Worte) um über die Werke deiner Hände zu herrschen». Natürlich besteht die Einheit zwischen Christus und den Seinen: genau darüber spricht ja der Hebräerbrief. «Christus als der Sohn über das Haus Gottes, dessen Haus wir sind...».

Nun, da wir so viel gesagt haben - und ich glaube, es genügt, ich befasse mich in diesem Kapitel nicht mit all den Daten und Punkten - nachdem wir also so viel gesagt haben, wollen wir direkt zu unserem Punkt in dieser Betrachtung kommen.

Die Promotion aus der Schule der Sohnschaft geht in Richtung Thron mit allem, was er im Blick auf die Berufung, den Dienst, den Vorsatz in Verbindung mit Gottes ewiger Absicht bedeutet, den Gott vor Augen hat, wenn Gott uns behandelt, wenn Gott uns aus dem bequemen, angenehmen Leben der geistlichen Kleinkindwelt und Kindheit herausnimmt, wo alles für uns getan wird, und uns in jene Erfahrung versetzt, wo die Dinge in uns hineingewirkt werden müssen, und wo wir, durch diese tiefe Übung unserer geistlichen Fähigkeiten und Sinne, geistlich verantwortliche Söhne Gottes werden. Das hat Gott vor Augen, wenn er mit uns verfährt wie eben mit Söhnen. Nun, begreift doch, was das alles bedeutet, was es nach sich zieht. Zwei ziemlich wichtige Dinge sind die Folge.

Geistliches Wachstum sind vom Thron
und von der Herrlichkeit Gottes abhängig

Zuerst einmal bedeutet es, dass die Vertiefung des geistlichen Lebens, wie man es nennt, oder welcher andere Begriff für dieselbe Sache man auch immer verwenden mag, ist nicht etwas, das einfach in einen volleren Segen mündet. So oft reduzieren es die Leute ganz einfach auf das Niveau des volleren Segens, und genau da werden auch wir oft versucht, in Zeiten des Feuers und der Widerwärtigkeit, dass wir auf dies alles reagieren, indem wir sagen: «Nun, wenn ich doch den Himmel bei mir habe, warum werde ich denn von all dem geplagt, und warum muss ich dann durch das alles hindurch? Hier sind genügend Leute sehr glücklich und zufrieden, sie sind gerettet, und sie wissen, dass sie gerettet sind, und hier bin ich, der ich versucht habe, mit Gott voranzugehen, und ich durchlebe die schrecklichste Zeit. Es will mir scheinen, als hätte ich das schlechteste Los gezogen, als ich einfach mit Gott vorangehen wollte!» Wenn wir die Sache so betrachten, allein vom persönlichen Standpunkt des Segens aus, dann haben wir unseren Weg aus den Augen verloren und werden wirklich in Schwierigkeiten geraten; denn, wie wir stets aufzuzeigen versuchten, wenn ihr aus dieser geistlichen Kleinkindwelt in der Sohnschaft kommt, dann promoviert ihr von dem, was persönlich ist und bloß unserem eigenen Interesse und Segen dient, in das, was dem Herrn dient und nicht euch. Von diesem Zeitpunkt an besteht das ganze Motiv nur noch darin, nicht was ich davon haben werde, sondern was Gott davon hat. Das ist der Epheserbrief. «Damit ihr wisst... welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist». Nicht, was ich jetzt davon habe; das wird folgen, und das geht ganz in Ordnung, der Herr ist treu, aber es geht um etwas anderes. Wir sind auf der Basis von Gottes ewigem Vorsatz in diese Schule gekommen, und Gottes ewiger Vorsatz beginnt und endet nicht damit, dass er uns hat wiedergeboren werden lassen. Gottes ewiger Vorsatz ist erst erfüllt, wenn er uns auf den Thron gebracht hat. So ist es also der Herr, für den Herrn, und was der Herr anstrebt, worüber wir nachdenken. Es wird auch für mich Herrlichkeit sein, aber das ist im Augenblick nicht das Motiv. Es ist dieser große Vorsatz, zu dem wir berufen sind: das ist es, was alles beherrscht, und alles besteht in Begriffen des Throns.

So bringt uns denn der Übergang von der Kleinkindwelt in der Sohnschaft, obwohl es eine sehr schmerzhafte Angelegenheit ist und befrachtet mit allen möglichen Schwierigkeiten, dennoch in Verbindung mit dem, was vor Grundlegung der Welt im Sinne Gottes war, sofern es uns betrifft. Erwählt in Christus Jesus, «damit zum Lobe seiner Herrlichkeit würden». Alle Behandlungen des Herrn an uns in dieser Schule haben den Thron vor Augen.

Die Weltherrschaft, die bedrängendste Sache
der Gegenwart

Was ich jetzt mit besonderem Nachdruck sagen möchte, ist dies, dass diese Sache - wie ich sie sehe und empfinden - und ich überlasse es euch, zu beurteilen, ob irgend etwas Wahres daran ist - äußerst genau auf das passt, was heute in der Welt geschieht. Es will mir scheinen, dass wir uns in einer Zeit befinden, da diese Frage auf eine Weise gestellt wird, wie wir sie bisher noch nie vor uns hatten, nämlich die Frage der Weltherrschaft, das Ziel des Antichrists ist so offensichtlich. Es ist die Kontrolle und Beherrschung dieser bewohnten Erde, und alles, was mit diesem frischen Zug auf dieses Ziel hin in Verbindung steht, hat diesen Zweck, Gott und seinen Christus zu beseitigen. Es ist eine üble Sache, und es ist nicht einmal ein geistlich gesinnter Prediger der Wahrheit nötig, um das zu erkennen. Denn viele der Führer unseres Staates heute haben es erkannt und gebrauchen eben diese Worte. Wie weit sie sehen, wissen wir nicht. Doch sie erkennen, dass alles, wofür das Christentum steht, auf dem Spiele steht. Sie sagen: Das ist etwas Satanisches; und sie benutzen sogar genau dieses Wort - Antichrist. Es wird von Menschen erkannt, welcher Natur diese Sache ist, und wir sind imstande, in besonderer Weise, da wir durch den Herrn erleuchtet worden sind, zu erkennen, welches Ende diese Sache nehmen wird. Es ist der weitreichendste und schrecklichste Anspruch auf den Thron dieser Welt, der je bekannt geworden ist. Das liegt dahinter, und das steht im Blickfeld. Darum sage ich, dieses Wort sei äußerst passend für eine Zeit wie diese, und ich frage mich selbst, und frage auch euch unter Gebet, zu überlegen, ob nicht etwas in der Natur einer Aufforderung an das Volk Gottes kommen muss, diese Tatsache in Bezug auf ihre Berufung anzuerkennen, nämlich, dass sie hinter das gehen müssen, was sich hinter der gegenwärtigen Situation verbirgt, und dass die Heiligen das Königreich geistlich gesehen jetzt einnehmen müssen, auf eine geistliche Weise, damit sie an den Ort des Thrones für das kommende Zeitalter gelangen können.

Vielleicht sind wir hier - obwohl wir nicht zu hoch von uns denken sollten, höher, als es sich zu denken gebührt - aber es könnte doch sein, dass unsere kleine Versammlung hier mit ihrer ganzen irdischen Unbedeutsamkeit noch immer eine Bedeutung hat, die sehr weitreichend ist, wenn wir bedenken, dass wir uns hier im Audienzsaal Gottes im Blick auf diese große Angelegenheit der Herrschaft über diese Welt befinden. In geringem Maße betrifft es uns nämlich sehr ernsthaft. Ich bitte euch, sehr ernstlich und fortgesetzt darüber zu beten, dass auf eine neue Weise eine Bewegung des Geistes Gottes innerhalb des Kreises seines eigenen Volkes anheben möchte, um dieses männliche Kind hervorzubringen, das überwindet und den Thron einnimmt. Von Offenbarung 2 und 3 ist es sehr klar, dass nicht alle zu dieser Position gelangen werden, und ebenso von all diesen Ermahnungen und Warnungen darüber, dass Israel sein Ziel in der Wüste verfehlen könnte, indem es vom Weg abfällt, als Warnung an die Gemeinde, sich vor derselben Kalamität zu hüten. «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht». Ich frage mich, ob nicht irgend einer von uns ein verhärtetes Herz hat, nicht gegen den Herrn im Allgemeinen, sondern gegen dies. Ihr verhärtet euch, indem ihr besondere Begriffe wählt. O, wie haben doch Leute versucht, das Tor zu schließen, indem sie bestimmte Schildchen daran hefteten.

Entledigt euch der Begriffe. Nennt es selektive Entrückung, wenn ihr wollt: Ich nenne sie nicht so. Nennt es Überwinder-Zeugnis, wenn ihr möchtet. Es macht einen geringen Unterschied aus, wenn ihr damit meint: Das ist (bloß) eine Interpretation, das ist eine besondere Lehre! Nun, genau das ist eine Verhärtung des Herzens. Wie aber, wenn dies tatsächlich zutreffen würde? Wir müssen diesen Dingen frontal in die Augen blicken. Besteht irgend eine Möglichkeit, dass dies wahr sein könnte? Wenn dies der Fall ist, dann ist es etwas Ungeheures; die größte Frage in der Geschichte dieser Welt hängt davon ab, nichts Geringeres als die Herrschaft, der Thron. Ich schlage vor, dass es heute eine ganze Menge gibt, was uns dazu bringen könnte, die Türe zu neuen Möglichkeiten, zu Vermutungen, zu öffnen.

Ein Anschauungsunterricht und die Notwendigkeit
für eine offenherzige Nachforschung

Ihr wisst, dass bestimmte Nationen vor unserer eigenen Haustüre unter unaussprechlichem Elend leiden, weil vor ungefähr sieben Jahren weil man sie einer geheimen Propaganda aussetzte, die sich innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes breitmachte, und die sich heimlich und auf subtile Weise in hohe Stellungen hinauf arbeitete, und niemand wollte es glauben. Man sagte ihnen, wie das enden würde, welches das Ziel war, was das Ergebnis sein würde, und sie sagten: Nein, unmöglich! Ich frage euch: Wäre vor neun Monaten ein Prophet an prominenter Stelle in dieser Welt aufgestanden und hätte die Geschichte der folgenden 9 Monate prophezeit, was hätte man mit ihm gemacht? Sieben oder acht Länder überrannt oder überrascht, und dieser letzte schreckliche Kollaps von Frankreich! Man hätte ihn in ein Irrenhaus gesperrt oder gelyncht, man hätte ihn in Sicherheitsverwahrung getan! Und doch ist es geschehen: Das Unglaubliche geschah und geschieht noch. Niemand wollte es glauben oder akzeptieren. Seht, wie sie dafür leiden, dass sie sagten: Unmöglich! Lächerlich!

Ah, ich sage euch, dies sollte für uns eine Lehre sein. Das ist ein Trick Satans. Es ist Teil seiner Strategie, subtil zu arbeiten und die Leute gleichzeitig glauben zu lassen, es gebe nichts, es sei alles in Ordnung. Im Untergrund arbeitet er auf einen internationalen Zerfall und den Fall eines Volkes hin, aber an der Oberfläche hält er nette Reden. Das ist eine satanische Methode, und wieder und wieder hat Satan seinen strategischen Vorteil durch dieselben Mittel bekommen. Und ich sage euch, dass wir zumindest dazu kommen und sagen sollten: Nun, es könnte möglich sein, dass das stimmt, und sollte auch nur die entfernteste Möglichkeit bestehen, dass dies tatsächlich so ist, dann ist es eine so große Sache, dass wir uns besser damit beschäftigen! Ich weiß, viele haben es geschafft, weiter als bis dahin zu kommen, aber ich sage nochmals, vom niedrigsten Niveau, überhaupt einen solchen Appell zu wagen, dass es ganz einfach sein könnte, dass Gottes Wort letztlich wahr ist. Es ist schlechterdings möglich, dass dies die wahre Offenbarung von Gottes Gedanken und Absicht ist, dass er ein auserwähltes Volk wählte, eine Gruppe, die man schließlich die Gemeinde nannte; dass er diese Gruppe, diesen Leib, diese gemeinschaftliche Entität in Christus vor Grundlegung der Welt erwählte mit dem Ziel, dass sie schließlich durch kommen und als sein Gefäß und Instrument zur Herrschaft über dieses Universum den Thron einnehmen sollte. Ich sage, das könnte stimmen. Alles, worum ich euch bitte, ist, die Möglichkeit, dass dies tatsächlich so sein könnte, in Betracht zu ziehen, und wenn ihr es nur zulassen würdet, würde es auch eine echte Verschnaufpause verschaffen: um schließlich zu erkennen, dass dies tatsächlich voll zutrifft, insofern es die Schrift und die Erfahrung des Volkes Gottes auf eine geistliche Weise betrifft. Gott tut etwas Bestimmtes in seinem Volk, zumindest in vielen, die mit ihm voran drängen, in solchen, von denen wir in früheren Betrachtungen gesprochen haben, die durch eine Entschlossenheit für Gott gekennzeichnet sind. In diesen fängt er an, etwas Tiefes, Seltsames und Schmerzhaftes zu tun, dessen Ende niemals, niemals in diesem irdischen Leben erreicht werden kann, in dessen wahren Wert nie jemand während seiner Zeit hier auf Erden eindringen wird. Es geschieht auf etwas hin: Es ist die Zubereitung von Söhnen zur Annahme an Sohnesstatt, um den Thron einzunehmen; und ich flehe euch an, im Blick auf euren eigenen Ort diesbezüglich zu beten, für eine Bewegung des Geistes Gottes im Umfeld seines Volkes zu beten, um dieses männliche Kind hervorzubringen. Die Gemeinde als Ganze bewegt sich stetig in diese Geburtswehen hinein.

Dann, möchtet ihr nicht auch beten, dass das Volk des Herrn in dieser Sache erleuchtet werden möchte, erleuchtet im Blick darauf, was das Ergebnis sein wird. Es geht um Christus im Gegensatz zum Antichrist, um die Gemeinde, welche der Leib Christi ist, im Gegensatz zum ganzen antichristlichen System; denn es ist ganz klar, dass der Antichrist, obwohl er ein Individuum sein mag, der sich persönlich gegen Christus stellt, auch eine Kirche ist, ein System, ein schreckliches System. Satan hat seine Kirche im Gegensatz zur Kirche Christi. Gepriesen sei Gott, wir haben diese Gewissheit: «Ich werde meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen».

Die Erklärung für die verwirrende und
schmerzhafte Vorbereitung

Nun denn, das ist die Sache, die wir vor uns haben in dieser Schule der Sohnschaft, nämlich, der Thron. Meine lieben Freunde, ich möchte das in meinem Herzen festhalten, und ich möchte, dass auch ihr es festhaltet. Seht ihr, wir sind so geneigt, unsere Aufenthalt auf dieser Erde zur großen Sache zu machen. Ich meine das, was wir zu tun imstande sind, wieviel wir in unserer Lebenszeit tun und verwirklichen und sehen können, und wenn wir feststellen, dass der Herr uns einschließt, uns eingrenzt und uns scheinbar gefangen setzt, oft unter dem Stress und dem Druck, die dies mit sich bringt, wenn das Eisen in unsere Seele dringt wie bei Joseph, fangen wir an zu glauben, wir hätten den Weg verfehlt. Das Leben geht zwar weiter, aber es ist reichlich unfruchtbar; wir tun eigentlich gar nichts. Es sind andere Leute, die das Geschäft erledigen, während (und das ist natürlich kein Argument dafür, warum wir uns nicht anstrengen sollten, etwas zu unternehmen) so oft der Herr seine größte Wirksamkeit in denen erreicht, die eben erst eingeschlossen wurden, unfähig, irgend etwas von außen her zu tun. Trifft nicht das genau auf Paulus selber zu? O ja, so ist es, und Paulus war, wie wir schon so oft aufgezeigt haben, die Verkörperung der Offenbarung, die ihm hinsichtlich der Heilszeit der Gemeinde gegeben wurde, und wenn wir ans Ende seines Lebens gelangen, haben wir einen Paulus, der eine solche Reichweite des Dienstes hatte, der imstande war, so viel zu tun, dann haben wir diesen Mann, der mit all den Werten, die in ihm sind, ins Gefängnis geworfen wurde. Doch erhalten wir die konzentrierte Essenz des Wertes all jener Gefangenschafts-Erfahrungen. Wir erhalten den Brief an die Epheser, und das schon war es wert, dass Paulus ins Gefängnis kam, und alles, was dem vergleichbar ist, wird all das wert sein, was wir in der Schule der Sohnschaft durchmachen müssen, was ein schönes Stück von dem, was hier auf Erden ist, eingeschlossen sieht, wenn nur dadurch das Himmlische um so realer und wertvoller wird als ein Ausdruck in uns und durch uns.

Doch sage ich, ich möchte, dass die in mein Herz hereinkommt, auch in eure Herzen, dass es dem Herrn nicht so sehr darum geht - bitte versteht mich nicht falsch - dem Herrn geht es nicht so sehr darum, wieviel wir jetzt in diesem Leben tun. Er ist mehr an dem Maß Christi interessiert, zu dem er uns in diesem Leben bringen kann... «bis wir alle hingelangen zum vollen Maß der Fülle Christi» (Eph. 4,13). Es wird der gemeinschaftliche Christus sein, der kommen wird, um das Reich dieser Welt in den kommenden Zeitaltern einzunehmen, und auf das hin - auf die Fülle Christi - arbeitet Gott vorrangig in unserer Erfahrung hin, und das ist es, worauf es am allermeisten ankommt. Es ist auch das Schwierigste für uns zu akzeptieren; eine überragend schwierige Sache für jedes aktive Temperament zu akzeptieren. Für einige bedeutet es ein Martyrium, nicht irgend etwas tun zu können. Es mag Gottes Weg sein, wie er eine Ausdehnung seines Sohnes in seinen Gliedern erreichen kann, unter anderem auch die Geduld Jesu Christi.

Gott hat diese große Sache vor Augen. Die Frage taucht in akuter und intensiver Form auf, je näher wir dem großen Ende kommen. Um Satan eine Antwort zu geben, um Gottes Antwort in einem gemeinschaftlichen Menschen zu bekommen, muss er euch und mich und eine Gruppe von seinem Volk zubereiten, um den Thron einnehmen zu können, um zu Gott und auf den Thron entrückt zu werden, um die Nationen mit einem eisernen Stab zu regieren. Das bezieht sich natürlich auf morgen, auf das Morgen der Zeitalter, die ich meine, aber da gibt es noch darüber hinaus, nämlich, unser Herrschen mit ihm von Ewigkeit zu Ewigkeit, eine andere Form der Herrschaft. Ich trachte mehr nach dem Tag nach morgen (after tomorrow) als nach dem Morgen (tomorrow). Mit einem eisernen Stab zu herrschen mag uns natürlicherweise sympathisch sein, aber wir möchten lieber die glorreiche Herrschaft haben, wo kein eiserner Stab mehr nötig sein wird. «Ihm aber sei die Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus in alle Geschlechter, von Ewigkeit zu Ewigkeit» (Epheser 3,20-21). Es ist eine große Sache, für die wir für ein paar Jahre in gehen und leiden müssen, wie wir eben zu leiden haben. Es ist leicht, das zu sagen, aber es ist eine schmerzvolle Angelegenheit, diese Schule. Der Herr weiß, was er mit uns tut. Es ist die Sache dieses Überwindens, und im Licht dieser Schule oder dieser Schulung lernen wir das Wort «Überwinder» schätzen. Es muss eine Menge Überwinderarbeit geleistet werden. Wir müssen über eine ganze Menge die Herrschaft gewinnen, und dies, dass wir über viele Dinge die Herrschaft erlangen, bedeutet, auch über den Teufel und sein Reich zu herrschen. Im Augenblick, in der großen Stunde, wenn die Söhne offenbar werden, wenn das männliche Kind auf den Thron entrückt wird, muss die Schöpfung befreit werden von der Knechtschaft der Verderbnis.

Seht also die Bedeutung der Zeit, in der wir leben. Seht auch die Bedeutung des Leidens, in das wir noch tiefer eindringen mögen, und wie es Gottes Antwort sein wird auf diese Wirksamkeit Satans, die angedauert hat, seit er den Anspruch auf den Platz als Erbe Gottes, als Erbe aller Dinge, erhoben hat. Seit Satan diesen Anspruch gestellt hat und in die niederen Bereiche des Himmel hinabgeworfen wurde hat das nun angedauert, und nun tritt es auf eine neue Weise zutage. So liegen die Dinge nun einmal, und ihr und ich als Teil des Leibes Christi sind berufen, Gottes Antwort darauf zu sein, und so soll es heute auf eine geistliche Weise sein. Bald wird es auf volle Weise so sein, buchstäblich, dass die Heiligen das Reich einnehmen werden, und der wird kommen, dem es auch rechtens zusteht zu herrschen. Die Herrschaft wird den Heiligen des Allerhöchsten übergeben werden.


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Übersetzt von
Manfred Haller
 

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